mini|Porträt Friedrich Wilhelms III. von Ernst Gebauer nach einem Gemälde François Gérards. Friedrich Wilhelms Unterschrift: rahmenlos|klasse=skin-invert-image mini|Friedrich Wilhelm III., Gipsbüste von Johann Gottfried Schadow (1797), Berlin, Alte Nationalgalerie mini|Reiterporträt Friedrich Wilhelms III., gemalt von Franz Krüger mini|Friedrich Wilhelm III., gemalt von Thomas Lawrence Friedrich Wilhelm III. (* 3. August 1770 in Potsdam; † 7. Juni 1840 in Berlin) aus dem Haus Hohenzollern war von 1797 bis 1840 König von Preußen und Kurfürst von Brandenburg (bis 1809).
Am Beginn seiner Herrschaft betrieb Friedrich Wilhelm III. eine Neutralitätspolitik, die zur Isolierung Preußens und Abhängigkeit von Frankreich, aber auch zu Gebietsgewinnen führte. Unter drohender Gefahr befahl er im Jahr 1806 die Mobilmachung gegen Napoleon, der die Preußische Armee in der Schlacht bei Jena und Auerstedt vernichtend schlug. Der Frieden von Tilsit 1807 besiegelte die Niederlage Preußens mit großen Gebietsverlusten. Zur Stärkung des Reststaats ermöglichte Friedrich Wilhelm III. die Preußischen Reformen durch Karl Freiherr vom Stein, Karl August von Hardenberg, Gerhard von Scharnhorst und Wilhelm von Humboldt. Nur zögerlich schloss er sich im Jahr 1813 mit dem Aufruf An Mein Volk den Befreiungskriegen gegen Napoleon an. Nach dem Wiener Kongress 1815 sorgte er für den Wiederaufstieg Preußens und die Rückgewinnung der alten Gebiete. Die Staatsreformen setzte er jedoch nicht fort, sondern betrieb eine Restaurationspolitik im Sinne der Heiligen Allianz mit Russland und Österreich. Unter seiner Herrschaft begann der klassizistische Ausbau Berlins durch Karl Friedrich Schinkel.
Leben bis zum Herrschaftsantritt Herkunft mini|hochkant=0.6|Monogramm von Friedrich Wilhelm III.
Friedrich Wilhelm wurde am 3. August 1770 in Potsdam als ältester Sohn des Thronfolgers und späteren Königs Friedrich Wilhelm II. und Friederike von Hessen-Darmstadt geboren. Seinen Großonkel Friedrich II. hatte der junge Friedrich Wilhelm noch gekannt. Friedrich Wilhelm galt als schüchternes und zurückhaltendes Kind. Auch als Erwachsener hatte er ein eher trockenes und nüchternes Wesen. Legendär wurde die charakteristische Kürze seiner Redeweise. Besonders das Weglassen der Personalpronomina wurde Vorbild für die knappe preußische Militärsprache.Franz Blei: Königin Luise von Preußen. In: Gefährtinnen. Berlin 1931, S. 68 f.
Heirat mini|Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise im Park von Schloss Charlottenburg, Ölgemälde von Friedrich Georg Weitsch, 1799
Am 24. Dezember 1793 heiratete Friedrich Wilhelm Luise zu Mecklenburg-Strelitz. Die Eheleute waren über ihre Mütter, die Cousinen waren und von Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt abstammten, miteinander verwandt.
Aus der Ehe stammen zehn Kinder, von denen sieben erwachsen wurden. Prinz Friedrich Wilhelm IV., der älteste Sohn, folgte seinem Vater als preußischer König nach. Prinz Wilhelm I., der zweitgeborene Sohn, wurde 1861 preußischer König und ab 1871 der erste Kaiser des Deutschen Kaiserreiches. Die älteste Tochter, Prinzessin Charlotte von Preußen, bestieg als Alexandra Fjodorowna den russischen Zarenthron. Luise von Preußen, die jüngste Tochter aus der Ehe mit Luise, wurde Prinzessin der Niederlande. Tochter Alexandrine von Preußen wurde Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin.
Friedrich Wilhelm III. als König
Herrschaftsantritt (1797) Am 9. November 1797 überließ König Friedrich Wilhelm II. seinem Sohn die Regierungsgeschäfte, da er dazu aufgrund von Atemnot und Bewegungsunfähigkeit nicht mehr in der Lage war.Linda Brüggemann: Herrschaft und Tod in der Frühen Neuzeit. 2002, S. 334. Er starb am 16. November 1797, morgens um 8:58 Uhr, im Alter von 53 Jahren im Marmorpalais in Potsdam während eines Krampfanfalls, wodurch der Kronprinz als Friedrich Wilhelm III. neuer König von Preußen wurde. Wenige Stunden zuvor hatte Friedrich Wilhelm in Berlin von Boten erfahren, dass sein Vater im Sterben lag.Daniel Schönpflug: Luise von Preußen: Königin der Herzen. 2010, S. 133. Auf dem Weg zum Marmorpalais in Potsdam begegnete ihm der königliche Kabinettsrat von Bischoffwerder, der die Nachricht vom Tod des Königs nach Berlin tragen sollte.
