mini|hochkant=1.5|Stich der Burg Wolfratshausen von Michael Wening mini|hochkant=1.5|Wolfratshausen auf einer Ansichtskarte von 1897

Wolfratshausen ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Bis zur Gebietsreform in Bayern 1972 war sie die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises.

Geographie Lage Wolfratshausen gehört zu der Region Bayerisches Oberland und liegt in den Flusstälern von Loisach und Isar. Die Loisach mündet unmittelbar nördlich der Stadt im Bereich der Pupplinger Au in die Isar (sogenannter Isarspitz). Die Landeshauptstadt München liegt circa 30 Kilometer nördlich.

Das Stadtgebiet grenzt südlich unmittelbar an die Nachbarstadt Geretsried. Daraus ergibt sich ein gemeinsamer Wirtschaftsraum mit rund 46.000 Einwohnern bzw. ein gemeinsames Mittelzentrum in der Planungsregion Oberland.

Nachbargemeinden

Gemeindegliederung Die Gemeinde hat vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Nantwein (Kirchdorf) Waldram (Siedlung) Weidach (Dorf) Wolfratshausen (Hauptort) Daneben gibt es die Siedlung Farchet, die jedoch kein amtlich benannter Gemeindeteil ist.

Geschichte Mittelalter Wolfratshausen fand seine erste Erwähnung als „Wolueradeshusun“ in einer Urkunde des Königs Heinrich II. vom 30. Juli 1003, am Hofe von Regensburg in Zusammenhang mit der Abgrenzung eines Jagdgebietes. Die Wolfratshauser Burg wurde im Jahr 1116 von den Grafen von Wolfratshausen, einer Seitenlinie der Dießen-Andechser Grafen errichtet. Im Jahre 1280 wurde Wolfratshausen erstmals als Markt bezeichnet. Ab dem 12. Jahrhundert legten Flöße von Wolfratshausen Richtung München ab. Es wurden hauptsächlich Baumaterialien transportiert. Seit dem 13. Jahrhundert ist Wolfratshausen Sitz eines Landgerichts. Die Burg war mittlerweile eine wichtige Residenz der Wittelsbacher geworden. Besonders Herzog Rudolf war bis 1315 häufig in Wolfratshausen, seine drei Söhne, die späteren Pfalzgrafen und Kurfürsten von der Pfalz, wurden hier geboren. Auch Herzog Ernst residierte während der Unruhen in München um 1400 jahrelang hier, so dass auch sein Sohn Albrecht III. in Wolfratshausen auf die Welt kam.

Frühe Neuzeit Im Jahre 1632 – während des Dreißigjährigen Kriegs – brachen die Schweden in Wolfratshausen ein, steckten viele Gebäude (u. a. die Kirche) in Brand und töteten zahlreiche Bewohner. 1634 brachten spanische Soldaten die Pest nach Wolfratshausen, durch die wieder zahlreiche Einwohner starben. In der Barockzeit bestand im Markt eine produktive Bildhauerschule, die im Schatten der Weilheimer stand; ihr bekanntester Vertreter war Lukas Herle, der auch als Altarschreiner tätig war. Am 7. April 1734 zerstörte die Explosion von mehr als 17 Tonnen Pulver nach einem Blitzeinschlag in den Pulverturm die Burg. Die Steine der Ruine wurden zum Bau der Münchner Residenz und vieler Wolfratshauser Häuser verwendet.

19. Jahrhundert Im Jahr 1803 wurde im Verlauf der Verwaltungsneugliederung Bayerns das Landgericht Wolfratshausen errichtet. Das bayerische Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 begründete für Wolfratshausen die Erneuerung der kommunalen Selbstverwaltung, indem es den historischen Markt als eigenständige Körperschaft konstituierte, ihm seine Vermögensrechte zurückgab und die lokale Verwaltung durch gewählte Vertreter ordnete.mini|hochkant=1.5|Altstadt von Wolfratshausen hochkant=1.5|mini|Straße: Berggasse-Obermarkt (ca. 2012) nach dem Umbau zur Einbahnstraße Die Floßfahrt erreichte 1848 ihren Höhepunkt mit jährlich ca. 5800 Flößen. 1853 erlebte Wolfratshausen das größte Hochwasser seiner Geschichte. Der TSV Wolfratshausen, der älteste Sportverein im Altlandkreis, wurde 1864 gegründet, die Freiwillige Feuerwehr Wolfratshausen im Jahr 1865. 1870/71 fielen fünf Wolfratshauser im Deutsch-Französischen Krieg. 1874 brannte der Obermarkt. Zahlreiche Gebäude zwischen dem „Peterbäck“ und dem Gasthaus zur Post wurden ein Raub der Flammen. Am 27. Juli 1891 nahm die Isartalbahn ihren Betrieb auf und beförderte Personen und Fracht von und nach München. 1894 hielt die Elektrizität durch den Umbau der alten Kastenmühle in ein Wasserkraftwerk Einzug.

