mini|hochkant|Straßenansicht von der Kellinghusenstraße mini|Ansicht von Süden mit vollständigem Kirchenschiff

Die St.-Johannis-Kirche ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Sie war sehr lange Mittelpunkt eines großen Kirchspiels und ist Mutterkirche vieler weiterer Kirchen im Hamburger Norden. Das nach Johannes dem Täufer benannte Gebäude gilt als die bekannteste „Hochzeitskirche“ in Hamburg. Patrozinium

Das Patrozinium, das die Kirche zur Zeit ihrer Gründung hatte, ist nicht überliefert. In den Quellen wird sie ausschließlich als „Eppendorfer Kirche“ bezeichnet. Dass sie „St. Johannis“ heißen solle, schrieb erstmals Johann Witte 1759. Ob es dabei um den ursprünglichen Namen der Kirche handelt oder um eine Übertragung vom St.-Johannis-Kloster, das bis ins 19. Jahrhundert hinein die Kirche verwaltete, ist nicht zu rekonstruieren. Dabei dachte man an den Apostel und Evangelisten Johannes und benannte gegen 1900 die Filialkirchen Lukas-, Matthäus- und der Markuskirche nach den übrigen Evangelisten. Erst im 20. Jahrhundert wurde der Name auf Johannes den Täufer bezogen.

Geschichte Von der Gründung bis zur Reformation Die aufgrund des Namensähnlichkeit häufig geäußerte Vermutung, die Gründung von Eppendorf und seiner Kirche ginge auf eine Missionsreise Ebo von Reims im Jahre 823 in das Gebiet nördlich des fränkischen Reichs zurück, lässt sich nicht belegen und ist auch eher unwahrscheinlich. Der heute von außen nicht mehr sichtbare Rundturm stammt nach Ansicht des Architekten Paul-Gerhard Scharf jedoch aus karolingischer Zeit. Der Turm wäre demnach ein Wachturm an der Alsterfurt gewesen und erst später zum Kirchturm geworden. Gegen diese Frühdatierung spricht, dass ähnliche Rundturmkirchen wie die benachbarten Barmstedter und Rellinger Kirche, beides Gründungen der Ritter von Barmstede, aber auch die Vicelinkirchen in Ostholstein auf das 12. Jahrhundert datiert werden.

Der Ortsname Eppendorf erscheint zum ersten Mal 1140 in einer Urkunde des Bremer Erzbischofs Adalbero, der dem Hamburger Domkapitel einen dort befindlichen Hof, zu dem auch die Tarpenbeker Mühle gehörte, schenkte. Die Kirche, die im Zusammenhang mit dieser Schenkung nicht genannt ist, wurde erst 1267 urkundlich erwähnt als Ort einer Verhandlung gegen Otto von Barmstede. Im Zuge einer Landteilung unter mehreren Linien der Schauenburger Grafen 1290 fiel das Kirchspiel zusammen mit einem Drittel der Stadt Hamburg und der Stammgrafschaft Schaumburg an Adolf von Holstein-Pinneberg.

Die 1267 erwähnten Kirche brannte 1314 nieder und wurde durch einen Neubau ersetzt. Erhalten blieb der damals noch nicht mit der Kirche verbundene steinerne Rundturm.

Aus dem Jahr 1347 ist ein Verzeichnis der Einkünfte des damaligen Priesters Nicolaus tho Brema überliefert. In dem sehr großflächigen Kirchspiel, das das gesamte Gebiet zwischen der damaligen Hamburger Stadtgrenze am Dammtor im Süden und Ochsenzoll im Norden umfasste, lebten demnach nur etwa 480 abgabepflichtige Erwachsene. Die Kirche unterstand dem Hamburger Domkapitel, das die Pfründe an einen Domherrn vergab, der die Verwaltung der Pfarrstelle jedoch häufig einem Vikar überließ.

1400 wurde die Kirche in das Zisterzienserinnenkloster Harvestehude inkorporiert, von dessen Patronen, zwei Hamburger Ratsherren, das Kirchspiel verwaltet wurde. Für die Einsetzung der Ortspfarrer war das Domkapitel zuständig. Das Gebiet von Harvestehude war dem Jungfrauenthal genannten Kloster schon bei dessen Ansiedlung 1295 übertragen worden, durch Schenkungen und Verpfändungen durch die Schauenburger Grafen im 13. bis 15. Jahrhundert gelangten auch die zum Kirchspiel gehörenden Dörfer Eppendorf, Winterhude, Eimsbüttel, Groß-Borstel, Ohlsdorf, Niendorf, Lokstedt und Hummelsbüttel in den Besitz des Klosters.

