Deutschkreutz (, bis 1899 Németkeresztúr; ; Zelem) ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Oberpullendorf (Bundesland Burgenland, Österreich).
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im Mittelburgenland an der Grenze zu Ungarn. Nachbargemeinden sind Nikitsch, Großwarasdorf, Horitschon (Unterpetersdorf) und Neckenmarkt sowie die ungarischen Gemeinden Harka, Kópháza und Nagycenk, zu denen jeweils ein Grenzübergang besteht.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Deutschkreutz () Girm () Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Deutschkreutz und Girm.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|links|Deutsch Kreutz (links oben) um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg. Später im Römischen Reich war das Gebiet Teil der Provinz Pannonia.
Eine Marktgemeinde ist Deutschkreutz seit dem Jahr 1340. Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland (Deutsch-Westungarn) bis 1920/21 zu Ungarn. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
Ab 1671 gehörte Deutschkreutz zu den jüdischen Siebengemeinden im Burgenland. Die orthodoxe jüdische Gemeinde unterhielt eine berühmte Talmudhochschule, in der Juden aus aller Welt studierten. Aufgrund der weltweiten Bedeutung für das Judentum, führt Deutschkreutz auch einen hebräischen Ortsnamen (Zelem = Bild im Sinne von Götzenbild). Dies ist innerhalb Österreichs nur für Eisenstadt (Asch) auch noch der Fall. Die Gemeinde wuchs im 19. Jahrhundert bedeutend an und zählte im Jahre 1857 1230 Personen. Wenige Wochen nach dem „Anschluss“ im März 1938 mussten alle jüdischen Bewohner auf Anweisung der NS-Behörden Deutschkreutz innerhalb kürzester Frist verlassen; bis Anfang Mai 1938 hatten alle Juden Deutschkreutz verlassen. Die zurückgelassenen Geschäfte und Wohnungen wurden geplündert und teilweise zerstört und das noch vorhandene Eigentum zu Schleuderpreisen öffentlich versteigert. Die meisten zwangsausgewiesenen jüdischen Bürger gelangten über Wien in andere europäische Länder und nach Übersee. 1941 sprengten die Nationalsozialisten die Synagoge von Deutschkreutz, verwüsteten den jüdischen Friedhof und plünderten jüdische Häuser und Geschäfte. Der Jüdische Friedhof Deutschkreutz wurde teils wiederhergestellt. Das Denkmal für die Juden von Zelem, vor dem früheren Wohnhaus des Komponisten Karl Goldmark, erinnert an die 1938 vertriebene jüdische Gemeinde.
Zu den Verfolgten in der Zeit des Nationalsozialismus gehören auch die Roma, sie wurden in ein Lager nach Lackenbach deportiert. Im Zweiten Weltkrieg starben mehr als 300 Deutschkreutzer auf den Schlachtfeldern. 1944 wurden Hunderte ungarischer Juden nach Deutschkreutz zur Errichtung des „Südostwalls“ deportiert. Ein großer Teil von ihnen starb an Erschöpfung, Unterernährung und an Seuchenkrankheiten. Im jüdischen Friedhof wurden 286 Budapester Juden in einem Massengrab verscharrt.Marktgemeinde Deutschkreutz: Die Geschichte
Bevölkerungsentwicklung
mini|Schloss Deutschkreutz mini|Jüdischer Friedhof Deutschkreutz
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Schloss Deutschkreutz: Ein mächtiges Renaissanceschloss aus einem Vierflügelbau mit Ecktürmen und zweigeschoßigen Hofarkaden war seit 1966 bis zu seinem Tod im Jahr 2018 im Privatbesitz des Künstlers Anton Lehmden, der das Gebäude restaurierte und eine Gemäldeausstellung im Schloss zeigte. Seine Tochter Barbara Lehmden führt das Erbe in des Künstlers Sinne weiter.Hans Tesch: Schloss Deutschkreutz vor ungewisser Zukunft. In: Burgenland-Mitte. Scherz-Kogelbauer (Hrsg.), Kirchschlag i. d. B. W., 27. November 2018, abgerufen am 27. Juli 2020.Claudia Koglbauer-Schöll: Schloss Deutschkreutz: Eine Nacht für Anton Lehmden. Heute treffen einander ehemalige Schüler des Meisters und es werden erstmals alte Fresken des Meisters im Schloss gezeigt. In: Kurier, 5. Oktober 2019, abgerufen am 27. Juli 2020. Pfarrkirche Deutschkreutz: Bei der umfassenden Neu- und Ausgestaltung der Kirche hat der Künstler Anton Lehmden mit insgesamt 35 Arbeiten mitgewirkt. Jüdischer Friedhof Deutschkreutz
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Bahn: Deutschkreutz liegt an der Burgenlandbahn. Straße: Die Deutschkreutzer Straße (B 62), die das ungarische Sopron mit der Burgenland Schnellstraße (S31) verbindet. Der Grenzübergang an der B62 war bis zum Beitritt Ungarns in die Europäische Union am 1. Mai 2004 der nördlichste Grenzübergang für den grenzüberschreitenden Güterverkehr südlich des Neusiedler Sees für Lastkraftwagen aus anderen Ländern als Österreich und Ungarn.
