rahmenlos|rechts|Logo der Vuelta a España mini|Podium der Vuelta in Madrid (2018) mini|Zielankunft der Vuelta in Cuenca (2017) Das Straßenradrennen La Vuelta Ciclista a España, kurz Vuelta a España (dt.: Spanienrundfahrt) ist eine der drei „Grand Tours“ im Radsport und nach der Tour de France und dem Giro d’Italia das drittwichtigste Etappenrennen der Welt.

Seit 2005 gehört die Vuelta a España zur UCI ProTour bzw. zur Nachfolgeserie UCI WorldTour. Veranstalter ist Unipublic, der seit 2014 eine Tochtergesellschaft der Amaury Sport Organisation (ASO) ist.

Bedeutung Die Vuelta a España ist die jüngste der drei dreiwöchigen Landesrundfahrten, die auch als Grand Tours bezeichnet werden. Laut dem aktuellen Punktesystem der Weltrangliste (Stand 2023) liegt sie in der Wertigkeit unter der Tour de France (1300 Punkte) und auf gleicher Ebene mit dem Giro d’Italia (1100 Punkte), obwohl sie aufgrund ihrer kürzeren Geschichte meist als drittwichtigste Landesrundfahrt angesehen wird. Im Radsportkalender wird die Vuelta a España als letzte große Rundfahrt seit 1995 traditionell Ende August angesetzt. Dies führt dazu, dass die startenden Gesamtklassement-Fahrer meist bereits entweder den Giro d’Italia im Mai oder die Tour de France im Juli absolviert haben. Andere Fahrer, wie Sprinter oder Klassiker-Spezialisten hingegen, nutzen die Spanien-Rundfahrt häufig, um sich auf die UCI-Straßen-Weltmeisterschaften vorzubereiten. Weiters bietet die Vuelta a España die Möglichkeit, verpasste Spitzenresultate oder Etappensiege aus den anderen beiden Grand Tours nachzuholen.

Viele junge Fahrer bestreiten mit der Vuelta a España ihre erste dreiwöchige Rundfahrt, da die Medienpräsenz im Vergleich zur Tour de France um ein Vielfaches geringer ist. Weiters ist die Spanien-Rundfahrt in Bezug auf ihre Streckenführung leichter einzustufen als der Giro d’Italia, der vor allem in der letzten Woche über lange und schwere Bergetappen führt. Im Gegensatz dazu setzt die Organisation der Spanien-Rundfahrt in der jüngeren Vergangenheit vermehrt auf kurze Etappen mit steilen Anstiegen. Fahrer, die in den letzten Jahren ihr Grand Tour Debüt bei der Vuelta a Espana feierten, waren unter anderen Nairo Quintana (2012), Jai Hindley (2018), Tadej Pogačar (2019), Jonas Vingegaard (2020), Thomas Pidcock (2021) und Juan Ayuso (2022).

Geschichte mini|Anzeige der ersten Ausgabe (1935) Wie auch bei etlichen anderen Radrennen sind die Anfänge der Vuelta a España auf eine Zeitschrift zurückzuführen. Im Jahr 1935 organisierten der Direktor der Informaciones, Juan Pujol, und der Journalist und Radsportler Clemente López Dóriga die erste Austragung des spanischen Etappenrennens. Als Vorbild galten die Tour de France und der Giro d’Italia, die in den Jahren 1903 und 1909 ihre Erstaustragung hatten und sich großer Beliebtheit erfreuten. Die Spanien-Rundfahrt fand im Folgejahr (1936) erneut statt, ehe sie aufgrund des Spanischen Bürgerkriegs zwischen 1937 und 1940 nicht durchgeführt wurde. 1941 und 1942 wurde das Etappenrennen erneut ausgetragen, ehe der Zweite Weltkrieg eine neuerliche Pause in den Jahren 1943 und 1944 brachte. Seit dem Jahr 1955 findet die Vuelta a España jährlich statt und wurde auch während der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 ausgetragen.

