Eschau ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg.
Geografie Geografische Lage Eschau liegt im südwestlichen Spessart an der Elsava in der Region Bayerischer Untermain. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich mit westlich von Wildensee, der niedrigste liegt an der Elsava westlich von Eschau auf .
Gemeindegliederung Die Gemeinde Eschau hat zehn Gemeindeteile (in Klammern der Siedlungstyp):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Eschau, Hobbach, Oberaulenbach, Sommerau und Wildensee. Die Gemarkung Eschau hat eine Fläche von 18,954 km². Sie ist in 6106 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3104,20 m² haben. In ihr liegen die Gemeindeteile Eschau, Unteraulenbach, Wildenstein und Wildenthal. Im Jahr 2015 lebten in der Gemarkung rund 1870 Einwohner.
Nachbargemeinden
Name Etymologie Der ursprüngliche Ortsname besteht aus dem mittelhochdeutschen Wort ask, das Esche bedeutet. Es wurde durch ein Kollektivsuffix – ahi abgeleitet, so dass sich als Erklärung Eschengehölz ergibt. Später wurde es mit dem frühneuhochdeutschen Grundwort au (Wiese) versehen. Die gleiche Namenswurzel steckt auch im Fluss Aschaff und den nach ihr benannten Orten. Eschau wird in der örtlichen Mundart wie Äschich oder Äschisch ausgesprochen.
Frühere Schreibweisen 1248: „Escehe“ 1261: „Esche“ 1379: „Eschaw“ 1403: „Escha“ (auch „Ascha“) 1510: „Eschawe“ 1594: „Eschich“ 1762: „Eschau“
Geschichte mini|Eschau („Eschich“), Sommerau („Sumerau“), Hobbach („Hohenbach“) und Wildenstein in der Karte des Spessarts von Paul Pfinzing von 1594 (Norden ist rechts) Bis zur Gemeindegründung Bodenfunde bezeugen eine bereits jungsteinzeitliche Besiedelung der Region. Die Burgruine Wildenstein und die Wasserschlösser Sommerau und Oberaulenbach künden von einer geschichtsträchtigen Vergangenheit. Ähnlich wie der rieneckische Hauptort Lohr am Main entstand Eschau als geplante Erweiterung einer bestehenden Siedlung. Gemeinsam mit der Burg Wildenstein und dem von den Rieneckern 1232 gegründeten Kloster Himmelthal bildete Eschau die Machtbasis mit dem größten geschlossenen Territorium der Grafen von Rieneck im Südwest-Spessart. Den Rieneckern gelang es aber nicht, bei den Auseinandersetzungen mit dem Erzstift Mainz zwischen 1260 und 1271 ihr Gebiet zu erweitern. Burg Wildenstein und Eschau blieben eine Enklave in mainzischem Gebiet. Im Januar 1271 mussten sich die Grafen dem Mainzer Erzbischof (Kurmainz) bei einer Zusammenkunft in Aschaffenburg bedingungslos unterwerfen. Die Marktrechte erhielt Eschau unter dem römisch-deutschen König Rudolf von Habsburg mit einer Urkunde vom 7. Juni 1285 verliehen. Das Amt Wildenstein war in der letzten Verleihungsurkunde an die Rienecker 1545 folgendermaßen beschrieben worden: „die Veste Wildenstein, Dorf Wildenstein, Heydebach diesseits des Mains (Kleinheubach) und Esche (Eschau) mit Zehnten, Kirchensätzen etc.; die Dörfer Willensee (Wildensee), Hofstädten (Hofstetten); die Weiler Heckbach (abgegangen) und Ulnbach (Unteraulenbach) und die Zent zur Eiche halb“. 1559 starb Graf Philipp III. von Rieneck als letztes männliches Mitglied seiner Familie. Der Schwager von Philipp III. von Rieneck, Graf Georg I. von Erbach wurde nun mit dem Amt Wildenstein belehnt. Bis zur Mediatisierung 1806 waren die Grafen von Erbach die Herren über Eschau.
Das Kloster Himmelthal, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, heute zum Markt Elsenfeld gehörig, wurde 1232 durch Graf Ludwig II. von Rieneck und seine Frau Adelheid von Henneberg gegründet. Im Jahre 1568 hob das Erzbistum Mainz das ausgestorbene Kloster auf und machte es zum erzstiftischen Kameralhof. Dieser wurde 1595 den Jesuiten überlassen und 1626 geschenkt. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 fiel das Gut an das Erzstift Mainz zurück.
19. bis 21. Jahrhundert Bis 1806 war Eschau Sitz des gleichnamigen Amtes der Herrschaft Wildenstein der Grafen von Erbach.
