mini|Internationales Zivilschutzzeichen mini|Gemeinsame Katastrophenschutzübung von Feuerwehr und medizinischem Personal

Katastrophenschutz (KatS) bezeichnet die Maßnahmen, die getroffen werden, um Menschen, Umwelt und bestimmte Sachwerte in oder vor der Entstehung einer Katastrophe zu schützen und die Versorgung der Menschen zu wahren.Beispielhaft: Aufgabenbeschreibung des Katastrophenschutzes auf der Internetpräsenz des Freistaats Sachsen Abgegrenzt vom Katastrophenschutz wird der Schutz der Bevölkerung im Kriegsfall. Letzterer wird im offiziellen Sprachgebrauch der Bundesrepublik Deutschland als Zivilschutz bezeichnet und gemeinsam mit dem Katastrophenschutz unter dem Oberbegriff des Bevölkerungsschutzes zusammengefasst;Bundesministerium des Innern und für Heimat (Deutschland): Wer macht was beim Zivil- und Katastrophenschutz? in Österreich und der Schweiz ist der Sprachgebrauch anders.Bundesministerium Inneres (Österreich): Krisen- und KatastrophenmanagementBundesamt für Bevölkerungsschutz BABS (Schweiz): https://www.babs.admin.ch/de/zs/einsatz.html

Zu den Maßnahmen gehören neben unmittelbaren Einsätzen und Hilfeleistungen auch vorbereitende Maßnahmen, wie zum Beispiel die Aufstellung entsprechender Hilfseinrichtungen und -pläne oder das Festlegen von Standard-Einsatz-Regeln (SER) zur schnellen Reaktion bei gleichen Lagen, die Abwehr von Schäden im Katastrophenfall sowie im Nachgang die Beseitigung von Katastrophenschäden.

Entwicklung des Katastrophenschutzes mini|Gesetz zu dem Abkommen über die Gründung eines Welthilfsverbandes (1929, Deutschland)

Schutz für die Zivilbevölkerung in Kriegszeiten war in der Zeit der festgelegten Schlachtaufstellung (Kriegsführung) und auch der Grabenkämpfe des Ersten Weltkriegs kein besonderes Thema, da der Großteil der Bevölkerung eines Landes nicht von den oft auf abgelegenen Geländen stattfindenden Schlachten betroffen war oder dieser Schutz einfach nicht wichtig genug genommen wurde.

Auch die Versorgung bei Naturkatastrophen wurde zunächst selten organisiert vorgenommen. Die ländliche Bevölkerung musste und konnte sich selbst helfen. In den Städten oblag die Bekämpfung von Schadensereignissen den örtlichen Behörden, die dafür Hilfstruppen zum Beispiel in Form einer Feuerwehr aufstellten oder auch medizinische Hilfe (wie im Falle einer Pestepidemie) und die Versorgung mit Nahrungsmitteln leistete.

Erste Hilfsorganisationen im 19. Jahrhundert Vorbeugende Schutzmaßnahmen wurden mit zunehmender Organisation des Gemeinwesens getroffen, hierzu gehören Feuerlöschordnungen oder auch Maßnahmen zum Schutz vor Hochwassern (Entwässerungskanäle, Deiche).

Das Rote Kreuz, gegründet 1863 von Henry Dunant unter dem Eindruck der Schlacht von Solferino als neutrale Hilfsorganisationen für Kriegszeiten, nahm schon bald seine Aufgaben auch bei zivilen Unglücksfällen und Katastrophen wahr. In diese Zeit fallen auch die Bildung von weiteren Hilfsvereinen und die Professionalisierung des Feuerlöschwesens zusammen mit der zunehmenden Übernahme von Verantwortung der Staatsmacht für das Gemeinwohl. Mit der Industrialisierung ist eine Zunahme von größeren technischen Unglücken verbunden, die vor allem in den Industriegebieten schon früh zur Aufstellung von speziellen Arbeiterorganisationen (zum Beispiel des Arbeiter-Samariter-Bundes) führte.

Überregionale Katastrophenhilfe wurde dabei zunächst oft vom Militär organisiert, das als einzige Organisation über entsprechend einsetzbare Einheiten verfügte. Den zivilen Hilfsdiensten oblag in solchen Situationen vor allem das Sammeln von Spenden und Hilfsgütern.

Entwicklung nach 1945 Der Zweite Weltkrieg machte in den betroffenen Ländern die gezielte Organisation von Hilfsmaßnahmen im großen Maßstab erforderlich (zum Beispiel während der Luftschlacht um England, respektive dem Luftkrieg). Die Einheiten der Feuerwehren, der zivilen Rettungsorganisationen und des Militärs mussten überregional koordiniert werden, zum Teil wurden eigene Organisationsformen als Luftschutz aufgestellt.

Unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs wurden im Jahr 1949 die Genfer Konventionen neu gefasst und mit dem vierten Abkommen „über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten“ ergänzt. Hier wurde neben den bis dahin vereinbarten Schutzzeichen auch das neue Zivilschutzzeichen, ein blaues Dreieck auf orangefarbigem Grund, eingeführt.

Mit dem Koreakrieg begann im Jahr 1950 die heiße Phase des Kalten Krieges. Unter diesem Eindruck wurden moderne Zivilschutzmaßnahmen in vielen Ländern vorangetrieben, die auch Auswirkungen auf die Katastrophenschutzorganisation hatten. Es wurde versucht, den Auswirkungen von Massenvernichtungswaffen entgegenzuwirken. Dabei stand vor allem die historisch neuartige Möglichkeit eines Atomkriegs vor Augen.

Die internationale Zusammenarbeit im Katastrophenschutz verstärkte sich, sowohl in der Folge Militärbündnisse (NATO, Warschauer Pakt) mit gleichartiger Ausrüstung und Vorgehensweise in den verbündeten Ländern als auch auf ziviler oder verwaltungstechnischer Ebene oder im Rahmen der Vereinten Nationen (United Nations Disaster Relief Organization 1971 sowie Global Disaster Alert and Coordination System) beziehungsweise der Organisationen der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung.

Im Zuge der Entwicklungshilfe werden in vielen Ländern auch Maßnahmen zum Katastrophenschutz gefördert, um vor allem regelmäßige Naturkatastrophen überstehen zu können.

Nach der Wende 1989/90 Das Ende des Kalten Krieges führte in den frühen 1990er-Jahren zu einem starken Abbau des Katastrophen- und Zivilschutzes in Europa, da man die Notwendigkeit weitgehend nicht mehr sah. Die Verantwortung für Schutzmaßnahmen wurde auf niedrigere Verwaltungsebenen übertragen oder an freiwillige Projekte übergeben. Da schnell erkannt wurde, dass es immer noch Situationen geben kann, die den normalen Rettungsdienst überfordern (zum Beispiel Naturkatastrophen oder in gewissen Ländern Kernkraftwerks- und Chemieunfälle), wurde mit relativ begrenzten Mitteln versucht, vorbereitende Maßnahmen zu treffen (zum Beispiel Gefahrenzonenplanung) und Hilfskräfte auch für größere Schadenslagen vorzuhalten.

Nach den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten im Jahr 2001 und den grenzüberschreitenden Hochwasserereignissen (Oderhochwasser 1997, Elbehochwasser 2002, Hochwasser in West- und Mitteleuropa 2021) begann sich diese Entwicklung umzukehren. Katastrophenschutz wurde wieder in größerem Zusammenhang gesehen, diesmal losgelöst vom militärischen Aspekt.

Mit der Entscheidung des Rates der Europäischen Union vom 23. Oktober 2001 über ein Gemeinschaftsverfahren zur Förderung einer verstärkten Zusammenarbeit bei Katastrophenschutzeinsätzen (2001/792/EG, Euratom) wurde auf EU-Ebene ein Verfahren für die gegenseitige Hilfeleistung in Katastrophenfällen eingerichtet. Im Bedarfsfall besteht damit für die Mitgliedsländer die Möglichkeit, den Katastrophenhilfe-Mechanismus der EU zu aktivieren und Ressourcen der Gemeinschaftsmitglieder anzufordern.

Bei einer Katastrophe sind auch Kulturgüter gefährdet. Beispielsweise ist beim Schweizer Zivilschutz, der auch in Katastrophenlagen zuständig ist, der Kulturgüterschutz Teil des Aufgabenbereichs.Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS (Schweiz): Einsatz des Zivilschutzes

Aktuelle Herausforderungen

Mitgliederrückgang und Rekrutierungsprobleme Mit dem Rückgang der Bevölkerungszahl, der Alterung der Gesellschaft und schrumpfenden Kohorten von Personen in jüngeren und mittleren Jahrgängen (demografischer Wandel) sowie dem Wegfall des Ersatzdienstes im Katastrophenschutz verfestigen sich für den Katastrophenschutz zunehmend Probleme bei der Nachwuchsrekrutierung. So prognostiziert beispielsweise das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung allein bei den Mitgliederzahlen der Freiwilligen Feuerwehren und des Rettungswesens einen Schwund um ein Viertel bis zum Jahr 2025. Dies konnte sich jedoch nicht bestätigen. Wie aktuelle Zahlen des deutschen Feuerwehrverbandes zeigen, konnten sich die Zahlen im Falle der Feuerwehren zwischen 2010 und 2021 auf einem stabilen Niveau halten. Die Rekrutierungsprobleme werden zusätzlich verstärkt durch eine Diskrepanz zwischen den Strukturanforderungen der Hilfsorganisationen und den individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten potentieller freiwilliger Helfer. Während die Hilfsorganisationen vor allem auf kontinuierliche Engagements abstellen und hohe qualifikatorische Voraussetzungen von ihren Mitgliedern einfordern, geht der Trend in der Bevölkerung eher in Richtung episodischer, projektbezogener Engagementformen („Strukturwandel des Ehrenamtes“).

