Odenkirchen ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen. Bis zur Eingemeindung in die Stadt Gladbach-Rheydt im Jahre 1929 war Odenkirchen eine eigenständige Stadt. Seit dem 22. Oktober 2009 gehört Odenkirchen zum Mönchengladbacher Stadtbezirk Süd.

Geographie Räumliche Lage Odenkirchen liegt am mittleren Niederrhein, am Übergang von der Niederrheinischen Bucht zum Niederrheinischen Tiefland – am Nordrand der Jülich-Zülpicher Börde – in einer Talsenke der oberen Niers. Odenkirchen liegt im Süden von Mönchengladbach, der größten Stadt zwischen Rhein und Maas, rund 35 Kilometer westlich von Düsseldorf.

Gliederung Odenkirchen besteht aus den Honschaften (Ortsteilen): Bell, Güdderath, Kamphausener Höhe, Odenkirchen-Mitte, Ruhrfeld, Sasserath, Mongshof, Görtzhof, Wetschewell, Hove und Saarhof.

Vor den Städtevereinigungen mit Rheydt und Mönchengladbach gehörten zu Odenkirchen außerdem Geistenbeck, Stappen, Kohr, Hockstein, Mülfort, Backeshof, Krapohl und Zoppenbroich/Dohr/Biesel/Bahner/Junker. Die ursprüngliche Stadtgebietsfläche betrug 1895 1825,9 Hektar, heute beläuft sie sich auf 1385,1 Hektar.

Heute gliedert sich Odenkirchen in die Stadtteile Odenkirchen-West, Odenkirchen-Mitte und Sasserath.

Geschichte Ursprung des Namens Odenkirchen mini|Odenkirchen (Odekyrche) (1573) mini|Odenkirchen (1620). Beachtlich ist die gleiche Größe der Ortsnamen von Odenkirchen und Gladbach, was auf die damalige Bedeutung der beiden Orte schließen lässt. Heute ist die ehemalige Stadt Odenkirchen ein Teil der Großstadt Mönchengladbach.

Die Herkunft des Ortsnamens Odenkirchen ist nicht gesichert, es gibt jedoch folgende Erklärungsversuche: Oedt = Ort in öder, wasserreicher, sumpfiger Gegend. Das Dorf Oedt nahe Kempen im Kreis Viersen, ebenfalls an der Niers gelegen, kommt in alten Urkunden vor als Hude 1170, Ude 1317, Uyde 1468 (Vergleich zu Odenkirchen: Hudenkirchen 1028, Udenkirchen 1106, Oydenkirchen 1341). Odenkirchen also Kirchort in öder, wasserreicher, sumpfiger Gegend? Vergleich zu Odenwald, Otenwald (628), Odanawalt (815); ahd. odo walt = öder Wald; ahd. ôdi, mhd. oede, ôde = öde, leer, unbebaut, unbewohnt (gilt für die früheste Zeit). Odenkirchen also auch hier Kirchort in öder Gegend? Houdenkerke (Schreibweise für Odenkirchen im 11. Jh.). Houd heißt im niederfränkischen Holz. Meistens waren die ersten Kirchen aus Holz gebaut. „Odenkirchen“ entstanden also aus einer Holzkirche? Oudenkirchen (Schreibweise für Odenkirchen im Jahre 1109). Oud steht im niederfränkischen für alt. „Odenkirchen“ könnte also „alte Kirche“ bedeuten. Die Nachbarpfarrei Hochneukirch hieß bis 1873 Neukirchen. Wenn „Odenkirchen“ für „alte Kirche“ steht, kann die Bezeichnung jedoch erst aufgekommen sein, als die neue Kirche gebaut wurde. Fraglich ist daher der Name der Ortschaft vor der Entstehung von Neukirchen. Kirche des Hudo, Udo, neudeutsch: Ude. Ein Burgherr namens Udo hat hiernach auf seinem Grund und Boden eine eigene Kirche errichtet, die der damaligen Gewohnheit entsprechend seinen Namen trug und diesen Namen dem ganzen Orte gegeben hat. „Odenkirchen“ entstanden also aus (Eigen)-Kirche des Udo?

Erste Besiedlung Der erste Ort, der aus der späteren „Herrlichkeit Odenkirchen“ in den Quellen auftaucht, ist Mülfort. Hier war eine Furt über die Niers, wo sich schon zur Römerzeit ein Kreuzungspunkt mehrerer Straßen befand. Das mittelalterliche Mülfort wird erstmals 946 in einem Privileg Ottos I. erwähnt, der Mühlgau bereits im Jahre 837. Die Ersterwähnung von Odenkirchen datiert auf den 9. Januar 1107.Hauptstaatsarchiv Düsseldorf: Regesten der Erzbischöfe von Köln (REK), Gerresheim 7, REK II, Nr. 44.

