mini|Epitaph von Domenico di Michelino für Dante Alighieri im Dom zu Florenz mini|Carl Christian Vogel von Vogelstein: Dante und zehn Episoden aus der Göttlichen Komödie (1842–1844) mini|Joseph Anton Koch: Dante-Saal im Casino Massimo in Rom (1825–1828) mini|Philipp Veit: Das Empyreum und Gestalten aus den acht Himmeln des Paradieses aus dem Freskenzyklus im Casino Massimo mini|Michelangelo: Das jüngste Gericht in der Sixtinischen Kapelle

Die Göttliche Komödie, italienisch Comedìa oder Commedia (deutsch Komödie), später auch Divina Commedia (deutsch Göttliche Komödie) genannt, ist das Hauptwerk des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265–1321). Sie entstand während der Jahre seines Exils und wurde wahrscheinlich um 1306 begonnen und erst 1321, kurz vor seinem Tod, vollendet. Das epische Gedicht besteht aus den drei Teilen Inferno (Hölle), Purgatorio (Läuterungsberg oder Fegefeuer) und Paradiso (Paradies) und ist durchgehend in Terzinen, d. h. Strophen zu je drei Versen, die jeweils durch drei Reime miteinander verbunden sind, gedichtet. Die Göttliche Komödie gilt als bedeutendste Dichtung der italienischen Literatur und als Grundlage für die moderne italienische Hochsprache. Zudem wird sie als eines der größten Werke der Weltliteratur angesehen und entfaltete eine bis heute fortlebende Nachwirkung.

mini|hochkant|LALTA/COMED/YADEL/SOMMO/POETA/DANTE (Die erhabene Komödie des höchsten Dichters Dante), Titel des Codex Altonensis; illuminierte Handschrift, Norditalien, zweite Hälfte 14. Jahrhundert, Bibliothek des Christianeums, Hamburg mini|Manuskript Ms.597, folio 1 recto, aus dem Musée Condé mit dem Kommentar von Guido da Pisa: Anfangsbuchstaben mit Dante an seinem Tisch und Randverzierungen, die das Wappen der Familie Spinola und die drei wilden Tiere darstellen. mini|Filippo Villani: Manuskript Ms. Lau. SC. 26 der Biblioteca Medicea Laurenziana mit dem Beginn der Commedia mini|Durch Johannes Numeister gedruckte Erstausgabe der Commedia, Foligno 1472 mini|Druckausgabe der Commedia von 1555, die erstmals das Adjektiv „göttlich“ im Titel aufführt mini|Inschrift auf einer Steinplakette in Florenz mit Versen aus dem Inferno mini|Inschrift am Arsenal von Venedig mit Versen aus dem Inferno

Titel Dante bezeichnete sein Gedicht als „Komödie“, wie er im Widmungsschreiben zum Paradiso (Epistola XIII) an Cangrande della Scala schreibt: „Der Titel des Buches lautet: ‚Es beginnt die Komödie des Dante Alighieri, Florentiner der Geburt, nicht der Lebensweise nach.‘“ Es handle sich um eine Komödie, weil der Stoff zu Beginn (im Inferno) erschreckend und ekelerregend, und zum Schluss (im Paradiso) beglückend, begehrenswert und anmutig sei.Quelle: Thomas Ricklin (Übersetzer), Ruedi Imbach (Vorrede): Das Schreiben an Cangrande della Scala. Felix Meiner Verlag, Hamburg 1993, ISBN 3-7873-1124-6. S. 13. Im Inferno verwendet Dante zweimal die Bezeichnung comedía.Inferno XVI 128: „e per le note di questa comedía, lettor, ti giuro“; XXI 2: „altro parlando che la mia comedía cantar non cura“. Im Paradiso nennt er sein Werk poema sacro („heiliges Gedicht“)Paradiso XXVI 1: „Se mai continga che ʼl poema sacro …“ und poema sacrato („geheiligtes Gedicht“).Paradiso XXIII 62: „e cosí, figurando il paradiso, convien saltar lo sacrato poema“

Giovanni Boccaccio verwendete in seinem Trattatello in laude di Dante erstmals das Epitheton divinaGiovanni Boccaccio: Das Büchlein zum Lob Dantes. Verlag Das Kulturelle Gedächtnis, Berlin 2021, ISBN 978-3-946990-55-0. S. 94. Diese Schreibweise übernimmt Lodovico Dolce für seine Ausgabe der Göttlichen Komödie, die 1555 bei Gabriele Giolito in Venedig erschien. Mit ihr setzte sich die Bezeichnung Divina Commedia in Italien und dank der Übersetzungen auch in allen anderen Sprachen endgültig durch.Rudolf Georg Adam (Übersetzer): Dante Alighieri. Die Göttliche Komödie. Manesse Verlag, München 2024, ISBN 978-3-7175-2554-7. S. 594.