1935–1936 Die erste Austragung der Vuelta a España startete am 29. April des Jahres 1935 und führte auf dem ersten Abschnitt von der Hauptstadt Madrid über 185 Kilometer nach Valladolid. Insgesamt mussten die 50 Starter 3.425 Kilometer auf 14 Etappen zurücklegen, ehe sie das Ziel der Rundfahrt in Madrid erreichten. Die Strecke führte im Uhrzeigersinn über die großen Städte des Landes und machte unter anderen in Bilbao, Barcelona, Valencia, Granada und Sevilla halt. Die längste Etappe führte damals über 310 Kilometer von Saragossa nach Barcelona, welche im modernen Radsport unüblich ist. Sieger der ersten Vuelta a España war der Belgier Gustaaf Deloor, der sich ein Duell mit dem Spanier Mariano Cañardo lieferte. Die Siegerzeit der ersten Austragung betrug rund 120 Stunden, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27,2 km/h entspricht. Bei der zweiten Austragung im Jahr 1936 verteidigte Gustaaf Deloor seinen Gesamtsieg und triumphierte vor seinem Bruder Alfons Deloor. Die Strecke wurde diesmal gegen den Uhrzeigersinn gefahren und die Etappenanzahl auf 21 erhöht, was eine Gesamtdistanz von 4.362 Kilometern zur Folge hatte, die ohne Ruhetag absolviert wurde. Im Juli desselben Jahres brach der Spanische Bürgerkrieg aus, der bis in den April des Jahres 1939 anhalten sollte. Die Vuelta a España hatte ihre dritte Austragung jedoch erst im Jahr 1941.

1941–1942 Während die Tour de France und der Giro d’Italia in den Jahren 1941 und 1942 aufgrund des Zweiten Weltkriegs ausfielen, führte die Vuelta a España zwei weitere Austragungen in den Kriegsjahren durch. Mit gerade einmal 32 Startern im Jahr 1941, von denen nur vier keine Spanier waren, wirkte sich der Krieg jedoch auf die Veranstaltung aus. Das Format der 21 Etappen änderte sich bei der dritten Austragung nicht, wobei erstmals ein Einzelzeitfahren durchgeführt wurde, das über 53 Kilometer von Gijón nach Oviedo führte. Im Kampf um den Gesamtsieg kam es zu einem Duell zwischen Julián Berrendero und Fermín Trueba, das erst am letzten Tag zugunsten des erstgenannten zu Ende ging. 1942 konnte Julián Berrendero erneut den Gesamtsieg bei der vierten Austragung der Spanien-Rundfahrt feiern, ehe aufgrund des Zweiten Weltkriegs auch die Vuelta a España für zwei Jahre pausiert werden musste.

1945–1950 Im Jahr 1945 kehrte die Vuelta a España nach zweijähriger Pause zurück, wobei sich der Organisator mit der Zeitschrift Diario Ya geändert hatte. Trotz großer Schwierigkeiten konnte die fünfte Austragung der Spanien-Rundfahrt im Jahr 1945 durchgeführt werden. Wie in allen vorangegangenen Austragungen bildete bis ins Jahr 1950 erneut Madrid den Start und Zielort der Rundfahrt. Die Etappenanzahl variierte jedoch in dieser Zeit. So wurden etwa 1945 nur 19 Etappen ausgetragen, während im Jahr 1947 sogar 24 Etappen auf dem Programm standen. Nach und nach kehrten auch vermehrt ausländische Fahrer ins Peloton der Vuelta a España zurück, wobei das Starterfeld mit rund 50 Fahrern weiterhin überschaubar blieb. Mit Delio Rodríguez (1945), Dalmacio Langarica (1946), Bernardo Ruiz (1948) und Emilio Rodríguez (1950) dominierten in jener Zeit die Spanier die Gesamtwertung. Einzig der Belgier Edward Van Dijck konnte im Jahr 1947 die spanische Vorherrschaft brechen, als er die Gesamtwertung vor Manuel Costa und Delio Rodríguez gewann. 1949 fand keine Vuelta a España statt.

1955–1959 1955 veranstaltete die baskische Zeitung El Correo - El Pueblo Vasco die 10. Austragung der Vuelta a España, die fortan jährlich stattfinden sollte. Der baskische Einfluss des neuen Organisators zeigte sich vor allem dadurch, dass der Spanien-Rundfahrt in den folgenden Jahren Bilbao als Start- und Zielort diente, und Madrid meist nur im Verlauf der Rundfahrt passiert wurde. Zudem verließ die Vuelta a España 1955 erstmals die Landesgrenzen ihres Heimatlandes und führte bis 1957 jährlich nach Bayonne, das Teil des französischen Baskenlandes ist. Eine weitere Erneuerung war die Startliste des Rennens. Anders als in den vergangenen Austragungen starteten die Fahrer nicht mehr als Einzelstarter, sondern wurden in Nationalteams eingeteilt. So konnten 1955 pro Nation sechs Fahrer an den Start gehen, wobei Spanien mit zwei Nationalmannschaften sowie acht Regionalmannschaften (z. B. Kastilien, Katalonien etc.) deutlich mehr Fahrer ins Rennen schickte. Diese Änderung, die auch bei der Tour de France und dem Giro d’Italia vorgenommen wurde, führte nicht nur zu einem größeren Starterfeld von über 100 Fahrern, sondern sorgte auch für mehr ausländische Starter bei der Rundfahrt. Zudem konnten erstmals Mannschaftszeitfahren ausgetragen werden, die bis heute fast jährlich bei der Vuelta a España auf dem Programm stehen. Das erste Mannschaftszeitfahren der Spanien-Rundfahrt führte im Jahr 1955 über 12 Kilometer durch Madrid, wobei sich die italienische Nationalmannschaft am stärksten präsentierte. Dass die spanische Vorherrschaft vorerst gebrochen war, zeigte sich auch dadurch, dass sich zwischen 1955 und 1959 mit Jesús Loroño (1957) und Antonio Suarez (1959) nur zwei weitere Spanier in die Siegerliste des Rennens eintrugen. Frankreich stellte mit Jean Dotto (1955) und Jean Stablinski (1958) zwei Gesamtsieger, während Italien mit Angelo Conterno (1956) ebenfalls einmal die Vuelta a España gewann.