In jenem Jahr kam Eschau infolge der Mediatisierung an das Fürstentum Aschaffenburg des Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg und mit diesem 1810 zum Großherzogtum Frankfurt.
Von da an lag Eschau in dessen Departement Aschaffenburg und war Sitz der Districtsmairie Eschau, zu der jeweils als Mairien die nach der Mediatisierung den Grafen von Erbach als standesherrliche Besitzungen gebliebenen Orte Eschau, Hofstetten und Wildensee sowie die freiherrlich von Fechenbach’sche Besitzung Sommerau gehörten. 1812 bestand die Mairie Eschau aus Eschau, Unteraulenbach und Wildensee und hatte bei 117 Feuerstellen 776 Einwohner. Maire und Zivilstandsbeamter war Johannes Haas. Ihm unterstanden drei Adjuncte: zu Eschau Philipp Amend Junior, zu Unteraulenbach Johann Ort und zu Wildenstein Johann Wörth. Schullehrer war damals J. J. Willenbücher.
Im Herbst 1813 fiel Eschau zunächst an Österreich und Infolge der Verträge von Paris im Sommer 1814 an das Königreich Bayern.
Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden mit dem Gemeindeedikt von 1818 die selbständigen Gemeinden Eschau, Hobbach, Sommerau und Wildensee. In Eschau bestand ein Gräfl. von Erbach’sches Herrschaftsgericht bis 1824 und wieder von 1841 bis 1848. Die letzten Reste der Adelsgerichtsbarkeit wurden 1848 aufgehoben.
Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Obernburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Eschau lag. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Eschau war nun eine der 35 Gemeinden im Landkreis Obernburg am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Obernburg kam Eschau am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg. Mit der Inbetriebnahme der Bahnstrecke Obernburg-Elsenfeld–Heimbuchenthal im Januar 1910 wurde Eschau mit dem Bahnhof Eschau-Mönchberg und dem Haltepunkt Eschau-Sommerau verkehrstechnisch an das Maintal angeschlossen.
Im Ersten Weltkrieg fielen 23 Eschauer Bürger auf den Schlachtfeldern Europas.
Im Dritten Reich wurden vier jüdische Bürger, Gustav und Flora Wolf aus Sommerau und Jendele Marx aus Eschau deportiert und verloren ihr Leben in Ostpolen bzw. im KZ Theresienstadt. Lina Mosbacher aus Eschau war 1934 in ein jüdisches Altersheim nach Frankfurt am Main verzogen; sie wurde von dort nach Theresienstadt deportiert und in Treblinka ermordet. Seit 28. Mai 2015 erinnert eine Gedenktafel am historischen Rathaus an die Opfer der NS-Diktatur. Weitere jüdische Bürger waren an andere Orte verzogen und konnten zum Teil ihr Leben durch Auswanderung retten.
Auch der Sommerauer Schneidermeister Adam Englert (geboren am 16. Dezember 1876), seine Frau Marcelle, geborene Tauty, war Französin, wurde verhaftet. Er kam wegen Spionageverdacht in das KZ Dachau und wenige Tage später in das KZ Mauthausen (Österreich), Häftlingsnummer 725; dort wurde er am 8. September 1941 ermordet. Eine Gedenktafel des Turn- und Sportvereins Sommerau auf dem Friedhof in Sommerau neben dem Kriegerdenkmal erinnert seit 1. November 2016 an Adam Englert, der 1919 Gründungsmitglied, später zwei Jahre Vorsitzender und dann Ehrenmitglied des Turnvereins Sommerau war.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Wildensee, die am 1. April 1977 um Gebietsteile der Gemeinde Altenbuch, mit damals etwa 25 Einwohnern, vergrößert worden war, in den Markt Eschau eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen die vormals selbständigen Gemeinden Hobbach und Sommerau (mit dem Schloss Oberaulenbach) hinzu. Nach den Eingemeindungen 1978 betrug die Gesamtgebietsfläche des Marktes Eschau 25 km² (Eschau 7, Hobbach 5, Sommerau 11, Wildensee 2 km²).Karl Appel: Eschauer Heimatbuch 1985 – 700 Jahre Markt Eschau. S. 247