Entstehung Dante beschließt sein Jugendwerk Vita Nova (1293), in dem er die Entwicklung seiner Liebe zu der etwa gleichaltrigen Beatrice (vermutlich aus der Bankiers-Familie Portinari) beschreibt, mit der Ankündigung, er hoffe etwas zum Preis dieser Frau zu sagen, was noch nie über eine Frau gesagt worden sei.„Nach diesem Sonett hatte ich eine wunderbare Erscheinung, in der ich Dinge sah, die mich den Entschluß fassen ließen, so lange nichts weiter mehr über diese Selige zu sagen, bis ich in würdigerer Weise von ihr berichten könnte.“ Quelle: Dante Alighieri; Thomas Vormbaum (Übersetzer): La Vita Nuova. Das Neue Leben. BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-8305-1334-6. S. 182–183. Seither muss Dante sich mit dem Plan zu einem Gedicht über die Seligkeit Beatrices im Himmel getragen haben, das alles Bisherige übertreffen sollte. Es wird Zeit gebraucht haben, bis der erste, unbestimmte Wunsch, ein solches Gedicht zu schreiben, zum konkreten Entwerfen der Göttlichen Komödie heranreifte. Er wird kaum vor 1306 begonnen haben, dieses Gedicht niederzuschreiben: Vorarbeiten, Skizzen, Exzerpte, Entwürfe, vermutlich auch Experimente mit dem strengen Reimschema, für das es keine Vorbilder gab,Die etwa eine Generation vor Dante entstandene Form des Sonetts kennt zwar auch die Terzinenform für die letzten sechs Verse. Es ist aber eine grundsätzlich andere Herausforderung, für einen knappen poetischen Gedanken einen Schluss mit jeweils drei Reimen zu finden als einem Riesenwerk von 14.233 Versen diese anspruchsvolle Reimstruktur zugrunde zu legen. können schon früher entstanden sein.Die Dante-Forschung geht von einer Entstehung der Göttlichen Komödie zwischen 1306 und 1321 aus (Giorgio Petrocchi, Robert Hollander, Anna Maria Chiavacci Leonardi, Giorgio Inglese, Enrico Malato.) Die Niederschrift des Gedichts hat Dantes späte Jahre des Exils ausgefüllt.Dante hat während dieser Zeit noch andere Werke geschrieben: Die Monarchia und einige Briefe, die als öffentliche Pamphlete gedacht waren. Einige von ihnen sollten Heinrich VII. zu effektiver Kontrolle über Norditalien verhelfen und den Widerstand in Florenz gegen diese Ambitionen untergraben. Er dürfte an den Höfen, an denen er Zuflucht fand, zu Kanzleiarbeiten und zur rhetorischen Ausschmückung von festlichen Anlässen herangezogen worden sein. Fürst Guido Novello da Polenta von Ravenna beauftragte ihn mit einer diplomatischen Mission nach Venedig, während der er erkrankte und nach seiner Rückkehr in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1321 starb. Aber wann und wie die einzelnen Teile geschrieben wurden und in Abschriften zirkulierten, ob Dante den Text konsekutiv schrieb oder in einzelnen Episoden, die er später zusammenfügte, bleibt strittig.Terzine, Werkstruktur, Entstehung. In: Rudolf Georg Adam: Dante Alighieri. Die Göttliche Komödie. Manesse, München 2024, ISBN 978-3-7175-2554-7. S. 600–603.

