Röderland ist eine Gemeinde im südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster.

Geografie Lage Röderland liegt an den Flüssen Schwarze Elster und Große Röder, letztere wurde zum Namensgeber der Einheitsgemeinde. Außerdem wird das Gemeindeterritorium vom Grödel-Elsterwerdaer Floßkanal durchzogen, einem künstlich zur Holzflößerei zwischen Elbe und Schwarzer Elster angelegten Kanal, der als Baudenkmal gilt.

Klima Das Gebiet der Gemeinde Röderland liegt mit seinem humiden Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar. Die nächsten Wetterstationen befinden sich in Richtung Nordosten in Doberlug-Kirchhain, westlich in Torgau und südlich in Oschatz und Dresden.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Haida, Prösen, Reichenhain, Saathain, Stolzenhain, Würdenhain und Wainsdorf. Hinzu kommt der Wohnplatz Maiblumengehege.

Der Verwaltungssitz der Gemeinde Röderland befindet sich in Prösen, dem größten der sieben Ortsteile.

Geschichte mini|Die Ortsteile der Gemeinde Röderland auf einer geschichtlichen Karte des Kreises Liebenwerda (1910). → Siehe auch: Geschichte der einzelnen Ortsteile

Historisch gehörten die einzelnen Ortsteile ursprünglich drei verschiedenen Herrschaftsbereichen an. Während der heute größte Ort Prösen, wie Saathain und Stolzenhain der Herrschaft Saathain untertänig war, gehörten Reichenhain, Haida und Würdenhain zur Anfang des 15. Jahrhunderts gewaltsam aufgelösten Herrschaft Würdenhain, die in jener Zeit in der Herrschaft Mühlberg aufging. Die Schradengemeinde Wainsdorf gehörte hingegen zur Herrschaft Frauenhain im heutigen Sachsen. miniatur|Würdenhain an der Einmündung der Großen Röder in die Schwarze Elster miniatur|Dorfanger von Stolzenhain mit Dorfkirche

Die erste urkundliche Erwähnung Saathains ist für das Jahr 1140 in einem Vertrag des Bischofs Udo von Naumburg mit dem Markgrafen Konrad von Meißen nachgewiesen. Die ursprünglich castrum Sathim genannte Burg ist eine der ältesten bekannten Wehranlagen an der Schwarzen Elster. Im ausgehenden Zweiten Weltkrieg kam es im April 1945 zu einem vorsätzlich gelegten Brand zur Zerstörung des Schlosses, wobei auch zahlreiche hier eingelagerte Kunstschätze und das alte umfangreiche Schlossarchiv verloren gingen.

Ebenfalls im Jahre 1140 wurde Prösen urkundlich erstmals erwähnt. Mit dem im 18. Jahrhundert erfolgten Bau des Elsterwerda-Grödel-Floßkanals sowie den Bahnstrecken Elsterwerda–Dresden und Riesa–Elsterwerda, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, erlangte der Ort eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung und er ist in der Gegenwart der größte Ortsteil der Gemeinde.

Im kleinsten Ortsteil der Gemeinde Röderland, dem 1346 erstmals urkundlich erwähnten Würdenhain, gab es wie in Saathain nachweislich eine befestigte Anlage in Form einer Burg oder eines Schlosses, die vermutlich im ersten Viertel des 11. Jahrhunderts entstand. 1370 war die Herrschaft Würdenhain im Besitz des römisch-deutschen Kaiser Karl IV. Das Schloss wurde 1442 auf Befehl des sächsischen Kurfürsten Friedrich der Sanftmütige zerstört, da sich der dortige kursächsische Vasall des Landfriedensbruches schuldig gemacht hatte und das Herrschaftsgebiet der benachbarten Herrschaft Mühlberg zugeteilt. Als das Gebiet durch Tausch- und Kaufgeschäfte an den böhmischen Adligen Hinko Birke von der Duba kam, wurde in der Kaufurkunde vermerkt: „Das Waell zcu Werdenhein sol zcu ewigen Zeiten nicht bebauwet noch betzimmert werden.“

Das nördlich gelegene Haida gehörte ursprünglich zur Herrschaft Würdenhain. Der Ort wurde 1349 urkundlich erstmals als „Heyde“ erwähnt und entstand im früher vielarmigen Flussgebiet der Schwarzen Elster um einen heute immer noch zu erkennenden dreieckigen Dorfanger. Mitte des 19. Jahrhunderts begann mit der Baugenehmigung für einen Ziegelofen und dem Bau der Eisenbahnstrecke Węgliniec–Falkenberg/Elster die Industrialisierung des Ortes. Traditionell hat im Dorf neben dem Baumschulwesen seit dieser Zeit die Kies- und Sandgewinnung große Bedeutung.

Das 1335 als „Rychinheim“ urkundlich erwähnte Reichenhain gehörte ursprünglich wie Haida zur Herrschaft Würdenhain. Die erste urkundliche Erwähnung des benachbarten Stolzenhain stammt aus dem Jahr 1406. Ursprünglich gehörte das Dorf zur Herrschaft Saathain.

Ebenfalls 1406 wurde das am Schraden gelegene Wainsdorf erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit war das Dorf im Besitz der Herren von Köckeritz, kam allerdings bereits 1425 an Otto von Pflug auf Frauenhain und später an die Herrschaft Zabeltitz.

