mini|Anfangsstellung im Schach Die Eröffnung ist die erste Phase einer Schachpartie. Sie umfasst etwa die ersten 15 Züge einer Partie und endet nach der Entwicklung der Figuren. An die Eröffnung schließt sich das Mittelspiel an. Je nachdem, welche Steine zuerst gezogen werden, spricht man von Offenen, Halboffenen, Geschlossenen oder Unregelmäßigen Spielen.

Allgemeine Eröffnungsstrategie Ziel der Eröffnung ist es für beide Seiten, die Figuren zu entwickeln, die Zentrumsfelder zu beherrschen und den König – durch die Rochade – in eine sichere Position zu bringen. Da Weiß als Anziehender dem Gegner jeweils einen Halbzug voraus ist, wird er versuchen, daraus einen Eröffnungsvorteil zu erzielen.

Die großen Schachlehrer wie Ruy López, Gioachino Greco, François-André Philidor, Siegbert Tarrasch, Aaron Nimzowitsch sowie die Schachweltmeister haben zur Eröffnungslehre beigetragen. Dadurch haben sich einige Prinzipien herauskristallisiert, die mehr oder weniger unabhängig vom gewählten Eröffnungssystem gelten. Diese „goldenen Regeln“Die Aufzählung folgt dem einführenden Schachbuch Schach – Einführung, Taktik, Musterspiele (Buch und Zeit Verlag, 1987, ISBN 3816691102), das sich seinerseits auf Theo Schuster: Schacheröffnungen beruft. können als Orientierungshilfe dienen, wenn ein Spieler nicht über eine genaue Kenntnis der Variante verfügt: Besetze falls möglich das Zentrum (die vier Felder in der Mitte des Schachbretts d4, d5, e4, e5) mit eigenen Bauern. Oder mache einen Zug, der auf das Zentrum einwirkt, z. B. 1. c4. Entwickle in der Regel erst die Leichtfiguren, und zwar erst Springer, dann Läufer. Sorge möglichst früh für eine sichere Positionierung des Königs durch die Rochade. Ziehe jede Figur in der Eröffnung möglichst nur einmal. Entwickle die Figuren so, dass sie ihre maximale Wirksamkeit erzielen (also beispielsweise Sb1–c3 und nicht Sb1–a3). Bringe die Dame und die Türme nach der Entwicklung der Leichtfiguren und der Rochade ins Spiel. Überlege Dir Bauernzüge besonders gut, weil Du sie nicht rückgängig machen kannst.

Diese Regeln gelten nicht absolut, es existieren zahlreiche Ausnahmen: In der häufig gespielten Skandinavischen Verteidigung zieht Schwarz seine Dame bereits im zweiten Zug und verstößt damit gegen das sechste der genannten Prinzipien. In der etwas selteneren Aljechin-Verteidigung wird der schwarze Königsspringer in der Eröffnungsphase gleich dreimal gezogen (Sg8–f6–d5–b6) – in Widerspruch zu Prinzip Nr. 4. In vielen „modernen“ Eröffnungssystemen schließlich verzichtet ein Spieler bewusst auf die Besetzung des Zentrums mit eigenen Bauern (Prinzip Nr. 1).

In Schachlehrbüchern wird darüber hinaus vor Fehlern (gelegentlich „Kardinalfehler“ genannt) gewarnt: das Ziehen von Randbauern das frühe Umherziehen der Dame das Herausziehen der Läufer vor die eigenen Zentrumsbauern, die dadurch blockiert werden.

Diese Eröffnungsfehler sowie der Verstoß gegen die Eröffnungsprinzipien haben häufig den Verlust eines oder mehrerer Tempi zur Folge. In der Brooklyn-Variante der Aljechin-Verteidigung (1. e4 Sf6 2. e5 Sg8) hat beispielsweise Schwarz zwei Tempi „verschenkt“, indem er nach zwei Springerzügen wieder die Grundstellung erreicht hat. Generell wird vor einem Tempoverlust in der Eröffnung gewarnt, wenn auch der Nachteil für Schwarz in der genannten Eröffnungsvariante verhältnismäßig gering ist.

Einen Sonderfall stellen Gambits dar. So werden Eröffnungen bezeichnet, bei denen ein Bauer (bzw. mehrere Bauern oder in manchen Fällen eine Leichtfigur) geopfert wird, um als Kompensation dafür einen Entwicklungsvorsprung oder einen positionellen Vorteil zu erhalten. Das Evans-Gambit (1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Lc5 4. b4 Lxb4) opfert den weniger bedeutsamen b-Bauern und erhält dafür einen Tempo-Vorteil (Schwarz muss den Läufer zweimal, bzw. nach 5. c3 dreimal ziehen) und einen positionellen Vorteil (Der weiße Läufer steht auf c4 besser als der schwarze Läufer auf b4). Gambits werden von Amateuren nach wie vor häufig und gern gespielt. Unter Top-Großmeistern sind sie mit wenigen Ausnahmen (z. B. Marshall-Gambit) selten geworden, da die Verteidigungsstrategien in den meisten Gambit-Eröffnungen so gut erforscht sind, dass die Kompensation für den geopferten Bauern als oft nicht mehr ausreichend angesehen wird. Das Damengambit ist im eigentlichen Wortsinn kein Gambit, da der Mehrbauer von Schwarz im angenommenen Damengambit kaum zu halten ist.

