Das Museum Abteiberg ist ein städtisches Museum in Mönchengladbach.

Ein eindeutiges Gründungsjahr des Mönchengladbacher Museums für bildende Kunst gibt es nicht, 1904 ist das in der Literatur bevorzugte Datum, alternativ wird auch 1901 genannt. 1904 wurde erstmals ein eigenes Gebäude bezogen. Die Bestände waren 1901 systematisch unter museologischen Gesichtspunkten erschlossen worden. Nach dem Bezug des Museumsneubaus von 1982 löste die Bezeichnung Städtisches Museum Abteiberg Mönchengladbach die Bezeichnung Städtisches Museum Mönchengladbach ab. Seit 2009 heißt es wieder Museum Abteiberg. Es liegt direkt neben dem Gladbacher Münster etwa eine Minute vom Alten Markt entfernt.

Das Museum Abteiberg liegt an einem steilen Südhang. 1982 wurde es nach zehnjähriger Planungs- und Bauzeit unter großer öffentlicher Anteilnahme eingeweiht. Es gilt heute als eines der Hauptwerke des Wiener Architekten Hans Hollein und als einer der Gründungsbauten der internationalen Postmoderne. Der Architekt Frank O. Gehry sagte, ohne das Museum Abteiberg wäre sein eigenes Guggenheim-Museum in Bilbao wohl nicht denkbar gewesen.

Das Museumsgebäude steht am Anfang einer Entwicklung der Museumsarchitektur, in der das Gebäude selber als Kunstobjekt behandelt wurde. „Fast alle Architektur-Kritiker wurden von dieser völlig neuen räumlichen Konzeption eines Kunstmuseums überrascht.“ (Dietmar Steiner in art 7/04, S. 54.) In Deutschland folgten Bauten wie die Staatsgalerie Stuttgart (1984), das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt (1985), das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt (1991, ebenfalls von Hans Hollein) und das Kunstmuseum Bonn (1992). Seit 2017 ist das Gebäude zusammen mit dem Museumsgarten als Baudenkmal eingetragen.

Das Museum Abteiberg ist ein Museum für Bildende Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Zwischen 1972 und 1982 erbaut, zeigt das architektonische Gesamtkunstwerk unter anderem Arbeiten von Joseph Beuys, Richard Serra, Andy Warhol, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Martin Kippenberger, Markus Oehlen, Heinz Mack, Ulrich Rückriem und Gregor Schneider.

Im Dezember 2009 hat der Künstler Gregor Schneider einen temporären Zugang zum Museum geschaffen, eine unauffällige Garage neben dem Museumsparkplatz. Bereits 2008 hatte Schneider einen tunnelartigen Zugang zu dem Museum geschaffen.

2016 wurde das Kunstmuseum von der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes AICA zum Museum des Jahres gewählt („eine der führenden Adressen für Gegenwartskunst in Deutschland“).Rheinische Post:

Geschichte der Sammlung miniatur|Mönchengladbach, Museum Abteiberg Seitenansicht miniatur|Mönchengladbach, Museum Abteiberg, Eingang und Skulptur von Alexander Calder miniatur|Mönchengladbach, Museum Abteiberg miniatur|Mönchengladbach, Museum Abteiberg, Detail miniatur|Mönchengladbach, Abteiberg Museumsgarten

Seit 1887 wurden erste Objekte für eine stadtgeschichtliche Sammlung zusammengetragen. Ab 1901 wurden diese Gegenstände systematisch geordnet, katalogisiert und im Rathaus der Stadt ausgestellt. Der 1902 gegründete Museumsverein unterstützte den weiteren Aufbau und die Präsentation der Sammlung. 1903 umfasst die Sammlung die drei Gebiete: Kunstgewerbliche und ethnografische Sammlung, Geschichtliche Abteilung sowie Naturwissenschaftliche Abteilung. Durch umfangreiche Zukäufe wurde in den Folgejahren die Sammlung deutlich erweitert. 1906 wurde eine textile Gewebesammlung mit circa 4000 Mustern von Hr. Voos erworben. 1907 kamen Teile der Sammlung Kramer hinzu. Dieser Ankauf umfasste mittelalterliche Holzskulpturen, Rüstungen, Gläser, Waffen und Krüge.

Einen entscheidenden neuen Akzent setzte 1922 Walter Kaesbach, der seiner Heimatstadt – unter der Auflage einer angemessenen Präsentation – zahlreiche Werke der expressionistischen Kunst stiftete. Diese Sammlung bestand aus 97 Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen u. a. von Lyonel Feininger, Erich Heckel, Heinrich Nauen, Emil Nolde und Christian Rohlfs. Für die Präsentation dieser Sammlung in Mönchengladbach gründete sich im selben Jahr der „Kunstverein der Dr.-Walter Kaesbach-Stiftung“. Auf Grund unzureichender Präsentationsmöglichkeiten wurde diese Sammlung auf Initiative Walter Kaesbachs zwischenzeitlich im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum ausgestellt. Erst ab 1928 konnte die Sammlung expressionistischer Kunst in angemessener Form im neu eröffneten Museum im Karl-Brandts-Haus gezeigt werden. Inzwischen war die Sammlung um Werke von Heinrich Campendonk, Ernst Ludwig Kirchner, Wilhelm Lehmbruck, August Macke, Wilhelm Morgner, Otto Mueller, Hermann Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff erweitert worden. In diesem Gebäude wurde zudem die Naturhistorische Sammlung und die Sammlung für Vor- und Frühgeschichte gezeigt. Weitere Werke der Bildenden Kunst und des Kunstgewerbes wurden im Oskar-Kühlen-Haus ausgestellt.

