Die Straße von Hormus (, ) ist eine Meerenge, die den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman im Osten verbindet. Sie ist der weltweit wichtigste Engpass für die Erdöl- und Flüssigerdgas-Exporte. Rund ein Fünftel der weltweiten Erdöl- und Flüssigerdgas-Transporte passieren diese Meerenge – so die Zahlen aus dem Jahre 2024. Das verleiht ihr eine entscheidende Bedeutung für die globale Energieversorgung. Jede Störung kann erhebliche Ölpreisschwankungen und Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zur Folge haben. Bandar Abbas am Nordufer der Straße von Hormus ist der größte iranische Hafen und einer der Hauptstützpunkte der iranischen Marine. Die Straße von Hormus liegt zwischen einer Einbuchtung der Küste Irans im Norden und der aus Arabien vorspringenden Halbinsel Musandam im Süden, die zum Oman gehört. Der Golf von Oman ist der nordwestliche Arm des Arabischen Meeres und gehört zum Indischen Ozean. Die Straße von Hormus ist an der schmalsten Stelle zwischen den gegenüberliegenden Festlandsküsten 55 Kilometer (30 Seemeilen) breit. Die engste Stelle zwischen den Inseln Larak (Iran) und Great Quoin, Salāma (Oman) misst sogar nur etwa 38 Kilometer (20 Seemeilen).
Geographie Die Straße von Hormus liegt zwischen einer Einbuchtung der Küste Irans und der – als Exklave zum Oman gehörenden – aus Arabien vorspringenden Halbinsel Musandam gegenüber. Seit der Antike ist sie eine wichtige Schifffahrtsstraße. Durch sie verläuft der gesamte Schiffsverkehr von und zu den Ölhäfen Kuwaits, Katars, Bahrains, des Irak, der Vereinigten Arabischen Emirate und Irans, dazu der größte Teil des saudi-arabischen Verkehrs. Da eine Sperre der Straße die Lieferungen von bedeutenden Teilen der Erdöl- und Erdgasfördergebiete im Nahen Osten blockieren würde, ist sie von weltweiter strategischer Bedeutung.
Geschichte mini|Querschnitt durch die Straße von Hormus Bis zum 16. Jahrhundert war die Straße von Hormus der wichtigste Wasserweg auf dem Handelsweg von Europa nach Indien. An ihr lag die bedeutende Hafenstadt Hormus (wahrscheinlich auf dem Festland nördlich der Straße), die wahrscheinlich der Straße von Hormus, der Insel Hormus und dem früheren Königreich Hormus den Namen gab.
Auch mit dem Kaiserreich China bestanden Handelskontakte. Die Straße von Hormus und die westlich gelegenen Gebiete waren ein Ziel der Schatzflotte des chinesischen Admirals Zheng He Anfang des 15. Jahrhunderts. Der Portugiese Vasco da Gama segelte 1497/98 um das Kap der Guten Hoffnung nach Indien. Dieser Seeweg nach Indien wurde bis zur Eröffnung des Sueskanals 1861 der übliche Seeweg zwischen Europa und Indien. Da Gama brach durch seine Reise das Handelsmonopol der Araber.
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts pflegte Großbritannien enge Beziehungen zu den Scheichtümern an der Golfküste, insbesondere zum Sultan von Oman, weil dieser den Zugang zur Straße von Hormus kontrolliert, die sehr bedeutend für die britischen Handelsrouten nach Indien war (vgl. auch Vertragsoman).
Nachdem der neu gewählte iranische Ministerpräsident Mohammad Mossadegh das Ölgeschäft 1951 verstaatlichte, reagierte Großbritannien mit einer Blockade der Meerenge für iranisches Öl zwischen 1951 und 1953. Nach dem Sturz des iranischen Ministerpräsidenten 1953 wurde die Verstaatlichung des iranischen Ölgeschäfts rückgängig gemacht.
Seit 1971 gibt es einen Konflikt zwischen Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten um Abu Musa und die Tunb-Inseln, denen im Hinblick auf die Kontrolle der Straße von Hormus besondere strategische Bedeutung zukommt.
Am 3. Juli 1988 schoss das US-Kriegsschiff Vincennes über der Straße von Hormus versehentlich den Iran-Air-Flug 655 der iranischen Fluggesellschaft Iran Air ab. Alle 290 Menschen an Bord starben.
Im Zusammenhang mit dem 2006/2007 drohenden US-Angriff auf die Islamische Republik Iran wegen deren Atomprogramm befürchtete die US-Regierung die Schließung der Straße mittels Marschflugkörpern. Aus diesem Grund waren Anfang 2007 Flugzeugträger und Minenräum-Begleiter in der Nähe der Meerenge positioniert.