Einwohnerentwicklung 1961: 3099 Einwohner 1970: 3395 Einwohner 1987: 3891 Einwohner 1991: 4146 Einwohner 1995: 4238 Einwohner 2000: 4145 Einwohner 2004: 4101 Einwohner 2005: 4087 Einwohner 2006: 4053 Einwohner 2007: 4028 Einwohner 2008: 4001 Einwohner 2009: 3988 Einwohner 2010: 3881 Einwohner 2011: 3803 Einwohner 2012: 3783 Einwohner 2013: 3760 Einwohner 2014: 3716 Einwohner 2015: 3778 Einwohner 2016: 3762 Einwohner 2017: 3795 Einwohner
Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 3962 auf 3809 um 153 Einwohner bzw. um 3,9 %. Einen Höchststand erreichte der Markt Mitte der 1990er Jahre mit ca. 4240 Einwohnern. Quelle: BayLfStat
Einwohnerverteilung Verteilung der 4213 Einwohner des Jahres 2008 (einschließlich der Zweitwohnsitze) nach dem Alter: unter 6 Jahre: 206 Einwohner 6–14 Jahre:365 Einwohner 15–17 Jahre:138 Einwohner 18–24 Jahre:384 Einwohner 25–29 Jahre:273 Einwohner 30–49 Jahre: 1252 Einwohner 50–64 Jahre:841 Einwohner über 64 Jahre: 754 Einwohner
Religionen
Religionszugehörigkeit in Eschau 1933 (980): Protestanten 85,1 %; Katholiken 13,0 %; Juden (19) 1,9 % Religionszugehörigkeit in Sommerau 1933 (430): Katholiken 81,9 %; Protestanten 16,3 %; Juden (7) 1,6 %
Evangelisch-lutherische Konfession Der Gemeindeteil Eschau mit seinen Weilern Wildenstein und Unteraulenbach sowie der Gemeindeteil Wildensee gehören überwiegend der evangelisch-lutherischen Konfession an. Im Gemeindeteil Eschau ist der Sitz des evangelischen Pfarramtes und des Pfarrers.
Gründung der Pfarrei Eschau: Eschau löste sich, wie auch Erlenbach, um 1180 aus der kirchlichen Abhängigkeit von Wörth und Kleinwallstadt und sie bildeten eigene Pfarrbezirke. In dieser Zeit kann man eine erste Kirche vermuten. Der älteste Teil der heutigen Kirche (aus vorreformatorischer Zeit) ist der gotische Chor mit der Sakristei von 1476. Im Mai 1744 wurde das alte Langhaus der Kirche abgebrochen und durch ein neues ersetzt. Die Einweihung war am 6. Januar 1745.
Etwa um die Mitte des 16. Jahrhunderts schlossen sich die Grafen von Rieneck der Reformation an, und somit wurde auch die Bevölkerung der Grafschaft, wie damals üblich, evangelisch. Bis zu dieser Zeit gab es eine katholische Nachbarpfarrei Eschau. Unmittelbar bevor sich die Grafen der Reformation anschlossen bzw. ihre Untertanen der Reformation zuführten, gab es eine Zeit in der die Sommerauer Katholiken vom katholischen Eschauer Pfarrer Johannes Geyer betreut wurden.
Römisch-katholische Konfession Die Bewohner von Sommerau mit Oberaulenbach und Hobbach gehören zumeist der römisch-katholischen Konfession an. Im Gemeindeteil Sommerau ist der Sitz des katholischen Pfarramtes und des Pfarrers.
Wahrscheinlich im Jahr 1330 gründeten die niederadeligen Herren von Fechenbach in Sommerau eine eigene Pfarrei, zu der die Filialen Eichelsbach, Kinzbach und Hobbach gehörten. Durch die Synode von Kleinwallstadt um 1333 wurde die endgültige Trennung von der Mutterpfarrei Kleinwallstadt besiegelt. Nicht nur die Entstehungszeit der angeblich schon 1379 bestehenden ersten Kirche liegt im Dunkeln. Unklar ist auch, ob überhaupt und wo es vor der Errichtung der jetzigen alten Kirche am Friedhof in Sommerau schon eine Kirche gab. Die alte Kirche geht jedenfalls – nach verschiedenen Quellenangaben – wenigstens teilweise auf das 14. Jahrhundert zurück und könnte durchaus nicht nur „Schlosskapelle“, sondern mit jener ersten, schon 1379 bestehenden Kirche identisch gewesen sein. Das Langhaus ist im Kern gotisch (14. Jahrhundert), während der mit Kreuzrippengewölbe versehene Chor aus dem 15.–16. Jahrhundert stammt. Am Westgiebel, gut erkennbar, ist eine, vermutlich 1733 erfolgte Dachaufstockung auf die Höhe des Chores erkennbar. Um 1900 begannen unter Ernst Ankenbrand, Pfarrer von Dezember 1898 bis April 1902, und anschließend unter Nikolaus Schnall (1872–1948), Pfarrer von Juni 1902 bis Mai 1920, die Planungen, die alte Kirche zu erweitern, was jedoch später zu Gunsten eines Neubaus aufgegeben wurde.
mini|hochkant=0.7|Katholische Filialkirche St. Johann Baptist in Hobbach