Folgen der globalen Erwärmung Im Zuge der Klimakrise und deren Auswirkungen auf Deutschland und Europa, ist ein erhöhtes Einsatzaufkommen nachvollziehbar, dessen Trend sich voraussichtlich fortsetzen wird. Auf konzeptioneller und strategischer Ebene wird daher um eine Aktualisierung und Verbindung der Themenfelder gerungen.

Technologien und Methoden Vorauserkundung Das Emergency Response Team (auch: Incident response team) einer Organisation oder einer Behörde kann noch vor Eintreffen der eigentlichen Hilfskräfte eingesetzt werden, um den Umfang und die Einsatzorte der Hilfskräfte zu erkunden und in Zusammenarbeit mit bereits aktiven, zum Beispiel den lokalen Helfern vorzubereiten. Dies trifft regelmäßig vor international zu koordinierenden Hilfseinsätzen zu. Diese Teams setzen sich neben Fachkräften entsprechend der Notlage vor allem aus Logistikern zusammen, die abschätzen können, wie weit die vorhandene Infrastruktur, zum Beispiel eines Flughafens, noch genutzt werden kann beziehungsweise ob es nötig ist, eine vom Einsatzort unabhängige Infrastruktur für die Einsatzkräfte aufzubauen.

Monitoring von Naturgefahren Bei zahlreichen Naturgefahren ist durch mathematische Modelle und technische Maßnahmen eine gewisse Vorhersage möglich; manchmal kann ein Ereignis auch abgewendet werden. Zu solchen Gefahren zählen u. a.: Tsunami nach einem Seebeben: Bei größerer Entfernung vom Epizentrum kann rechtzeitig eine Warnung an betroffene Küstengebiete ergehen. Nach dem großen Tsunami 2004 wurden im Pazifik und einigen anderen Regionen Warndienste aufgebaut. Stürme / Wirbelstürme (Hurrikan / Taifun): Einen hocheffizienten Katastrophenschutz betreibt bspw. Taiwan seit Jahrzehnten im Hinblick auf Taifune.siehe auch So kommen selbst bei den stärksten Taifunen in Taiwan nur wenige Menschen ums Leben oder zu Schaden. Personenschäden sind meist auf das Nichtbefolgen von Behördenanweisungen zurückzuführen. (Siehe auch: Sturmwarnung) Erdbeben: Hier sind allenfalls sehr unsichere Prognosen des Zeitpunkts möglich; jene für Nachbeben sind etwas genauer. (Siehe auch: Erdbebenfrühwarnung) Hochwasser: Moderne Prognosemethoden verarbeiten Niederschlags- und Pegelmessungen auf Basis von Abflussmodellen und digitalen Geländehöhen. Die errechneten Pegelstände sind bei guten Modellen etwa dezimetergenau. (Siehe auch: Hochwasserwarnung) Bergstürze können meist nur prognostiziert werden, wenn schon vorausgehende Ereignisse stattfanden und mittels Geotechnik laufend Überwachungsmessungen erfolgen Hangrutschungen sind bei „verdächtigen“ Berghängen gut prognostizierbar, wenn Geotechnik und Geodäsie ständige Überwachungsnetze installieren und ein automatischer Datenfluss auch über den aktuellen Niederschlag erfolgt Bei Muren und Lawinen sind solche Prognosen unsicherer, doch können Gefährdungspotentiale angegeben werden. Epidemien/Pandemien: In der Pandemienprävention könnten durch mathematische Modellierung, Diagnostik-, Kommunikations- und Informationstechnologien bis dato unbekannte potenzielle Pathogene identifiziert, gemeldet und deren mögliche Evolution vorausgesagt werden. Mehrere Ansätze erlauben ein Abwenden einer potenziellen Pandemie. Der Nationale Pandemieplan für Deutschland nennt Maßnahmen, die im Falle der Gefahr einer massiven Ausbreitung von übertragbaren Krankheiten zu deren Verhütung und Bekämpfung beitragen können.