Im Rahmen des Streits um das iranische Atomprogramm drohte der Erste Vizepräsident Irans, Mohammad Reza Rahimi, Ende Dezember 2011 für den Fall der Verhängung eines Ölembargos gegen Iran mit der Sperrung der Straße von Hormus.Islamic Republic News Agency (IRNA): 1st VP: No single drop of oil will pass through Hormuz Strait if Iran oil is banned (engl.) vom 27. Dezember 2011. Abgerufen am 16. Januar 2012.
Blockade der Straße von Hormus 2026
Am Morgen des 28. Februar 2026 begannen US-Streitkräfte und Streitkräfte Israels den Irankrieg 2026. Am gleichen Tag empfingen Schiffe Funkmeldungen der Islamische Revolutionsgarden, die die Sperrung der Straße von Hormus infolge des Irankriegs ankündigten. Am 2. März erklärte der Iran erstmals offiziell die Schließung. Zwei Tage später passierten statt bisher durchschnittlich 138 Schiffe pro Tag nur noch zwei die Meerenge. Am 5. März passierten sieben Schiffe mit eingeschaltetem AIS die Meeresenge, davon waren drei Tanker.https://www.ukmto.org/-/media/ukmto/products/update-006-jmic-advisory-note-06_mar_2026_final.pdf?rev=1a5ae98352fd47399a1ea9325131bc58 Bei den durchgelassenen Schiffen soll es sich um iranische Schattenflottentanker sowie um Schiffe von chinesischen Reedern oder Auftraggebern handeln. Dennoch war die Zahl der nach einer einwöchigen Blockade beidseits der Meerenge im Stau stehenden Schiffe bereits auf insgesamt fast 1000 angewachsen. Die wenigen Reeder, die die Durchfahrt riskierten, verlangten Frachtraten, die, im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg, auf das Vierfache und mehr gestiegen waren, was aber angesichts der durch den Krieg deutlich gestiegenen Ölpreise verkraftbar war.Gerd Höhler: Wie ein griechischer Tycoon den Mullahs trotzt. In: Luxemburger Wort, 13. März 2026.
US-Präsident Trump empfahl am 11. März 2026, trotz der von Iran verhängten Blockade die Straße von Hormus zu durchfahren.US-Präsident Trump ermutigt Ölkonzerne zur Durchfahrt der Meerenge von Hormus. tagesschau.de, 12. März 2026.
US-Verteidigungsminister Hegseth behauptete am 12. März 2026, die Situation in der Straße von Hormus sei nicht besorgniserregend.Phillips Payson O’Brien: Why Trump Didn’t Plan for the Strait of Hormuz. In: The Atlantic, 13. März 2026. Generalstabschef Caine nannte sie eine „taktisch komplexe Umgebung“. Bevor die US Navy dort viele Schiffe durchschleusen könne, müssten erst bestimmte militärische Ziele erfüllt werden.„Ein Akt purer Verzweiflung“. tagesschau.de, 13. März 2026.
Am 8. April 2026 einigten sich die USA und Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe, in deren Rahmen Iran die Straße von Hormus unter Auflagen wieder öffnete. Iran verlangte von Tankern eine Durchfahrtsgebühr von einem US-Dollar pro Barrel Öl, zahlbar in Bitcoin, um das durch Sanktionen blockierte SWIFT-System zu umgehen.Hanno Mußler: Iran verlangt von Reedern Maut – in Bitcoin. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. April 2026.
Am 5. Mai 2026 wurde der Frachter San Antonio der französischen Reederei CMA CGM in der Straße von Hormus angegriffen und beschädigt. Mitglieder der Crew seien verletzt und evakuiert worden, wie die CMA CGM weiter mitteilte. Inzwischen wurden mehrere Tanker beschädigt oder versenkt, was zu Ölverschmutzungen in unbekannten Ausmaß führte.
Wirtschaftliche Bedeutung Die Straße ist der wichtigste Engpass für den Ölexport nach Asien, Westeuropa und in die USA. Tanker mit ca. 20 Millionen Barrel (entspricht etwa 2,72 Millionen Tonnen) Öl durchfahren sie täglich – 2024 waren das 20 Prozent des Weltölverbrauchs. Über dieser 20 Millionen Barrel werden üblicherweise an asiatische Abnehmer, vor allem in China, Indien und Japan, verschifft. Außerdem passierten im Schnitt täglich 20 Prozent des weltweit verbrauchten Flüssigerdgases sowie ein Drittel des in Europa gebrauchten Flugzeugtreibstoffs die Meerenge. Dazu existieren als internationale Schiffsrouten zwei jeweils 3 Kilometer breite und 35 Kilometer lange „virtuelle Fahrspuren“, getrennt für den ein- und den ausgehenden Verkehr (Verkehrstrennungsgebiet).
