mini|Ederquelle am Ederkopf(während der Schneeschmelze; 2005) mini|Die Eder bei Goddelsbach (Erndtebrück) mini|Die Eder vor Ederbringhausen; links, südwestlich im Hintergrund (flussaufwärts) Viermünden (2016)
Die Eder (bis Anfang des 20. Jahrhunderts und im Dialekt noch heute auch Edder genannt) ist mit 176,1 km Fließstrecke der längste und größte sowie ein westlicher und orographisch linker Zufluss der Fulda. Sie verläuft in Nordrhein-Westfalen und Hessen.
Der Fluss entspringt im Rothaargebirge am Ederkopf im Stadtgebiet von Netphen (Westfalen), fließt unter anderem durch die Edertalsperre und mündet bei Grifte auf der Gemeindegrenze von Edermünde und Guxhagen (Nordhessen) in die Fulda. Dabei verläuft er in Nordrhein-Westfalen durch den Kreis Siegen-Wittgenstein und in Hessen durch den Landkreis Waldeck-Frankenberg und den Schwalm-Eder-Kreis. Hydrologisch betrachtet ist die Eder der Quellfluss der Weser, da sie bei ihrer Mündung in die Fulda den höheren mittleren Abfluss aufweist und die Fulda im weiteren Verlauf wasserreicher als die Werra ist.
Etymologie Die Herkunft des Namens ist unsicher. Als Ausgangsform wird der Name *Adrana angesetzt. Dies könnte sich vielleicht von indogermanisch *adro- für „Wasserlauf“ herleiten. Denkbar wäre auch eine germanische Ableitung vom Wort *aðela mit der Bedeutung „Schlamm, Morast, schlammiges Wasser“.
Geographie Verlauf Quelle Die Eder entspringt im westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein im Südwesten des Rothaargebirges, im Grenzbereich von Wittgensteiner Land im Nordosten und Siegerland im Südwesten. Die im Naturraum Ederkopf-Lahnkopf-Rücken liegende Ederquelle befindet sich im Stadtgebiet von Netphen in der Gemarkung Nauholz am westlich des Erndtebrücker Ortsteils Benfe gelegenen Ederkopf (), einer südlichen Hangstelle der Obersten Henn (). Auf rund Höhe tritt ihr Wasser aus einer Hangschuttquelle des Quellmoores Ederbruch hervor. Früher war die Hauptquelle gefasst, 1991 wurde sie renaturiert. Vorbei führt der Rothaarsteig.
Die Eder durchfließt zumeist dünn besiedelte ländliche Gegenden – überwiegend in Ostnordost-Richtung:
Oberlauf Anfangs fließt die Eder nach Nordwesten. Wenig unterhalb des Ederbruchs liegt am Westfuß des Ederkopfs, am quellnahen Flussoberlauf, der geographische Mittelpunkt des Kreises Siegen-Wittgenstein; vorbei führt auch dort auf Höhe der Rothaarsteig, der den Fluss etwa 3 km weiter nördlich überquert.
Nachdem die junge Eder östliche Randgebiete von Hilchenbach-Lützel passiert hat, wo mit dem Lützelbach ihr erster nennenswerter Zufluss einmündet, durchfließt sie in ihrem Oberlauf das Wittgensteiner Land, wo sie Erndtebrück sowie die Bad Berleburger Ortsteile Berghausen und Raumland erreicht. In Erndtebrück mündet von Süden kommend die Benfe ein, in Raumland von Norden die Odeborn. Dann erreicht der Fluss, beim Wechseln von Westfalen nach Nordhessen, den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Nach der Einmündung der von Norden kommenden Elsoff verläuft die Eder durch Hatzfeld, nördlich vorbei an der im Forst Hatzfeld gelegenen Sackpfeife und in nordöstlicher Richtung nach Battenberg.
