mini|Herbert W. Franke auf der Penta-Con 2007 mini|hochkant|Herbert W. Franke auf der transmediale 2010

Herbert Werner Franke (* 14. Mai 1927 in Wien; † 16. Juli 2022 in Egling) war ein österreichischer Science-Fiction-Schriftsteller und Sachbuchautor. Einige seiner Werke veröffentlichte er unter den Pseudonymen Sergius Both und Peter Parsival. Franke war außerdem aktiv in den Bereichen Zukunftsforschung, Höhlenforschung sowie Computergrafik und Computerkunst. Mit seinem Buch "Kunst und Konstruktion" aus dem Jahr 1957 gehört er weltweit zu den ersten Theoretikern, die die Idee formulierten, dass der Computer ein künstlerisches Medium sein könnte. Sein Erbe verwaltet die art meets science - Stiftung Herbert W. Franke.

Leben Herbert W. Franke war der Sohn von Otto Franke, Professor für Elektrotechnik an der Technischen Universität WienHerbert W. Franke: Ich: HWF. In: Blode, Esselborn, Päch (Hrsg.): Herbert W. Franke. Der Kristallplanet. Teil 1, S. 25. und dessen Ehefrau, geborene MayrHerbert W. Franke: Ich: HWF. In: Blode, Esselborn, Päch (Hrsg.): Herbert W. Franke. Der Kristallplanet. Teil 1, S. 26., von Beruf Fremdsprachensekretärin. Im Alter von 15 Jahren wurde er 1942 zum Kriegsdienst eingezogen.Herbert W. Franke: Ich: HWF. In: Blode, Esselborn, Päch (Hrsg.): Herbert W. Franke. Der Kristallplanet. Teil 1, S. 33. 1943 war Franke zunächst als Flakhelfer eingesetzt, später in einer Telefonzentrale, gefolgt vom Reichsarbeitsdienst. Am 24. Dezember 1944 wurde er schließlich zur Wehrmacht eingezogen, wozu Franke sich in einer Kaserne in Berlin-Gatow melden musste.Herbert W. Franke: Ich: HWF. In: Blode, Esselborn, Päch (Hrsg.): Herbert W. Franke. Der Kristallplanet. Teil 1, S. 61. Nach dem Krieg studierte Franke in Wien Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie. 1950 wurde er mit einer Dissertation über ein Thema der Elektronenoptik zum Doktor der theoretischen Physik promoviert. Danach war Franke bis 1956 für die Presseabteilung der Firma Siemens in Erlangen tätig.

Ab 1957 arbeitete er als freier Schriftsteller. Er lebte die ersten Jahre in Kreuzpullach.Ernst von Khuon (Hrsg.): Waren die Götter Astronauten? Wissenschaftler diskutieren die Thesen Erich von Dänikens. Econ, Düsseldorf 1970, ISBN 3-430-15382-4, Taschenbuchausgabe: Droemer, München/Zürich 1972, ISBN 3-426-00284-1, S. 227 (Verzeichnis der Autoren). Von 1973 bis 1997 hatte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München einen Lehrauftrag für „Kybernetische Ästhetik“ (später „Computergrafik - Computerkunst“) inne. Von 1968 bis 1975 war er Mitglied der von ihm mitbegründeten gruppe parallel, eines Zusammenschlusses von Künstlern und Wissenschaftlern.Streichholzbriefchen mit den Zielen der gruppe parallel Von 1972 bis 1979 war er zusammen mit Wolfgang Jeschke Science-Fiction-Lektor und -Herausgeber im Wilhelm Heyne Verlag, München. 1979 war er Mitbegründer der Ars Electronica in Linz. Von 1979 bis 1980 übernahm Franke einen Lehrauftrag „Einführung in die Wahrnehmungspsychologie“ am Fachbereich Design (seit 1998: Gestaltung) der Fachhochschule Bielefeld. 1980 wurde er zum Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland gewählt und erhielt seinen Professorentitel vom österreichischen Ministerium für Unterricht und Kunst. Eine Geschichtensammlung mit dem Titel Der grüne Komet war sein erstes Buch. 1998 nahm Franke an der Siggraph Art Show in Orlando und als Juror am VideoMath-Festival in Berlin teil. Über die Jahre war er an unzähligen Aufführungen und Präsentationen beteiligt, darunter im Siemens Museum und bei BMW. In der Kunsthalle Bremen fanden die beiden Sammlungen früher Computerkunst, die Franke über die Jahre erwarb, ihre museale Heimat. In der Ausstellung Ex Machina wurde das 2007 entsprechend gewürdigt.

