Kobersdorf (, ) ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Burgenland im Bezirk Oberpullendorf in Österreich.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt am Fuß des Pauliberges, des jüngsten erloschenen Vulkans Österreichs, im Schwarzenbachtal im Mittelburgenland.
Teile des Gemeindegebietes gehören zum Naturpark Landseer Berge.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst drei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Kobersdorf () samt Am Waldhof, Buchgraben und Neuberg Lindgraben () Oberpetersdorf ()
Die Gemeinde besteht aus drei gleichnamigen Katastralgemeinden Kobersdorf, Lindgraben und Oberpetersdorf.
Eingemeindungen Am 1. Jänner 1971 wurden die vordem selbständigen Gemeinden Lindgraben und Oberpetersdorf mit Kobersdorf zur Großgemeinde Kobersdorf zusammengelegt.
Nachbargemeinden
Geschichte Herrschaft und Schloss bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.
Später unter den Römern lag das heutige Kobersdorf dann in der Provinz Pannonia.
In einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 860 von König Ludwig dem Deutschen an den Erzbischof Adalwin von Salzburg wird ein Ort „Kundpoldesdorf“ erwähnt, der in der frühen Forschung mit Kobersdorf gleichgesetzt wurde. Diese Annahme ist jedoch nicht gesichert. Der Historiker Fritz Zimmermann ist der Meinung, dass der Ortsname Kobersdorf aus slawisch „Kobilica“, Stutenbach, herzuleiten sei, dem heutigen Schwarzenbach, in seinem Oberlauf als Roßwasser bezeichnet.
1222 schenkte der ungarische König Andreas II. das Gebiet der späteren Herrschaft Kobersdorf aufgrund seiner Verdienste seinem Gefolgsmann, dem Grafen Pósa. In der Schenkungsurkunde werden die Orte Weppersdorf, Lindgraben, Neudorf, Kobersdorf, Tschurndorf und Lackenbach genannt. Pósa erbaute die Burg Kobersdorf von 1222 bis 1229. Diese war von großer strategischer Bedeutung, da sie den Zugang nach Ungarn durch das Stooberbachtal kontrollieren konnte. 1229 wurden die Burg und die umliegende Gemeinde zuerst urkundlich erwähnt, als der ungarische Thronanwärter Béla IV. dem Grafen Pósa die Besitzungen Kobersdorf, Nebersdorf, Warasdorf, Lackenbach, Zelusbic, Ratchu und Weppersdorf bestätigte. 1280 gab der ungarische König Ladislaus IV. Kobersdorf dem ungarischen Geschlecht der Csák als Lehen. Im Zuge der Güssinger Fehde wurde die Burg 1289 durch Herzog Albrecht I. von Österreich erobert, 1291 aber im Vertrag von Hainburg wieder an Ungarn zurückgegeben.
Ab 1319 war Kobersdorf für 200 Jahre im Besitz der ungarischen Grafen Mattersdorf-Forchtenstein bis zum Aussterben dieses Geschlechts. Wilhelm, der letzte Mattersdorf-Forchtensteiner, verkaufte 1447 Burg und Herrschaft an Herzog Albrecht VI. von Österreich, der 1451 die Burg an seinen Bruder Friedrich, den späteren Kaiser Friedrich III. für 50.000 Gulden weiterverkaufte. 1463 erhielt Kobersdorf von Kaiser Friedrich III. das verbriefte Marktrecht, das 1651 durch Kaiser Ferdinand III. noch einmal feierlich bestätigt wurde.Dehio Burgenland 1976, S. 154 (durch VO 5 erfolgte Weiterverleihung). Friedrich III. verpfändete die Herrschaft an das Salzburger Geschlecht der Weißpriach, Burg und Herrschaft blieben aber „intra fines regni Hungarie“, also innerhalb der Grenzen des ungarischen Königreiches. 1464 wird Sigmund von Weißpriach Burggraf und 1452 mit der Herrschaft Kobersdorf belehnt. Sigmunds Enkelsohn Hans Weißpriach nahm um 1540 den evangelischen Glauben an und machte Kobersdorf etwa ab 1548 protestantisch. Erst im Jahr 1663 wurde wieder ein katholischer Pfarrer in Kobersdorf erwähnt.