Ansässige Unternehmen mini|Mineralwasserquelle Juvina, Brunnengebäude Deutschkreutz bildet zusammen mit den Gemeinden Großwarasdorf, Horitschon, Lutzmannsburg, Raiding, Unterpetersdorf und Neckenmarkt das Blaufränkischland, die bekannteste Rotweingegend in dem sonst eher weißweingeprägten Österreich, deren Geschichte bis in die Keltenzeit zurückreicht. Der Blaufränkische ist tiefdunkel-rubinrot gefärbt und in dieser Gegend außergewöhnlich fruchtig. Sehr häufig wird er in Barriquefässern ausgebaut und verfügt über eine sehr gute Lagerfähigkeit. Die Rebhänge des Blaufränkischlandes erstrecken sich von den Südausläufern des Ödenburger Gebirges bis zum Günser Bergland. Nach Osten öffnet sich die Ungarische Tiefebene. Dadurch wird der pannonische Einfluss, der für das Ausreifen der Trauben nötig ist, voll wirksam und der vorwiegend lehmige Boden bietet dazu noch die idealen Bedingungen. Es wird neben dem Blaufränkischen auch Cabernet Sauvignon, Merlot und Zweigelt angebaut.
Auf dem Gemeindegebiet von Deutschkreutz liegt auch die Mineralwasserquelle Juvina. Schon die Römer kannten diese Mineralwasserquelle, die älter ist als der Weinanbau in der Region.
Öffentliche Einrichtungen Apotheke: Direkt im Ortszentrum gibt es eine Apotheke. Ärzte: Für die Gesundheit der Bevölkerung sorgen zwei praktische Ärzte und drei Fachärzte. Pflege: Die Caritas Burgenland betreibt das Sozialzentrum Haus Lisa.
Bildung In der Gemeinde Deutschkreutz befinden sich eine Volksschule, eine Hauptschule und eine Musikschule.
Politik Gemeinderat
mini|Rathaus Deutschkreutz
Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Anzahl der Wahlberechtigten insgesamt 23 Mitglieder. + Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997 Partei2022 2018Land Burgenland: Wahlergebnis Deutschkreutz 2018 (abgerufen am 10. Februar 2019) 2017Land Burgenland: Wahlergebnis Deutschkreutz 2017 (abgerufen am 10. Februar 2019) 2012Land Burgenland: Wahlergebnis Deutschkreutz 2012 (abgerufen am 10. Februar 2019) 2007Land Burgenland: Wahlergebnis Deutschkreutz 2007 (abgerufen am 10. Februar 2019) 2002Land Burgenland: Wahlergebnis Deutschkreutz 2002 (Vergleich mit 1997) (abgerufen am 10. Februar 2019) 1997Sti.%M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. ÖVP94939,4910 801 36,15 8 678 29,04 7 733 27,98 7 720 29,15 7 776 31,71 7 701 31,24 7 SPÖ86936,169 597 26,94 6 658 28,18 6 782 29,85 8 795 32,19 8 1084 44,30 11 1054 46,97 11 LBL58524,346 818 36,91 9 999 42,78 10 1050 40,08 10 – – – FPÖ– – – 55 2,10 0 – 587 23,99 5 489 21,79 5 FBL– – – – 955 38,66 10 – – Wahlberechtigte3017 2967 2967 3101 3062 2950 2841 Wahlbeteiligung85,42 % 83,32 % 87,46 % 90,49 % 87,17 % 89,12 % 88,24 % Die ÖVP brachte einen Einspruch zum Ergebnis der Gemeinderatswahl 2017 ein, der von der Landeswahlbehörde geprüft wurde.ORF Burgenland vom 2. Oktober 2017: ÖVP ficht Wahl in Deutschkreutz an (abgerufen am 3. Oktober 2017)Kurier vom 13. Oktober 2017: Wahlanfechtung: Staatsanwaltschaft will gegen Kölly ermitteln (abgerufen am 20. Oktober 2017) Am 4. Mai 2018 beschloss die Landeswahlbehörde in Eisenstadt die Wiederholung der Kommunalwahlen in Deutschkreutz, da es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Manipulationen gekommen sei. Der Bürgermeister Manfred Kölly wurde zu einer bedingten Haftstrafe von 17 Monaten und 21.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Bei der Wahl am 9. September 2018 verlor die LBL ein Mandat, blieb aber mandatsstärkste Fraktion. Die ÖVP gewann ein Mandat hinzu.Deutschkreutz: Nur 17 Stimmen entschieden Wahlsieg. Artikel vom 9. September 2018, abgerufen am 10. September 2018.