Mittellauf mini|Die Eder in der Nähe von Frankenberg Unterhalb von Battenberg, wo sie aus den südöstlichen Ausläufern des Rothaargebirges austritt, fließt die Eder in ihrem Mittellauf durch ein Tal zwischen Breiter Struth im Westen sowie Burgwald und Kellerwald im Osten. Dabei verläuft sie über Allendorf, wo von Norden kommend der Linspherbach einmündet, nach Frankenberg, wo aus Richtung Süden die Nemphe zufließt. Bei Frankenberg-Schreufa mündet von Nordwesten die Nuhne ein, bei Vöhl-Ederbringhausen aus gleicher Richtung die Orke. mini|Eder im Edersee bei Niedrigwasser des Stausees nahe Asel Danach fließt die Eder in das westliche Ende des bei höchstem Wasserstand 28,5 km langen Edersees ein. Am Stauseeanfang, an dem von Norden die Itter einmündet, macht sie einen Rechtsknick um den nördlichen Teil des Kellerwaldes und fließt in östlicher Richtung durch den Edersee, über dessen östlichem Ende sich das Schloss Waldeck erhebt. Unterhalb Frankenbergs und im Bereich des Edersees verläuft die Eder durch den Naturpark Kellerwald-Edersee und den darin liegenden Nationalpark Kellerwald-Edersee.
Unterlauf Unterhalb bzw. östlich der Staumauer der Edertalsperre durchfließt die Eder in ihrem Unterlauf in östlicher Richtung eine Flussniederung, in der sich unter anderem der Affolderner See und einige Ortsteile der Gemeinde Edertal befinden. Nach dem Durchbruch aus dem Edersee-Trog in die Wegaer Ederaue an der Rabensteinpforte bei Affoldern, dem Einmünden der von Südwesten kommenden Wilde und dem Durchfließen der Porta Hassiaca („Hessischen Pforte“), dem engen Taleinschnitt zwischen dem Eckerich (südlichster Ausläufer des Langen Waldes) im Norden und dem Büraberg (nordöstlichster Bergsporn des Hessenwaldes, und ehemaliger Standort der Büraburg) im Süden, erweitert sich das Edertal im Schwalm-Eder-Kreis zur Westhessischen Senke.
In dieser weitläufigen Flussniederung befinden sich an der Eder unter anderem die Städte und Gemeinden Fritzlar, Wabern und Felsberg. Unterhalb des Eckerichs fließt der Eder aus Richtung Norden die nordhessische Elbe zu. Ostnordöstlich von Wabern, zwischen den Felsberger Ortsteilen Altenburg und Rhünda, mündet mit der von Süden kommenden Schwalm (97 km lang) der größte bzw. längste Ederzufluss ein. Ab Felsberg, wonach die von Westen kommende Ems einmündet, wendet sich die Eder in Richtung Norden und erreicht die Gemeinde Edermünde. Bei deren Ortsteil Grifte mündet etwas nördlich der Landesstraße 3221 (Grifte–Guxhagen) von Westen als letzter Eder-Zufluss der durch das Dorf fließende Pilgerbach ein.
Mündung mini|Mündung der Eder (rechts) in die Fulda (links) bei Grifte, Blick von Norden Schließlich mündet die Eder im Süden des Naturraums Kasseler Becken knapp 1 km nordöstlich von Grifte und etwa 2,5 km (jeweils Luftlinie) nordwestlich des Ortskerns von Guxhagen auf etwa Höhe beim Fuldakilometer 45,35 in den dort von Südosten kommenden Weser-Quellfluss Fulda. Somit überwindet das Ederwasser von der Quelle bis zur Mündung rund 478 m Höhenunterschied.
Bemerkenswert ist, dass bei etwa gleicher Länge bis zum Zusammenfließen (Eder: 176,1 km; Fulda: 175,35 km), die Eder die größere durchschnittliche Wasserführung hat und dort, im Gegensatz zur Fulda, auch ihre Fließrichtung nicht ändert. Vor diesem Hintergrund ist die Eder der „eigentliche“ Hauptfluss beider Fließgewässer.
