mini|Peter Kern (2013)
Peter Kern (* 13. Februar 1949 in Wien; † 26. August 2015 ebendaUwe Ebbinghaus: Lässigkeit und Anarchie. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. August 2015. Abgerufen am 27. August 2015.) war ein österreichischer Schauspieler, Filmregisseur, Filmproduzent und Autor für Magazine und Zeitungen.
Leben Bereits in jungen Jahren hatte Kern als Wiener Sängerknabe seine ersten öffentlichen Auftritte. Er besuchte die Lehrerbildungsanstalt und absolvierte eine kaufmännische Lehre.
Nach Schauspielunterricht bei Polly Kügler in Wien gab er sein Debüt als Gluthammer in Der Zerrissene an der Burgenländischen Landesbühne in Eisenstadt. Von 1968 bis 1971 war er mit dem Musical Hair auf Tournee. Danach bot ihm Peter Lilienthal in seinem Fernsehfilm Jacob von Gunten die erste Filmrolle an. Für seine Rolle in Falsche Bewegung erhielt er 1975 als Teil des Darstellerensembles beim Deutschen Filmpreis das Filmband in Gold. Im Jahr 1978 wurde er für seine Rollen in Flammende Herzen und Hitler, ein Film aus Deutschland erneut mit dem Filmband in Gold als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Ebenfalls 1978 erschien die Single „Wenn die Kornblumen blühn“, ein Duett mit Barbara Valentin zum Film Flammende Herzen.
Er spielte auch Theater, 1985 führte er Regie in Eyens Frauen hinter Gittern am Münchner Boulevardtheater. Kern spielte an allen wichtigen Bühnen, u. a. Volksbühne Berlin, Freie Volksbühne Berlin, Burgtheater Wien, Hamburger Schauspielhaus, TaT Frankfurt, Schauspielhaus Frankfurt, Schauspielhaus Köln, Schauspielhaus Zürich u. v. m. 1996 und 1997 spielte er bei den Wiener Festwochen in Paulus Mankers Alma – A Show Biz ans Ende im Sanatorium Purkersdorf die Rolle des jüdischen Dichters Franz Werfel.
1978 gründete Kern seine Luxor-Filmproduktion und machte sich einen Namen als Dokumentarfilmer. 1983 inszenierte er zusammen mit Kurt Raab seinen ersten Spielfilm Die Insel der blutigen Plantage, dem weitere folgten. Für seine Regiearbeiten bekam Kern verschiedene Preise und lobende Erwähnungen. Peter Kern war Jurymitglied bei mehreren internationalen Filmfestivals.
In seinen Dokumentationen beschäftigte er sich mehrfach mit seiner Homosexualität und seinem Übergewicht. Er drehte mehrere Filme über Außenseiter der Gesellschaft, so ein Doku-Drama über die Hamburger Prostituierte Domenica. Seine politische Haltung thematisierte er 2002 in der Polit-Komödie Haider lebt. Dies brachte ihm die Feindschaft des FPÖ-Milieus ein.Schauspieler und Autorenfilmer: Peter Kern ist tot, Spiegel Online, 27. August 2015, abgerufen am 31. August 2015
In dem Dokumentarfilm Die Jungs vom Bahnhof Zoo (2011) von Rosa von Praunheim über männliche Prostitution tritt Kern offen als Freier auf.
Peter Kern starb im August 2015 im Alter von 66 Jahren in einem Wiener Krankenhaus. Im September wurde er in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nummer 188) zur letzten Ruhe gebettet.knerger.de: Das Grab von Peter Kern
Auszeichnungen mini|Grabstätte von Peter Kern 2010: Goldenes Verdienstzeichen des Landes WienRathauskorrespondenz Wien: Goldenes Verdienstzeichen an Wiens „Enfant terrible“ Peter Kern, 10. März 2010. Peter Kern nahm den Preis nicht an und übergab den Preis an eine Nachbarin in der Großfeldsiedlung, die in seinem Film King Kongs Tränen gespielt hatte. Die Ablehnung wurde von der Stadtregierung in Wien nicht publiziert und so wurde ein falscher Bericht veröffentlicht. Abgerufen am 10. März 2010. 2011: Filmpreis der Stadt Hof
Filmografie (Auswahl) mini|Kern 2012 mit der Hauptdarstellerin Traute Furthner bei der Österreich-Premiere von Glaube, Liebe, Tod mini|Kern 2009 bei der Vorpremiere von Blutsfreundschaft im Rahmen der Viennale
Literatur Christoph Huber, Olaf Möller: Peter Kern. verlag filmarchiv austria, Wien 2011, ISBN 978-3-902781-03-1. Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 488. C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 363 f. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 4: H – L. Botho Höfer – Richard Lester. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 363.
Weblinks
Thekla Jahn: Interview mit Peter Kern dradio.de, Deutschlandfunk, Corso, 1. Dezember 2011 (mit Link zum Nachhören, 2. Dezember 2011) Nachrufe: Zum Tod von Peter Kern: Zentnerschweres Gesamtkunstwerk, Süddeutsche Zeitung, 26. August 2015 Schauspieler und Autorenfilmer: Peter Kern ist tot, Spiegel Online, 27. August 2015 Bundesminister Ostermayer zum Tod von Peter Kern, 27. August 2015
Einzelnachweise
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