Spezielle Eröffnungen Das Wort Eröffnung ist nicht nur die allgemeine Bezeichnung für den ersten Partieabschnitt, sondern auch für bestimmte Zugfolgen, die in der Praxis häufig gespielt werden und dadurch mit einem eigenen Namen bezeichnet werden. Diese Bezeichnungen sind historisch gewachsen und daher oft nicht einheitlich oder systematisch, haben sich aber als recht nützlich erwiesen. Sie leiten sich häufig von Stellungsmerkmalen her (z. B. Vierspringerspiel), vom Namen der Schachmeister, die sich um die Erforschung oder Etablierung einer bestimmten Eröffnung besonders verdient gemacht haben (z. B. Caro-Kann) oder von der Herkunft dieser Spieler (z. B. Spanische Partie, nach dem Spanier Ruy López de Segura, der im Englischen Sprachgebrauch namensgebend ist). Der Namensbestandteil Indisch (z. B. Damenindisch) verweist jedoch nicht auf das Land Indien, sondern lediglich auf die Tatsache, dass diese Eröffnungen bis ins 19. Jahrhundert als besonders fremd angesehen wurden. Wird der charakteristische Zug von Weiß ausgeführt, so heißt die Eröffnung oft „…-Angriff“ oder „…-Partie“ (z. B. Wiener Partie), wenn er von Schwarz gemacht wird, oft „… Verteidigung“ (z. B. Sizilianische Verteidigung), unabhängig davon, ob die Eröffnung eher offensiv oder defensiv ausgerichtet ist.

Viele Eröffnungen entstehen schon nach wenigen Zügen und verzweigen sich dann weiter in Eröffnungsvarianten. Oft tragen diese Varianten eigene Bezeichnungen (beispielsweise unterscheidet man bei der Sizilianischen Verteidigung die Drachenvariante, die Najdorf-Variante, die Taimanow-Variante und viele andere mehr). Wird eine dieser Varianten bei weitem bevorzugt, so nennt man sie die „Hauptvariante“ und die anderen dann die „Nebenvarianten“. In manchen Fällen ist eine Eröffnung weniger dadurch charakterisiert, welche Zugfolge genau gespielt wird, sondern durch die entstehenden Stellungstypen. Die einzelnen Varianten sind dann durch Zugumstellungen miteinander verknüpft. Dann spricht man eher von einem Eröffnungssystem. Durch Zugumstellungen können auch verschiedene Eröffnungen ineinander überführt werden. Beispielsweise gelangt man nach den Zügen 1. e4 c5 2. Sf3 e6 3. d4 d5 4. e5 Sc6 in der Sizilianischen Verteidigung zu einer Stellung, die eigentlich für die Französische Verteidigung charakteristisch ist.

Taucht in einer Partie zwischen namhaften Meistern ein Zug auf, der zuvor noch nicht in der Literatur beschrieben wurde, so spricht man von einer Neuerung (siehe unten).

Prinzipiell werden Eröffnungen in drei verschiedene Systeme eingeteilt, die nach den typischerweise entstehenden Bauernstrukturen benannt sind:

Offene Spiele sind Eröffnungen, die mit 1. e2–e4 e7–e5 beginnen (beispielsweise Spanische Partie). Sie haben die Tendenz, zu frühen Linienöffnungen zu führen. Halboffene Spiele beginnen mit 1. e2–e4, Schwarz antwortet aber nicht e7–e5 (beispielsweise Französisch). In Geschlossenen Spielen wird nicht 1. e2–e4 gespielt, sondern meist 1. d2–d4 (beispielsweise Damengambit), 1. Sg1–f3 oder 1. c2–c4 Bei diesen Systemen sind frühe Linienöffnungen selten. Als Unregelmäßig gelten Eröffnungszüge, die sich nicht in diese drei Kategorien einordnen lassen, nur selten gespielt werden und vergleichsweise wenig analysiert sind, z. B. die Orang-Utan-Eröffnung (Sokolski-Eröffnung) mit 1. b2–b4.

Die Begriffe sind nur in einem sehr allgemeinen Sinne zu verstehen und kennen Ausnahmen: Bei den „Offenen“ Spielen gibt es in fast jeder Eröffnung auch ruhige, positionelle Abspiele mit geschlossener Bauernstruktur. Auf der anderen Seite gibt es auch bei den „Geschlossenen“ Spielen scharfe Fortsetzungen mit beweglichen Figuren in offenem Schlagabtausch. In allen drei Gruppen finden sich Gambit-Eröffnungen; besonders zahlreich sind diese unter den Offenen Spielen. Außerdem ist die Einteilung international nicht einheitlich. Beispielsweise wird in der englischsprachigen Literatur zwischen „closed games“ und „semi-closed games“ unterschieden.

