mini|Felix Fechenbach 1923 mini|Felix Fechenbach (stehend) mit Eisner bei einer Demonstration in München am 16. Februar 1919 Felix Fechenbach (* 28. Januar 1894 in Mergentheim; † 7. August 1933 in ScherfedeBosls bayrische Biografie an der Uni Regensburg: Felix Fechenbach (Pseudonym: Rudolf Franke).) war ein deutscher Journalist, Politiker (SPD, USPD), Schriftsteller und Dichter. Seine Pseudonyme waren Rudolf Franke und Nazi Jüsken. Er wurde 1933 von den nationalsozialistischen Machthabern verhaftet und beim Transport ins KZ Dachau ermordet.
Leben mini|1973 errichteter Gedenkstein für Fechenbach im Kleinenberger Wald mini|hochkant|Grab in Rimbeck Felix Fechenbach wurde 1894 als zweites von fünf KindernSiegbert (* 1892) und Felix (* 1894) wurden in Mergentheim geboren, Max (* 1896), Moritz (* 1898; † 1944 in einem Vernichtungslager) und Jakob (* 1899; † 1940, laut Roland Flade wurde der taubstumme Jakob wohl im Rahmen einer „Euthanasieaktion“ ermordet) in Würzburg. des Mergentheimer Bäckers Noe Fechenbach (* 1859; † November 1935) und dessen Frau, der Metzgerstochter Rosalie, geborene Weikersheimer, aus Gaukönigshofen († April 1935 in Würzburg) geboren. Noch 1894 zog die Familie Fechenbach nach Würzburg, wo Noe Fechenbach ein Haus in der Ursulinergasse 2 erwarb und dort eine Bäckerei eröffnete. Fechenbach besuchte für vier Jahre die jüdische Elementarschule in der Domerschulstraße und dann die Werktagsschule in Heidingsfeld. Diese verließ er 1907 und absolvierte danach eine kaufmännische Ausbildung in einer Schuhwarengroßhandlung Würzburgs, die er 1910 abschloss und wonach er als Handlungsgehilfe (bzw. „Commis“) tätig wurde. 1910 musste sein Vater mit der Bäckerei Konkurs anmelden, verkaufte das Haus und die Familie bezog eine Wohnung in der Semmelstraße 21.Roland Flade: Leben und Tod Felix Fechenbachs. In: Roland Flade, Barbara Ott (Hrsg.): Felix Fechenbach, Der Puppenspieler. Ein Roman aus dem alten Würzburg. Königshausen & Neumann, Würzburg 1988, S. 7–30; hier: S. 7–9. In dieser Zeit wurde er auf Rat seines älteren Bruders Siegbert (* 1892; † 1969 in Berlin) Mitglied des Zentralverbandes der „Handlungsgehilfen und -gehilfinnen Deutschlands“, einer sozialdemokratischen Angestelltenorganisation.
1911 begann Fechenbach eine Tätigkeit als Handlungsgehilfe in einer Schuhwaren-Großhandlung in Frankfurt am Main, verlor seine Arbeitsstelle jedoch im selben Jahr wieder, nachdem er an einer innerbetrieblichen Tarifauseinandersetzung teilgenommen hatte – es ging um eine unbezahlte Verlängerung der Arbeitszeit. Danach lebte er von kurzfristigen Erwerbstätigkeiten und widmete sich vor allem – wiederum unter Einfluss seines Bruders – der Arbeit in der sozialdemokratischen Jugendorganisation, der Gewerkschaft und der Sozialdemokratischen Partei selbst.Hermann Schueler: Auf der Flucht erschossen. Felix Fechenbach 1894–1933. Eine Biographie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1981, ISBN 3-462-01487-0, S. 16–20. Fechenbach gehörte auch den Naturfreunden an und „trug die Abzeichen [dieser] Bewegung mit besonderem Stolz.“Walter Victor: Dem Andenken Felix Fechenbachs. In: Der Naturfreund, Zürich, 1.11.1936,
Zwischen 1912 und 1914 arbeitete er im Münchner Arbeitersekretariat und gründete 1914 die „Jugend-Sektion“ des „Sozialdemokratischen Vereins München“, einen der Vorläufer der späteren Jungsozialisten in der SPD. Im Herbst 1914 wurde er zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen. Für sein selbständiges Vorgehen als Patrouillenführer erhielt Fechenbach das Eiserne Kreuz II. Klasse. Nach seiner Verwundung am 9. Februar 1915Roland Flade: Leben und Tod Felix Fechenbachs. In: Roland Flade, Barbara Ott (Hrsg.): Felix Fechenbach, Der Puppenspieler. Ein Roman aus dem alten Würzburg. Königshausen & Neumann, Würzburg 1988, ISBN 978-3-88479-376-3, S. 11. in den Vogesen war Fechenbach zuerst im Schreibdienst und anschließend im Münchner Traindepot eingesetzt. Dort kam er in Kontakt mit Kurt Eisner und wurde zum Pazifisten.
