mini|Alexander Skrjabin, Aufnahme um 1900Alexander Nikolajewitsch Skrjabin (, wissenschaftliche Transliteration Aleksandr Nikolaevič Skrâbin; auch Alexander Skryabin; Betonung: Alexánder Nikolájewitsch Skrjábin; *  in Moskau; †  ebenda) war ein russischer Pianist und Komponist.

Leben und Familie Skrjabin war der Sohn eines aus dem Militäradel stammenden Juristen und Diplomaten. Seine Mutter Ljubow Skrjabina, eine Konzertpianistin, starb ein Jahr nach seiner Geburt. Da sein Vater Nikolai Skrjabin nach dem Tod seiner Frau eine diplomatische Ausbildung absolvierte, wuchs Skrjabin hauptsächlich bei seiner Tante Ljubow Skrjabina auf. Diese erteilte ihm auch den ersten Klavierunterricht, denn schon als Kleinkind zeigte sich eine große musikalische Begabung (bereits im Alter von fünf Jahren konnte er am Klavier einmal gehörte Melodien nachspielen sowie improvisieren). Im Alter von zehn Jahren wurde er gegen den Willen seines Vaters und seiner Tante auf eigenen Wunsch in die Moskauer Kadettenschule aufgenommen. miniatur|205x205px|Alexander Skrjabin, 1905 Von 1888 bis 1892 studierte Skrjabin am Moskauer Konservatorium Komposition bei Anton Arenski und Sergei Tanejew sowie Klavier bei Wassili Safonow. Die Vorbereitung auf das Konservatorium hatte der zu dieser Zeit renommierteste Moskauer Privatmusiklehrer Nikolai Swerew übernommen. Da Skrjabins Kompositionsstudium jedoch von Konflikten mit seinem Lehrer überschattet wurde, fasste er schließlich den Entschluss, keinen Abschluss als Komponist zu machen. 1892 beendete Skrjabin sein Klavierstudium mit der Kleinen Goldmedaille (sein Kommilitone Sergei Rachmaninow erhielt die Große Goldmedaille).

1894 lernte er Mitrofan Beljajew kennen, der sein Verleger und Mäzen wurde. Dieser organisierte erste Gastspiele im Ausland (1895/96), die ihn bald international bekannt machten. Bei seinen Auftritten spielte Skrjabin jedoch fast ausschließlich eigene Werke.

1897 heiratete Skrjabin die Konzertpianistin Wera Iwanowna Isaakowitsch, die sich für die Werke ihres Mannes engagierte, und mit der er vier Kinder hatte, Rimma (1898–1905), Elena (1900–1990), Maria (1901–1989) und Lev (1902–1910). Von 1898 bis 1903 war Skrjabin Klavierprofessor am Moskauer Konservatorium. Die materielle Belastung seiner Familie erforderte jedoch noch eine zusätzliche Tätigkeit als Inspektor für Musik am St.-Katharina-Institut in Moskau. miniatur|234x234px|Alexander Skrjabin mit Ehefrau Tatjana und Sohn Julian, 1913 links|miniatur|Alexander Skrjabin und Ehefrau Tatjana, 1909 Im November 1902 lernte Skrjabin Tatjana de Schloezer kennen, die Schwester des Musikwissenschaftlers und Skrjabin-Forschers Boris de Schloezer. Sie wurde wenig später seine Geliebte. 1904 folgte dann der lang ersehnte Umzug ins Ausland (Schweiz, Belgien, Italien, Frankreich). Dies wurde möglich durch eine Jahresrente, mit der Margarita Kirillowna Morosowa ihn von 1904 bis 1908 unterstützte. 1905 trennte er sich von seiner Frau Wera, die ihm jedoch die Scheidung verweigerte. Danach wurde Tatjana de Schloezer die offizielle Frau an seiner Seite, mit der er drei Kinder hatte (Ariadna, Julian und Marina). Ihr früh verstorbener Sohn Julian Skrjabin (1908–1919) schlug dieselbe Laufbahn wie sein Vater ein und hinterließ einige Kompositionen, die dem Spätwerk seines Vaters stilistisch nahekommen. Die Tochter Ariadna Skrjabina (1905–1944) wurde Dichterin und französische Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg. Skrjabins Schwiegersohn, Wladimir Sofronizki (1901–1961) galt als einer der authentischsten Skrjabin-Interpreten.

Skrjabins Ansehen im Ausland und Russland begann, besonders nach der Uraufführung der 3. Sinfonie am 29. Mai 1905 in Paris, zu wachsen. Die Erstaufführungen der 5. Klaviersonate in Moskau sowie des Poème de l’extase in New York (1908) waren der Beginn eines „Triumphzuges“. Von seinen zahlreichen Gastspielen waren die in England 1911 von besonderer Bedeutung, da er dort in Kontakt mit englischen Theosophen kam.

