mini|Der Landkreis Unterallgäu mini|Mittelschwäbische Landschaft bei Eppishausen mini|Bei Bedernau im nördlichen Landkreis mini|Hawangen und Klosterkirche Ottobeuren vor der Mieminger Kette
Der Landkreis Unterallgäu ist eine Gebietskörperschaft und liegt zentral im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Er gehört zur Planungsregion Donau-Iller. Kreisstadt ist Mindelheim, bevölkerungsreichste Stadt ist Bad Wörishofen. Gegründet wurde der Landkreis 1972 aus großen Teilen der früheren Landkreise Mindelheim und Memmingen und einigen Gemeinden der früheren Landkreise Illertissen, Kaufbeuren und Krumbach. Am 1. Mai 1973 erhielt er den neuen Namen Landkreis Unterallgäu.Otto Merkt und
Die Exklave Buxheim im Westen wird durch die kreisfreie Stadt Memmingen vom übrigen Kreisgebiet getrennt.
Geographie Lage Das südliche Kreisgebiet gehört dem Grünlandgebiet des voralpinen Hügellandes an; der nördliche Teil gehört zur Iller-Lech-Platte des schwäbisch-bayerischen Hügellandes. Der Landkreis hat mit der Iller im Westen und der Wertach im Osten zwei natürliche Grenzen, die als Grenzflüsse in etwa die Gebietsränder anzeigen. Zwei Gemeinden des Unterallgäus (Amberg und Wiedergeltingen) liegen östlich der Wertach.
Die Fläche des Landkreises umfasst 1.230,24 km². Er besteht aus 52 Städten, Märkten und Gemeinden. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung in dem mittelgroßen Landkreis beträgt 54 km (Haselbach–Legau), die größte Ost-West-Ausdehnung 44 km (Heimertingen–Amberg). Das einzige noch gemeindefreie Gebiet ist der Ungerhauser Wald mit einer Fläche von 3,26 km². Die nördlichste Ortschaft des Unterallgäus ist Kettershausen, die südlichste ist Legau. Die westlichste Ortschaft ist Lautrach, die östlichste Amberg.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die bayerischen Landkreise Neu-Ulm, Günzburg, Augsburg, Ostallgäu und Oberallgäu sowie die baden-württembergischen Landkreise Ravensburg und Biberach. Außerdem grenzt er im Westen an die kreisfreie bayerische Stadt Memmingen.
Landschaft und Klima Das Kreisgebiet wird von den vier Längstälern von Iller, Günz, Mindel und Wertach durchzogen. Dazwischen finden sich meist bewaldete Endmoränen aus der Eiszeit. Das Land öffnet sich von Norden nach Süden aus breiten Ebenen zu einem abwechslungsreichen Hügelland. Im südlichen Teil gehört das Kreisgebiet landschaftlich dem ausgesprochenen voralpinen Gründlandgebiet an. Am Nordrand des Landkreises werden im Günztal nördlich von Zaiertshofen 510 und im Mindeltal nördlich von Tiefenried etwa 520 Höhenmeter gemessen. Das Gelände steigt nach Süden hin an und erreicht oberhalb von Oberwarlins (Gemeinde Böhen) an der Grenze zum Landkreis Oberallgäu mit 849 Metern seinen höchsten Punkt. Der Höhenunterschied beträgt also mehr als 300 Meter. In ähnlicher Relation schwankt auch das Klima der einzelnen Landkreisteile. Das Klima ist voralpin, wobei atlantische Einflüsse überwiegen. Im südlichen Landkreisbereich wird das Klima von Föhn- und Stauwetterlagen der Ostalpen beeinflusst. Niederschläge und Temperatur sind von der Höhenlage abhängig. Die Höhe der jährlichen Niederschläge beträgt zwischen 900 mm im Norden und 1.200 mm im Süden des Landkreises. Damit zählt das Unterallgäu zu den regenreichsten Gebieten Deutschlands.
Mit einer mittleren Temperatur von 6,8 bis 7,3 °C im Jahresdurchschnitt und 13 bis 15 °C in der Hauptwachstumszeit von Mai bis Juli sind die Temperaturen als „mäßig kühl“ oder „kühl“ einzustufen. Der südliche Landkreis rechnet schon aufgrund der Höhenlage bis 845 Meter zur kühleren Zone. Diese „Klimalinie“ läuft etwa von Legau über Bad Grönenbach, Ottobeuren, Wineden bis Warmisried.
Natur, Natur- und Landschaftsschutz
miniatur|Die Riednelke im Benninger Ried, dem weltweit einzigen Platz, wo sie noch wächst Der Naturpark Augsburg – Westliche Wälder, der im Süden bis Türkheim reicht und das Gebiet der Stauden umfasst, liegt mit etwa einem Zehntel seiner Fläche im Landkreis.