1934 wurden die Sammlungen aus beiden Häusern im Karl-Brandts-Haus zusammengefasst, das nun „Haus der Kunst“ hieß. Das Oskar-Kühlen-Haus wurde Sitz des neuen „Haus der Heimat“, das sich der Heimatpflege und Familienforschung widmete. 1937 wurde im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ der überwiegende Teil der Walter-Kaesbach-Stiftung beschlagnahmt. Lediglich sieben Werke der Stiftung verblieben in der Sammlung, darunter ein Blumenstillleben von Heinrich Nauen und drei Pinselzeichnungen Emil Noldes. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1944 wurden Teile der Sammlung ins Schloss Alme bei Brilon, sowie in die Schlösser Niesen und Borlinghausen bei Willebadessen evakuiert.

Heinrich Dattenberg, der 1945 nach Kriegsende neuer Museumsdirektor wurde, bemühte sich, die dezentral gelagerten Bestände der Sammlung wieder zusammenzuführen. Er versuchte auch den Rückkauf beschlagnahmter expressionistischer Gemälde, bzw. deren Ersatz durch gleichwertige Arbeiten. Ihm gelang 1956 der umstrittene Ankauf von Alexej von Jawlenskys Gemälde Dame mit blauem Hut. Auch Walter Kaesbach fand sich nach dem Zweiten Weltkrieg bereit, erneut eine Auswahl expressionistischer Werke dem Städtischen Museum zu stiften. Der niedrige Ankaufsetat und die steigenden Preise expressionistischer Künstler auf dem Kunstmarkt in der Zeit der 1950er und 1960er Jahre führten schließlich zu einer Konzentration auf die Sammlung zeitgenössischer Kunst.

Dattenbergs Nachfolger Johannes Cladders setzte ab 1967 diese Sammlungsstrategie konsequent fort. 1970 gelangte die Sammlung Etzold als Dauerleihgabe in den Besitz des Städtischen Museums. Mit der Eröffnung des neuen Museumsgebäudes auf dem Abteiberg kamen weitere Dauerleihgaben hinzu, vor allem die Sammlungen Onnasch und Marx. Die Sammlung Onnasch befindet sich heute in weiten Teilen in der Hamburger Kunsthalle. Die Sammlung Marx befindet sich jetzt in der Neuen Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof in Berlin. Das Städtische Museum verlor infolge dieser Umzüge ein Hauptwerk seiner Sammlung, Unschlitt/Tallow von Joseph Beuys, obwohl es der Stadt vom Sammler zum Ankauf angeboten worden war. Neuere Leihgaben stammen aus der Sammlung Rheingold und der Sammlung Schürmann.

Ankäufe für die Sammlung des Museums wurden unter anderem durch Gelder des WDR, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadtsparkasse Mönchengladbach, des Museumsvereins und seines Förderkreises ermöglicht. 2018 konnte mit finanzieller Unterstützung durch Kulturstiftung der Länder, Land Nordrhein-Westfalen, Kunststiftung NRW und Hans Fries-Stiftung die Sammlung und das Archiv von Erik und Dorothee Andersch erworben und der Museumsbestand insbesondere um Werke des Fluxus erweitert werden.

Leiter des Museums 1907–1933: Carl Schurz 1933–1945: Julius Koenzgen 1945–1967: Heinrich Dattenberg 1967–1985: Johannes Cladders 1985–1994: Dierk Stemmler 1995–2003: Veit Loers seit 2004: Susanne Titz

Sammlungsschwerpunkte Die Liste benennt die jeweils bedeutendsten Werke der Sammlung, alphabetisch nach Künstlernamen sortiert. Einige der genannten Arbeiten befinden sich als Dauerleihgaben der Sammlung Etzold und der Mönchengladbacher Sparkassenstiftung für Kunst und Wissenschaft in der Sammlung. Das Museum verfügt in seiner Sammlung über umfangreiche Bestände an Zeichnungen, Aquarellen und Druckgrafiken.