Während eines Urlaubs 1917 in Würzburg lernte Fechenbach die in Heidelberg Medizin studierende Martha Czernichowski (1894–1941) kennen und verlobte sich mit ihr.Roland Flade: Leben und Tod Felix Fechenbachs. In: Roland Flade, Barbara Ott (Hrsg.): Felix Fechenbach, Der Puppenspieler. Ein Roman aus dem alten Würzburg. Königshausen & Neumann, Würzburg 1988, ISBN 978-3-88479-376-3, S. 13.
Zum Ende des Krieges nahm er seine politische Aktivität wieder auf. 1917 war Fechenbach beteiligt an der Gründung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD).Leonhard Scherg: Die Jüdischen Gemeinden. In: Peter Kolb, Ernst-Günter Krenig (Hrsg.): Unterfränkische Geschichte. Band 5/2, Echter-Verlag, Würzburg 2002, S. 149–158 und 173–188; hier: S. 157 f. 1918 beteiligte er sich an der Novemberrevolution in Bayern und wirkte am 7. November 1918 mit Kurt Eisner in München an der Absetzung des Königs Ludwig III. mit.Roland Flade: Die Würzburger Juden von 1919 bis zur Gegenwart. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 529–545 und 1308, hier: S. 530 f. Er war Mitglied des Münchner Arbeiter- und Soldatenrats sowie des provisorischen Nationalrats. Als Kurt Eisner im Zuge der Revolution am 8. November 1918 nach dem Sturz der Wittelsbacher-Monarchie und der Ausrufung des Freistaats der Bayerischen Republik vom Münchner Arbeiter- und Soldatenrat zum bayerischen Ministerpräsident gewählt worden war, holte er Fechenbach als seinen Sekretär in die Staatskanzlei. Bis zu Eisners Ermordung im Februar 1919 durch Anton Graf von Arco auf Valley war Fechenbach Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats sowie des provisorischen Nationalrates in Bayern. Fechenbach schrieb für Zeitungen im In- und Ausland.
Am 25. April 1919 verließ Fechenbach München, um zu heiraten, wurde jedoch tags darauf in Ulm verhaftet und erst am 11. Juni wieder entlassen. Die Hochzeit mit Martha Czernichowski fand dann am 12. August in Heidelberg statt. Im Februar 1922 wurde die Ehe mit der inzwischen promovierten Ärztin, die sich eine bürgerliche Karriere ihres Mannes erhofft hatte, dann jedoch wieder geschieden.Roland Flade: Leben und Tod Felix Fechenbachs. In: Roland Flade, Barbara Ott (Hrsg.): Felix Fechenbach, Der Puppenspieler. Ein Roman aus dem alten Würzburg. Königshausen & Neumann, Würzburg 1988, ISBN 978-3-88479-376-3, S. 17–20. Allerdings war Czernichowski die Scheidung nicht genug, denn sie sann auf Rache. Sie denunzierte Fechenbach bei der bayerischen Justiz in einem neunseitigen Schreiben, teilweise mit abstrusen Behauptungen.
Im Jahre 1922 wurde Fechenbach wegen angeblichen Landesverrats Opfer einer Kampagne, die als „Fechenbach-Affäre“ bezeichnet wird, und am 10. August 1922 festgenommen. An der Spitze der Anti-Fechenbach-Kampagne stand damals der den Alldeutschen nahestehende nationalistische und antisemitisch agierende, katholische Publizist jüdischer Herkunft Paul Nikolaus Cossmann. Fechenbach wurde vom Münchner Volksgericht zu elf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Auch Artikel zur Kriegsschuld Deutschlands waren Prozessgegenstand. Fechenbach musste aber auf Grund des öffentlichen Drucks gegen das Urteil nur bis zu seiner Begnadigung 1924 im Zuchthaus bleiben. Nach seiner Freilassung am 20. Dezember 1924 betrieb sein Anwalt Philipp Löwenfeld die Wiederaufnahme des Prozesses. Diese endete am 15. Dezember 1926 nach mehreren Verfahren mit einer teilweisen Aufhebung des Urteils durch das Reichsgericht. Das Reichsgericht ließ aber den Vorwurf des Landesverrats gegen Fechenbach bestehen.Hermann Schueler: Auf der Flucht erschossen. Felix Fechenbach 1894–1933. Eine Biographie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1981, ISBN 3-462-01487-0, S. 215–218. Schon 1925 hatte sich Fechenbach der zionistischen sozialdemokratischen Bewegung Poale Zion angeschlossen. 1926 unternahm er eine Reise nach Palästina und berichtete in mehreren Artikeln in sozialdemokratischen Zeitungen begeistert von dem kleinen Land.Nachruf in Der Jüdische Arbeiter, Wien.
