Dorfprozelten ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Miltenberg und eine der ältesten Siedlungen am Untermain.
Geographie Geographische Lage Die Gemeinde liegt in der Region Bayerischer Untermain. Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung befindet sich mit südlich von Wildensee, der niedrigste liegt im Main auf . Durch Dorfprozelten führt der Fränkische Marienweg.
Gemeindegliederung Dorfprozelten hat zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Dorfprozelten (Pfarrdorf) Kollenberg (Forsthaus)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Dorfprozelten. Sie hat eine Fläche von 11,324 km² und ist in 4536 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2496,38 m² haben.
Nachbargemeinden
Name Etymologie Der Name setzt sich aus dem mittelhochdeutschen Wort brat, das Braten oder Fleisch bedeutet und dem althochdeutschen selde für Haus zusammen. Bratselde bedeutet demnach etwa so viel wie Ort, an dem Reisende speisen können; etwa eine Herberge. Der Zusatz Dorf sowie die zeitweise verwendeten Wörter Alten, Unter und Nieder wurden zur Unterscheidung von Stadt- und Langenprozelten hinzugefügt.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1009 Brotselden 1248 Altinbrotselden 1311 Bratselden daz dorf 1317 Niderm Bratselden 1320 Unterprotzelten 1359 Nidernprotselden 1370 Dorf Brotselden 1379 Brotselden daz dorffe 1483 Dorffbrotselden 1594 Dorffprocelden 1694 Dorff Proceld 1881 Dorfprozelten
Geschichte Bis zur Gemeindegründung In einer chronikalen Aufzeichnung aus dem 14. Jahrhundert wird erwähnt, dass der Mainzer Erzbischof Willigis im Jahre 1009 die Weihe eines Gotteshauses in „Brotselden“ vorgenommen hat.
Der Ort im Erzstift Mainz wurde laut Reichsdeputationshauptschluss 1803 ein Teil des neugebildeten Fürstentums Aschaffenburg des Fürstprimas von Dalberg, mit welchem (nun ein Departement des Großherzogtums Frankfurt) es 1814 schließlich an Bayern fiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Verwaltungsgeschichte Im Jahre 1862 wurde das Bezirksamt Marktheidenfeld gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Dorfprozelten lag. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Dorfprozelten war nun eine der 47 Gemeinden im Landkreis Marktheidenfeld. Mit der Auflösung des Landkreises Marktheidenfeld kam Dorfprozelten am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg.
1978 schloss sich die Gemeinde der neu gegründeten Verwaltungsgemeinschaft Stadtprozelten an. Zum 1. Januar 1994 wurde Dorfprozelten wieder aus dieser entlassen.
20. und 21. Jahrhundert Der Ort beherbergte bis in die 1970er Jahre eine große Sandsteinindustrie. Dorfprozeltener Steinhauer waren unter anderem am Bau des Winterpalais in Sankt Petersburg, des Mainzer Doms, des Reichstags in Berlin und vieler anderer bedeutender Bauwerke beteiligt. Der Abbau des Sandsteins förderte auch die Schifffahrt, welche Dorfprozelten für einige Zeit zum größten Binnenschifferdorf Deutschlands werden ließ. Heute beherbergt Dorfprozelten verschiedene Industriezweige. Unter anderem siedelte sich ein großer Automobilzulieferer (Magna Mirrors) an, der allerdings im März 2023 die Schließung dieses Werkes angekündigt hat"Drohende Schließung: Magna-Arbeitnehmerrat in Dorfprozelten", br.de, 12. Juni 2023. An den Hängen des Mains wird mit dem „Dorfprozeltener Predigtstuhl“ auch ein hervorragender Frankenwein angebaut.
Einwohnerentwicklung 1961: 1639 Einwohner 1970: 1627 Einwohner 1987: 1741 Einwohner 1991: 1794 Einwohner 1995: 1870 Einwohner 2000: 1972 Einwohner 2005: 1933 Einwohner 2010: 1797 Einwohner 2015: 1761 Einwohner 2016: 1770 Einwohner 2017: 1790 Einwohnerhttps://www.statistikdaten.bayern.de/genesis/online/data?operation=ergebnistabelleUmfang&levelindex=2&levelid=1542698403961&downloadname=12411-001
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stagnierte die Einwohnerzahl bei ca. 1760 Einwohnern. 1999 hatte die Gemeinde 1972 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik Bei der Wahl am 15. März 2020 ergab sich folgende Mandatsverteilung im Gemeinderat:Ergebnis Gemeinderatswahl 2020 abgerufen am 13. Juni 2020 Freie Wähler Dorfprozelten: 5 Sitze (43,22 %) CSU: 5 Sitze (37,10 %) SPD: 2 Sitze (19,67 %) Die Wahlbeteiligung betrug 75,57 %.
Erste Bürgermeisterin ist Lisa Steger (CSU); diese wurde am 15. März 2020 mit 52,49 % der gültigen Stimmen gewählt. Ihr Vorgänger war von Mai 2008 bis April 2020 Dietmar Wolz (Freie Wähler).
Wappen
Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft 2017 gab es in der Gemeinde 945 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 788 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Einpendler um 157 Personen größer als die der Auspendler. 18 Einwohner waren arbeitslos. 2016 gab es vier landwirtschaftliche Betriebe.
Größter Arbeitgeber ist der Magna-Konzern.
Weinanbau Die Lage Dorfprozeltener Predigtstuhl umfasst zwölf Hektar Anbaufläche, wobei elf Hektar dem Staatlichen Hofkeller Würzburg gehören und ein Hektar von dem Weinbau Prechtl im Nebenerwerb bewirtschaftet wird. Zwei Drittel der Fläche sind mit Rotweinen bestockt: Frühburgunder, Domina, Spätburgunder und St. Laurent. Der Rest gehört den Weißweinen mit Bacchus, Sauvignon blanc, Müller-Thurgau und Scheurebe.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2018): Eine Kindertageseinrichtung mit 87 Plätzen und 58 Kindern Eine Grundschule mit fünf Klassen und 93 Schülern
Persönlichkeiten Kurt Tauber (* 1951), Journalist, Fotograf, Autor, Galerist und Museumsleiter
Literatur Georg Veh, Walter Arnold, Josef Weiß, Werner Zöller, Elsa Lang: Dorfprozelten am Main – Ein Dorf im Wandel seiner 1000jährigen Geschichte – Teil 1. 1995. Georg Veh: Dorfprozelten am Main – Ein Dorf im Wandel seiner 1000jährigen Geschichte – Teil 2. 2002. Georg Veh: Dorfprozelten – Schüler, Schulmeister, Schulhäuser 1600–1998. 1998. Georg Veh: Der „Kindsmord“ von Dorfprozelten. 1994.
Siehe auch Roter Mainsandstein aus Dorfprozelten
Weblinks
Gemeinde Dorfprozelten
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Miltenberg Kategorie:Weinort in Franken Kategorie:Ort am Main Kategorie:Gemeindegründung 1818
Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Miltenberg