Gattendorf (; ) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland in Österreich.
Geografie Gemeindegliederung Gattendorf ist der einzige Ort in der Gemeinde.
Nachbargemeinden
Geschichte Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Gáta verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Gattendorf 1209 als „Kata“ in der Grenzbeschreibung von Csallo. Im Gemeindegebiet stand aber schon 1146 eine hölzerne Kapelle. Dort soll nach der Schlacht der zehnjährige Ungarkönig Géza II., Sohn Bélas II., wehrhaft gemacht worden sein. 1264 wurde der Ort von Grenzwächtern für das ungarische Gyepűsystem besiedelt, die 1339 von König Karl I. in ihren alten Rechten bestätigt wurden. In der Folge wechselte der Ort häufig den Eigentümer oder gehörte mehreren Grundherren zugleich. Von diesen waren das bedeutendste Geschlecht die Herren von Rauscher. Während ihrer Grundherrschaft wurden um 1550 Kroaten im Ort angesiedelt. Später gehörte der Ort der Familie Esterházy. Nach der Aufhebung der Zins- und Robotleistungen kam der im Besitz der Familie Esterházy verbliebene Gutshof Gattendorf an die Familie Czell, in deren Besitz er heute noch ist.
Von ca. 1720 bis 1938 gab es eine jüdische Gemeinde in Gattendorf, die aber nach einem Höchststand von 206 Personen im Jahr 1857 immer kleiner wurde, sodass sie 1885 an die jüdische Gemeinde von Kittsee angeschlossen werden musste.Jüdische Gemeinde Gattendorf, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 24. Februar 2015 1934 wohnten nur mehr 19 Juden in Gattendorf, von denen einige der Shoah zum Opfer fielen.Geschichte der Juden im Burgenland, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 24. Februar 2015 An diese jüdische Gemeinde erinnert heute nur noch der Jüdische Friedhof Gattendorf außerhalb der Ortschaft.
Gattendorf verlor zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine kroatische Mehrheit; bis in die Gegenwart ist auch die kroatischsprachige Minderheit – wenn überhaupt – nur mehr auf vereinzelte Sprecher zusammen geschmolzen. Die Entwicklung des Anteils der Kroaten an der Gesamtbevölkerung zeigt sich wie folgt: 1910: 36,5 %; 1923: 40,7 %; 1934: 29,8 %; 1951: 5,0 %, 2001: 1,2 %.
Der Ort verzeichnet bis in die Zwischenkriegszeit auch einen relativ hohen Anteil ungarischsprachiger Bevölkerung (1910: 20,9 %; 1923: 16,1 %; 1934: 14,8 %). Zuletzt (2001) lag dieser bei 2,9 % (Wohnbevölkerung mit österreichischer Staatsbürgerschaft).
Die Gemeinden Gattendorf, Neudorf und Potzneusiedl wurden 1971 durch Zusammenlegung zur Gemeinde Gattendorf-Neudorf. Nach der Trennung der Gemeinden am 1. Jänner 1990 erlangte jede wieder ihre Eigenständigkeit und die Gemeinde Gattendorf wieder ihre Selbstverwaltung.
Bevölkerungsentwicklung
2025 war der Bevölkerungshöchststand mit 1518 Einwohnern erreicht.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Katholische Pfarrkirche Gattendorf Hll. Dreifaltigkeit Jüdischer Friedhof Gattendorf Altes und neues Schloss: Das alte Schloss ist ein mächtiger Zweiflügelbau mit einer Kernsubstanz aus dem 17. Jahrhundert. Das rustizierte Portal in der siebenachsigen Hauptfront stammt aus dem 17. Jahrhundert und die ionischen Riesenpilaster aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Kapelle hl. Anna: Sie wurde südwestlich von Gattendorf auf einer Anhöhe als Grabkapelle für den in Gattendorf ansässigen Familienzweige der Esterházy 1712 von Gräfin Maria Esterházy (1668–1720) errichtet.
