Die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen, offiziell FIFA Women’s World Cup oder FIFA Frauen-Weltmeisterschaft, ist ein Frauenfußballturnier für Nationalmannschaften, das seit 1991 im vierjährigen Turnus immer ein Jahr nach dem Turnier der Männer stattfindet und vom Weltfußballverband FIFA organisiert wird.

Geschichte Bevor 1991 die erste offizielle FIFA Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in der VR China ausgetragen wurde, fanden bereits einige internationale, meist inoffizielle Turniere für Frauen-Nationalmannschaften statt. Die ersten zwei Turniere hatte die Fédération Internationale et Européenne de Football Féminin (FIEFF) organisiert: Vom 7. bis 16. Juli 1970 in Italien die Coppa del Mondo mit sieben Teilnehmern (in Bari, Genua, Bologna und Salerno mit 2:0-Finalsieg von Dänemark gegen Italien; andere Teilnehmer waren Mexiko, England, Schweiz und Österreich sowie die Bundesrepublik Deutschland, für die allerdings der SC 07 Bad Neuenahr spielte) und 1971 in Mexiko die Campeonato de Fútbol Femenil mit sechs Mannschaften (Sieger Dänemark, Finalist Mexiko, Dritter Italien, Vierter Argentinien, dazu England und Frankreich). Einige der Spiele wurden im Aztekenstadion vor mehr als 100.000 Menschen ausgetragen.

Zwischen 1978 und 1987 fanden in Taiwan vier Turniere als Women’s World Invitational Tournament mit bis zu 14 Mannschaften statt, an dem neben Teams aus Asien, Ozeanien und Nordamerika auch der mehrfache deutsche Frauenmeister SSG 09 Bergisch Gladbach teilnahm und 1981 und 1984 gewann. Über die Teilnahme der deutschen Mannschaft 1981 erschien 2020 der Dokumentarfilm Das Wunder von Taipeh.

Zwischen 1982 und 1988 wurden in Italien fünf als Women’s Mundialitos bezeichnete Turniere mit vier beziehungsweise sechs Mannschaften ausgetragen. Bei diesen Turnieren nahm 1984 erstmals die BR Deutschland teil und musste sich nach zwei Siegen in der Gruppenphase erst im Finale den Italienerinnen geschlagen geben.

1988, drei Jahre vor der ersten WM, fand in der VR China, nun schon unter Obhut der FIFA, das sogenannte FIFA-Frauen-Einladungsturnier 1988 (Women’s FIFA Invitational Tournament) mit zwölf Nationalmannschaften aus allen sechs Fußballkontinenten statt, welches vom späteren Weltmeister Norwegen gewonnen wurde. Mannschaften aus dem deutschsprachigen Raum waren hier nicht am Start.

Regelwerk Qualifikation Um an der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen teilnehmen zu dürfen, müssen sich die Nationalmannschaften qualifizieren. Während bei den meisten Konföderationen die jeweilige Kontinentalmeisterschaft gleichzeitig die Qualifikation ist, führt die UEFA seit 1999 eine separate Qualifikation durch. Bei den Weltmeisterschaften 1991 und 1995 dienten noch die jeweiligen Europameisterschaften als Qualifikation. Das Gastgeberland ist automatisch für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Den einzelnen Kontinentalverbänden stehen abhängig von der Spielstärke unterschiedlich viele Startplätze zu.

Endrunde Die qualifizierten Mannschaften spielen mit dem vorher bestimmten Gastgeberland in einem ca. drei Wochen dauernden Turnier um den Titel des Weltmeisters. In der ersten Turnierphase, der Gruppenphase, sind die Mannschaften nach dem Zufallsprinzip in sechs Gruppen mit jeweils vier Mannschaften unterteilt, wobei einige Mannschaften nach gewissen Kriterien (Gastgeber, Weltmeister, FIFA-Rangliste) gesetzt und die anderen Mannschaften aus vorwiegend regional orientierten Lostöpfen (Europa, Südamerika, Afrika, Asien) gezogen werden. Damit soll verhindert werden, dass zwei Mannschaften aus einem Kontinent in der Vorrunde aufeinandertreffen. Eine Ausnahme bildet Europa, da es sich bei mehr europäischen Teilnehmern als Gruppen nicht verhindern lässt, dass zwei europäische Nationalmannschaften in der Vorrunde aufeinandertreffen.

Jede Mannschaft spielt in der Vorrunde je einmal gegen jede andere Mannschaft. Ein Sieg wird mit drei Punkten, ein Unentschieden mit einem Punkt bewertet. Die Gruppenersten und -zweiten erreichen das Viertelfinale, während die Gruppendritten und -vierten ausscheiden. Sollten zwei oder mehrere Mannschaften punktgleich sein, gibt es mehrere Kriterien, die eine Entscheidung herbeiführen. Zunächst zählt das bessere Torverhältnis. Sollte dieses ebenfalls gleich sein, zählt die Anzahl der geschossenen Tore. Ab 2015 wurde die Anzahl der Teilnehmer von 16 auf 24 erhöht. Dies hat zur Folge, dass nun wie bei den Männern zwischen 1986 und 1994 die vier besten dritten ihrer jeweiligen Gruppe ebenfalls in die nächste Runde einziehen. Es wird nun zusätzlich ein Achtelfinale ausgetragen.

