Karl-Heinz „Kalle“ Rummenigge (* 25. September 1955 in Lippstadt) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger Fußballfunktionär.
In seiner Laufbahn war er als Profifußballer auf der Position des Stürmers für den FC Bayern München, Inter Mailand und Servette Genf aktiv. In den 1980er Jahren galt Rummenigge als einer der besten Spieler der Welt. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er im Jahr 1980 Europameister und führte sie als Mannschaftskapitän in die WM-Finale 1982 und 1986 sowie bei der Europameisterschaft 1984.
Von 1991 bis 2002 war er Vizepräsident und von 2002 bis 2021 Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG. Außerdem war er von 2008 bis 2017 Vorsitzender der European Club Association. Von April 2021 bis Februar 2024 war er Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees. Seit Mai 2023 ist er Mitglied des Aufsichtsrates der FC Bayern München AG.
Jugend Rummenigges Vater Heinrich war bei Borussia Lippstadt aktiv und übertrug seine Fußballbegeisterung auf seine Söhne Wolfgang, Karl-Heinz und Michael. Karl-Heinz und Michael traten der Borussia bei und wurden in der Jugendabteilung fußballerisch gefördert. In einem C-Jugendspiel fiel Karl-Heinz Rummenigge erstmals auf, als er bei einem 32:0-Sieg 16 Tore erzielte. Obwohl er schon früh als großes Talent galt, schaffte er nicht den Sprung in eine nationale Jugendauswahl, sondern lediglich in die Westfalenelf.
Karriere im Verein Aufstieg bei Bayern München 1974 erhielt Rummenigge ein Angebot vom deutschen Meister FC Bayern München. Der 18-Jährige brach eine Lehre zum Bankkaufmann ab und wechselte für ein Monatsgehalt von 8.000 DM von Lippstadt zu den Bayern. Deren Star Franz Beckenbauer hatte wenig für den Neueinkauf übrig und kommentierte: „Das wird nie einer.“ Doch Rummenigge, der zu diesem Zeitpunkt als sehr schüchtern galt und häufig als „Rotbäckchen“ verspottet wurde,„Killer-Kalle“ Rummenigge hat’s allen gezeigt, n-tv.de, 25. September 2015, abgerufen am 26. November 2018 setzte sich unter Trainer Udo Lattek durch. In seiner ersten Saison absolvierte er 21 Bundesliga-Spiele und traf dabei fünfmal; mit seinem Verein belegte er den zehnten Platz. 1975 gewannen die Bayern den Europapokal der Landesmeister, Rummenigge wurde dabei durchgehend bis zum Halbfinale eingesetzt.
In der Folgesaison erspielte sich Rummenigge einen Stammplatz in der Offensive der Münchner und verteidigte mit seinen Mitspielern 1976 den Titel im Europapokal der Landesmeister durch einen 1:0-Sieg über AS Saint-Étienne. Anschließend besiegte Bayern Cruzeiro Belo Horizonte in den Spielen um den Weltpokal 1976. Es war Rummenigges dritter Titel im Bayern-Dress.
In der Anfangszeit bei Bayern München leistete Rummenigge seinen Grundwehrdienst beim Schweren Pionierlehrbataillon 210 in München ab.11freunde.de vom 25. Januar 2012: Kalle zieht in den Krieg: Fußballer beim Bund, abgerufen am 7. März 2016.
Führungsspieler bei den Bayern mini|Rummenigge (1982) Rummenigge war von nun an Stammspieler und unterstützte Stürmer Gerd Müller erfolgreich im Angriff. Ende der 1970er Jahre verließen Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller die Mannschaft und hinterließen eine große Lücke beim FC Bayern. Der Verein belegte 1977 Platz sieben und 1978 Platz zwölf in der Bundesliga. Derweil entwickelte sich Rummenigge unter den Trainern Dettmar Cramer und später Gyula Lóránt fußballerisch und als Persönlichkeit weiter und war bald als Führungsspieler in der Mannschaft anerkannt. 1978 kehrte Paul Breitner zum FC Bayern zurück, der sich mit dem Außenstürmer Rummenigge auf dem Feld „blind“ verstand und ihm mit langen Pässen gute Spielszenen ermöglichte. Das Duo erhielt den Spitznamen „Breitnigge“.5 x 5 Meisterfakten: Breitnigge und Aluminium, fcbayern.com, 19. Mai 2015, abgerufen am 18. Oktober 2022 1980 gewannen die Bayern nach sechs Jahren wieder die deutsche Meisterschaft, wobei Rummenigge mit 26 Toren Torschützenkönig wurde. Nach dieser Spielzeit wurde er zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt und mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ – bei 24 der 25 Wahlzettel stand er mit folgenden 122 von 125 möglichen Punkten beim Abstimmungsergebnis an der Spitze – ausgezeichnet.