1528 wurde in Hamburg die lutherische Reformation eingeführt. Der Rat entzog dem letzten Kirchherrn, dem Domscholastiker und Pfründensammler Heinrich Banzkow, seine Einkünfte an der Eppendorfer Kirche. Einen evangelischen Prediger erhielt das Kirchspiel jedoch zunächst nicht, denn der Plan, im Zisterzienserinnenkloster einen lutherischen Prädikanten einzusetzen, der auch das Kirchspiel versorgen sollte, scheiterte am Widerstand der Nonnen, die keinen evangelischen Prediger akzeptieren wollten. Daraufhin wurde das Kloster gewaltsam aufgelöst, die Gebäude niedergerissen und die verbliebenen Nonnen in das Gebäude des ebenfalls aufgelösten Dominikanerklosters St. Johannis in der Innenstadt umgesiedelt. Das Klosterland wurde einer Stiftung übertragen, die bis 1832 von zwei Hamburger Ratsherren verwaltet wurde. Graf Jobst von Holstein-Pinneberg kaufte die Dörfer Niendorf, Lokstedt und Hummelsbüttel, die seine Vorfahren im 15. Jahrhundert dem Kloster verpfändet hatten, zurück. Er und seine Söhne und damit auch ihr Herrschaftsgebiet blieben katholisch. Erst 1561 musste sich Otto IV. dem Druck der anderen längst evangelisch gewordenen norddeutschen Fürsten beugen und führte in Holstein-Pinneberg eine lutherische Kirchenordnung ein. Dabei entschied sich Otto IV. bewusst gegen eine von Johannes Bugenhagen ausgearbeitete Ordnung, wie sie in Hamburg und im benachbarten Herzogtum Holstein in Geltung war. Erst im Zusammenhang der Verpflichtung der Geistlichen der Holstein-Pinneberger Kirchen auf die neue Kirchenordnung wird mit „Herrn Frantz“ der erste evangelischer Pastor in Eppendorf genannt.

Bis zum Gottorfer Vergleich Die Dörfer des Kirchspiels unterstanden mehreren weltlichen Obrigkeiten: Die Dörfer Eppendorf, Harvestehude, Winterhude, Eimsbüttel, Groß-Borstel und Ohlsdorf gehörten zur von Hamburger Ratsherren verwalteten Klosterstiftung, auf die die Stadt Hamburg ebenso Anspruch erhob wie auf Fuhlsbüttel und Langenhorn, die auf anderen Wegen in den Besitz der Stadt gekommen waren. Niendorf, Lokstedt, Stellingen, Eidelstedt, Schnelsen und Hummelsbüttel waren Teil der Grafschaft Holstein-Pinneberg. Steilshoop und Alsterdorf waren von 1544 bis 1773 im Besitz des Herzogs von Schleswig-Holstein-Gottorf. Bis zur Reformation hatte die unterschiedliche Landesherrschaft im Kirchspiel keine große Rolle gespielt, mit dem landesherrlichen Kirchenregiment änderte sich das jedoch, da nun die Landesherren auch Einfluss auf die Besetzung geistlicher Ämter erhielten und für den Unterhalt der kirchlichen Gebäude und der Pastoren und Küster zuständig waren. Erstmals kam es 1612 zu Konflikten, als Graf Ernst sich beschwerte, dass die Hamburger Klostervorsteher ohne sein Wissen einen neuen Küster eingesetzt hatten.

Die Bestrebungen des dänischen Königs Christian IV., seinen Einflussbereich zu vergrößern, hatten auch Auswirkungen auf das Eppendorfer Kirchspiel. Er erhob Anspruch auf Holstein-Pinneberg und Hamburg und focht deren Reichsunmittelbarkeit an. 1619 besetzten dänische Truppen die Grafschaft, um seine Forderungen durchzusetzen. Graf Ernst musste sich mit 50.000 Talern freikaufen. Wie sehr die ohnehin baufällige Eppendorfer Kirche unter der dänischen Besatzung Schaden genommen hatte, ist nicht bekannt, auf jeden Fall wurde 1622 ein Neubau errichtet, der deutlich größer war als der Vorgängerbau. Die Bewohner der Pinneberger Dörfer, die besonders unter der dänischen Besatzung zu leiden hatten, blieben die von ihnen eingeforderten Zulagen zum Kirchbau schuldig, weshalb ihnen Plätze im Gemeindegestühl verweigert wurden. Die Hamburger Klosterverwalter zeigten sich dagegen großzügig und spendeten der Kirche Gemälde, die sie noch heute schmücken.