Hydrologie Das Einzugsgebiet, das heißt das oberirdisch entwässerte Gebiet, der Eder ist 3360,966 km² groß. Damit ist es etwas größer als das des nominellen Vorfluters Fulda von deren Quelle bis zur Eder-Mündung.
Allerdings ist die Eder nicht auf langer Strecke so wasserreich. Fast ein Drittel ihres Wassers kommt erst 17 km vor dem Zusammenfluss mit der Fulda aus der Schwalm.
Abfluss an der Mündung:
Das genaueste Bild vom Abfluss der Eder an ihrer Mündung ergibt sich aus der Differenz der Fulda-Pegel kurz oberhalb und kurz unterhalb der Edermündung: Pegel Grebenau (54,8 km vor der Vereinigung von Fulda und Werra) und Pegel Guntershausen (43,8 km vor jener Vereinigung). Die Differenz repräsentiert über das Einzugsgebiet der Eder hinaus nur zusätzliche 29,739 km², also insgesamt 100,088 % des Edergebietes.
Pegel Fritzlar:
Der Mittelwasserabfluss am Eder-Pegel Fritzlar wird bei dem AEO (oberirdisches Einzugsgebiet bis zur Mess-Stelle) von 1.804 km² mit MQ (mittlere Abflussmenge) = 24,1 m³/s − entsprechend einer Mittelwasserabflussspende von MQ = 13,4 l/(s • km²) − angegeben. An diesem Punkt ist die Schwalm, der größte Nebenfluss mit 38,6 % des Edergebietes, noch nicht eingeflossen. Auch das Wasser der Ems (4,3 % des Edergebietes) ist noch nicht enthalten. Der Mittelwert niedrigster Wasserstände (MNQ) beträgt 5,91 m³/s, der Mittelwert höchster Abflüsse 138 m³/s. Diese beiden Werte sind durch den Betrieb der Edertalsperre beeinflusst, die die Extreme auf beiden Seiten der Skala puffert. Am 11. März 1981 wurden 313 m³/s erreicht. Nach der Zerstörung der Edertalsperre am 17. Mai 1943 passierten Fritzlar etwa 3600 m³/s.
Abfluss der Edertalsperre:
Am Pegel Affoldern, 5,4 km unterhalb der Edertalsperre gelegen, flossen am 9. Februar 1946 rund 770 m³/s ab. Das Einzugsgebiet der Eder bis zur Staumauer der Talsperre ist 1406,05 km² groß, bis zum Pegel 1452 km².
Nebenflüsse Von den gut 30 m³ Wasser, die pro Sekunde die Edermündung erreichen, kommen etwa 9 allein von der Schwalm, die rund 1300 der 3360 km² Einzugsgebiet entwässert (Abflussspende (Mq) um 7 l/(km²•s)), und noch einmal knapp so viel von den drei großen Rothaargebirgsflüssen Orke, Nuhne und Odeborn, die dafür zusammen nur rund 520 km² benötigen (durchschnittliche Abflussspende um 16, bei der Odeborn gar etwa 25). Bereits etwas oberhalb der Odeborn-Mündung führt die Eder am Pegel MüsseDer Pegel liegt unmittelbar oberhalb der Mündung der Kappel. in Aue rund 3,3 m³ (ergibt bei 125 km² EZG eine Abflussspende von etwa 26).Abflusswerte am Pegel Müsse, ELWAS (NRW)
Die wichtigsten Nebenflüsse der Eder sind:
Hinweise zur folgenden Tabelle: Zur besseren Übersicht bzw. zur Sortierung flussabwärts sind in die DGKZ-Ziffern nach der Ziffer 428, die für die Eder steht, Bindestriche (-) eingefügt. Die Eder-Flusskilometer wurden – flussaufwärts gezählt – aus der Differenz zwischen der Ederlänge von 176,1 km und dem „Kilometerstein“ der Mündung errechnet. Fließgewässer, die nicht direkt in die Eder, sondern in deren Stausee Edersee münden, sind mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet.