Burg Die spätestens im 12. Jahrhundert einsetzende Besiedlung Odenkirchens ging von der Burg der Herren von Odenkirchen aus. Die Erstanlage bestand aus einer Holzburg, die auf einer Erdaufschüttung (Motte) in einem Wasser- und Sumpfgebiet errichtet wurde. Schrittweise vollzog sich in den folgenden Jahrhunderten der Wandel zur massiven Steinburg.

mini|links|Burg und Herrlichkeit Odenkirchen von Nordwesten um 1680,Gemälde von Gebhard Schwermer (1930–2007) im Burgturm zu Odenkirchen (nach einem Detail eines Wandteppichs auf Schloss Westerloo der Fürsten von Merode in Belgien)

Die Burg Odenkirchen wurde erstmals 1153 in einer Urkunde von König Friedrich Barbarossa erwähnt, in der dieser dem Kölner Erzbischof Arnold II., also dem Kölner Erzstift, die Eigentumsrechte an der Burg Odenkirchen bestätigte. Odenkirchen war eine selbständige Unterherrschaft des Kölner Erzstiftes. Eine solche Unterherrschaft nannte man Herrlichkeit. Im Jahre 1689 wurden Schloss und Kanzlei im Französisch-Niederländischen Krieg durch Bombardement zerstört. 1701 folgte ein Brand in Odenkirchen, der die Burganlage und den gesamten Ort in Schutt und Asche legte. Die Burg wurde in ihrem alten Zustand nie wieder aufgebaut. Die Familie von Merode-Westerloo ließ 1734 den noch stehenden Torbogen erneuern und die Gebäude wieder errichten, die der Bewirtschaftung der umfangreichen Ländereien dienten.

Langwierige Prozesse um die Zuerkennung der Burg hatten mehr als 300.000 Reichstaler verschlungen und die Finanzen derer von Merode total zerrüttet. Sie mussten die Burg 1730 an den niederländischen Diplomaten und Komponisten Graf Unico von Wassenaer für 64.968 Reichstaler verpfänden. Als nun später die Familie von Merode nicht in der Lage war, die Pfandsumme zurückzuzahlen, trat Johann Wilhelm Augustin, Reichsgraf von Merode seine Rechte auf Odenkirchen an Unico von Wassenaer ab. Dieser verkaufte die Burg 1745 für 94.000 Reichstaler an den Kölner Kurfürsten und Erzbischof Clemens August. Der Kurfürst von Köln setzte für die Verwaltung von Odenkirchen Vögte ein. Die letzten Vögte waren der aus Aachen stammende Kurkölnische Hofkammerrat Klemens August Bernhard v. Bouget, der auch als Pächter von Haus Zoppenbroich auftrat und sein Schwiegersohn Christian Joseph Aldenhoven aus Zons. 1789 brach die Französische Revolution aus, das Revolutionsheer besetzte auch Odenkirchen. Im Rahmen der Säkularisation wurden alle kirchlichen Güter beschlagnahmt. Die Burg wurde verkauft: 1803 erwarb Benedicta v. Bouget die Burg mit allen Ländereien und verkaufte sie im Jahre 1811 an den Kaufmann Jean Lüttringhausen aus Elberfeld.

1872 wurde sie Eigentum des Odenkirchener Burgvereins; 1920 erwarb sie die katholische Pfarrgemeinde St. Laurentius. Der Westflügel der Burg entlang der Hoemenstraße wurde Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen, der Restbau 1943 durch Bomben zerstört. Der ausgebrannte Burgturm wurde 1950/51 wiederhergestellt. Der Heimatverein Odenkirchen hat das Gebäude 1988 als Erbbauberechtigter von der Pfarrgemeinde St. Laurentius mit der Auflage der Restaurierung zunächst für 30 Jahre übernommen. Dieses Erbbaurecht besteht bis heute und bezieht sich auf alle Räume der Burg mit Ausnahme der unteren beiden Räume, die von der Pfarre den Messdienern zur Verfügung gestellt wurden. Diese haben in tatkräftiger Selbstarbeit die Räume restauriert und hergerichtet und sich so dort eine gemütliche Ecke mit Musikanlage und Couchgarnitur geschaffen. Hier hat die Leiterrunde der Messdiener die Möglichkeit, sich am Wochenende zu treffen oder ihre Besprechungen abzuhalten. Sie pflegt sowohl die Räume als auch den Vorraum mit dem Torbogen und den Burggarten in liebevoller Kleinarbeit sehr.

Burggrafen Die Kölner Erzbischöfe bzw. Kurfürsten waren die Landesherren von Odenkirchen. Die ersten namentlich bekannten Odenkirchener Herren tauchen in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Friedrich I. als Herimannus comes de Udenchirchen et frater eius Arnoldus auf. (Graf Hermann von Odenkirchen und sein Bruder Arnold).Rudolf Wiedemann: Geschichte der ehemaligen Herrschaft und des Hauses Odenkirchen: nebst urkundl. Beil. – Odenkirchen: Verf., 1879. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.