Als offizielle Zeremonie zum Amtsantritt diente die festliche Huldigung von Ständen und Untertanen. Im Kern war es ein Eidschwur, welchen Vertreter im Namen des ganzen Volkes vor ihrem Monarchen sprachen. Den Aufwand versuchte Friedrich Wilhelm III. zu begrenzen, weil sein Vater mit einer sehr prachtvollen höfische Repräsentation 48 Millionen Taler Staatsschulden hinterlassen hatte. Die Huldigung als König von Preußen nahm Friedrich Wilhelm am 5. Juni 1798 in Königsberg an, der Hauptstadt des „Königreichs Preußen,“ auf dem seine Königswürde beruhte. Zu den Festtagen waren 3000 Personen eingeladen. Die Festlichkeit begann mit einem Gottesdienst und dem Eidschwur der Minister im Königsberger Schloss. Die Huldigung der Stände nahm der König auf dem Balkon im Schlosshof entgegen. Da das außerhalb der Reichsgrenzen liegende Königreich Preußen infolge der Teilungen Polens seit 1772 mit West-, Süd- und Neuostpreußen über zwei Millionen polnische Einwohner hinzugewonnen hatte, leisteten die Deputierten Süd- und Neuostpreußens den Eid in lateinischer bzw. polnischer Sprache.Zur Huldigung von 1798 in Königsberg siehe: Wulf D. Wagner, Heinrich Lange: Das Königsberger Schloss. Eine Bau- und Kulturgeschichte. Band 2: Von Friedrich dem Großen bis zur Sprengung (1740–1967/68). Das Schicksal seiner Sammlungen nach 1945. Schnell + Steiner, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-1953-0, S. 119–124.
Am 6. Juli 1798 folgte in Berlin die Huldigung für die innerhalb Deutschlands liegenden „preußischen Staaten“.Zur offiziellen Bezeichnung der Monarchie als „Staaten des Königs von Preußen“ bis 1806 siehe Gerd Heinrich: Geschichte Preußens. Staat und Dynastie. Propyläen, Frankfurt u. a. 1981, ISBN 3-549-07620-7, S. 132 Nach dem Gottesdienst im Berliner Dom zogen die königliche Familie und die Vertreter von Adel und Klerus ins Berliner Schloss. Im Rittersaal schworen zunächst die Prinzen des Königshauses ihren Treueid, dann im Weißen Saal die oberen Stände. Der König versprach den Ständen im Gegenzug „mit Gnade und Gerechtigkeit zu regieren“. Anschließend trat der König auf den Balkon über dem Portal IV des Schlosses, um den Eid von den im Lustgarten versammelten Vertretern entgegenzunehmen. Angesichts der Französischen Revolution boten die Huldigungsfestlichkeiten die Gelegenheit, einen Beweis für die lebendige Beziehung zwischen Monarch und Volk zu liefern.
Höfische Sittenpolitik mini|Die Mätresse seines Vaters: Wilhelmine von Lichtenau Angewidert vom moralischen Zerfall am Hofe seines Vaters (Intrigen einer kleinen Hofclique, Affären des königlichen Vaters, der am Ende mit drei Frauen zugleich verheiratet war), war er bemüht, die Sittlichkeit im Königshaus wiederherzustellen. Bereits kurz vor dem Tod seines Vaters hatte er diese Maßnahme in der Schrift Gedanken über die Regierungskunst begründet:
Die Gräfin von Lichtenau, die von ihm gehasste Mätresse seines Vaters, ließ Friedrich Wilhelm unter Arrest stellen, ihre Wohnung wurde durchsucht und ihr Besitz beschlagnahmt. Der König warf ihr in einer Kabinettsorder vom 13. März 1798 vor, „die wichtigsten wie die geringsten Regierungsangelegenheiten von ihren landesverderblichen Einfluss abhängig gemacht (zu) haben“. Allerdings fanden die königlichen Untersuchungen keinen Beweis dafür, dass sie in die Politik Friedrich Wilhelms II. eingegriffen habe.
mini|Prinzessinnengruppe
Die Prinzessinnengruppe, eine Skulptur des Bildhauers Johann Gottfried Schadow aus dem Jahr 1795, entzog der König der Öffentlichkeit, da sie ihm „fatal“ erschien.Günter de Bruyn: Preußens Luise. Vom Entstehen und Vergehen einer Legende. Berliner Taschenbuch Verlag 2003, ISBN 3-8333-0106-6, S. 21. Dargestellt war neben seiner inzwischen gekrönten Frau Luise deren jung verwitwete Schwester Friederike, die sich 1798 von einem Unbekannten hatte schwängern lassen, eiligst pro forma verheiratet werden musste und anschließend vom Hof verbannt worden war.