1981 verteidigten die Bayern den Titel, mit 29 Saison-Treffern setzte Rummenigge seine persönliche Bestmarke und wurde wieder Torschützenkönig. Auf dem Zenit seines Könnens wurde er erneut zu Europas Fußballer des Jahres gekürt und galt Anfang der 1980er Jahre als einer der besten Spieler der Welt. 1982 stand der Verein im Finale des Europapokals der Landesmeister, wo er mit den Bayern dem englischen Vertreter Aston Villa mit 0:1 unterlag. In diesem Spiel ließ Rummenigge eine Vielzahl hochkarätiger Chancen aus. Auf nationaler Ebene folgten mit zwei Siegen im DFB-Pokal 1982 und 1984 weitere Titel und Rummenigge sicherte sich 1984 mit 26 Toren zum dritten Mal die Torjägerkanone.
Von 1981 bis 1984 spielte er bei den Bayern gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Michael Rummenigge.
Rummenigge erzielte 162 Tore in 310 Bundesliga-Spielen und damit nach Gerd Müller und Robert Lewandowski die drittmeisten Tore für den FC Bayern in der Bundesliga. In 64 Europapokalspielen gelangen ihm für seine Mannschaft 30 Tore.
Inter Mailand 1984 wechselte Rummenigge zum italienischen Verein Inter Mailand, der dafür geschätzte zehn bis elf Millionen Mark Ablöse an den FC Bayern zahlte. Dies war damals die zweithöchste Ablösesumme weltweit, die nur von dem Transfer Diego Maradonas übertroffen wurde, der im selben Jahr für 24 Millionen Mark vom FC Barcelona zum SSC Neapel wechselte. Die Erwartungen an Rummenigge in Italien waren nicht zuletzt wegen der enormen Ablösesumme hoch, sollte er die Mannschaft doch wieder zur Meisterschaft führen. Doch er konnte nicht mehr seine Höchstleistung bringen – zwar erzielte er in 64 Spielen 24 Tore, aber seine Zeit in der Serie A war von vielen Verletzungen geprägt. Mit Inter gewann er keine Titel.
Servette Genf Nach drei Jahren in Italien schloss er sich 1987 Servette Genf in der Schweiz an. Hier ließ er seine Karriere ausklingen und wurde 1989 mit 24 Toren Torschützenkönig der Nationalliga A. Im Alter von 33 Jahren beendete er seine Spielerkarriere im Sommer 1989.
Karriere in der Nationalmannschaft mini|hochkant|Rummenigge im Juni 1982 Am 2. September 1975 spielte Rummenigge erstmals im Trikot der Nationalmannschaft; mit der B-Auswahl gewann er in Augsburg mit 2:0 gegen Österreich. Am 6. Oktober 1976 debütierte er in der A-Nationalmannschaft beim 2:0-Sieg über Wales. Zwei Jahre später nominierte Bundestrainer Helmut Schön den jungen Außenstürmer für die WM 1978 in Argentinien. Beim Eröffnungsspiel musste Rummenigge dem Schalker Rüdiger Abramczik den Vortritt lassen. Im zweiten Spiel gegen Mexiko wurde Rummenigge eingesetzt und erzielte zwei Tore; dadurch spielte er sich in die Stammformation. Ein drittes Tor gelang ihm im Spiel gegen Österreich, das später als „Schmach von Córdoba“ in die bundesdeutsche Fußballgeschichte einging; Deutschland schied durch eine 2:3-Niederlage aus dem Turnier aus.
1980 wurde er mit der Nationalmannschaft in Italien Europameister. Ihm gelang dabei der 1:0-Siegtreffer in der Vorrunde gegen die Tschechoslowakei und im Finale bereitete er mit einem Eckball den Siegtreffer zum 2:1 durch Sturmpartner Horst Hrubesch vor.
Nach diesem persönlichen Erfolgsjahr – er war zuvor mit dem FC Bayern deutscher Meister und Torschützenkönig in der Bundesliga geworden – meldete er auch in der Nationalelf Ansprüche als Führungsspieler an. 1981 wurde er von Schöns Nachfolger Jupp Derwall zum Mannschaftskapitän ernannt.