20. Jahrhundert 1901 wurde die Pupplinger Au unter Naturschutz gestellt. 1902 bekam Wolfratshausen sein Bezirksamt (alte Bezeichnung für Landratsamt) wieder zurück, nachdem es ab 1862 von München aus verwaltet worden war. 1911 begann der Ausbau der Staatsstraße am Wolfratshauser Berg. Ein Erdbeben mittlerer Stärke verursachte Schäden. Während des 1914 ausgebrochenen Ersten Weltkrieges verloren 85 Wolfratshauser ihr Leben an der Front.

Nach der friedlichen Revolution am 7. November 1918 wurden am 8. November 1918 ein Arbeiterrat und ein Bauernrat gewählt. Vorsitzender des Arbeiterrates wird der Gerichtsvollzieher Heinrich Freiberger. Dieser behält seinen Vorsitz auch bei den Neuwahlen am 21. Januar 1919. Nach der Niederschlagung der am 7. April 1919 mit Glockengeläut verkündeten Räterepublik wird in den Kommunalwahlen am 15. Juni 1919 zum ersten Mal eine Frau, Anna Flossmann (SPD), in den Gemeinderat gewählt.

Aufgrund der zunehmenden Motorisierung und der damit einhergehenden Steigerung des Verkehrs beschloss der Gemeinderat, ab 1. Januar 1920 auf den Pflasterzoll zu verzichten. Der Loisach-Isar-Kanal wurde 1924 fertiggestellt. 1928 war die Zeit des Hochwassers endlich vorbei. Die Loisach wurde begradigt und die neue obere Loisachbrücke dem Verkehr übergeben.

1933 übernahmen die Nationalsozialisten das Wolfratshauser Rathaus. Immerhin konnte bis zu den Novemberpogromen 1938 die seit 1926 bestehende jüdische hauswirtschaftliche Frauenfachschule in einer Gründerzeitvilla weiter existieren.Kirsten Jörgensen, Sybille Krafft: "Wir lebten in einer Oase des Friedens..." Die Geschichte einer jüdischen Mädchenschule 1926-1938, Dölling und Galitz, München und Hamburg 2009, ISBN 978-3-937904-52-8. Dann mussten aber die Schülerinnen binnen zweier Stunden den Ort verlassen, die Schule wurde geräumt und nach dem Krieg abgerissen. 1937 wurde im Staatsforst Wolfratshausen mit dem Bau zweier Sprengstoff- und Munitionsfabriken und mehreren Barackenlagern für die ausländischen Zwangsarbeiter begonnen. Für die deutschen Betriebsleiter, Angestellten, Meister, sowie den Werkschutz wurden Wohnsiedlungen entlang der Tattenkofener Straße, sowie in Wolfratshausen entlang der Schießstätt- und Alpenstraße gebaut. Das Bezirksamt wurde 1939 in Landratsamt umbenannt.

Nach dem Krieg entstand aus einem dieser Lager, dem ehemaligen Lager Föhrenwald, ein Lager für Displaced Persons. 1957 erfolgte die Umbenennung in Waldram. Auf dem weitläufigen Gelände im Staatsforst entstand im Laufe der Jahre die Stadt Geretsried. Bis auf die Sprengung der oberen Loisachbrücke im Jahr 1945 blieb Wolfratshausen in beiden Weltkriegen von schwerwiegenden Schäden verschont. Der Markt wurde den Amerikanern kampflos übergeben. Allerdings verloren 160 Wolfratshauser im Zweiten Weltkrieg ihr Leben. Kurz vor Kriegsende wurden KZ-Häftlinge durch Wolfratshausen getrieben. An diesen wie an weitere Todesmärsche rund um München in Richtung „Alpenfestung“ erinnern etliche Denkmäler entlang der Wegstrecke.

Am 25. Januar 1946 wurde bei der ersten Kommunalwahl nach der Nazidiktatur demokratisch eine Gemeindeverwaltung gewählt. 1961 wurde der bisherige Markt zur Stadt erhoben. 1962 entstand der Neubau der Grund- und Hauptschule Waldram. Das neue Kreiskrankenhaus wurde 1966 eingeweiht. Am 1. Juli 1972 entstand im Zuge der Gebietsreform aus den früheren Landkreisen Bad Tölz und Wolfratshausen der neue Landkreis Bad Tölz, der am 1. Mai 1973 in Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen umbenannt wurde. Im Jahr 1972 fuhr die S-Bahn erstmals bis in die Loisachstadt. Am 1. Mai 1978 wurde die Gemeinde Weidach eingegliedert.

