Großwarasdorf () ist eine Gemeinde im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland in Österreich mit Einwohnern (Stand ).

In der Gemeinde wurden am 13. Juli 2000 die ersten offiziellen zweisprachigen Ortstafeln im Burgenland aufgestellt.Zweisprachige Ortstafeln. ORF-Fernsehbericht vom 13. Juli 2000, abgerufen am 26. Dezember 2021. Von den Einwohnern gehören ca. 80 % der Volksgruppe der Burgenlandkroaten an. Im Ort befinden sich auch eine zweisprachige Volks- und Hauptschule.

Geografie Die Gemeinde liegt im Mittelburgenland.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende vier Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Großwarasdorf () Kleinwarasdorf () Langental () Nebersdorf ()

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Großwarasdorf, Kleinwarasdorf und Nebersdorf.

Deutscher OrtsnameUngarischer OrtsnameKroatischer Ortsname Großwarasdorf Szabadbáránd Veliki Borištof Kleinwarasdorf Borisfalva Mali Borištof Langental Langató Longitolj Nebersdorf Ligvánd Šuševo

Nachbargemeinden

Geschichte mini|links|„Gross Warasdorf“ (rechts unten) um 1880 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später, unter den Römern, lag das heutige Großwarasdorf in der Provinz Pannonia.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Nagybarom verwendet werden. Großwarasdorf hätte im Jahr 1830 Bezirksvorort werden sollen, jedoch widersetzten sich die Bewohner diesem Vorhaben, und die damaligen ungarischen Behörden machten das in jener Zeit unscheinbare Oberpullendorf zum Bezirksvorort. Von dieser Tatsache lässt sich auch der Spitzname der Großwarasdorfer „varošćani“ („Städter“) ableiten.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Bevölkerungsentwicklung

Der Bevölkerungstiefststand wurde 2021 mit 1350 Menschen erreicht. 2025 lebten 1362 Personen in Großwarasdorf.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Großwarasdorf mini|Pfarrkirche Kleinwarasdorf mini|Feuerwehrhaus von Großwarasdorf mit zweisprachiger Beschriftung

Im Jahr 2020 wurde gegen den Widerstand der Gemeinde auch die Neue Mittelschule, die im Stil des Brutalismus errichtet worden war, unter Denkmalschutz gestellt.NMS Großwarasdorf unter Denkmalschutz auf ORF vom 29. August 2020, abgerufen am 29. August 2020. Katholische Pfarrkirche Großwarasdorf hl. Demetrios Katholische Pfarrkirche Kleinwarasdorf hl. Anna

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftssektoren Die Anzahl der Erwerbstätigen in der Produktion sank von 99 im Jahr 2001 auf 14 im Jahr 2011. WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige 2)2011200120112001Land- und Forstwirtschaft 1)52964350Produktion991499Dienstleistung6552129160 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999, 2) Erwerbstätige am Arbeitsort

Arbeitsmarkt, Pendeln Im Jahr 2011 arbeiteten von den 582 Erwerbstätigen der Gemeinde 126 in ebendieser, 456 pendelten aus. Von anderen Gemeinden pendelten 60 Personen nach Großwarasdorf ein. Bildung Kindergarten zweisprachige Volksschule zweisprachige Neue Mittelschule