Die heutigen Ortsteile der Gemeinde Röderland gehörten bis 1952 zum Landkreis Liebenwerda, der von 1816 bis 1952 in der preußischen Provinz Sachsen, im Land Sachsen-Anhalt der SBZ und in der DDR bestand. Durch die Verwaltungsreform von 1952 entstand der Kreis Bad Liebenwerda im Bezirk Cottbus, dem die Gemeinden bis 1993 angehörten (ab 1990 im Land Brandenburg). Seitdem gehören sie zum Landkreis Elbe-Elster.

Röderland entstand am 26. Oktober 2003 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Haida, Prösen, Reichenhain, Saathain, Stolzenhain und Wainsdorf des Amtes Röderland.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2003

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 2003 4 844 2005 4 705 2010 4 358 2015 3 957 2020 3 823 Jahr Einwohner 2021 3 739 2022 3 716 2023 3 664 2024 3 618 2025 3 571 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. DezemberHistorisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Elbe-Elster. S. 22–25Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Röderland besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 16 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 6 (2) Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 70,5 % zu folgendem Ergebnis:

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 Sitze2024 AfD 14,4 % 2 20,6 % 1 CDU 12,3 % 2 12,5 % 1 Freie Wählergemeinschaft Saathain 11,5 % 2 12,1 % 2 Wählergemeinschaft Haida 8,7 % 1 9,0 % 1 Unabhängige Wählergemeinschaft Stolzenhain – – 8,7 % 1 Unabhängige Wählervereinigung Wainsdorf 5,5 % 1 7,5 % 1 Wählergemeinschaft Reichenhain 6,3 % 1 7,4 % 1 Einzelbewerber Joachim Groß 3,4 % 1 6,1 % 1 Einzelbewerberin Simone Dommitzsch – – 5,4 % 1 Bündnis Vernunft und Gerechtigkeit – – 4,3 % 1 Wählergemeinschaft Würdenhain 3,9 % 1 3,7 % 1 SPD 18,1 % 3 2,9 % 1 Die Linke 7,5 % 1 – – Einzelbewerberin Silvia Bruntsch 1,7 % – – – Insgesamt 100 % 16 100 % 13

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD drei Sitze, von denen zwei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte. Auf die CDU entfielen zwei Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister 2003–2011: Heiderose HubrigKommunalwahlen 26. Oktober 2003. Bürgermeisterwahlen, S. 24 seit 2011: Markus TerneErgebnis der Bürgermeisterwahl am 11. September 2011

Terne wurde in der Bürgermeisterwahl am 1. September 2019 ohne Gegenkandidat mit 85,7 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von acht JahrenBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74 gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 1. September 2019

mini|hochkant=0.3|Wappen Wappen Das Wappen der Gemeinde Röderland wurde am 2. Dezember 2003 genehmigt.

Blasonierung: „In Rot ein silbern-blau gewellter Schrägbalken, begleitet oben von vier unten von drei goldenen Lilien.“Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet.

Sehenswürdigkeiten → Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Röderland und Liste der Bodendenkmale in Röderland

Wirtschaft und Infrastruktur Im Gemeindegebiet sind hauptsächlich Betriebe des Dienstleistungsgewerbes, des Handwerks und der Landwirtschaft ansässig. Gewerbegebiete befinden sich in Prösen sowie in Haida.

Verkehr

Auf dem Territorium der Gemeinde Röderland verlaufen die Bundesstraßen B 101 zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda, B 169 zwischen Elsterwerda und Riesa sowie die Landesstraße L 59 zwischen Bad Liebenwerda und der sächsischen Landesgrenze.

Der Haltepunkt Prösen Ost (früher Prösen-Wainsdorf) liegt an der Bahnstrecke Berlin–Dresden (Regionalbahnlinie RB 31 Elsterwerda-Biehla–Dresden). Prösen und Prösen West an der Strecke Zeithain–Elsterwerda werden von der Regionalbahnlinie RB 45 Elsterwerda–Chemnitz bedient.

Persönlichkeiten Ehrenbürger 2010, 26. Juni: Helmut Walther (* 1920), Bürgermeister in Reichenhain von 1961 bis 1987Helmut Walther ist Reichenhains erster Ehrenbürger. In: Lausitzer Rundschau. Regionalausgabe Elsterwerda, 29. Juni 2010 (Digitalisat) 2015, 26. Juli: Heinz Dreißig (* 1925), Bürgermeister in Saathain von 1951 bis 1990, erhielt 1991 vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz den „Deutschen Preis für Denkmalschutz“

Söhne und Töchter der Gemeinde Walther von Köckritz (?–1411), Bischof von Merseburg, geboren in Saathain Samuel August Wagner (1734–1788), Mediziner, geboren in Saathain Karl Benedikt Suttinger (1746–1830), Pädagoge, geboren in Saathain Johann Christian Jahn (1797–1846), Pädagoge, geboren in Stolzenhain

Mit Röderland verbundene Persönlichkeiten Felix Hoffmann (1896–1968), Heimatforscher, lebte in Haida Hans Wolfgang Bastian (1906–1942), Pfarrer in Saathain Rudolf Matthies (1909–1996), Heimatforscher und Lehrer, lebte in Haida Reinhard Höppner (1948–2014), Politiker (SPD), wuchs in Prösen auf Ralf Minge (* 1960), Fußballnationalspieler der DDR, wuchs in Prösen auf

Weblinks

Eintrag im Kommunalverzeichnis Brandenburg

Website der Gemeinde Röderland

Einzelnachweise

Kategorie:Ort an der Schwarzen Elster Kategorie:Gemeindegründung 2003