Das Kulturzentrum Loisachhalle wurde 1980 eingeweiht. 20 Jahre später wurde es wegen Baumängeln und nicht mehr ausreichendem Brandschutz geschlossen. Der damalige bayerische Innenminister Edmund Stoiber setzte 1989 den Grundstein für die neue, 142 Meter lange und ca. 4,3 Millionen Euro teure Marienbrücke. Ein großer Finanzskandal erschütterte 1994 Wolfratshausen. Beamte der Oberfinanzdirektion und der Staatsanwaltschaft durchsuchten nach einer anonymen Anzeige das Finanzamt Wolfratshausen. Vier Beamte wurden in Haft genommen.

21. Jahrhundert Am 11. Januar 2002 entschieden Edmund Stoiber und Angela Merkel beim gemeinsamen „Wolfratshauser Frühstück“, dass Stoiber Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl 2002 wurde. Im Jahr 2003 schenkten die Bürger von Iruma der Stadt anlässlich der 1000-Jahr-Feier den Japanischen Garten „Yūkō Nihon Teien“, was soviel bedeutet wie „Japanischer Garten der Freundschaft“. Im August 2005 wurde der Markt zur Einbahnstraße. Nach langwierigen Finanzierungsverhandlungen wurde die Loisachhalle modernisiert und im Juli 2009 wieder in Betrieb genommen.

Einwohnerstatistik Am 31. Dezember 2020 lebten 20.498 Personen in Wolfratshausen, davon 19.486 mit dem Hauptwohnsitz. Bei den Altersgruppen stellen die 19- bis 65-Jährigen den größten Anteil (60,0 %) und die 0- bis 18-Jährigen den kleinsten Anteil (18,0 %). Der Ausländeranteil lag bei 17,5 %.

2009 2010 2011 2012 2013 2014 Geburten 170 171 158 174 208 230 Todesfälle 263 286 310 302 288 296 (Quelle: Wolfratshausen aktuell, Ausgabe 1/2021)Wolfratshausen Aktuell – 4. März 2021.

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 15.286 auf 18.836 um 3.550 Einwohner bzw. um 23,2 %.statistik.bayern.de. Datum Einwohner 1770* 1 054 ¹ 1. Dezember 1840 1 886 ¹ 1. Dezember 1871 2 430 ¹ 1. Dezember 1900 2 375 ¹ 6. Juni 1925 3 111 ¹ 17. Mai 1939 3 815 ¹ 27. Januar 1946 4 397 13. September 1950 6 112 ¹ 6. Juni 1961 8 779 ¹ 27. Mai 1970 12 881 ¹ 25. Mai 1987 15 090 ¹ Datum Einwohner 31. Dezember 2008 17 749 31. Dezember 2009 17 850 31. Dezember 2010 17 992 9. Mai 2011 17 151 ¹ 31. Dezember 2011 17 190 31. Dezember 2012 17 580 31. Dezember 2013 17 843 31. Dezember 2014 18 122 31. Dezember 2015 18 237 31. Dezember 2016 18 491 Datum Einwohner 31. Dezember 2017 18 666 31. Dezember 2018 18.836 31. Dezember 2020 19.486 31. Dezember 2021 18.984 15. Mai 2022 19.115 ¹ 31. Dezember 2022 19.335 Einwohner gesamt. 31. Dezember 2023 19.499 Einwohner gesamt. 31. Dezember 2024 19.658 Einwohnerzahlen am 31. Dezember 2024 ¹ Volkszählungsergebnis     * Erste Volkszählung in Bayern

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 17,7 % der Einwohner evangelisch, 47,9 % römisch-katholisch und 34,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Wolfratshausen Religion, Zensus 2011. Die Zahl der Protestanten und vor allem die der Katholiken ist seitdem gesunken. Ende 2020 hatte Wolfratshausen 20.948 Einwohner davon 39,3 % Katholiken, 14,2 % Protestanten und 46,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe., abgerufen am 7. März 2021. Der Anteil der Protestanten und Katholiken am Gesamtbevölkerung sinkt jährlich um 1 Prozentpunkt. Gemäß dem Zensus 2022 waren (Mai 2022) 37,2 % der Einwohner katholisch, 13,5 % evangelisch und 49,3 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 4. September 2024.

Politik Stadtrat Die Stadtratswahl am 15. März 2020 führte zu folgendem Ergebnis:wolfratshausen.de