Wirtschaft und Infrastruktur Bildung Kindergarten Volksschule
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder.
Gemeinderatswahlen im Burgenland 1997: SPÖ 5, ÖVP 4, LIKO 4, FPÖ 2. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2002: SPÖ 6, ÖVP 6, LIKO 6, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2007: SPÖ 9, ÖVP 8, LIGA 1, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2012: SPÖ 9, ÖVP 8, LIGA 1, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2017: ÖVP 9, SPÖ 8, LIGA 1, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2022: SPÖ 10, ÖVP 8, LIGA 1.
Bürgermeister
1987–2007: Josef Kovacs (SPÖ/LIKO) 2007–2021: Franz Vihanek (ÖVP) 2021–2022: Thomas Ranits (ÖVP) seit 2022: Robert Kovacs (SPÖ)
Wappen In einem von Gold und Rot gespaltenen Schild, vorne ein grüner mit Blättern besäter Laubbaum, hinten ein nach rechts gewendeter gekrönter goldener Greif, in der erhobenen Linken ein Krummsäbel, in der vorgestreckten Rechten drei goldene bestängelte, weiß besamte Rosen haltend.
Persönlichkeiten Ehrenbürger der Gemeinde Oskar Helmer (1887–1963), Politiker und Innenminister Österreichs der Nachkriegszeit Daniel Graf Esterházy von Galántha (1843–1923) wurde laut Beschluss vom 3. Juni 1923 das Ehrenbürgerrecht verliehen. Otto von Habsburg (1912–2011) Hans Sylvester (1897–1939)Mit Beschluss des Gemeinderates vom 26. März 1938 wurde dem ernannten Landeshauptmann des Burgenlandes Hans Sylvester und dem Kaisersohn Otto von Habsburg, auf politischen Druck der neuen Machthaber die Ehrenbürgerschaft aberkannt. Dieser Beschluss wurde vom Gemeinderat der Gemeinde Gattendorf am 27. Juni 2023 revidiert, somit gelten der ehemalige Landeshauptmann des Burgenlandes Hans Sylvester und der Kaisersohn Otto von Habsburg als Ehrenbürger der Gemeinde Gattendorf.
Galerie
Literatur Klaus Derks: Die St. Anna-Kapelle bei Gattendorf. 2003. Klaus Derks: Der Stockwiesenkrieg in Gattendorf. Zur Geschichte der Burgenländisch-Niederösterreichischen Landesgrenze. In: Burgenländische Heimatblätter. Nr. 67, Eisenstadt 2005, S. 1–24, Verein zur Erforschung der Ortsgeschichte von Gattendorf (Hrsg.): Gattendorfer Rückblicke. Ein historisches Kaleidoskop. Betrachtung der Geschichte Gattendorfs in einzelnen Themen. Verlag Klaus Derks. Erscheint jährlich: Band 1: 2005, Band 2: 2006, Band 3: 2007, Band 4: 2008, Band 5: 2009, Band 6: 2010, Band 7: 2011, Band 8 (Fotoband): 2012. Stefan Geosits: Ergebnisse der Volkszählungen 1900–1981. In: Stefan Geosits (Hrsg.): Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeit. Edition Tusch, Wien 1986, S. 354–376, ISBN 3-85063-160-5. Nikolaus Wilhelm-Stempin: Das Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten in Österreich, Ungarn, Mähren und der Slowakei. BoD, 2008, ISBN 978-3-8370-4278-8. Erwin Pinter: Die Geschichte über Gulasch. Petra Weiß: TÜPL Bruckneudorf – 150 Jahre Brucker Lager. Hrsg. Stadtgemeinde Bruck an der Leitha, April 2017, S. 428/429 (Abschnitt „Die Partnergemeinden“).
Weblinks
Seite der Gemeinde Topothek Gattendorf Bildmaterial zur Gemeinde Gattendorf, verortet, beschlagwortet und datiert
Einzelnachweise
Kategorie:Katastralgemeinde im Bezirk Neusiedl am See Kategorie:Ersterwähnung 1209