→ Liste der Fließgewässer im Flusssystem Eder Name Lage Länge(km) EZG(km²) Abfluss(MQ; l/s) Mündung(Eder-km) Mündungshöhe(m ü. NHN) DGKZ Wähbach links 6,0 6,717 6,9 506 428-112 Benfe rechts 11,2 19,446 11,9 475 428-114 Schameder rechts 3,8 6,435 13,5 466 428-116 Elberndorfer Bach links 9,0 10,733 13,6 466 428-118 Röspe links 8,6 37,013 17,7 449 428-12 Kappel links 7,3 27,443 21,8 430 428-132 Preisdorf rechts 6,0 8,506 14,2 420 428-1334 Trüfte links 9,7 16,576 27,1 411 428-134 Altmühlbach rechts 5,3 14,459 27,9 409 428-136 Rinther Bach rechts 6,1 9,12 30,3 403 428-138 Odeborn links 21,2 85,064 2009 31,3 400 428-14 Grundbach rechts 5,1 7,507 33,1 399 428-152 Lützelsbach links 5,6 6,437 34,8 395 428-154 Leisebach rechts 4,6 12,375 38,7 380 428-156 Arfe links 5,4 5,401 39,6 377 428-158 Lindenhöferbach rechts 4,1 12,034 189,8 48,9 349 428-1596 Elsoff links 19,0 48,925 948,1 50,0 345 428-16 Eifaer Bach rechts 4,5 7,211 103,3 54,2 342 428-172 Riedgraben links 7,6 11,319 173,4 69,0 305 428-174 Elbrighäuser Bach links 10,8 17,768 321,3 70,5 301 428-176 Nitzelbach links 10,6 8,397 132,4 73,7 295 428-178 Linspherbach links 18,3 33,107 565,8 77,0 286 428-18 Hainerbach links 7,3 10,132 103,7 80,4 280 428-192 Goldbach links 9,5 13,838 155,8 84,5 273 428-1952 Nemphe rechts 14,2 38,383 293,5 86,9 270 428-198 Nuhne links 36,9 156,747 2.661,6 89,3 267 428-2 Lengelbach rechts 11,4 25,848 209,9 96,3 255 428-32 Orke links 38,2 278,867 3.844,5 97,5 254 428-4 Lorfe rechts 11,8 24,281 245,7 101,4 250 428-512 Itter* links 11,6 76,131 771,3 105,8 247 428-531 Aselbach* links 6,6 18,103 135,4 112,4 246 428-533 Banferbach* rechts 7,2 16,383 213,9 115,2 245 428-535 Werbe* links 13,2 42,263 322,6 122,2 245 428-537 Reiherbach* links 7,4 27,322 188,9 122,3 245 428-538 Netze links 12,9 29,04 169,5 134,0 194 428-554 Wesebach rechts 25,3 63,433 618,2 135,7 191 428-56 Wilde rechts 17,1 51,868 471,4 140,6 183 428-58 Elbe links 33,7 123,47 731,3 146,2 174 428-6 Schwalm rechts 97,1 1.298,783 9.044,5 159,5 158 428-8 Ems links 34,1 146,214 753,3 164,9 151 428-92 Pilgerbach links 8,8 25,593 102,2 175,5 145 428-98
Ortschaften Zu den Ortschaften an oder nahe der Eder gehören flussabwärts betrachtet: am Oberlauf der Eder: in Nordrhein-Westfalen: Lützel (zu Hilchenbach) Erndtebrück Womelsdorf (zu Erndtebrück) Birkelbach (zu Erndtebrück) Goddelsbach (zu Erndtebrück) Röspe (zu Erndtebrück) Aue (zu Bad Berleburg) Berghausen (zu Bad Berleburg)