Ab dem Viertelfinale bzw. ab 2015 dem Achtelfinale geht es im K.-o.-System weiter. Das bedeutet, dass nur der Sieger in die nächste Runde einzieht, während der Verlierer ausscheidet. Steht es nach den regulären 90 Minuten unentschieden, geht das Spiel in die Verlängerung. Bei den Weltmeisterschaften 1999 und 2003 wurde die Verlängerung nach der Golden-Goal-Regel gespielt, d. h. die Mannschaft, die in der Verlängerung das erste Tor erzielt, gewinnt das Spiel. Durch ein solches Golden Goal von Nia Künzer wurde die deutsche Mannschaft 2003 Weltmeister. Diese Regel wurde jedoch wieder abgeschafft, so dass seit 2007 wieder eine komplette Verlängerung gespielt wird. Sollte nach der Verlängerung immer noch kein Sieger feststehen, wird das Spiel im Elfmeterschießen entschieden.

Im Viertelfinale trafen bis 2011 die Gruppenersten auf einen Gruppenzweiten einer anderen Vorrundengruppe. Frühestens im Finale oder im Spiel um Platz 3 könnten zwei Mannschaften aus der gleichen Vorrundengruppe erneut aufeinandertreffen. Die Verlierer des Halbfinales spielen im sogenannten „kleinen Finale“ um den dritten Platz. Die Gewinner des Halbfinales spielen im Finale um den Weltmeistertitel. Der Weltmeister erhält einen Pokal und darf den Titel bis zur nächsten Weltmeisterschaft tragen.

2007 erhielten die Teilnehmer erstmals Preisgelder. 2011 wurde der Betrag erhöht, der Weltmeister erhielt ein Preisgeld von 1.000.000 $, der Vizeweltmeister 800.000 $.

Die von der FIFA 2007 erwogene Erweiterung des Teilnehmerfeldes von 16 auf 24 Mannschaften bei der Weltmeisterschaft 2011 wurde zunächst wieder verworfen. Erst seit der Weltmeisterschaft 2015 wird mit 24 Mannschaften ausgespielt, dabei findet zudem erstmals eine Achtelfinalrunde statt.

Für die WM 2019 wurde das Bewerbungsverfahren im März 2014 eröffnet. Wie die Veranstalter der beiden Turniere 2011 und 2015 soll der 2019-Ausrichter im Jahr davor nach Möglichkeit auch die U-20-Weltmeisterschaft ausrichten, die wie der FIFA-Konföderationen-Pokal bei den Männern als Generalprobe für die WM-Endrunde angesehen wird.

Das Bewerbungsverfahren für die WM 2023 startete 2019, dabei wurde beschlossen, dass das Turnier mit 32 Teams stattfinden soll.

Frühere Reglements Bei den ersten beiden Weltmeisterschaften nahmen nur 12 Nationalmannschaften am Turnier teil. Die Mannschaften wurden in drei Gruppen zu je vier Mannschaften aufgeteilt. Neben den Gruppensiegern und -zweiten erreichten die zwei besten Gruppendritten das Viertelfinale.

Zur Weltmeisterschaft 1999 wurde das Teilnehmerfeld von 12 auf 16 Mannschaften vergrößert. Zudem galt die so genannte Golden-Goal-Regel, die aber 2004 wieder abgeschafft wurde.

1991 betrug die Spielzeit 2 × 40 Minuten; ggf. um 2 × 10 Minuten verlängert, wie bei zwei Spielen im Viertelfinale. Seit 1995 gelten die bei Männern üblichen Regeln mit Spielzeiten von 2 × 45 Minuten und 2 × 15 Minuten in der Verlängerung.

1991 bestanden die Kader aus 18 Spielerinnen, von 1995 bis 2003 waren es 20, von 2007 bis 2011 waren es 21 Spielerinnen und seit 2015 sind es 23 Spielerinnen. 1991, 1999 und 2003 standen zwei Torhüterinnen im Kader, 1995 und wieder ab 2007 drei.

Erstteilnahmen Bei den neun bislang ausgetragenen Fußballweltmeisterschaftsendrunden gab es insgesamt 44 unterschiedliche Teilnehmer. Brasilien, Deutschland, Japan, Nigeria, Norwegen, Schweden und die USA haben bisher bei allen Turnieren teilgenommen. Die nachfolgende Übersicht zeigt, bei welcher Endrunde welches Land erstmals teilnahm.