2003 erschien sein zuletzt veröffentlichtes Fachbuch Vorstoß in die Unterwelt – Abenteuer Höhlenforschung. Ab 2005 schrieb Franke auch wieder vermehrt Science-Fiction-Romane. 2007 veröffentlichte Franke, 80-jährig, für eine Aufführung mit Marionetten das multimediale Theaterstück Der Kristallplanet, das im Juli des Jahres am Marionettentheater Bad Tölz uraufgeführt wurde. Das Stück handelt von kontrollierten, unfreien Menschen, die – wie Marionetten – von einem Zentralstaat gesteuert werden.Phantastik-News zu „Der Kristallplanet“. Phantastik-news.de.

Die Zeit bezeichnete Franke als „den prominentesten deutsch schreibenden SF-Autor“, Dietmar Dath nannte ihn in der Frankfurter Allgemeine Zeitung einen „großen Erzähler“.Die Stimme des Unbekannten. In: faz.net. 14. Mai 2017, abgerufen am 17. Juli 2022. 2016 verlieh ihm die European Science Fiction Society für sein literarisches Lebenswerk den Grand Master Award. Werke von Franke sind im Centre Pompidou, Paris, im Victoria & Albert Museum, London, im Belvedere und im Museum für Moderne Kunst, beide Wien, im Preußischen Kulturbesitz Berlin sowie in der Kunsthalle Bremen, die seit 2007 seine Sammlung von mehreren hundert Werken der frühen Computerkunst besitzt. Einige Werke Frankes im Bereich der Computergrafik sind in der Sammlung des Museums Abteiberg in Mönchengladbach ausgestellt.Anfänge der Computergraphik aus der Sammlung Etzold im Museum Abteiberg.

Sein Nachlass befindet sich in der „art meets science – Stiftung Herbert W. Franke“ sowie im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe. Dort wurde sein Lebenswerk zwischen Oktober 2010 und Januar 2011 auch mit einer eigenen Ausstellung – Herbert W. Franke. Wanderer zwischen den Welten – gewürdigt.

Als Mitbegründer der Ars Electronica widmete ihm die OÖ Landes-Kultur GmbH zu seinem 95. Geburtstag am 14. Mai 2022 eine Ausstellung im Francisco Carolinum in Linz.

Franke war in zweiter Ehe verheiratet mit Susanne Päch, die die „art meets science – Stiftung Herbert W. Franke“ gegründet hat und sich um sein literarisches, künstlerisches wie wissenschaftliches Erbe kümmert. Frankes erste Frau war die Übersetzerin Charlotte Winheller (1935–1995).

Er starb am 16. Juli 2022 im Alter von 95 Jahren im oberbayrischen Egling.Künstler und Science-Fiction-Autor Herbert W. Franke ist tot. In: Neue Zürcher Zeitung, 16. Juli 2022, abgerufen über msn.com am 17. Juli 2022. Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer würdigte ihn als „Universalgelehrten“, der physikalisches, mathematisches, philosophisches und chemisches Wissen vereint habe und in vielem seiner Zeit weit voraus gewesen sei.

Auszeichnungen (Auswahl) 1985 Deutscher Science-Fiction-Preis für Die Kälte des Weltraums als besten Roman 1986 Kurd-Laßwitz-Preis 1987 Computerkunstpreis der Vereinigung Deutscher Softwarehersteller e. V. 1989 Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar 1991 Deutscher Science-Fiction-Preis für Zentrum der Milchstraße als besten Roman 1992 Karl-Theodor-Vogel-Preis für Technik-Publizistik 2002 Dr.-Benno-Wolf-Preis vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V. für Verdienste in der Höhlenforschung 2007 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse des österreichischen Bundeskulturministeriums 2016 „European Grand Master“ der European Science Fiction SocietyDer Großmeister der Science-Fiction-Literatur. In: Münchner Merkur, 20. März 2017ESFS Awards 2010–2019 – European Science Fiction Society, abgerufen am 18. Februar 2023 2017 Kurd-Laßwitz-Sonderpreis für langjährige herausragende Leistungen im Bereich der deutschsprachigen SFVideo auf youtube 2018 Ehrendoktorwürde der Staatlichen Hochschule für Gestaltung KarlsruheVerleihung der Ehrendoktorwürde an Herbert W. Franke

Motivation und Botschaft

Franke pflegte einen klaren und sehr nüchternen Stil. Immer wiederkehrendes Motiv seiner Romane und Erzählungen ist die Frage nach dem Wesen der Realität, auf die es keine endgültige Antwort gibt. Dieses Motiv verwendet er beispielsweise im Roman Das Gedankennetz, in welchem die von der Staatsmacht internierte Hauptfigur virtuelle Realitäten durchlebt, ohne noch zwischen Wirklichkeit und Manipulation unterscheiden zu können. Doch auch die Nebenfiguren werden schließlich in den Strudel dieser Realitätsverschiebungen gezogen. Das Ende des Romans führt schließlich dem Leser plastisch vor Augen, dass nichts so sein muss, wie es scheint, und dass die sicher geglaubte Ausgangslage des Romans ebenfalls nur eine Variation der Realitätswahrnehmung ist. In späteren Werken werden die Virtualitätskonzepte gewagter: In Transpluto entpuppt sich schließlich das uns als unhintergehbar erscheinende Raum-Zeit-Kontinuum als eine Art lokal begrenzter Experimentierkäfig, der von einer völlig fremdartigen vieldimensionalen Struktur umgeben ist.