Auch als Königspaar lebten Friedrich Wilhelm III. und Luise mit ihren Kindern weiterhin im Kronprinzenpalais, das dann Königliches Palais hieß. Das Berliner Schloss diente zu Friedrich Wilhelms Regierungszeit zu seltenen, repräsentativen Staatsakten wie der Huldigungsfestlichkeit und ansonsten als Behördensitz. Anders als seine Vorgänger zog Friedrich Wilhelm eine klare Trennlinie zwischen Privatleben und öffentlicher Funktion.Preußen: Aufstieg und Fall. S. 368. Sein relativ schlichter, fast bürgerlicher Lebensstil fand in der Öffentlichkeit positiven Anklang. So pries der Theaterdichter Karl Alexander Herklots in einem Lobgedicht aus dem Jahr 1798 seinen König mit den Versen:
Ein Bürgerkönig? Wegen der vergleichsweisen Schlichtheit seines Habitus, seiner Monogamie – er hatte anders als sein Vorgänger keine Mätresse – und seiner vermeintlichen Bürgernähe nannte der Historiker Hans-Joachim Schoeps Friedrich Wilhelm „Preußens einzigen echten Bürgerkönig“.Zitiert nach Gerd Heinrich: Geschichte Preußens. Staat und Dynastie. Propyläen, Frankfurt am Main 1981, S. 275; Schoeps folgend u. a. Heinrich Jobst Graf von Wintzingerode, Schwierige Prinzen: Die Markgrafen von Brandenburg-Schwedt. BWV, Berlin 2011, S. 647. Dem widerspricht der Historiker Thomas Stamm-Kuhlmann: Er sei von seinen Überzeugungen her durchaus kein Freund des Bürgertums gewesen; seine schlichte Lebensweise entsprach dem aktuellen Zeitgeist der Empfindsamkeit. Auch sein Privatleben, das er durchaus gegen Bittsteller und Neugierige abgrenzte, habe dem neuen Geist, hier dem „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (Jürgen Habermas) entsprochen, durch den erstmals die Privatsphäre vom öffentlichen Raum geschieden wurde. Dass er wiederholt als Bürgerkönig dargestellt wurde, sei also mehr auf die Hoffnungen der Darstellenden zurückzuführen als auf die Realität.Thomas Stamm-Kuhlmann: War Friedrich Wilhelm III. von Preußen ein Bürgerkönig? In: Zeitschrift für Historische Forschung 16, Heft 4 (1989), S. 441–460, hier S. 442.
Innenpolitische Reformbemühungen bis 1806 mini|Der Agrarreformer des Königs: Albrecht Daniel ThaerSchon vor 1806 hatte Friedrich Wilhelm III. Interesse an innenpolitischen Reformen gezeigt, die jedoch nur zögerlich verliefen, da sie auf den Widerstand der Landstände, seiner Kamarilla und Teilen der Bürokratie trafen.
In einem Edikt vom 13. Oktober 1798 wies der König die Finanzkommission an,Die Verwaltung, Band 19, S. 294. „auf die Heranziehung des Adels zur Grundsteuer Bedacht zu nehmen“. Friedrich Wilhelm III. ging es in dem Edikt um eine Erhöhung der Grundsteuer, die der Adel an den Staat zahlte. Das Vorhaben scheiterte jedoch, da ein hoher Beamter die königliche Order veröffentlichte und daraufhin die preußischen Landstände protestierten.
1799 erteilte der König den Befehl, die Leibeigenschaft auf den königlichen Landgütern abzuschaffen.Preußen. Aufstieg und Niedergang. S. 372. Doch die Bemühungen des Königs trafen auf zähen Widerstand aus dem Generaldirektorium, da die adeligen Gutsherren fürchteten, die Bauern ihrer Landgüter könnten rebellieren. Erst nach 1803 ignorierte Friedrich Wilhelm III. diese Bedenken und ließ die Frondienste der Bauern auf seinen Landgütern nach und nach abbauen. Im Jahr 1804 wurde Friedrich Wilhelm III. auf den Agrarreformer Albrecht Daniel Thaer aufmerksam. Die bisherigen Methoden der preußischen Landwirtschaft waren uneffektiv. Thaer ersetzte die mittelalterliche Dreifelderwirtschaft durch die Fruchtfolge. Der König förderte die von Thaer gegründete Lehranstalt, die 1819 den offiziellen Titel „Königlich Preußische Lehranstalt des Landbaus“ erhielt.