Wenige Tage nach der New Yorker Premiere des Promethée mit Lichteffekten erkrankte Skrjabin an einer Blutvergiftung, der er wenig später erlag. Nach seinem Tod blieb seine zweite Familie mittellos; sie erhielt jedoch vielfältige Unterstützung durch Freunde und Musiker. Auch Margarita Kirillowna Morosowa unterstützte Mitglieder der Familie finanziell, und sie finanzierte das Skrjabin-Museum.

Die Philosophie von Skrjabin Skrjabin interessierte sich für die Philosophien und die Ästhetik deutscher Autoren wie Schopenhauer, Wagner und Nietzsche, die sein musikalisches und philosophisches Denken stark beeinflussten. Er interessierte sich auch für die Theosophie und die Schriften von Helena Blavatsky und kam mit Theosophen wie Jean Delville in Kontakt. Auch wenn Skrjabin immer wieder mit der Theosophie in Verbindung gebracht wurde, so ist doch festzuhalten: „Inwieweit Skrjabin sich ernsthaft mit der Theosophie auseinandergesetzt hat ... ist umstritten, aber nichtsdestotrotz brachten ihm diese Assoziationen eine bedeutende Presseberichterstattung ein.“Ballard, Lincoln, and Matthew Bengtson. The Alexander Scriabin companion: History, performance, and lore. Lanham: Rowman & Littlefield, 2017, 122-5. Sogar Skrjabins Schwager, Boris de Schloezer, hat festgestellt, dass Skrjabin trotz seines allgemeinen Interesses an der Theosophie diese nie ernst nahm und von bestimmten Aspekten sogar enttäuscht war.de Schloezer, Boris (1987). Scriabin: Artist and mystic. Berkeley: University of California Press. pp. 68–9.

Skrjabin bediente sich der Poesie, um seine philosophischen Vorstellungen auszudrücken, und er vermittelte viele seiner philosophischen Gedanken durch seine Musik, die bekanntesten Beispiele sind Le Poème de l’Extase und Vers la flamme.

Skrjabins Mystik: „Ich bin Gott.“ Die wichtigsten Quellen seiner Philosophie finden sich in seinen posthum veröffentlichten Notizbüchern. Diese Schriften sind berühmt-berüchtigt dafür, dass sie die Erklärung „Ich bin Gott“Alexander Skryabin (2018). The notebooks of Alexander Skryabin. Edited by Simon Nicholls. New York: Oxford University Press, 68 and 70. enthalten. Dieser Satz, der von denjenigen, die mit der Mystik nicht vertraut sind, oft fälschlicherweise einer größenwahnsinnigen Persönlichkeit zugeschrieben wird,Simon Morrison (2019). Russian opera and the symbolist movement. Oakland: University of California Press, 187-8. ist in Wirklichkeit sowohl in der östlichen als auch in der westlichen Mystik eine Erklärung der extremen Demut. In diesen Traditionen ist das Ego des Einzelnen so vollständig ausgelöscht, dass nur Gott übrig bleibt. Verschiedene Traditionen haben unterschiedliche Begriffe (z. B. fana, samadhi) verwendet, um einen im Wesentlichen gleichen Bewusstseinszustand zu bezeichnen. Obwohl Skrjabins Status als Theosoph von Gelehrten angefochten wird, lässt sich nicht leugnen, dass er ein Mystiker war, insbesondere beeinflusst von einer Reihe russischer Mystiker und spiritueller Denker wie Solowjow und Berdjajew, die Skrjabin beide kannte. Die Vorstellung von der Alleinheit, die das Fundament der russischen Mystik bildet, ist ein weiterer Faktor, der zu Skrjabins Erklärung „Ich bin Gott“ beiträgt: Wenn alles miteinander verbunden ist und alles Gott ist, dann bin auch ich Gott, so sehr wie alles andere.