Bis 1626 wurde die Wasserburg Kobersdorf zum „Neuen Schloss“ umgestaltet und Ungarn und Habsburger wechselten sich in rascher Folge den Besitz der Herrschaft. Wegen der Eingliederung in das ungarische Staatsgebiet zählte Kobersdorf zu den sogenannten „verschwiegenen“ Herrschaftsgebieten, die weder in Österreich noch in Ungarn besteuert wurden. 1638 übernahm der ungarische Graf Johann Kéry de Ipoliker die Herrschaft, 1654 erfolgte die Erweiterung zum Barockschloss Kobersdorf. Sein Sohn Franz Kéry und sein Verwalter Andreas Miklossy betrieben 1683 die gewaltsame Konvertierung der Einwohner zum katholischen Glauben. Nach der Niederlage der Türken vor Wien 1683 hinterließ die türkische Armee bei ihrem Rückzug eine blutige Spur der Verwüstung.
Wegen seiner hohen Verschuldung war Franz II. Kéry 1704 gezwungen, Schloss und Herrschaft Kobersdorf für 150.000 Gulden seinem Schwager Fürst Paul I. Esterházy zu verkaufen. Die Schlossanlage blieb bis 1963 im Besitz der Esterhàzy; dann wurde sie an die Familie Bolldorf-Grazigna verkauft. Unter den Esterházy verfiel das Schloss und diente unterschiedlichen Zwecken: zunächst war es Sitz des Herrschaftsverwalters, 1809 Quartier für französische Offiziere, 1914 Gefangenenlager für Serben, 1942 bis 1945 erneut Gefangenenlager für Offiziere und schließlich bis 1947 Sitz einer Behörde der russischen Besatzungsmacht.
Im Schloss gab es mehrere Katastrophen wie 1876 ein Dachstuhlbrand und 1895 wurden die östlichen Basteimauern durch die große Überschwemmung zerstört. Als 1963 der Abriss der Schlossruine zur Diskussion stand, kaufte die österreichische Architektin Martha Bolldorf-Reitstätter das Schloss und begann mit umfangreichen Sanierungsarbeiten. mini|links|Kobersdorf (links oben) um 1880 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Kabold verwendet werden.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 bzw. 1920 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
1930er Jahre Nachdem am 19. Juni 1933 die NSDAP Österreichs verboten worden war, zogen sich deren Mitglieder und Sympathisanten in die Illegalität zurück und agitierten in Kobersdorf und den umliegenden Gemeinden weiter für die nationalsozialistische Ideologie. Hauptinitiator war der in Mörbisch tätige Kobersdorfer Lehrer Adolf Schranz, der 1938 zum Schulrat des Kreises Oberpullendorf ernannt wurde. Neben konspirativen Treffen im evangelischen Pfarrsaal wurden im Ort Flugblätter und Hakenkreuze aus Blech verteilt und eine Hakenkreuzflagge bei der katholischen Kirche gehisst. Zentrale Versammlungsstätte war das ehemalige Gasthaus Schranz. Im Frühjahr 1938 wurde in einem Haferfeld in den Tendeläckern am nördlichen Ortsrand durch intensivere Düngung ein großes Hakenkreuz dargestellt.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs am 12. März 1938 existierten bereits ab März 1938 eine SA (Sturmabteilung)-Truppe unter dem Tischlergesellen Paul Fuchs als „Führer“ sowie eine Gruppe der Hitlerjugend unter dem Landwirt Franz Josef Marx. Mit Gemeinderatsbeschluss vom 20. März 1938 wurde Adolf Hitler zum Ehrenbürger ernannt und die am 2. November 1934 an Otto von Habsburg verliehene Ehrenbürgerwürde widerrufen. Mit Beschluss vom 14. April 1938 wurde der Kaiserpark nach dem Nationalsozialisten Franz Holzweber in Holzweberpark und der Elisabethpark nach dem Nationalsozialisten Otto Planetta (im Protokoll fälschlicherweise Franz Planetta genannt) in Planettapark umbenannt. Diese Beschlüsse wurden nach 1945 wieder rückgängig gemacht. Die Die SA-Truppen zwangen die jüdischen Einwohner, am Sabbat bei der Brücke über den Schwarzenbach die Straße „aufzuwaschen“ und andere demütigende körperliche Arbeiten zu verrichten. Sie waren auch hauptverantwortlich für die gewaltsame Enteignung und Vertreibung der jüdischen Bürger Kobersdorfs.