Expressionismus Ernst Barlach: Kopf des Güstrower Denkmals, 1927 Wladimir Bechtejew: Zwei badende Frauen am Strand 1910, Heinrich Campendonk: Hirtin mit Tieren (um 1917), Roter Hirte mit Tieren (1928) Erich Heckel: Straße in Berlin (1911), Strand von Osterholz (1913), Irre beim Essen (1914), Flandrische Ebene (1916) Alexej von Jawlensky: Dame mit blauem Hut, 1912/1913 Anton Kerschbaumer: Möckernbrücke in Berlin, 1926 Ernst Ludwig Kirchner: Weiblicher Akt im Grünen, 1914/1915 Wilhelm Lehmbruck: Kleiner weiblicher Torso (Hagener Torso), 1910/1911 Franz Marc: Landschaft mit Regenbogen, 1913 Ewald Mataré: Große liegende Kuh, 1930 Otto Mueller: Waldinneres, um 1923 Heinrich Nauen: Gartenbild, 1913 Hermann Max Pechstein: Drohendes Wetter (1919), Mutter und Kind (Frau des Künstlers mit Sohn) (1920) Christian Rohlfs: Gottvater den ersten Menschen modellierend (1916), Gehetzter (1918)

Konstruktivismus Willi Baumeister: Flächen (Der Maler I), 1920 Rudolf Belling: Skulptur 23, 1923/1966 Karl Buchheister: Schmalformvariation schwarz-weiß, 1927 Alexander Calder: Silberweiß, um 1953 Otto Coenen: Stillleben mit Wecker und Lampe (1931), Landschaft mit weißem Haus (1932) Sonja Delaunay-Terk: ohne Titel, 1916 Otto Freundlich: Komposition in Grau, um 1935 Heinrich Hoerle: Rheinische Landschaft (1932), Frauenakt (um 1935) Boris Kleint: Schwarz-weiße Scheibe, 1938 Frank Kupka: Panneau décoratif (vor 1924), Deux Gris I (1928) Bart van der Leck: Arbres, 1922/1923 Oskar Schlemmer: Abstrakte Figur (Groteske) (1923/1964), Drei Akte (1929) Franz Wilhelm Seiwert: Feierabend I, 1925 Nikolai Michailowitsch Suetin: ohne Titel, um 1920 Friedrich Vordemberge-Gildewart: Komposition Nr. 149, 1945

Dadaismus Marcel Duchamp: La Mariée mise à nu par ses Célibataires, même (Boîte verte) (1934), De ou par Marcel Duchamp ou Rrose Sélavy (1966) Max Ernst: Arizona-Landschaft, nach 1946 Wasily Kamensky: Mausefalle, 1915 Kurt Schwitters: Bild mit Walfisch, 1924

Informel Peter Brüning: Komposition 1/59, 1959 Karl Fred Dahmen: Samum, 1957 Karl Otto Goetz: Soel, 1964 Wilhelm Nay: Corroborée, 1954

Fotografie Man Ray: Porträt James Joyce, 1922/1959 Man Ray: Kiki’s Lippen, 1929/1959 Man Ray: Tränen, 1933/1959 Man Ray: Frau mit aufgelöstem Haar, 1931/1959 Man Ray: Selbstporträt mit Kamera, 1931/1959 Man Ray: Antiker Kopf mit Spiegel, 1931/1959

Op-Art Yaacov Agam: Ambiance, 1955 Gerhard von Graevenitz: Bewegliches Objekt, 1971 Adolf Luther: 10 × 10 runde Hohlspiegel, 1968 François Morellet: Drahtgitter, 1959/1960 Jesús Rafael Soto: Vibrations-Objekt, 1963 Victor Vasarely: Alphard, 1957

ZERO Heinz Mack: Silber-Dynamo (1965), White in White (1959) Otto Piene: Weißweißweiß (Ton I), 1959/1960 Günther Uecker: Phantom I (1963), Großer Wind (1966)

Nouveau Réalisme Arman: Les tampons buvards, 1961 François Dufrêne: Eye, 1960 Raymond Hains: Affiche lacérée sur tôle, 1961 Yves Klein: Monochrome bleu (1959), Monogold (1960), Victoire de Samothrace (1962) Martial Raysse: Supermarkt, 1961 Mimmo Rotella: Grande Comp, 1961 Daniel Spoerri: Tableau piège chez Tinguely, 1960 Jean Tinguely: Hommage à Duchamp, 1960 Jacques de la Villeglé: ohne Titel (Vér), 1962

Pop Art Richard Hamilton: Toaster, 1967 Roy Lichtenstein: Bread in Bag, 1961 George Segal: Man seated at table, 1960 Tom Wesselmann: Still Life # 27, 1963 Andy Warhol: Campbell’s Soup (1962), Louis M., Nr. 10 of 13 Most wanted Men (1963)

Minimal Art Carl Andre: 8001 Mönchengladbach Square 8002 Mönchengladbach Square, 1968 Donald Judd: ohne Titel, 1973 Bruce Nauman: Forced Perspective, 1975 Sol LeWitt: Modular Piece, 1966

Neue Wilde Martin Kippenberger: Skelettei (1996), Meinungsspirale (1985), Vitrine aus der Ausstellung „Der Eiermann und seine Ausleger“ (1997) Albert Oehlen