Politik Gemeinderat

mini|Gemeindeamt Großwarasdorf

Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Anzahl der Wahlberechtigten insgesamt 21 Mitglieder. + Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997 Partei2022 2017Land Burgenland: Wahlergebnis Großwarasdorf 2017 (abgerufen am 21. Dezember 2017) 2012Land Burgenland: Wahlergebnis Großwarasdorf 2012 (abgerufen am 21. Dezember 2017) 2007Land Burgenland: Wahlergebnis Großwarasdorf 2007 (abgerufen am 21. Dezember 2017) 2002Land Burgenland: Wahlergebnis Großwarasdorf 2002 (abgerufen am 21. Dezember 2017) 1997Sti.%M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. ÖVP70359,4813 649 56,58 12 678 55,26 12 705 53,33 12 663 54,84 11 723 65,19 13 SPÖ45138,168 406 35,40 8 437 35,62 7 461 34,87 7 418 34,57 7 333 30,03 6MFG282,370nicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiert UNABuGRÜNEnicht kandidiert 92 8,02 1 112 9,13 2 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert Grünenicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 129 9,76 2 105 8,68 1 nicht kandidiert FPÖnicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 27 2,04 0 23 1,90 0 53 4,78 0 Wahlberechtigte1563 1532 1557 1594 1449 1389 Wahlbeteiligung81,06 % 81,27 % 85,36 % 86,95 % 87,78 % 86,75 %

Bürgermeister Bürgermeister ist Rudolf Berlakovich (ÖVP), der nach der Wahl 2012 die Nachfolge von Stefan Rozsenich (ÖVP) antrat. Bei der Bürgermeisterdirektwahl 2017 war abermals Vizebürgermeister Helmut Orisich (SPÖ) sein Mitbewerber und erneut setzte sich Berlakovich mit 57,50 % zu 42,50 % durch. Orisich wurde in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats wieder zum Vizebürgermeister gewählt.

Bei der Wahl 2022 wurde Rudolf Berlakovich mit 64,93 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.

Leiter des Gemeindeamtes ist Michael Karall.

Bürgermeister-Historie:

2012–2022 Rudolf Berlakovich (ÖVP) seit 2022 Martin Karall (ÖVP)

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Mihovil Naković (1840–1900), Lehrer, Reformator der Zeichen des kroatischen Alphabets Demetrius Rozenits (1874–1933), Geistlicher und Politiker Lorenz Karall (1894–1965), Rechtsanwalt und Politiker, Landeshauptmann des Burgenlands Ignaz Horvath (1895–1973), Geistlicher und Politiker Rudolf Klaudus (1895–1979), Maler, Pädagoge und Publizist Robert Berlakovich (1900–1994), Gutspächter und Politiker Franz (Ferencz) Szucsich (1918–2012), kroatischer Komponist, Autor, Übersetzer und Journalist, Gründer der Tamburica Klingenbach, Thomas Katsich (1919–2004), Jurist und Politiker Johann Müller (1924–2006), Verwaltungsjurist und Politiker Andreas/Endre Berlakovich (1931–2008), österreichischer Diplomat, Botschafter Johann Karall (1934–2008), Politiker, Landesbeamter und Nationalteamtrainer der Basketballnationalmannschaft Anton Berlakovich (1949–2026), Gründer des Parndorfer Theatersommers, burgenlandkroatischer Schriftsteller, Schulbuchautor Joško Vlasich (* 1950), Schauspieler, Lehrer, Rockmusiker und Landtagsabgeordneter

Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten

Alessandro Barberi (* 1971), Sozial- und Medienwissenschaftler (in Großwarasdorf aufgewachsen) Nikolaus Berlakovich (* 1961), Bürgermeister, burgenländischer Landespolitiker, österreichischer Bundespolitiker Käthe Sasso (1926–2024), Widerstandskämpferin, Überlebende des NS-Regimes und Zeitzeugin

Literatur 1195–1995 – 800 Jahre Grosswarasdorf. Herausgegeben von der Gemeinde Großwarasdorf und von der Arbeitsgemeinschaft Kroatischer Kommunalpolitiker in Oberpullendorf, Rötzer-Druck Eisenstadt. 775 Jahre Nebersdorf – 775 ljet Šuševo: 1225–2000. Hrsg. v. Gemeinde Großwarasdorf. Großwarasdorf 2000. Peter Paul Horvath: Vereine und andere soziokulturelle Institutionen als Konstitutionsfaktor zweisprachigen Alltagslebens auf lokaler Ebene. Gezeigt am Fallbeispiel der bilingualen Ortschaft Großwarasdorf. Diplomarbeit, Universität Wien 2004.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Kroatischsprachige Gemeinde im Burgenland

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