rahmenlos|hochkant=1.4|rechts

Der Kaiserschnitt, Sectio caesareaPlural Sectiones caesareae (von und ‚kaiserlich‘, eigentlich von caedere, ‚hauen, heraushauen, ausschneiden, aufschneiden‘; caedere ventrem, ‚den Bauch aufschneiden‘, bedeutet „den Kaiserschnitt machen“), oder die (abdominale) Schnittentbindung ist die mit einem Einschnitt in die Bauchdecke und die Gebärmutter der Mutter durchgeführte chirurgische Entbindung von Föten. Dazu wird ein Unterbauch-Querschnitt direkt oberhalb des Mons veneris (Pfannenstielschnitt nach Johannes Pfannenstiel) vorgenommen oder – in deutschsprachigen Ländern seltener – ein Schnitt vom Bauchnabel entlang der Linea alba zur Schambeinfuge (Längslaparotomie).

Wortherkunft Laut dem römischen Schriftsteller Plinius (Naturalis historia 7, 47) leitet sich der Name Caesar vom Partizip Perfekt des lateinischen Wortes caedere („ausschneiden“), caesus („geschnitten“), ab. Johannes Melber formuliert dazu 1482: „Cesar keiser, sic dictus, quod ex ventre matris cesus“ („Cäsar, Kaiser, so genannt, da er aus dem Bauch der Mutter geschnitten“).Johannes Melber (de Gerolczhofen): Vocabularius praedicantium sive Variloquus. Hrsg. von Jodocus Eichmann. Greyff, Reutlingen (1479–)1482 (Bibliografische Angaben Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt). Caesus ist auch verwandt mit Zäsur (von , ‚Schnitt‘, ‚Einschnitt‘).Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. hrsg. von Walther Mitzka. 20. Auflage. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 340. Da aus Caesar das Wort und der Begriff Kaiser entstand, wurde (über mittellateinisch sectio caesaria) aus der sectio caesarea („cäsarischer Schnitt“) das Wort Kaiserschnitt. Im englischen und französischen Sprachraum heißt der Eingriff noch heute Caesarean section und césarienne.

mini|Entwickeln des Kindes mini|Absaugen des Mundraums und Abnabelung

Primärer und sekundärer Kaiserschnitt, Indikationen Generell unterscheidet man zwischen einem primären Kaiserschnitt und einem sekundären Kaiserschnitt.

Ein primärer Kaiserschnitt ist im Rahmen des Geburtsmodus geplant und die Geburt hat noch nicht begonnen, das heißt, es gab weder einen Blasensprung noch haben muttermundwirksame Wehen eingesetzt. Auch der sogenannte Wunschkaiserschnitt ist ein primärer Kaiserschnitt. Es gibt absolute (unbedingt nötig) und relative (situationsabhängig) Indikationen für einen primären Kaiserschnitt; absolute Indikationen sind zum Beispiel: eine regelwidrige Lage des Kindes (z. B. Querlage), Lebensgefahr für Mutter oder Kind z. B. ein (drohender) Gebärmutterriss, spezielle Vorerkrankungen der Mutter (z. B. schwere Wirbelsäulenverletzungen) oder des Kindes (z. B. Bauchdeckendefekte); zu den relativen Indikationen zählen unter anderem: Verdacht auf ein Missverhältnis zwischen der Größe des Kindes und dem Durchmesser in der Beckenenge des Geburtskanals, der Zustand nach einem Kaiserschnitt und die Beckenendlage (die unter der Betreuung von erfahrenen Geburtshelfern vaginal geboren werden kann). Von einem sekundären Kaiserschnitt spricht man, wenn die Geburt bereits begonnen hat, das heißt, wenn die Fruchtblase gesprungen ist oder es zu muttermundswirksamen Wehen kommt, unabhängig vom Schwangerschaftsalter. Er führt deshalb auch zu den meisten mütterlichen und kindlichen Komplikationen, die unter der Geburt auftreten können und dazu führen, dass die Geburt nicht mehr gefahrlos fortgeführt werden kann. Indikationen dafür sind zum Beispiel: Geburtsstillstand auf Grund einer mangelnden Drehung des kindlichen Kopfes, auffällige Herztöne, das Auftreten eines schwangerschaftsinduzierten Hypertonus oder Kindslagen, die die Geburt schwierig bis unmöglich machen, wie beispielsweise die Gesichtslage, oder eine fetale Azidose.Alina Reichardt: Geburtshilfe: Doch kein Hebammengesetz. In: Deutsches Ärzteblatt, 2020, Ausgabe 117, S. 27–28.

mini|Situs nach Uterusnaht Etwa 10 % aller Kaiserschnittentbindungen in Deutschland entfallen auf absolute Indikationen, hingegen werden ca. 90 Prozent aufgrund von relativen entschieden.