Bei der Wahl 2022 wurde die ÖVP wieder mandatstärkste Partei.
Bürgermeister Bürgermeister war seit September 2021 Andreas Kacsits (ÖVP). Bei der Wahl 2022 gewann er die Stichwahl mit 26 Stimmen Vorsprung gegen Jürgen Hofer (SPÖ). Im April 2026 trat Kacsits zurück. Seitdem führte Vizebürgermeister Jürgen Hofer die Gesch#fte der Gemeinde.
Am 13, September 2026 kam es zu Neuwahl des Bürgermeisters, bei der sich Jürgen Hofer (SPÖ) mit 52,6 % der Stimmen gegen Manfred Kölly (LBL, 27,4 %) und Eva Heidenreich (ÖVP, 20,1 %)klar durchsetzte.ORF Burgenland vom 13. September 2026: Deutschkreutz-Wahl: Jürgen Hofer (SPÖ) ist neuer Bürgermeister (abgerufen am 13. September 2026)
Chronik der Bürgermeister Die Gemeindechronik von Deutschkreutz weist folgende Personen als Bürgermeister aus:Gemeinde Deutschkreutz: Geschichte (abgerufen am 27. Februar 2017) + bis 1945 von bis Bürgermeister 1918 1922 Josef Salzer 1922 1924 Johann Kratochwill 1924 1925 Georg Reumann 1925 1927 Paul Pingitzer 1927 Paul Fennes 1927 1928 Lorenz Gabriel 1928 1934 Matthias Gansrigler 1935 1938 Karl Strehn 1938 1945 Johann Krecht+ ab 1945 von bis Bürgermeister 1945 1949 Eugen Krammer 1950 Karl Strehn 1951 Stefan Heidenreich 1951 1956 Bernhard Gansrigler 1956 1962 Johann Reinfeld 1962 1963 Stefan Illy 1963 1964 Eugen Krammer 1965 1967 Stefan Illy 1967 1972 Eugen Krammer+ von bis Bürgermeister 1972 1985 Anton Berger 1985 1990 Wolfgang Strehn 1990 1996 Willibald Hofer 1997 2002 Ernst Möderl 2002 2021 Manfred Kölly (Liste) 2021 2026 Andreas Kacsits (ÖVP) seit 2026 Jürgen Hofer (SPÖ)
Wappen 75px Das Recht zur Führung eines Wappens wurde Deutschkreutz von der Burgenländischen Landesregierung am 14. Jänner 1976 verliehen.Gemeinde Deutschkreutz: Wappen (abgerufen am 28. Februar 2017) Blasonierung: In einem von Gold und Rot gespaltenen Schild, vorne ein rotes Kreuz, hinten über dreifachem silbernen Wellenband eine goldene Traube mit Blatt. Symbolik: Gestaltung und Inhalte des Wappens sollen Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde sinnvoll verbinden. Das Kreuz wurde dem alten Ortssiegel entnommen. Es symbolisiert die Kirche und den Ortsnamen. Die Weintraube weist auf den Weinbau hin, der der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Gemeinde ist. Die Wellenbalken deuten auf das Mineralwasservorkommen in der Gemeinde hin.
Gemeindepartnerschaften Allumiere in Latium, Italien Nagycenk (Großzinkendorf) in Ungarn Wetter in Hessen, Deutschland
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Matthias Gansrigler (1896–1938), österreichische Landwirt und Politiker Sándor Gergely (1896–1966), österreichischer Schriftsteller und Journalist Hans Gesellmann (1903–1977), österreichischer Volksschuldirektor und Politiker Margareta Heinrich (1951–1994), österreichische Filmregisseurin Christa Krammer (* 1944), österreichische Politikerin und Volksanwältin i. R. Reinhold G. Moritz (* 1966), österreichischer Film- und Theaterschauspieler Maria Weber (1919–2011), erste SOS-Kinderdorf-Mutter Alfred Zistler (1929–2009), katholischer Priester, Dompfarrer in Eisenstadt, geboren im Ortsteil Girm
Personen mit Bezug zur Gemeinde Carl Goldmark (1830–1915), österreichisch-ungarischer Komponist, Musiklehrer und Geiger jüdischer Herkunft Ludwig von Dóczi (1845–1919), österreichisch-ungarischer Dichter, Journalist und Politiker jüdischer Herkunft