Zur Erhaltung ökologisch wertvoller Flächen und zum Schutz gefährdeter Tierarten ist der Landkreis bemüht, schutzwürdige Flächen aufzukaufen, um sie im naturnahen Zustand erhalten zu können und so das ökologische Gleichgewicht in den Teilregionen zu sichern. Naturschutzgebiete im Landkreis sind das Benninger Ried (22 ha), das Hundsmoor (21 ha) und das Pfaffenhauser Moos (ca. 51 ha) sowie das „Kettershauser Ried“ (44 ha).
Die Landschaftsschutzgebiete im Landkreis sind: Beiderseits der Iller (von der Landkreisgrenze Oberallgäu bis Lautrach, 800 ha), Untere Iller bei Kardorf (von Lautrach bis zur Stadtgrenze Memmingen, 80 ha), Südlich und östlich der Iller (westlich von Volkratshofen bis Buxheim, 170 ha), Illerauen nördlich von Buxheim (von Buxheim bis zur Landkreisgrenze Neu-Ulm, 400 ha), Mühlbachtal (südlich von Wolfertschwenden, 700 ha), Hochfirst (westlich von Erisried, 600 ha) und die Wertachauen (von der Landkreisgrenze Ostallgäu bis zur Landkreisgrenze Augsburg, 800 ha).
Nahezu 500 ausgewiesene Biotope gewährleisten den Erhalt ökologischer Ausgleichszonen inmitten landwirtschaftlichen Kulturlandes und zur Bebauung ungenutzter und vorgesehener Siedlungsbereiche. In der Naturdenkmalliste sind mehr als 100 weitere Naturdenkmäler festgehalten, davon sind die bedeutendsten:
Aurikelschlucht (Markt Rettenbach, Gemarkung Engetried) Blumenwiese Goßmannshofen (Gemeinde und Gemarkung Lachen, im Eigentum des Landkreises) Geologische Orgeln bei Bossarts (Gemeinde Wolfertschwenden, Gemarkung Dietratried) Leinhang (Gemeinde und Gemarkung Heimertingen)
Weiherbrunner Quellen (Markt Bad Grönenbach, Gemarkung Zell) mini|Mindeltal bei Unteregg
Geschichte Herrschafts- und Verwaltungsgeschichte Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden im heutigen Kreisgebiet 1804 die Landgerichte Grönenbach, Ottobeuren, Mindelheim und Türkheim. 1808 wurde das Stadtgericht Memmingen gebildet. Die Stadt Memmingen wurde 1809 durch die Einsetzung eines Polizeikommissärs eine kreisunmittelbare Stadt. Alle Verwaltungsbezirke gehörten zunächst zum Lechkreis, ab 1810 zum Illerkreis und ab 1817 zum Oberdonaukreis, der 1838 in Schwaben und Neuburg (später nur noch Schwaben) umbenannt wurde.
1862 wurde aus den Landgerichten Grönenbach und Ottobeuren sowie dem Landbezirk des Stadt- und Landgerichts Memmingen das Bezirksamt Memmingen gebildet. Letzteres wurde aus 14 Gemeinden des Landgerichts Grönenbach und Ottobeuren errichtet. Ferner entstand aus den Landgerichten Mindelheim und Türkheim das Bezirksamt Mindelheim. 1880 wurden einige Gemeinden dieses Bezirks in die Bezirke Kaufbeuren, Augsburg und Krumbach abgegeben.
mini|hochkant|Wappen des ehemaligen Landkreises Memmingen
Am 1. Januar 1939 wurde wie sonst überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Memmingen und Mindelheim.
1940 wurde die kreisfreie Stadt Memmingen in den Landkreis Memmingen eingegliedert, doch wurde diese 1948 wieder kreisfrei. mini|Landratsamt Unterallgäu in Mindelheim
Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 aus den folgenden Bestandteilen ein neuer Landkreis Mindelheim gebildet:Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971 Alle Gemeinden des alten Landkreises Mindelheim mit Ausnahme der Gemeinde Traunried, die zum Landkreis Augsburg kam Alle Gemeinden des Landkreises Memmingen mit Ausnahme der Gemeinden Amendingen und Buxach, die in die kreisfreie Stadt Memmingen eingegliedert wurden Die Gemeinden Babenhausen, Dietershofen bei Babenhausen, Engishausen, Greimeltshofen, Herretshofen, Inneberg, Kirchhaslach, Klosterbeuren, Oberschönegg, Olgishofen, Reichau, Weinried, Winterrieden und Zaisertshofen aus dem Landkreis Illertissen Die Gemeinde Schlingen aus dem Landkreis Kaufbeuren Die Gemeinden Hasberg und Tiefenried aus dem Landkreis Krumbach (Schwaben) Am 1. Mai 1973 erhielt der Landkreis seinen heutigen Namen Landkreis Unterallgäu. Wichtigste Herrschaftsträger der zahlreichen Hoheitsgebiete, die früher im Bereich des Landkreises bestanden, waren die oberschwäbische Reichsabtei Ottobeuren, die schwäbischen Fugger sowie die Memminger Unterhospitalstiftung.
