mini|hochkant=1.35|Landkarte des Landkreises Gifhorn

Der Landkreis Gifhorn ist ein Landkreis im Osten Niedersachsens.

Geographie Lage Der Landkreis wird von den Flüssen Aller, Ise, Ohre und Oker, dem Mittellandkanal, dem Elbe-Seitenkanal und dem Allerkanal durchquert. Die Ise entspringt bei Wittingen und mündet in der Gifhorner Innenstadt in die Aller. Im Nordosten bildet streckenweise die ebenfalls bei Wittingen (Ohrdorf) entspringende Ohre den Grenzfluss zu Sachsen-Anhalt. Die Oker fließt von Braunschweig aus kommend bei Müden in die Aller. Bei Edesbüttel zweigt der Elbe-Seitenkanal vom Mittellandkanal ab.

Der tiefste Punkt des Landkreises Gifhorn liegt an der Aller bei Müden (). Der höchste Punkt liegt im Norden des Kreises bei Sprakensehl ().

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordosten beginnend an die Landkreise Altmarkkreis Salzwedel und Börde (beide in Sachsen-Anhalt), an den Landkreis Helmstedt, an die kreisfreie Stadt Wolfsburg, erneut an den Landkreis Helmstedt, an die kreisfreie Stadt Braunschweig, an den Landkreis Peine, an die Region Hannover sowie an die Landkreise Celle und Uelzen (alle in Niedersachsen).

Schutzgebiete Im Landkreis befinden sich 22 geschützte Landschaftsbestandteile, 166 Naturdenkmale, 23 Landschaftsschutzgebiete und 41 Naturschutzgebiete (Stand November 2025). Davon dienen 32 Naturschutzgebiete und 5 Landschaftsschutzgebiete auch der Sicherung von insgesamt 14 FFH- und 6 EU-Vogelschutzgebieten (Natura 2000).Schutzgebiete, die zur Umsetzung von Natura 2000 in Niedersachsen ausgewiesen wurden, NLWKN. Abgerufen am 6. April 2025. Entlang der Flüsse Aller, Ise und Oker sollen diese Schutzgebiete perspektivisch einen großen Biotopverbund bilden, darunter das Große Moor als größtes Gifhorner Naturschutzgebiet.

Der Drömling im Südosten hat als länderübergreifendes UNESCO-Biosphärenreservat einen besonderen integrierten Schutzstatus. Im Landkreis Gifhorn sichern 7 Naturschutzgebiete und 4 Landschaftsschutzgebiete seine Kern- und Pflegezone sowie Teile seiner Entwicklungszone. Der Hauptsitz der Biosphärenreservatsverwaltung befindet sich in Oebisfelde-Weferlingen in Sachsen-Anhalt. Eine Informationsstelle bei Rühen im Landkreis Gifhorn ist in Planung.Beschlussvorlage: Errichtung eines Umwelt- und Informationszentrums (Drömlingshaus) für das länderübergreifende UNESCO-Biosphärenreservat Drömling, Ratsinformationssystem des Landkreises Gifhorn. Abgerufen am 6. April 2025.

Die beiden ehemaligen Militärflächen Wesendorf (Brutlohsheide) und Ehra-Lessien (Malloh) wurden 2015 als Nationales Naturerbe dauerhaft dem Naturschutz übergeben. Ein rechtlich gesicherter Status als Naturschutzgebiete wird angestrebt. Eigentümer sind die DBU Naturerbe (Wesendorf) und der Bund (Ehra-Lessien). Mit der naturschutzfachlichen Pflege ist in beiden Fällen der Bundesforstbetrieb Niedersachsen betraut.

Die 9 Naturwälder im Landkreis befinden sich überwiegend innerhalb anderer Schutzgebiete. Von den insgesamt 1081 Hektar ist lediglich die 45 Hektar große Fläche im Ringelah ausschließlich als Naturwald geschützt. Verantwortlich sind die Forstämter Unterlüß und Wolfenbüttel der Niedersächsischen Landesforsten.

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete im Landkreis Gifhorn Liste der Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Gifhorn Liste der Naturdenkmale im Landkreis Gifhorn Liste der geschützten Landschaftsbestandteile im Landkreis Gifhorn Liste der Naturwaldreservate in Niedersachsen Liste der Naturerbeflächen in Niedersachsen Liste der Biosphärenreservate in Deutschland

Geschichte Die Geschichte einer als „Landkreis Gifhorn“ bezeichneten Verwaltungseinheit beginnt mit einer preußischen Verwaltungsreform am 1. April 1885. Die Vorgänger dieses Territoriums konnten allerdings zum Teil auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken.

Der Landkreis seit 1885 Zu dem 1885 gebildeten Kreis Gifhorn gehörten im Wesentlichen der Süden und die Mitte des heutigen Kreises, wobei der Grenzverlauf vor allem im Südosten anders war als heute. Verwaltungssitz war bereits 1885 Gifhorn. Mit Verordnung vom 1. August 1932, die am 1. Oktober 1932 in Kraft trat, wurde der gleichfalls 1885 gegründete Kreis Isenhagen dem Kreis Gifhorn angeschlossen. Damit kam das weitflächige Gebiet des Nordkreises um Wittingen und Hankensbüttel hinzu, außerdem wurden die beiden Enklaven Heßlingen (mit Schloss Wolfsburg und dem zugehörigen Gutsweiler) und Hehlingen vom Landkreis Gardelegen übernommen.