Russischer Kosmismus Die neuere Forschung hat Skrjabin in die Tradition des frühen russischen Kosmismus gestellt. Der russische Kosmismus, der auf die Ideen von Nikolai Fjodorow und Solowjow zurückgeht, wollte die Menschheit in einer kosmischen Evolution vereinen und dabei Spiritualität und Technologie miteinander verbinden. Solche kosmistischen Ideen waren in Russland zu dieser Zeit sehr populär, und so zeigt Skrjabin als Kind seiner Zeit „eine kreative Adaption von Ideen, die für das spätkaiserliche Russland typisch waren“ und betont „Konzepte, die der Beschäftigung seiner intellektuellen Zeitgenossen mit der Einheit und eschatologischen Visionen der Lebensumwandlung entsprachen.“ Skrjabin wurde von Persönlichkeiten wie Solowjow, Berdjajew und Bulgakow und deren spirituellen Ideen tief beeinflusst. Der russische Kosmismus ist eine reiche, handlungsorientierte Tradition, die darauf abzielt, die Menschheit mit verschiedenen Mitteln, von der Technologie bis zur Spiritualität, in einer kosmischen Mission der aktiven Evolution und Transformation zu vereinen. Skrjabins einzigartiger Beitrag zum russischen Kosmismus war „die zentrale Rolle der Musik in seiner Philosophie“, da er an die transformative Kraft der Musik glaubte, um kosmische Ziele zu erreichen. Dies steht im Gegensatz zu anderen Kosmisten, die sich mehr auf religiöse, wissenschaftliche oder technische Mittel konzentrierten. Skrjabins Philosophie integriert Musik und Spiritualität und betrachtet sie als miteinander verbundene Wege zur mystischen Vereinigung.

Skrjabins Werke spiegeln zentrale kosmistische Themen wider: die Bedeutung der Kunst, des Kosmos, des Monismus, der Bestimmung und einer gemeinsamen Aufgabe für die Menschheit. Seine Musik, die Themen wie Flug und Weltraumforschung verkörpert, steht im Einklang mit dem kosmistischen Glauben an die kosmische Bestimmung der Menschheit. Seine philosophischen Ideen, insbesondere seine Erklärungen, Gott zu sein, und seine Vorstellungen von Einheit und Vielheit, sollten im mystischen Kontext des frühen russischen Kosmismus verstanden werden, wie er bei Denkern wie Fjodorow und Solowjow zu finden ist, die die Einheit zwischen Mensch, Gott und Natur betonten.

Mysterium Abgesehen von Skrjabins vollendeten Werken (z. B. Le Poème de l’Extase, Prométhée. Le Poème du feu, Vers la flamme), in denen seine philosophischen Ideen zum Ausdruck kommen, stellt sein unvollendetes Werk Mysterium vielleicht den Höhepunkt seiner mystisch-philosophischen Weltanschauung dar. Skrjabin „kam zu der Überzeugung, dass er eine Mission hatte, die Menschheit durch die Kunst zu regenerieren. Dieses Ziel sollte durch ein Werk erreicht werden, das er als Mysterium bezeichnete, das sieben Tage dauern, alle Ausdrucksmittel und die gesamte Menschheit einbeziehen und die Welt verändern sollte“.Simon Nicholls (2018). "Introduction". In The notebooks of Alexander Skryabin. Edited by Simon Nicholls. New York: Oxford University Press. 1. Die Ideen der Einheit, der Transzendenz, der Synthese der Künste und der Verwandlung durchdringen das Mysterium durch und durch.

Musik und Einflüsse Neuerungen miniatur|226x226px|Robert Sterl: Klavierkonzert mit Alexander Skrjabin unter der Leitung von Sergej Kussewitzky (1910) Skrjabin wird als außergewöhnlich guter Pianist angesehen, der als Erwachsener jedoch ausschließlich seine eigenen Werke in der Öffentlichkeit spielte. Ferner komponierte er Musik nur für „sein“ Instrument, das Klavier, und sinfonische Musik.

In frühen Jahren war seine Musik noch sehr an der Frédéric Chopins und Franz Liszts orientiert, später lernte er die Musik Richard Wagners kennen, entwickelte seine Tonsprache aber schon bald über die Chromatik von Wagners Tristan und Isolde hinaus. Er folgte einem harmonischen System, das nicht mehr auf dur-moll-tonalen Bindungen fußt, sondern auf der Verwendung eines auf Quartschichtungen basierenden Akkordes, des so genannten „mystischen Akkords“ oder auch „Prometheus-Akkords“ (letztere Benennung nach dem Orchesterwerk Promethée. Le Poème du feu, op. 60). Die Musikwissenschaftlerin Zofia Lissa hat Skrjabins sogenannte Klangzentrumstechnik – eine atonale Kompositionstechnik – als Vorform der Zwölftontechnik beschrieben.

Des Weiteren hat er die Klaviersonate weiterentwickelt, indem er sie zur Einsätzigkeit führte. Diese Entwicklung kann man an seinen Sonaten gut nachvollziehen. Die vier Sätze der 1. Sonate sind schon eng miteinander verschränkt sowie auf den letzten ausgerichtet; ab der 5. Sonate wird die Einsätzigkeit zur Regel. Gleiches Prinzip der Verlagerung zur Einsätzigkeit gilt auch für seine Orchesterwerke.

Theosophie