Oak Island ( für „Eicheninsel“) ist eine von etwa 350 Inseln in der Mahone Bay an der Ostküste von Nova Scotia in Kanada. Die Insel erlangte durch einen dort vermuteten Schatz größere Bekanntheit, der seit Ende des achtzehnten Jahrhunderts zahlreiche Schatzsucher anzog.
Geographie mini|Luftaufnahme der Grabungsstelle im Jahr 1931 Oak Island hat eine Gesamtfläche von 0,57 km². Die Insel ist 1,3 Kilometer lang und etwa 600 Meter breit. Aus der Luft hat sie in etwa die Form eines kleinen Elefanten. Ihren Namen hat die Insel von den großen Eichen, die dort einst wuchsen. Oak Island war die einzige Insel in der Mahone-Bucht, auf der Eichen zu finden waren; heute wachsen diese Bäume allerdings nicht mehr dort. Die höchste Erhebung auf Oak Island misst etwa 11 Meter. Seit 1965 ist die Insel durch einen Damm zur Nova-Scotia-Halbinsel mit dem Festland verbunden.
Die nächsten größeren Städte auf dem Festland sind die 1753 von deutschen Einwanderern gegründete Stadt Lunenburg sowie Halifax im Nordosten.
Geschichte Die Gegend um Oak Island wurde erstmals 1605 von Europäern besiedelt. Bis dahin hatten die Mi’kmaq-Indianer als Jäger und Sammler dort gelebt.
Erstmals wurde die Öffentlichkeit 1864 auf Oak Island aufmerksam. In einer Zeitung wurde eine Geschichte abgedruckt, von der es bis dahin nur mündliche Überlieferungen gab. Die Geschichte erinnert in vielen Motiven an im 19. Jahrhundert modische Piratengeschichten, die erwähnten Namen lassen sich allerdings anhand von Grundbuchsregistern nachweisen, John Smith besaß tatsächlich ein Grundstück auf der Insel.
McGinnis Entdeckung Den Überlieferungen zufolge stieß der 16-jährige Holzfäller Daniel McGinnis 1795 bei einem Inselbesuch auf eine runde, anscheinend künstlich geschaffene Vertiefung im Boden. In einem Baum oberhalb der Vertiefung entdeckte er verrottete Seilfetzen und einen Ast, der merkwürdige Kerben aufwies. Das war umso überraschender, als Oak Island als unbewohnt galt. Zunächst kehrte McGinnis zum Festland zurück, um seine beiden Freunde John Smith und Anthony Vaughan zu holen, mit deren Hilfe er hoffte, dem Rätsel auf die Spur zu kommen.
Die drei jungen Leute begannen damit, die Vertiefung auszuheben. Zuerst schaufelten sie eine Lage Schieferplatten frei. Das war ungewöhnlich, da es zwar auf dem Festland Schiefer gab, jedoch nicht auf Oak Island selbst. Das Ausheben des Schachtes wurde für McGinnis und seine Freunde danach immer schwieriger, da er sich inmitten einer harten Lehmschicht befand. In drei Metern Tiefe schließlich trafen sie auf eine Schicht aus Holzstämmen, die ordentlich verlegt und in den Seitenwänden verankert waren. Unter der Lage Baumstämme fanden die drei allerdings nur Erde. Sie gruben weiter und fanden in sechs und neun Meter Tiefe zwei weitere Schichten Holzstämme, darunter aber wieder nur Lehmerde. Danach gaben sie weitere Nachforschungen auf, auch weil sie ohne weitere Hilfsmittel nicht tiefer graben konnten.
Der zweite Versuch Dem Zeitungsbericht zufolge unternahm Daniel McGinnis 1804 einen erneuten Versuch, dem Geheimnis des Schachtes auf die Spur zu kommen. John Smith hatte mittlerweile das Grundstück um die Grube gekauft und dort ein Haus errichtet. Die drei Männer konnten außerdem die Onslow Company als Geldgeber gewinnen, die ihnen die für damalige Verhältnisse besten technischen Mittel zur Verfügung stellte.