Ein weiteres bestimmendes Thema in Frankes Werken ist die ausweglose Situation von Individuen in zunehmend technisierten, durchorganisierten und totalitären Welten der Zukunft, wobei Franke seine Visionen aus schon vorhandenen Trends und Technologien unserer Zeit komponiert.

Als übergeordnete philosophische Frage, die Franke in nahezu jedem Werk zumindest am Rande berührt, kann die Weiterentwicklung von Zivilisationen angesichts der immer weiter verbesserten technischen Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung betrachtet werden. Das frühe Werk Der Orchideenkäfig spielt diesen Gedanken bis zu einer endgültigen und deprimierenden Konklusion durch. Frankes wohl erfolgreichstes Buch Zone Null bringt das Thema, weniger radikal, mit den ebenfalls häufig wiederkehrenden Topoi einer hypothetischen drastischen Auseinanderentwicklung der Machtblöcke des Ost-West-Konflikts (Die Stahlwüste, Papa Joe & Co.) und eines mit der Zunahme seiner Möglichkeiten immer zielloser werdenden wissenschaftlich-technischen Apparates (Tod eines Unsterblichen) zusammen. Eine Spaltung der Gesellschaft in einen in zweckfreier, passiver Glückseligkeit lebenden und einen aktiv schaffenden Teil ist in Zone Null ebenso die Folge wie in Der Orchideenkäfig und diversen früheren Erzählungen. Die aktive Rolle kann dabei in letzter Konsequenz auf bionisch veränderte Menschen oder gleich ganz auf maschinelle Intelligenzen übergegangen sein.

Werke Herbert W. Frankes Veröffentlichungen erschienen übersetzt in Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Italien, Japan, Jugoslawien, Mexiko, Polen, Rumänien, Schweden, Spanien, der UdSSR, Ungarn und den USA. Der Roman Ypsilon Minus und einige utopische Erzählungen wurden auch in der DDR veröffentlicht.

(Die ISBN verweisen teilweise auf neuere Ausgaben.)

Sachbücher Wildnis unter der Erde. Brockhaus, Wiesbaden 1956. Kunst und Konstruktion. Bruckmann, München 1957. Magie der Moleküle. Brockhaus, Wiesbaden 1958. Wohin kein Auge reicht. Brockhaus, Wiesbaden 1959. … nichts bleibt uns als das Staunen. Wilhelm Goldmann, München 1959. Vorstoß ins Unbegreifliche. Brockhaus, Wiesbaden 1960. Phänomen Technik. Brockhaus, Wiesbaden 1962. Die Sprache der Vergangenheit. Union, Stuttgart 1962. Neuland des Wissens. Union, Stuttgart 1964. Der manipulierte Mensch. Brockhaus, Wiesbaden 1964. Leuchtende Finsternis: Die Wunderwelt der Höhlen. Kümmerli und Frey, Bern 1965 (mit A. Bögli). Der Mensch stammt doch vom Affen ab. Kindler, München 1966. Kunststoffe erobern die Welt. Spectrum, Stuttgart 1966. Sinnbild der Chemie. Basilius Presse, Basel 1967, . Neuausgabe: Heinz Moos, München 1968, . Phänomen Kunst. Heinz Moos, München 1967, . Erweiterte Ausgabe: DuMont, Köln 1974, ISBN 3-7701-0725-X. Auch als: Kybernetische Ästhetik – Phänomen Kunst. Ernst Reinhardt, München 1979, ISBN 3-497-00889-3. Methoden der Geochronologie. Springer, Berlin/Heidelberg 1969, . Die unbewältigte Zukunft. Kindler, München 1970, (mit E. H. Graul). Computergraphik – Computerkunst. Bruckmann, München 1971, ISBN 3-7654-1412-3. Überarbeitete und erweiterte Ausgabe: Springer, Berlin / Heidelberg / New York 1985, ISBN 978-3-540-15148-7. Apparative Kunst. Vom Kaleidoskop zum Computer. DuMont, Köln 1973, ISBN 3-7701-0660-1 (mit G. Jäger). Geheimnisvolle Höhlenwelt. dva, Stuttgart 1974, ISBN 3-421-02415-4. Erweiterte Taschenbuchausgabe: Ullstein, Berlin 1981, ISBN 3-548-32042-2.