Pipelines als Alternative zum Schiffstransport Saudi-Arabien errichtete als Konsequenz aus dem Iran-Irak-Krieg, in welchem zahlreiche Tankschiffe in der Straße von Hormus beschossen wurden, die doppelsträngige Ost-West-Pipeline quer über die Arabische Halbinsel von den Ölfeldern am Persischen Golf über 1200 Kilometer nach Westen bis zum Hafen Yanbu am Roten Meer und nahm sie 1982 in Betrieb. Deren Kapazität betrug zunächst 5 Millionen Barrel pro Tag, jetzt (2026) beträgt sie 7 Millionen Barrel pro Tag. Der Hafen Yanbu hatte zu Beginn des Krieges gegen den Iran jedoch nur eine Verladekapazität von 3 Millionen Barrel täglich. Bis Ende März 2026 konnte sie auf rund 4,67 Millionen Barrel pro Tag gesteigert werden.
Die Vereinigten Arabischen Emirate folgten mit dem Bau der Habshan–Fujairah-Ölpipeline von Abu Dhabi bis ins Emirat Fudschaira, die das Umgehen der Straße von Hormus seit 2012 ebenfalls ermöglicht. Jedoch kann sie mit 1,5 Millionen (nach neueren Angaben 1,8 Millionen) Barrel pro Tag nur einen Bruchteil der normalerweise verschifften Mengen Rohöl und Ölprodukte durchleiten.Gavin Butler: Strait of Hormuz: What happens if Iran shuts global oil corridor?. In: BBC. Abgerufen am 12. März 2026. Eine weitere Pipeline nach Fudschaira mit 1,5 Mio. Barrel/Tag ist mit Stand Frühling 2026 bereits im Bau; aufgrund der (mit Stand Mai 2026) bereits über zwei Monate langen Blockade der Straße von Hormus forcieren die VAE die Fertigstellung dieser Rohölleitung und wollen sie 2027 in Betrieb nehmen.
Geplanter Damm bei Hormus Im März 2014 wurde ein binationaler Plan Irans und des Oman publik, die Straße von Hormus mit einer Straßenverbindung zwischen Iran und der omanischen Halbinsel Musandam per Dämmen und einer Brücke zu versehen. Dieses Vorhaben führte zu internationalen kontroversen Diskussionen. Ein Konfliktpotential ist die internationale Seefahrt vor allem der Öltanker, ein anderes der Umstand, dass die Halbinsel Musandam eine omanische Exklave, d. h. nicht integraler Teil des Oman ist und die Straßenverbindung von Oman zu Musandam mit anzunehmendem hohem Verkehrsaufkommen durch Gebiete der Vereinigten Arabischen Emirate führt. Weiter bestehen Bedenken zur Meeres-Ökologie im Persischen Golf bei einer Damm-Errichtung an der Engstelle und folgender Behinderung von Strömungen. Der Fortgang der Planungen ist unklar (Stand Mitte 2021).Bericht auf World Gulf (engl.). Abgerufen am 30. August 2021.
Rechtliche Lage mini|Abu Musa und die Tunb-Inseln werden von der Islamischen Republik Iran und von den Vereinigten Arabischen Emiraten beansprucht. Sie sind von Iran besetzt.
Schiffe müssen, um die Straße von Hormus zu passieren, die Hoheitsgewässer des Oman und Irans durchfahren. Die Durchfahrt soll nach dem UN-Seerechtsübereinkommen geregelt werden. Nach diesem Abkommen stünde allen Schiffen das Recht der friedlichen Durchfahrt zu. Dieses Abkommen wurde vom Iran zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert und hat damit für die Straße von Hormus noch keine Gültigkeit erlangt. Die weitergehenden Rechte würde Iran, wenn die Islamische Republik dem Abkommen beiträte, nur denjenigen Staaten zugestehen, die dem Seerechtsabkommen ebenfalls beigetreten sind.Steven Groves: Accession to the U.N. Convention on the Law of the Sea Is Unnecessary to Secure U.S. Navigational Rights and Freedoms. In: The Heritage Foundation. Archiviert vom Original am 17. Mai 2021. Abgerufen am 2. März 2026. Die USA sind dem Seerechtsübereinkommen nicht beigetreten.