Jahr Erstteilnehmer 1991 1995 1999 2003 2007 keiner 2011 2015 2019 2023 2027

Die Turniere im Überblick Auf­lage Jahr Gastgeber Finale Spiel um Platz drei Sieger Ergebnis 2. Platz 3. Platz Ergebnis 4. Platz 1. 1991Details China USA 2:1 Norwegen Schweden 4:0 Deutschland 2. 1995Details Schweden Norwegen 2:0 Deutschland USA 2:0 China 3. 1999Details USA USA 0:0 n. V.5:4 i. E. China Brasilien 0:0 n. V.5:4 i. E. Norwegen 4. 2003Details USA Deutschland 2:1n. GG. Schweden USA 3:1 Kanada 5. 2007Details China Deutschland 2:0 Brasilien USA 4:1 Norwegen 6. 2011Details Deutschland Japan 2:2 n. V.3:1 i. E. USA Schweden 2:1 Frankreich 7. 2015Details Kanada USA 5:2 Japan England 1:0 n. V. Deutschland 8. 2019Details Frankreich USA 2:0 Niederlande Schweden 2:1 England 9. 2023Details Australien / Neuseeland Spanien 1:0 England Schweden 2:0 Australien 10. 2027Details Brasilien

Ranglisten + nach Ländern Rang Land Titel Jahr(e) 2. 3. 4. 1 4 1991, 1999, 2015, 2019 1 3 2 2 2003, 2007 1 2 3 1 1995 1 2 4 1 2011 1 5 1 2023 6 1 4 7 1 1 1 8 1 1 9 1 1 10 1 11 1 1 1+ nach Konföderationen Rang Konföderation Titel 2. 3. 4. 1 20px UEFA 4 5 5 6 2 20px|CONCACAF CONCACAF 4 1 3 1 3 20px AFC 1 2 2 4 20px|CONMEBOL CONMEBOL 1 1 5 20px OFC 20px CAF

Rekordspielerinnen Mehr als ein WM-Titel Aufgeführt sind Spielerinnen, die mehr als einen Titel gewannen. Bei fett gedruckten Turnieren stand die Spielerin im Finale auf dem Platz. Bei kursiv gedruckten Turnieren stand die Spielerin im Kader, kam aber nicht zum Einsatz.

Anzahl Spielerin Turniere 2 1991, 1999 1991, 1999 1991, 1999 1991, 1999 1991, 1999 1991, 1999 1991, 1999 1999, 2015 2003, 2007 2003, 2007 2003, 2007 2003, 2007 2003, 2007 2003, 2007 2003, 2007 2003, 2007 2003, 2007 2003, 2007 2003, 2007 2003, 2007 2015, 2019 2015, 2019 2015, 2019 2015, 2019 2015, 2019 2015, 2019 2015, 2019 2015, 2019 2015, 2019 2015, 2019 2015, 2019 2015, 2019 mini|hochkant|Formiga: Rekordteilnehmerin mini|hochkant|Homare Sawa (2015): Erste Spielerin, die bei sechs WM-Endrunden eingesetzt wurde. mini|hochkant|Birgit Prinz (2008): 14 Tore für Deutschland in 24 Spielen bei 5 Endrunden

Die meisten WM-Endrunden-Teilnahmen In fett markierten Jahren wurden die Spielerinnen mit ihren Teams Weltmeister. Bei gleicher Anzahl Teilnahmen richtet sich die Reihenfolge nach dem Jahr, in dem die letzte Teilnahme stattfand.Die Jahreszahlen von Turnieren ohne Spieleinsatz sind kursiv dargestellt. Rang Spielerin Teiln. Turniere 1 7 (7) 1995, 1999, 2003, 2007, 2011, 2015, 2019 2 6 (6) 1995, 1999, 2003, 2007, 2011, 2015 2003, 2007, 2011, 2015, 2019, 2023 2003, 2007, 2011, 2015, 2019, 2023 2003, 2007, 2011, 2015, 2019, 2023 6 5 (5) 1991, 1995, 1999, 2003, 2007 1995, 1999, 2003, 2007, 2011 1999, 2003, 2007, 2011, 2015 2003, 2007, 2011, 2015, 2019 2007, 2011, 2015, 2019, 2023 2007, 2011, 2015, 2019, 2023 2007, 2011, 2015, 2019, 2023 2007, 2011, 2015, 2019, 2023 2007, 2011, 2015, 2019, 2023 15 5 (4) 1991, 1995, 1999, 2003, 2007 2007, 2011, 2015, 2019, 2023 17 5 (3) 1999, 2003, 2007, 2011, 2015 18 5 (2) 1999, 2003, 2007, 2011, 2015 2007, 2011, 2015, 2019, 2023

mini|hochkant|Kristine Lilly (2010): Spielerin mit den meisten WM-Einsätzen

Die meisten WM-Endrunden-Einsätze Im jeweils fett markierten Jahr wurden die Spielerinnen mit ihren jeweiligen Teams Weltmeister.