Bei der WM-Endrunde 1982 in Spanien spielte Rummenigge als neuer Kapitän ein starkes Turnier und erzielte fünf Tore, darunter einen Hattrick beim 4:1 im Vorrundenspiel gegen Chile. Legendär wurde der entsetzte Ausruf von Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand, als im Halbfinale Deutschland gegen Frankreich („Nacht von Sevilla“) der angeschlagene Rummenigge in der Verlängerung nach einem 1:2-Rückstand eingewechselt wurde: Seine Überraschung über die Einwechslung teilte er mit der Fachwelt, da Rummenigge in der Zwischenrunden-Partie gegen Spanien zur Halbzeit mit Verdacht auf Muskelfaserriss ausgewechselt worden war.Spieldaten auf www.transfermarkt.de Rummenigge schoss, nachdem die Franzosen zwischenzeitlich mit 3:1 in Führung lagen, den Anschlusstreffer zum 2:3 und leitete damit die Wende in einem dramatischen Spiel ein, das nach dem Ausgleich durch Klaus Fischer (Tor des Jahres 1982) im Elfmeterschießen gewonnen wurde. Das anschließende Finale gegen Italien verlief für Rummenigge enttäuschend: Er musste nach 70 Minuten verletzt ausgewechselt werden und Italien besiegte Deutschland überlegen mit 3:1. Rummenigge wurde zum drittbesten Spieler des Turniers gewählt.
Seine zweite Europameisterschaft 1984 in Frankreich verlief enttäuschend. Die deutsche Mannschaft schied bereits nach der Vorrunde aus. Rummenigge blieb ohne Tor.
Seine dritte WM bestritt er 1986 in Mexiko unter Teamchef Franz Beckenbauer, mit dem er Jahre zuvor noch bei Bayern München zusammengespielt hatte. Rummenigge war von Anfang an durch Verletzungen gehandicapt, reiste nicht in Topform zur Endrunde und bestritt lediglich zwei Partien über die volle Distanz. Deutschland erreichte wie vier Jahre zuvor das Endspiel, nun gegen Argentinien. Nachdem Deutschland mit 0:2 in Rückstand geraten war, erzielte Rummenigge in der 74. Minute das 1:2, Rudi Völler wenig später das 2:2. Am Ende siegten die Südamerikaner um Diego Maradona jedoch mit 3:2. Nach dem Finale trat Rummenigge als Mannschaftskapitän zurück und beendete seine Karriere im DFB-Trikot nach 95 Länderspielen und 45 Toren.
Rummenigge war 51-mal Spielführer der DFB-Elf und vom 29. Juni 1986 bis zum 18. Dezember 1993 Rekordspielführer, ehe er von Lothar Matthäus übertroffen wurde.
Erfolge Nationalmannschaft Vize-Weltmeister: 1982 und 1986 Europameister: 1980
Verein Weltpokalsieger: 1976 mit dem FC Bayern München Europapokalsieger der Landesmeister: 1975 und 1976 mit dem FC Bayern München Deutscher Meister: 1980 und 1981 mit dem FC Bayern München DFB-Pokal-Sieger: 1982 und 1984 mit dem FC Bayern München DFB-Supercup-Sieger: 1983 (inoffiziell) mit dem FC Bayern München
Karrierestatistik VereinLigaSaisonLigaNat. PokalEuropapokalAndereGesamtSpieleToreSpieleToreSpieleToreSpieleToreSpieleToreFC Bayern MünchenBundesliga1974/752153140––2861975/7632872932048131976/77311252612042151977/7829830662038141978/79341420––––36141979/80342635105––47361980/8134293486––45391981/8232147796––48271982/8334202061––42211983/8429267462––4232Gesamt3101624225643060422217Inter MailandSerie A1984/852689595––44181985/8624136293––39181986/871435251––246Gesamt6424209239––10742Servette GenfNationalliga A1987/882810––––––28101988/893224––40––3624Gesamt6034––40––6434Karriere Gesamt4342206234913960593293
NationalmannschaftJahrSpieleTore19762019776119781241979851980104198111919821391983108198481198563198691Gesamt9545
Auszeichnungen und Ehrungen 1979: Torschütze des Monats Oktober auf sportschau.de. 1979: Einstufung als Weltklasse in der Rangliste des deutschen Fußballs 1980: Ballon d’Or („Europas Fußballer des Jahres“) 1980: Deutschlands Fußballer des Jahres 1980: Onze d’or 1980: Torschützenkönig der Bundesliga 1980: Torschütze des Monats März auf sportschau.de. und Oktober auf sportschau.de. 1980: Torschütze des Jahres 1980: Einstufung als Weltklasse in der Rangliste des deutschen Fußballs (2-mal) 1980: Bravo Sport Gold-Otto 1981: Ballon d’Or („Europas Fußballer des Jahres“) 1981: Onze d’or 1981: Torschützenkönig des Europapokals der Landesmeister 1981: Torschützenkönig der Bundesliga 1981: Torschütze des Monats Juli auf sportschau.de. und September auf sportschau.de. 1981: Torschütze des Jahres 1981: Einstufung als Weltklasse in der Rangliste des deutschen Fußballs (3-mal) 1981: Bravo Sport Gold-Otto 1982: DFB-Pokal-Torschützenkönig