Notkaiserschnitt Ein Notkaiserschnitt (Notsectio) kann primär oder sekundär erfolgen. Der Ausdruck bezieht sich lediglich auf die Dringlichkeit und damit auf die Gefahr, die für Mutter und/oder Kind besteht. Gründe für einen Notkaiserschnitt sind zum Beispiel eine vorzeitige Plazentalösung, ein Nabelschnurvorfall,Pschyrembel: Nabelschnurvorfall. Auf: Pschyrembel online, zuletzt abgerufen am 30. März 2023.C. Vonlanthen, O. Lapaire, T. Girard: Geburtshilfliche Notfälle. In: Kranke, P. (Hrsg.): Die geburtshilfliche Anästhesie. Springer, Berlin / Heidelberg, 2017. eine Uterusruptur, eine Uterustorsion, ein Krampfanfall im Rahmen einer Eklampsie, ein kindlicher Sauerstoffmangel, erkennbar z. B. an einem Rückgang der kindlichen Herzfrequenz („Herztonabfall“) auf niedrige Werte (pathologisches CTG) sowie eine Blutung bei Placenta praevia.

Eine Notsectio erfolgt in Vollnarkose (schnellste Form der Anästhesieeinleitung) und unter Weglassen der üblichen Vorbereitungen (Rasur, Legen eines Blasenkatheters, ausführliche Desinfektion der Haut). Der Zeitraum zwischen Entscheidung zur Notsectio und Entbindung des Kindes sollte nur wenige Minuten betragen, 20 Minuten aber auf keinen Fall überschreiten.Notsectio. In: pschyrembel.de

Wunschkaiserschnitt Wurde diese Operation früher fast ausschließlich aus medizinischen Gründen durchgeführt, wenn eine Geburt über die Scheide für Mutter oder Kind zu gefährlich erschien, so wird heutzutage (Stand 2024) etwa jedes dritte Kind in Deutschland per Kaiserschnitt entbunden anstatt durch den Geburtskanal und hat sich seit dem Jahr 1991 verdoppelt, wobei es große regionale Unterschiede (Kaiserschnittraten liegen zwischen 27 % in Sachsen und über 36 % im Hamburg) gibt, welche „medizinisch nicht erklärbar“ sind.

Der starke Anstieg auf durchschnittlich 31,9 % wurde und wird kontrovers diskutiert, zumal die WHO eine Kaiserschnittentbindung in nur etwa 10–15 % der Geburten medizinisch indiziert sieht. und (PDF)

Etwa zwei Prozent der Kaiserschnitte in Deutschland erfolgen ohne medizinische Indikation („Wunschkaiserschnitt“; siehe dort für Vor- und Nachteile gegenüber einer vaginalen Geburt). In anderen Ländern, z. B. Brasilien (54,6 % im Jahr 2017), China, Mexiko (45,2 % im Jahr 2017), ist die Wunschkaiserschnittrate deutlich höher.