Bei den weiteren Grabungen trafen sie in zwölf Metern Tiefe erneut auf eine Lage Holzstämme, die mit einer Art Kitt abgedichtet waren. Ebenfalls entdeckten sie in der Tiefe Bündel vermoderter Kokosfasern, die ihrer Meinung nach nicht aus Kanada stammen konnten. Mit solchen Fasern wurde damals zerbrechliche Fracht auf Schiffen gepolstert. Daher nahmen McGinnis und seine Freunde an, dass eventuell ein Piratenschatz auf Oak Island vergraben sein könnte. Von dieser Annahme beflügelt, gruben sie immer weiter und stießen alle drei Meter auf eine weitere Lage Holzstämme. Schließlich erreichten sie eine Tiefe von 30 Metern. Dort trafen sie auf eine große, lehmverschmierte Schieferplatte, die sich deutlich von anderen früher entdeckten Steinen unterschied. Sie maß etwa 60 × 30 × 5 cm. Auf ihr sollen seltsame Zeichen eingeritzt gewesen sein, die niemand entziffern konnte. Die Männer hielten diese Markierungen für Hinweise auf den verborgenen Schatz, konnten dies aber nicht beweisen. John Smith baute die Platte später in seine Kaminwand ein, von wo sie jedoch bei einer späteren Renovierung verschwand.
Die Männer gruben weiter, stießen jedoch nach zwei weiteren Metern auf einen Widerstand. Da es schon dunkel war, entschied man, am nächsten Tag die Grabungen fortzusetzen. Als sie aber am nächsten Morgen zum Schacht zurückkehrten, war er plötzlich bis zur 18-Meter-Marke mit Wasser gefüllt. Zunächst vermuteten die Männer, sie seien auf eine Quelle gestoßen und bräuchten das Wasser nur abzuschöpfen, doch selbst mit einer eigens dafür konstruierten Pumpe ließ sich der Wasserspiegel nicht senken. In aller Eile grub man zur Entlastung einen zweiten Schacht, aber auch dieser wurde überflutet, ohne dass der Pegel im ersten Schacht sank. Der Onslow Company ging danach das Geld aus, und die Suche wurde eingestellt.
Die Truro Company Fast 40 Jahre lang interessierte sich niemand mehr für Oak Island. 1849 wollte die nach der Stadt Truro benannte neu gegründete Truro Company dem Rätsel auf die Spur kommen. Der als einziger von McGinnis Freunden noch lebende Anthony Vaughan war deren Berater. Mit für die damalige Zeit modernstem Gerät rückte die Truro Company auf der Insel an. Der Schacht war zunächst frei von Wasser, aber als die Arbeiter den Schutt bis aus einer Tiefe von 26 Metern beseitigt hatten, stieg es wieder an. Erneute Versuche, den Schacht leer zu pumpen, scheiterten. Ein neu entwickelter Löffelbohrer brachte dann neben Kokosfasern auch Metall- und Holzsplitter an die Oberfläche. Nach 32 Metern stieß der Bohrer erneut auf das Holz, welches 40 Jahre zuvor schon einmal angebohrt worden war. Als bei einem Unfall ein Arbeiter in das Wasser stürzte, bemerkte man, dass das Wasser salzig war und sich mit den Gezeiten hob und senkte. Daraufhin untersuchte die Truro Company die steinige Ostküste der Insel und bemerkte, dass auf der gesamten Breite des Strandes direkt über der Ebbemarke Wasser hervorsickerte. Bei genauerer Untersuchung des Strandes legten die Arbeiter eine fünf Zentimeter dicke Lage Kokosfasern frei, unter der sich eine weitere Lage Steine befand. Man stellte fest, dass anscheinend der gesamte Küstenabschnitt künstlich angelegt worden war. Unter der Steinschicht im flachen Wasser führten fünf kastenförmige Kanäle mit leichtem Gefälle in Richtung Ufer. Dieses fächerartige System mündete in einem Hauptkanal. Man vermutete, dass dieser Hauptkanal in Richtung des Schachtes führte. Als der Kanal dann durch die Bohrungen eröffnet wurde, konnte das Meerwasser den Schacht fluten. Durch die Gezeiten hob und senkte sich der Wasserspiegel im künstlichen Kamin.
Es wurde vermutet, dass diese Kanäle mit Hilfe eines Fangdammes gebaut werden konnten. Nachdem die Kanäle gebaut worden waren, wurde der Damm wieder abgetragen. Die mit Kitt abgedichteten Holzlagen des Schachtes wirkten wie ein Vakuumverschluss, sodass kein Wasser in den ausgehobenen Schacht eindringen konnte. Der vermutete Schatz wäre vom eindringenden Wasser der Kanäle geschützt gewesen, da der Druck des Luftpolsters zu groß gewesen wäre.
Die Truro Company errichtete an gleicher Stelle ebenfalls einen Fangdamm, jedoch wurde er nach der Fertigstellung vom Atlantik wieder weggespült. Da für einen neuen Damm das Geld fehlte, entschloss man sich, den Schacht zu untertunneln. Auf diese Weise hoffte man, an das Geheimnis zu gelangen. Jedoch gab es in der Grube eine Explosion, und der vermeintliche Hohlraum und dessen Inhalt sackte weiter in Schlamm und Wasser hinab. Schließlich fehlten der Truro Company weitere Mittel, und man gab die Suche auf.