Nur fünf Jahre nach Fertigstellung der neuen Kirche griff der Dreißigjährige Krieg auf das Kirchspiel über. Während Hamburg hinter seiner Festungsanlage sicher war, waren in den Dörfern des Kirchspiels erst dänische Truppen einquartiert und anschließend verwüsteten kaiserliche Truppen das Umland. Die Kirche verlor alle Wertgegenstände, der aus dem Vorgängerbau übernommene mittelalterliche Altar wurde zerschlagen, das Gestühl und die Kirchenbücher verbrannten. In den folgenden Jahren wütete die Pest, der der alte Pastor David Penshorn und sein Adjunkt Wilhelm Matthiessen zum Opfer fielen. Mehrere Dörfer fielen wüst. Erst nachdem sich die Lage etwas beruhigt hatte, rekonstruierten 1629 Vertreter der Hamburger und der Pinneberger Obrigkeiten zusammen mit den beiden Pastorenwitwen die Kirchenrechnungen der vergangenen acht Jahre und trugen zusammen, welche Abgaben wofür fällig waren. An dieser Versammlung nahm erstmals auch ein von den Pinneberger Dörfern entsandter Kirchenjurat teil. Dabei einigte man sich auch darauf, dass die Hamburger Klosterpatronen die Pinneberger Regierung zukünftig jeweils im Voraus über bevorstehende Pastorenwahlen unterrichten und ihnen ein Mitspracherecht bei der Kandidatenauswahl einräumen wollten. Otto V. plante sogar, die Pinneberger Dörfer ganz aus dem Kirchspiel herauszulösen und für sie eine eigene Kirche in Lokstedt zu errichten. Dazu kam es jedoch nicht mehr, denn mit ihm starb das Schauenburger Grafengeschlecht 1640 aus.

Durch Besetzung der Grafschaft – einschließlich der Eppendorfer Kirchspieldörfer – brachte Christian IV. deren südlichen Teil an sich. Damit war der dänische König Landesherr einer Hälfte des Eppendorfer Kirchspiels und nutzte diesen Umstand zu einem Machtkampf mit Hamburg, dessen Selbständigkeit er nach wie vor bestritt. Auch das Kirchspiel Eppendorf beanspruchte er zur Gänze für sich. Beide Obrigkeiten versuchten die Untertanen des jeweils anderen an der Teilnahme von Visitationen und obrigkeitlich festgelegten Dank- und Bittgottesdiensten zu hindern. Wiederholt hielt der Pinneberger Drost Zahlungen an den Pastor oder für Reparaturen an kirchlichen Gebäuden zurück, beispielsweise als der Turm nach der Naturkatastrophe von Holstein 1648 einzustürzen drohte.

In diesen Jahren war Dänemark in mehrere Kriege verwickelt, weshalb mehrfach feindliche, aber auch dänische Truppen das Land durchzogen, plünderten und zerstörten. Schon 1638 war die neugebaute Eppendorfer Kirche wieder reparaturbedürftig. 1652 stiftete Pastor Johann Hoyer die erste kleine Orgel. Katholische polnische Truppen, die im Nordischen Krieg 1659/1660 im Dorf untergebracht waren, verwüsteten die Kirche, wonach das erst vierzig Jahre alte Gebäude 1662 fast von Grund auf neu gebaut werden musste. Nach mehreren Jahrzehnten, in denen die Gottesdienste zwischen den zerschlagenen Resten der alten Kirchenausstattung gefeiert werden mussten, wurden in den folgenden Jahren ein Barockaltar und eine neue Kanzel angeschafft und für die gewachsene Gemeinde Emporen eingezogen. Diese Baumaßnahmen wurden fast vollständig durch eine in den Hamburger Kirchen gesammelte Kollekte finanziert.

Der Streit zwischen Hamburg und Dänemark eskalierte, als der dänische König Christian V. 1679 Hamburg belagerte. Als dann 1683 der Eppendorfer Pastor Hermann Uphoff starb, setzte Christian V. nur fünf Tage später mit Peter Krebs, dem Cousin des Altonaer Oberpräsidenten Matthias Jessen, einen neuen Pastor ein. Die Einführung begleitete Jessen mit Soldaten, um jeden Protest aus der Gemeinde im Keim zu ersticken. Die Hamburger Kloster-Vorsteher reagierten, indem sie den Bewohnern der zum Klosterland gehörenden Dörfern verboten, die Gottesdienste und Kasualien bei Pastor Krebs zu besuchen und ihm die einem Pastor zustehenden Abgaben zu zahlen. Im Gegenzug ließ der Pastor die Kirche für die Hamburger Untertanen schließen, die somit keinen Zugang zu ihren Grabstätten in der Kirche mehr hatten. Auch der von Hamburger Seite eingestellte Küster erhielt kein Gehalt von den dänischen Untertanen. Erst 1689 kam es zu einer Einigung, so dass wieder alle Gemeindeglieder ihre Kirche besuchen konnten. Trotzdem führten auch die nächsten Einsetzungen von Pastoren und Küstern zu teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen. Schließlich kam man überein, dass die Obrigkeiten die neuen Prediger und Küster abwechselnd bestimmen sollten.