Anästhesieverfahren Der Kaiserschnitt kann unter rückenmarksnaher Regionalanästhesie (Spinalanästhesie oder Periduralanästhesie) oder auch unter Allgemeinanästhesie (Narkose) vorgenommen werden.Vgl. E. Traub, Wolfgang Dick, E. Knoche, J. Muck, H. Kraus, U. Töllner: Vergleichende Untersuchungen zur Allgemeinanästhesie bzw. Periduralanästhesie bei der primären Sectio caesarea. In: Regional-Anaesthesie. Band 7, 1984, S. 15–24. Während noch bis in die 1990er Jahre in Deutschland die Häufigkeit der Vollnarkose überwog, begannen sich spätestens um die Jahrtausendwende die rückenmarksnahen Verfahren eindeutig durchzusetzen.U. M. Stamer, R. Wiese, F. Stüber, H. Wulf, T. Meuser: Change in anaesthetic practice for Caesarean section in Germany. In: Acta Anaesthesiol Scand. Band 49, Nr. 2, 2005, S. 170–176. PMID 15715617 doi:10.1111/j.1399-6576.2004.00583.x Was die Regionalverfahren selbst betrifft, so wurde bis in die 1990er Jahre großenteils die Periduralanästhesie bevorzugt, weil die damals verwendeten Spinalnadeln verhältnismäßig häufig mit sogenannten postpunktionellen Kopfschmerzen verbunden waren und die Periduralanästhesie schon zuvor als beste und für das Kind gefahrlosGustav Döderlein: Der heutige Stand der abdominalen Schnittentbindung. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 56–61, hier: S. 61. anzuwendendes Verfahren galt. Durch die Entwicklung moderner dünner Spinalnadeln konnte dieses Problem jedoch minimiert werden, wodurch das Pendel inzwischen eindeutig zugunsten der Spinalanästhesie umschlug. Beim Kaiserschnitt kommt in Deutschland laut einer Erhebung von 2015 in über 85 Prozent der Fälle die Spinalanästhesie zum Einsatz; die Periduralanästhesie wird in der Regel nur noch dann angewendet, wenn bereits zuvor ein Periduralkatheter zur Geburtserleichterung für eine vaginale Entbindung gelegt worden ist, der dann bei doch notwendiger sekundärer Schnittentbindung mit Lokalanästhetikum beschickt wird.Die geburthilfliche Analgesie und Anästhesie. S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. (PDF; 6,7 MB) In: awmf.org 2020.

Rein durch die Anästhesie bedingte mütterliche Todesfälle im Zusammenhang mit einem Kaiserschnitt sind heutzutage extrem selten, jedoch bei der Narkose geringfügig häufiger als bei der Regionalanästhesie.Joy Hawkins, Lisa Koonin, Susan Palmer, Charles Gibbs: Anesthesia-related deaths during obstetric delivery in the United States, 1979–1990. In: Anesthesiology. Februar 1997, Band 86, Nr. 2, S. 277–284, PMID 9054245, doi:10.1097/00000542-199702000-00002. Bei bestimmten Vorerkrankungen der Patientin verbietet sich eine Regionalanästhesie (zum Beispiel bei Gerinnungsstörungen oder Hautinfektionen am Punktionsort). Auch die Ablehnung des Verfahrens durch die Patientin gilt als Kontraindikation, wobei eine vorherige abwägende Darlegung der Vor- und Nachteile der Verfahren als obligater Bestandteil der informierten Einwilligung (engl.: informed consent) vorausgesetzt wird.

Bei den Regionalanästhesieverfahren kann die Mutter ihr Kind unmittelbar nach der Entbindung sehen. Fällt die Entscheidung für einen Kaiserschnitt kurzfristig, etwa infolge auftretender Komplikationen bei der natürlichen Geburt, so wird eine sogenannte „eilige Sectio“Axel Feige: Sectio – eilige Sectio – Notsectio. In: Axel Feige, Werner Rath, Stephan Schmidt (Hrsg.): Kreißsaal-Kompendium. Das Praxisbuch für die Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart u. a. 2013, S. 169–171 (doi:10.1055/b-0034-3319). durchgeführt. In dringendsten Fällen erfolgt eine „Notsectio“ in Allgemeinanästhesie.

Komplikationen und Folgen Komplikationen Verletzungen benachbarter Organe oder Strukturen Blutverlust durch Atonie (unzureichende Kontraktion der Gebärmutter) Wundheilungsstörungen, Infektionen, Verwachsungen, Narbenbruch, Narbenwucherung Thrombose und daraus folgende Lungenembolie, ggf. Notwendigkeit der Gebärmutterentfernung Verletzungen während der Entwicklung des Kindes, wie Schürfungen, Schnitte und Brüche (selten)

Mögliche Folgen für Mutter und Kind Respiratorische Anpassungsstörungenwww.amboss.com: Atemnotsyndrom des Neugeborenen (Infant respiratory distress syndrome…) Verzögerte Rückbildung der Gebärmutter, verzögerter Milcheinschuss (verspäteter Beginn der Stillphase) Narbenendometriose geringere Fruchtbarkeit, auch physisch begründet Risiko eines Gebärmutterrisses bei einer Folgeschwangerschaft, besonders im Narbenbereich Verwachsungen des Mutterkuchens bei einer Folgeschwangerschaft im Narbenbereich (mit dem Risiko einer erhöhten Blutungsneigung) Psychische Probleme