Vorlagen Die ganze Commedia ist von theologischen und philosophischen Gedankengängen durchzogen, wobei Dante in zahlreichen Punkten vom geltenden Dogma der Kirche abweicht und zum Teil eigene theologische Konzepte entwickelt, die er allein aus seiner dichterischen Erfindungs- und Inszenierungsfreude schuf.Zum Beispiel die Existenz einer Vorhölle für die Lauen, die Übernahme des Körpers durch einen Höllendämon, die Rolle Catos als Wächter des Purgatorio, die Erlösung von Riphäus durch Gnadenwahl, sein Schöpfungsbericht oder die Darstellung der Trinität in Form von drei konzentrischen Farbringen. Dabei schöpfte er aus einem reichen und vielfältigen Vorrat an dichterischen und philosophischen Vorlagen und Quellen, darunter die Bibel und mittelalterliche Autoren wie Boethius, Abaelard, Richard und Hugo von Sankt Viktor, Bernhard von Clairvaux, Petrus Comestor sowie die zwei Geistesgrößen des 13. Jahrhunderts, Albertus Magnus und Thomas von Aquin. Er kannte die Werke von Bonaventura, Siger von Brabant und Joachim von Fiore. Aus der römischen Literatur sind in der Commedia neben Vergil, Ovid, Lukan und Statius mit Zitaten und Episoden aus ihren Werken präsent. Aus der griechischen Welt kannte Dante Aristoteles, den er „den Meister all derer, die Wissen erlangt haben“, nannte.Inferno IV 131: ’l maestro di color che sanno. Er wusste von Platon, Sokrates, Parmenides und anderen Philosophen aus Sekundärquellen und war mit den Namen einiger griechischer Dichter vertraut. Auch die historischen Darstellungen von Livius und Orosius waren ihm bekannt. Besondere Bedeutung hatten für Dante die frühen naturwissenschaftlichen Experimente und Theorien von Roger Bacon und Robert Grosseteste. Sie finden in zahlreichen optischen Beobachtungen ihren Niederschlag, vor allem in seinen Spiegelmetaphern.Purgatorio XV 16-24, XXV 26, XXIX 69, XXXI 121; Paradiso II 97-105, XXVIII 4-9. Er kannte das Werk des zentralasiatischen Mathematikers und Astronomen Al-Farghani, genannt Alfraganus.„Der Denker“. In: Rudolf Georg Adam: Dante Alighieri. Die Göttliche Komödie. Manesse, München 2024, ISBN 978-3-7175-2554-7. S. 598–600.Francesco Mazzoni: Dante «Misuratore di mondi». In: Patrick Boyde; Vittorio Russo: Dante e la scienza. Longo editore, Ravenna 1995, ISBN 88-8063-033-4. S. 25–53.Bruno D’Amore: Probabilità, logica formale, geometria: contributi all’esegesi di alcuni passi della Commedia. In: Patrick Boyde; Vittorio Russo: Dante e la scienza. Longo editore, Ravenna 1995, ISBN 88-8063-033-4. S. 91-.

Kosmologie mini|Astrolabium. Druckgrafik aus Stradanus’ Nova Reperta, um 1589 Dante strukturiert sein Jenseits mit naturwissenschaftlicher Präzision. Sein Weg durch die Hölle und der Aufstieg auf den Läuterungsberg lassen sich ebenso präzise kartographieren wie die Bewegungen der Prozession, in der Beatrice erscheintPurgatorio XXIX-XXX.. Dantes Zeitangaben sind bis auf zwei Ausnahmen exakt und stimmig.Dante gibt exakte Zeitangaben zum Datum seiner Jenseitsreise (Inferno XXI 112-114) und zur Geburt seines Ahnen Cacciaguida (Paradiso XVI 37-39). Lediglich bei den Angaben zur Venus als Morgenstern (Purgatorio I 19-21) und zum Vollmonddatum (Inferno XX 127, Purgatorio X 14-15 und Purgatorio XVIII 76-81) macht Dante widersprüchliche Angaben.

Dante folgt dem geozentrischen Weltbild des Ptolemäus. Demnach ruht die Erde im Mittelpunkt der Welt. Um sie kreisen sieben Planeten; Mond und Sonne werden als Planeten betrachtet. Alles Licht der Welt geht von der Sonne aus. Nicht nur die Planeten, auch die Sterne spiegeln nur das Sonnenlicht.„Die Struktur von Dantes Gang durchs Jenseits, die Unterwelt, den Berg der Läuterung und das himmlische Paradie, ergibt sich aus seiner Sicht der Erde und des Kosmos, denn sie sind die Schöpfung Gottes und bilden mit Diesseits und Jenseits, irdischem Leben und Transzendenz im Denken des Dichters noch ein unzertrennliches Ganzes, das sich mit seinem philosophischen und theologischen Denken verbindet und in seinem dichterischen Werk fortgebildet und vollendet wird.“ Quelle: Bernhard Christ (Übersetzer): Dante Alighieri. Commedia. Schwabe Verlag, Basel 2021, ISBN 978-3-7965-4444-6. S. 20–21.

Das Jenseits wird von Dante nach einem ganz bestimmten architektonischen Schema beschrieben. Das gesamte Jenseits ist um eine ideale Achse angeordnet, die vom Zentrum Jerusalems ausgeht und durch den höllischen Abgrund, der sich unter der Stadt öffnet, bis zum Zentrum der Erde reicht. Von hier aus verlängert sie sich bis zur anderen Hemisphäre und wird zur Achse eines Kegelstumpfes (Purgatorio), der in der Mitte einer Ebene (Irdisches Paradies) endet, die somit diametral gegenüber von Jerusalem liegt. Die ideale Achse verlängert sich weiter und steigt von Himmel zu Himmel bis zum Zentrum der Rose der Seligen, also zum Empyreum.Quelle: Übersetzt mit DeepL.