1960–1969 Gegen Ende der 1950er Jahre kündigte sich bereits allmählich das Ende der Nationalteams an, da sie nach und nach von Profi-Radsportteam ersetzt wurden. 1960 starteten erstmals nur von Sponsoren geleitete Teams, in denen zehn Fahrer aus den unterschiedlichen Nationen zugelassen waren. Hinsichtlich der Strecke kam es in den 1960er Jahren nur zu geringen Veränderungen. Weiterhin prägten in erster Linie die großen spanischen Städte die Etappen, wobei der Startort der Rundfahrt nicht mehr mit dem Zielort übereinstimmte, so dass das Rennen nicht mehr in einer Schleife absolviert wurde. Die Auftakt-Etappen starteten zudem mit Gijón, Barcelona, Benidorm, Vigo, Murcia, Saragossa und Badajoz in den unterschiedlichsten Regionen Spaniens. Die letzte Etappe endete jedoch weiterhin entweder in Madrid oder Bilbao. Während die Tour de France und der Giro d’Italia zwischenzeitlich Bergankünfte in Skiorten wie Alpe d’Huez bzw. Cervinia abhielten, blieb die Vuelta a España ähnlichen Etappen jedoch fern. Erste Annäherungen an höhere Gebirgspässe, wie den Port d’Envalira (2408 m) gab es im Jahr 1965, als die Spanien-Rundfahrt auf dem Weg nach Andorra über die Pyrenäen führte. Nach den Gesamtsiegen des Belgiers Frans De Mulder (1960) und des Spaniers Angelino Soler (1961), triumphierte mit Rudi Altig (1962) erstmals ein deutscher Fahrer bei einer der drei großen Landesrundfahrten. Nur ein Jahr später siegte sein französischer Teamkollege Jacques Anquetil bei der Vuelta a España 1963 und war somit der erste Fahrer, der die Gesamtwertung aller drei Grand Tours gewonnen hatte. Der Sieg von Jacques Anquetil erhöhte die Popularität der Spanien-Rundfahrt und im Folgejahr siegte mit Raymond Poulidor (1964) ein weiterer Star der damaligen Radsportwelt. Mit dem zweiten deutschen Gesamtsieger Rolf Wolfshohl (1965), Francisco Gabica (1966), Jan Janssen (1967), Felice Gimondi (1968) und Roger Pingeon (1969) gewannen in den anschließenden Austragungen weitere bekannte Radsportler. Mit dem Sieg im Jahr 1968 trug sich mit dem Italiener Felice Gimondi ein weiterer Fahrer in die Liste jener Athleten ein, die mit der Tour de France, dem Giro d’Italia und der Vuelta a España alle drei Grand Tours gewonnen hatten.

1970–1979 Ab 1970 wurde die Spanien-Rundfahrt für die nächsten Jahre mit einem Prolog gestartet. Die Etappenanzahl pendelte sich allmählich auf 19 ein, wobei keine Ruhetage und teilweise Tage mit zwei Etappen (getrennt in a und b) abgehalten wurden. Maßgeblichen Einfluss auf die 1970er Jahre hatte der Bürgerkrieg im Baskenland. Zweimal kam es im Rahmen einer Etappe, die durch das Baskenland führte, zu Explosionen, die durch Bomben der ETA verursacht wurden. Nach dem zweiten Anschlag im Jahr 1978 entschloss sich die Organisation schließlich, die Region zu meiden, was sie bis ins Jahr 2011 tatsächlich umsetzte.