Jüdische Gemeinde bis 1938 Die jüdische Gemeinde Kobersdorfs gehörte zu den jüdischen Siebengemeinden (hebräisch Schewa Kehilloth) des Burgenlandes und war die einzige im Raum Burgenland, die seit ihrer Gründung 1526/1527 ohne Unterbrechung über 400 Jahre bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1938 existierte.
Nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei der Schlacht bei Mohács gegen die Osmanen fand die aus Ödenburg vertriebene jüdische Bevölkerung 1526/1527 Zuflucht in Kobersdorf. 1585 bestand das jüdische Viertel aus 18 Familien in sieben Häusern und lag halbkreisförmig zwischen der Westseite des Schlosses und dem Schwarzenbach, daher erhielten die Bewohner den Spitznamen „die Einseitigen“. Im 18. Jahrhundert wurde das Viertel in nordwestliche Richtung in der heutigen Neugasse erweitert. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts besaß Kobersdorf eine vollständige jüdische Gemeinde mit Synagoge, Friedhof, Rabbiner, Schächter, Schulsinger und Gericht. In der Nähe der Synagoge befindet sich seit dem 16. Jahrhundert der jüdische Friedhof, der als einziger im Burgenland als Waldfriedhof angelegt wurde. Für ihr Aufenthaltsrecht mussten die Juden „Schutzgeld“ entrichten. Verpflichtend waren auch die Gabe von Naturalien an den Grundherrn zu Weihnachten, Martini und Ostern. Unter Maria Theresia wurde diese „Toleranztaxe“ ab 1744 zu einer ständigen staatlichen Steuer umgewandelt. mini|Emblem der jüdischen Gemeinde Kobersdorf. Es besteht aus einem Davidstern und der hebräischen Inschrift „heilige (jüdische) Gemeinde K(obers)d(orf)“ Die jüdischen Bewohner lebten hauptsächlich vom Wanderhandel und vom Hausieren, später auch vom Schankgewerbe, von der Fleischerei und handwerklichen Berufen, wobei ihnen jedoch die Mitgliedschaft in Zünften verboten wurde; die Kobersdorfer Schneider etwa beklagten sich immer wieder über die jüdische Konkurrenz. Im Jahr 1828 wurde die Höchstzahl von 746 Juden in Kobersdorf erreicht, bis 1934 sank ihre Zahl durch Abwanderung beständig auf nurmehr 172. Am 11. April 1860 wurde die Synagoge im Stil des Historismus eröffnet. Die jüdische Bevölkerung zählte zu dieser Zeit 600 Einwohner, etwa 40 % der Gesamteinwohner.
Im Ersten Weltkrieg kämpften Kobersdorfer Juden bei den königlich-ungarischen Truppen. Die Namen einiger jüdischer Gefallener sind am örtlichen Kriegerdenkmal aufgeführt.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurde Tobias Portschy Gauleiter. Bereits am 2. April forderte er neben der Lösung der Zigeunerfrage auch die Lösung der Judenfrage. Vor diesem Hintergrund kam es zu Ausschreitungen und Terror gegen jüdische Familien, diese mussten innerhalb von 14 Tagen den Ort verlassen. Ein Teil der jüdischen Bewohner wurden am 13. April 1938 ebenso wie andere jüdische Bürger aus Lackenbach und Deutschkreutz in offenen Lastwagen nach Wien gebracht. Die Wagen fuhren dabei durch Mattersburg, um den dort lebenden Juden ein abschreckendes Beispiel zu geben. In der dritten Maiwoche 1938 wurden die letzten Juden von Kobersdorf nach Wien gewaltsam weggebracht, ihr Besitz wurde beschlagnahmt und „arisiert“. Der letzte Rabbiner Simon Goldberger wurde am 20. April 1938 über die „Grüne Grenze“ nach Ungarn deportiert und er und seine Familie später im KZ Auschwitz ermordet. Im Sommer 1938 gab es keine jüdischen Einwohner mehr in Kobersdorf. Im Oktober 1938 meldete die Israelitische Kultusgemeinde in Wien an Adolf Eichmann, dass im Burgenland sämtliche Kultusgemeinden aufgelöst worden waren. Die genaue Zahl der Opfer ist nicht bekannt. Man geht davon aus, dass von den 223 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde von Kobersdorf 155 in den Ghettos und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ermordet wurden. Nur drei Überlebende kehrten nach 1945 nach Kobersdorf zurück.