Im Jahre 1109 soll die Gräfin Utilhildis de Udinkichin Burg und Herrlichkeit Odenkirchen dem Kölner Erzbischof zum Geschenk gemacht haben. Utilhildis war die Mutter des als Seligen verehrten Grafen Ludwig III. von Arnstein und die letzte aus dem Stamme eines Odenkirchener Dynastengeschlechts, das die Obervögte und Vorsitzenden der Kölner hohen Gerichtsbarkeit stellte. Der Kölner Fürstbischof war also ab 1109 Lehnsherr der Odenkirchener Burggrafen und diese seine Vasallen und Lehnsträger.

In der oben erwähnten Urkunde von 1153 wird unter der Gruppe der erzbischöflichen Ministerialen bereits ein Rabodo de Otenkirchen erwähnt. Die Raboden wurden zum Leitnamen eines Ministerialengeschlechtes, welches (zusammen mit dem zweiten Sippennamen Gerhard) bis 1391 die Burggrafen aus dem Haus Odenkirchen stellte. Der letzte Burggraf war Gerhard V.; er starb ohne männliche Erben. Dessen Tochter (oder Schwester) Agnes heiratete Arnold von Hoemen, der 1392 vom Kölner Kurfürsten mit Odenkirchen belehnt wurde. Die Herren von Hoemen regierten bis 1502. Es erbte die Tochter des letzten von Hoemen, eine Odilie, die Heinrich von Nagel geheiratet hatte. Er wurde im selben Jahr 1502 Lehnsträger von Odenkirchen. Nach seinem Tode heiratete Odilie Wilhelm von Vlodorp, der 1531 mit Odenkirchen belehnt wurde. Seine Enkelin, ebenfalls mit Namen Odilie, war vermählt mit Florentz von Botzelaer. Sie förderte die Reformation in Odenkirchen und wurde deshalb zweimal vom Kurfürsten auf Burg Linn gefangen gesetzt; als sie Besserung gelobte, wurde sie wieder freigelassen. mini|links|Jan von Werth, 1643–1652 Burggraf von Odenkirchen Florentz von Botzelaer wurde 1572 mit Odenkirchen belehnt. Sein Sohn, Franz Hatthard von Botzelaer, starb 1636 ohne Nachkommen. Er vermachte Odenkirchen seinem Neffen Maximilian von Bronkhorst-Battenburg. Dieser bewarb sich um die Belehnung, die ihm aber vom Kurfürsten verweigert wurde. Ihm wurde der Einlass verwehrt und die gräfliche Gemahlin kurzerhand mit dem Stuhl vor die Tür gesetzt. Das geschah 1636 im Dreißigjährigen Krieg. Diese Episode ist der historische Hintergrund des Romans von Hans Keller „Die Rose von Odenkirchen“. So sehr von Bronkhorst protestierte, der Kurfürst zog das Besitztum ein.

Im Jahre 1643 übertrug der Kurfürst dem kaiserlichen Feldmarschall und Reitergeneral Jan von Werth die Herrschaft Odenkirchen. Er zahlte dem Lehnsherrn 15.711 Taler und war somit Herr von Odenkirchen. Jan von Werth starb im Jahre 1652 auf seinem Gut Schloss Benatek in Böhmen. Erbin des Jan von Werth war seine Tochter Lambertina Irmgardis, die mit Winand Hieronymus Freiherr Raitz von Frentz zu Schlenderan verheiratet war. Von Frentz wurde im gleichen Jahr 1652 mit Odenkirchen belehnt. Doch wieder erhob sich gegen die Belehnung lauter Protest und zwar vom Enkel des von Bronkhorst-Battenburg, dem Maximilian Freiherr von Merode Marquis Westerloo. Er klagte gegen den Kurfürsten die Herrschaft Odenkirchen beim Reichskammergericht ein, die ihm 1694 zuerkannt wurde. Aber durch die Finanznöte derer von Westerloo ging die Burg zwischen 1730 und 1745 in Privatbesitz über. Damit war die Zeit der Odenkirchener Burggrafengeschlechter vorbei.

Stadt Odenkirchen Entwicklung mini|An der Normaluhr um 1928 Im Schatten der Burg ist schon 1158 eine, mit einem Palisadenzaun umwehrte „villa“ (Dorf) belegt, die 1398 zum ersten Mal als „Freiheit“ bezeichnet wird. Im 14. Jahrhundert muss also der Prozess einer Stadtgründung eingeleitet worden sein, deren oberstes Ziel die Privilegierung zu einer Freiheit war. Bei diesem Versuch ist es zunächst geblieben.