Neben den traditionellen Bezeichnungen der Eröffnungen gibt es inzwischen eine systematische Katalogisierung aller Eröffnungsvarianten, den ECO-Schlüssel. Einen Kompromiss aus beidem stellt der NIC-Key dar.

Als Eröffnungsfalle wird eine Zugfolge bezeichnet, mit der ein Spieler seinen Gegner zu einem Fehler verleiten möchte. Oft erweist sich eine solche Zugfolge nur gegen unerfahrene Spieler als wirksam und gerät bei fehlerfreiem Spiel des Gegners zum eigenen Nachteil. Man sagt: Die Variante wird vom Gegner „widerlegt“. Es gibt wiederkehrende Motive in diesen Fallen. Viele machen sich zunutze, dass die Felder f2 beziehungsweise f7 Schwächen in der Grundstellung darstellen. Vor der Rochade werden diese Felder nur vom jeweiligen König verteidigt. Eine gedeckte Angriffsfigur, die auf dieses Feld eindringt, kann einen Mattangriff bewirken (beispielsweise im Seekadettenmatt) oder (im Falle eines Springers) eine Gabel gegen Turm und Dame aufbauen. Andere Eröffnungsfallen nutzen eine frühe Öffnung der e-Linie für Schachgebote oder Fesselungen aus.

Beispiele für bekannte Eröffnungen Kategorie Name Anfangszüge (häufige Fortsetzung) ECO-SchlüsselOffene Spiele Italienisch 1. e2–e4 e7–e5 2. Sg1–f3 Sb8–c6 3. Lf1–c4 (3. … Lf8–c5) Spanisch 1. e2–e4 e7–e5 2. Sg1–f3 Sb8–c6 3. Lf1–b5 Schottisch 1. e2–e4 e7–e5 2. Sg1–f3 Sb8–c6 3. d2–d4 Philidor-Verteidigung 1. e2–e4 e7–e5 2. Sg1–f3 d7–d6 Russische Verteidigung 1. e2–e4 e7–e5 2. Sg1–f3 Sg8–f6 Läuferspiel 1. e2–e4 e7–e5 2. Lf1–c4 Königsgambit 1. e2–e4 e7–e5 2. f2–f4 Wiener Partie 1. e2–e4 e7–e5 2. Sb1–c3 Halboffene Spiele Französisch 1. e2–e4 e7–e6 (2. d2–d4 d7–d5) Caro-Kann 1. e2–e4 c7–c6 (2. d2–d4 d7–d5) Sizilianisch 1. e2–e4 c7–c5 Pirc-Ufimzew-Verteidigung 1. e2–e4 d7–d6 Moderne Verteidigung 1. e2–e4 g7–g6 Aljechin-Verteidigung 1. e2–e4 Sg8–f6 Skandinavisch 1. e2–e4 d7–d5 Geschlossene Spiele Abgelehntes Damengambit 1. d2–d4 d7–d5 2. c2–c4 e7–e6 Angenommenes Damengambit 1. d2–d4 d7–d5 2. c2–c4 d5xc4 Slawische Verteidigung 1. d2–d4 d7–d5 2. c2–c4 c7–c6 Nimzowitsch-Indisch 1. d2–d4 Sg8–f6 2. c2–c4 e7–e6 3. Sb1–c3 Lf8–b4 Damenindisch 1. d2–d4 Sg8–f6 2. c2–c4 e7–e6 3. Sg1–f3 b7–b6 Königsindisch 1. d2–d4 Sg8–f6 2. c2–c4 g7–g6 nebst … d7–d6 Grünfeld-Indisch 1. d2–d4 Sg8–f6 2. c2–c4 g7–g6 nebst … d7–d5 Benoni-Verteidigung 1. d2–d4 Sg8–f6 2. c2–c4 c7–c5 3. d4–d5 e7–e6 Holländisch 1. d2–d4 f7–f5 Englisch 1. c2–c4 (1. … e7–e5 oder Sg8–f6 oder c7–c5) Réti-Eröffnung 1. Sg1–f3 d7–d5 2. c2–c4 Unregelmäßige Eröffnungen Orang-Utan-Eröffnung 1. b2–b4 Königsfianchetto 1. g2–g3 Larsen-Eröffnung 1. b2–b3 Bird-Eröffnung 1. f2–f4

Die Geschichte der Schacheröffnung

Die Geschichte der Schacheröffnungen beginnt mit dem allgemein als ältester Schachversion betrachteten Chaturanga. Bei diesem Spiel waren die Zugmöglichkeiten der Figuren derart eingeschränkt, dass bis zum Aufeinandertreffen feindlicher Figuren viele Züge vergingen. Chaturanga entwickelte sich weiter zu Schatrandsch, dem Vorläufer des modernen europäischen Schachspiels. Für dieses Spiel wurden zur Beschleunigung des Spielanfangs Tabijen entwickelt, d. h. aus über festgelegte Zugfolgen erreichten Endpositionen entstanden Aufstellungsvarianten, von denen aus die eigentliche Partie begann.