Am 1. Juli 1976 trat der Landkreis Unterallgäu die Gemeinden Dickenreishausen, Eisenburg und Steinheim an die kreisfreie Stadt Memmingen ab, am 1. Mai 1978 außerdem die Gemeinde Volkratshofen mit Ferthofen. Am 1. Mai 1978 erhielt der Landkreis die Gemeinde Traunried aus dem Landkreis Augsburg, die in die Gemeinde Ettringen eingegliedert wurde sowie die Gemeinde Kettershausen und das Dorf Unterschönegg (heute Ortsteil von Babenhausen) aus dem Landkreis Neu-Ulm.
Entwicklung der Einwohnerzahlen mini|Bevölkerungspyramide für den Landkreis Unterallgäu (Datenquelle: Zensus 2011https://ergebnisse2011.zensus2022.de/datenbank/online/ Datenbank Zensus 2011, Kreis Unterallgäu, Alter und Geschlecht)
Von 1987 bis 2013 wuchs der Landkreis Unterallgäu um etwa 21.700 Einwohner. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stagnierte die Einwohnerzahl bei rund 136.000, ehe sie seit etwa 2010 wieder stetig anstieg. Mit Stand 31. Dezember 2013 lebten 137.484 Personen im Landkreis. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 117.139 auf 144.041 um 26.902 Einwohner bzw. um 23 %.
Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987:
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Einwohner 58.780 69.170 78.132 117.358 104.927 111.531 115.770 121.157 130.166 133.709 135.708 135.366 140.419 146.164
Politik Kreistag Die Kommunalwahl am 15. März 2020 führte im Landkreis Unterallgäu für den Kreistag zu folgendem Ergebnis:
Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2020 2014 2008 2002 1996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 30,2 18 31,3 19 42,0 25 44,9 29 54,7 33 48,2 30 FW Freie Wähler Bayern 25,6 15 24,9 15 23,6 14 23,8 14 17,0 10 21,8 13 AfD AfD Bayern 17,4 10 7,4 5 – – – – – – – – Grüne Grüne Bayern 9,0 5 13,7 8 8,5 5 6,2 4 4,6 3 5,9 3 JWU Junge Wähler Union 6,4 4 8,2 5 8,0 5 5,9 3 4,9 3 5,4 3 SPD SPD Bayern 6,0 4 6,9 4 10,3 6 11,0 6 13,6 8 13,2 8 Linke Die Linke Bayern 2,8 2 0,5 – – – – – – – – – ÖDP/BU Ökologisch-Demokratische Partei/Bürger für die Umwelt 2,7 2 4,9 3 6,1 4 5,3 3 5,2 3 5,4 3 FDP FDP Bayern – – 2,1 1 1,5 1 2,8 1 – – – – gesamt 100,0 60 99,9 60 100,0 60 99,9 60 100,0 60 99,9 60 Wahlbeteiligung 61,0 % 58,9 % 60,8 % 65,9 % 70,4 %
Liste der Landräte mini|hochkant|Stimmzettel zur Wahl des Landrats am 15. März 2020
+ Landräte im Unterallgäu Amtszeit Landrat Partei Sonstiges 1. Juli 1972 bis 30. April 1978 Otto Weikmann FWV 1967–1972 Landrat Kreis Mindelheim 1. Mai 1978 bis 31. Juli 2006 Hermann Haisch CSU 1. August 2006 bis 30. April 2020 Hans-Joachim Weirather FWSeit 1. Mai 2020Alex EderFW
Hans-Joachim Weirather setzte sich bei einer vorgezogenen Landratswahl am 16. Juli 2006 gegen seine Mitbewerber Klaus Holetschek (CSU), Michael Helfert (SPD) und Doris Kienle (GRÜNE) bereits im ersten Wahlgang durch. Bei der Landratswahl 2012 wurde er im Amt bestätigt. Stellvertreter des Landrates waren Stefan Winter (CSU), Helmut Koch (SPD) und Marlene Preisinger (FW).
Alex Eder fehlten bei der Wahl am 15. März 2020 lediglich 14 Stimmen zur absoluten Mehrheit unter vier Bewerbern; in der Stichwahl am 29. März 2020 erreichte er 80,1 % der Stimmen. Stellvertreter des Landrates sind seit Mai 2020 Stefan Winter (CSU), Michael Helfert (SPD) und Christian Seeberger (JWU) sowie seit Oktober 2023 Sandra Neubauer (Grüne).
Bei der Wahl am 8. März 2026 setzte sich Amtsinhaber Alex Eder gegen drei Gegenkandidaten im ersten Wahlgang durch und holte 52,6 Prozent der Stimmen. 25,7 Prozent der Stimmen entfielen auf Verena Winter (CSU) aus Kettershausen, 14,8 Prozent auf AfD-Kandidat Christoph Maier (AfD) aus Memmingen und 6,9 Prozent auf den Kandidaten der Grünen, Otto Schmid aus Ottobeuren. Die Wahlbeteiligung lag bei 67,5 Prozent.