Weitere Expeditionen 1861 versuchte die Oak Island Association ihr Glück. Bei einer Kesselexplosion gab es bei der Schatzsuche allerdings das erste Todesopfer. 1864 musste die Oak Island Association aufgeben, da ihr die finanziellen Mittel ausgingen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchten zwei weitere Expeditionen vergeblich, das Rätsel um den Schacht aufzuklären. 20 weitere Gruben und noch mehr Tunnel wurden gegraben, jedoch ohne neue Erkenntnisse. Da es kurz darauf bereits den zweiten Todesfall bei den Ausschachtungen gab, sprach man schon bald auch vom „Fluch von Oak Island“.
Frederick Blairs Versuch 1897 trat Frederick Blair auf den Plan. Er wollte mittels Dynamit den Meerwasserstrom umlenken, jedoch gelang es ihm nicht, den Zufluss zu stoppen. Allerdings konnte er den Wasserdruck so weit verringern, dass man den Schacht bis in eine Tiefe von 30 Metern leerpumpen konnte. In dieser Tiefe errichteten Blairs Arbeiter eine Plattform, von der aus sie weiterbohren wollten. Bei einer Tiefe von 36 Metern stießen sie erneut auf Holz und danach auf Eisen. Aus 47 Metern Tiefe förderte der Bohrer eine zementartige Substanz und Spuren von Quecksilber an die Oberfläche. Bei chemischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Zement von Menschen hergestellt worden sei, was heute jedoch angezweifelt wird. In einer Tiefe von 52 Metern traf der Bohrer dann erneut auf Eisen und kam nicht mehr weiter. Ein bemerkenswerter Fund war ein Stück Ziegenhaut, das an dem Bohrer klebte. Nach vorsichtigen Untersuchungen von Experten in Boston ließen sich auf dem Fetzen Ziegenhaut der Buchstabe V oder die Buchstaben V und W entziffern, geschrieben mit chinesischer Tusche und einem Federkiel. Heute ist das Fragment allerdings verschollen, genau wie die Schieferplatte von John Smith.
Frederick Blair hatte die Theorie, dass eine weitere Wasserquelle den Schacht immer wieder überfluten würde. Um diese Mutmaßung zu untermauern, goss er 1898 rote Farbe in die Grube und wartete, dass die Gezeiten die Farbe ins Meer spülen würde. Tatsächlich trat der Farbstoff an die Oberfläche, jedoch nicht dort, wo Blair es vermutet hätte, denn die Farbe kam auf der anderen Seite der Insel wieder zum Vorschein. Er nahm an, dass ein weiterer Flutkanal unterhalb des ersten in den Schacht führte. Da Oak Island mittlerweile von zahlreichen Schächten durchzogen war, gab es aber keinen eindeutigen Beweis für diese Theorie. 1913 gab Blair, dessen wichtigstes Arbeitsgerät bereits 1899 wegen Zahlungsunfähigkeit beschlagnahmt worden war, schließlich ebenfalls auf.
Auch der spätere US-Präsident Franklin D. Roosevelt kam 1909 mit einer Gruppe Schatzsucher auf die Insel, jedoch ebenfalls ohne nennenswerte Ergebnisse.
Mel Chappells Besuche Nach dem Ersten Weltkrieg kam Mel Chappell nach Oak Island und trieb den 21. Schacht in die Erde. Auch er hatte keinen Erfolg und musste 1931, finanziell ruiniert, aufgeben. Chappell war der Meinung, dass die Inka auf Oak Island gewesen waren. 1950 kam er erneut nach Oak Island und begann, Schürfrechte zu verpachten.
Gilbert Heddens und Edwin Hamiltons Entdeckungen 1936 gelang es Gilbert Hedden, den Schacht bis auf eine Tiefe von 50 Metern trockenzulegen. Jedoch konnte er nichts Besonderes entdecken. 1939 entdeckten dann seine Arbeiter auf der Insel einen Stein mit einem eingeritzten Freimaurerzeichen. Am Strand sollen sie ein Dreieck aus Steinen gefunden haben, welches auf den Originalschacht deutete. Heute ist man der Ansicht, dass diese Zeichen nichts mit dem Geheimnis von Oak Island zu tun haben. Hedden machte weitere Bohrungen, musste aber 1939 ebenfalls wegen Geldmangels aufgeben.
Als Nächster besuchte 1940 Edwin Hamilton die Insel und blieb bis 1946. Bei Bohrungen fand er weitere Stollen in einer Tiefe von 60 Metern.
Die Restall-Familie