Die Jahre bis 1929 arbeitete Fechenbach in Berlin beim Dietz-Verlag und recherchierte dort Reportagen für die sozialdemokratische Tageszeitung Vorwärts (1925–1929). Er unterstützte auch die „Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde“, unter anderem als Autor und Puppenspieler von politischen und autobiografischeRoland Flade: Leben und Tod Felix Fechenbachs. In: Roland Flade, Barbara Ott (Hrsg.): Felix Fechenbach, Der Puppenspieler. Ein Roman aus dem alten Würzburg. Königshausen & Neumann, Würzburg 1988, ISBN 978-3-88479-376-3, S. 10. Elemente enthaltenden Kasperltheaterstücken („Roter Kasper“, „Kasperl als Lehrbub“).
Felix Fechenbach war unter anderem befreundet mit Bertolt Brecht, Albert Einstein und Kurt Tucholsky.Roland Flade: Leben und Tod Felix Fechenbachs. In: Roland Flade, Barbara Ott (Hrsg.): Felix Fechenbach, Der Puppenspieler. Ein Roman aus dem alten Würzburg. Königshausen & Neumann, Würzburg 1988, ISBN 978-3-88479-376-3, S. 24. @@@@@@@@@@@@@@@
Von 1929 bis 1933 arbeitete Fechenbach in Detmold als Redakteur beim SPD-Organ Volksblatt (ab 3. März 1933 verboten) und war im Widerstand gegen die Nationalsozialisten aktiv. Da er über Informanten in der lippischen NSDAP verfügte, konnte er immer wieder Interna über die Absichten und Skandale der Partei veröffentlichen. Diese unter dem Pseudonym „Nazi-Jüsken“ verfassten Glossen führten zu starken Anfeindungen. Nach der lippischen Landtagswahl am 15. Januar 1933 wurde ihm von den Nazis Redeverbot erteilt, am 11. März 1933 wurde er festgenommen und in „Schutzhaft“ überführt.
Am 7. August wurde Fechenbach auf dem Weg von Detmold in das KZ Dachau im Kleinenberger Wald zwischen Paderborn und Warburg ermordet. Der Führer des Transportkommandos, SA-Obertruppführer Friedrich Grüttemeyer, stieg mit Fechenbach aus dem Auto und versuchte erfolglos, Namen von Informanten zu erhalten. Als Grüttemeyer zur Seite ging, feuerten SS-Mann Paul Wiese und der SA-Angehörige Walter Focke mehrere Pistolenschüsse auf Fechenbach ab, der lebensgefährlich verletzt und bewusstlos in ein Scherfeder Krankenhaus gebracht wurde, wo er noch am Abend des gleichen Tages starb, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Der Witwe wurde per Telegramm am 8. August mitgeteilt, ihr Mann sei bei einem Fluchtversuch verwundet worden und später verstorben.Hermann Schueler: Auf der Flucht erschossen. Felix Fechenbach 1894–1933. Eine Biographie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1981, S. 245–248. Den Befehl zum Transport hatte der von den Nationalsozialisten zum Regierungschef in Lippe ernannte Hans-Joachim Riecke gegeben, der Fechenbach persönlich verfolgt hatte. Der Tat verdächtigt wurden vier SA- und SS-Männer aus Detmold: Friedrich Grüttemeyer, 1969 verurteilt wegen Beihilfe zum Mord zu einer Zuchthausstrafe von vier Jahren,Landesarchiv NRW, Abteilung OWL, D 21 C Nr. 2717–2728 Paul Wiese, 1948 verurteilt wegen „vorsätzlichen Totschlags“ zu einer Zuchthausstrafe von fünf Jahren,Landesarchiv NRW, Abteilung OWL, D 21 C Nr. 4337–4339 Karl Segler, dem keine Beteiligung nachgewiesen werden konnte, und Josef Focke, der nie gefasst wurde. Die Rolle Rieckes konnte nie ganz aufgeklärt werden. Ihm konnte der Befehl zum Mord nicht nachgewiesen werden, ein Strafverfahren gegen ihn wurde 1970 eingestellt.Landesarchiv NRW, Abteilung OWL, D 21 C Nr. 2108–2110 Tatsache war aber, dass Riecke den Mörder Paul Wiese einige Monate später als seinen persönlichen Fahrer eingestellt hatte.Wigbert Benz: Hans-Joachim Riecke, NS-Staatssekretär. Vom Hungerplaner vor, zum „Welternährer“ nach 1945. wvb, Berlin 2014, ISBN 978-3-86573-793-9, S. 24–27 und 115f.
Das Grab von Fechenbach befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Rimbeck.