Als die Stadt Wolfsburg und das dortige Volkswagenwerk gegründet wurden, gehörten sie noch zum Landkreis Gifhorn. Zum 1. Oktober 1951 wurde Wolfsburg kreisfreie Stadt. Dennoch blieb der Landkreis Gifhorn mit 1604,69 km² einer der damals großflächigsten Landkreise der Bundesrepublik Deutschland.

Während im Kreisgebiet 1821 nur 31.940 Menschen gelebt hatten, ist diese Zahl auf 44.324 (1871), 55.236 (1904) und 65.739 (1939) sowie 119.281 Einwohnern (1950) gestiegen, darunter 52.075 durch Flucht, Vertreibung und Zuwanderung.

Der Gebietsstand des Kreises änderte sich abermals durch die Gebietsreform in Niedersachsen. Zunächst wurden am 1. Juli 1972 im Rahmen des Wolfsburg-Gesetzes die Stadt Fallersleben sowie zehn weitere Gemeinden des nordwestlichen Hasenwinkels in die Stadt Wolfsburg eingegliedert. Gleichzeitig schied auch die Gemeinde Essenrode aus dem Landkreis Gifhorn aus und wurde in die Gemeinde Lehre im damaligen Landkreis Braunschweig eingegliedert. Im Südosten des Landkreises erfolgte hingegen ein Gebietszuwachs durch die Umgliederung der Gemeinden Bergfeld, Parsau, Rühen und Tiddische aus dem Landkreis Helmstedt in den Landkreis Gifhorn.

Weitere Gebietsänderungen brachten das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Braunschweig/Wolfenbüttel/Helmstedt/Peine/Salzgitter sowie das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Gifhorn am 1. März 1974: Die Gemeinden Ummern und Pollhöfen aus dem Landkreis Celle wurden zu einer neuen Gemeinde Ummern zusammengeschlossen und in den Landkreis Gifhorn umgegliedert. Die Gemeinde Hahnenhorn aus dem Landkreis Celle wurde in die Gemeinde Müden (Aller) im Landkreis Gifhorn eingegliedert. Die Gemeinden Ahmstorf, Rennau und Rottorf aus dem östlichen Hasenwinkel wurden zu einer neuen Gemeinde Rennau zusammengeschlossen, die zum Landkreis Helmstedt kam. Die Gemeinden Beienrode, Klein Steimke, Ochsendorf, Rhode und Uhry aus dem südlichen Hasenwinkel wurden in die Stadt Königslutter im Landkreis Helmstedt eingegliedert. Die Gemeinde Didderse wurde an den Landkreis Peine abgegeben und dort in die Gemeinde Wendeburg eingegliedert. Durch zahlreiche weitere Gemeindefusionen wurde die Zahl der Gemeinden des Landkreises deutlich verringert. Unter anderem wurden dabei die neuen Gemeinden Obernholz, Sassenburg und Schwülper gebildet.

Die Gemeinde Didderse wurde nach Widerstand der Bevölkerung 1981 wiederhergestellt und in den Landkreis Gifhorn zurückgegliedert. In den 1970er Jahren war zeitweise eine zweite Stufe der Gebietsreform beabsichtigt; dabei war eine Zusammenlegung der Landkreise Gifhorn und Peine mit Verwaltungssitz in Peine im Gespräch. Diese damals recht unpopulären Pläne wurden aber – unter anderem nach einem Wechsel der Landesregierung – nicht umgesetzt.

Aufgrund seiner Ursprünge im Fürstentum Lüneburg gehörte der Landkreis Gifhorn noch bis in die 70er Jahre zum Regierungsbezirk Lüneburg. Zum Verwaltungsbezirk Braunschweig hatten als Teil des historischen Braunschweiger Landes lediglich die 1972 hinzugewonnenen Gemeinden im Südosten gehört. Im vereinten Niedersachsen entwickelte sich währenddessen um das alte Zentrum Braunschweig und die jungen Industriezentren Wolfsburg und Salzgitter eine moderne, wirtschaftlich integrierte Region Braunschweig über die alten Verwaltungsgrenzen hinweg. Das Gesetz über die Bildung des Großraumverbandes Braunschweig von 1973 gab den betroffenen Kommunen – darunter der Landkreis Gifhorn – den Rahmen für eine stärkere Kooperation. Dieser Prozess mündete am 1. Februar 1978 in den Wechsel des Landkreises Gifhorn in den Regierungsbezirk Braunschweig. Der Großraumverband selbst wurde dagegen zum Jahresende aufgelöst.

Der Prozess der regionalen Integration setzte sich derweil fort. Entsprechend schuf 1991/1992 das Gesetz über die Bildung des Zweckverbandes „Großraum Braunschweig“ einen Nachfolgeverband.Gesetz über den Regionalverband „Großraum Braunschweig“. Seit Auflösung der niedersächsischen Bezirksregierungen im Jahr 2004 bildet dieser höhere Kommunalverband – gemeinsam mit einigen fortbestehenden regionalen Landesbehörden – die verwaltungsseitige Klammer für die fortgesetzte Orientierung des Landkreises Gifhorn in Richtung Braunschweig und Wolfsburg. Er wurde 2017 in Regionalverband Großraum Braunschweig umbenannt.

Vorgänger des Landkreises seit 1265 Das Kreisgebiet im Norden war 1885–1932 der Landkreis Isenhagen und 1859–1885 das Amt Isenhagen. Dieses war 1859 durch Zusammenlegung der Ämter Isenhagen und Knesebeck entstanden. In der Zeit vor den um 1852 erfolgten hannoverschen Gerichts- und Verwaltungsreformen waren die Ämter in sich noch weiter unterteilt. So gehörten 1841 zum Amt Isenhagen die Gohgräfschaft Hankensbüttel und die Vogtei Steinhorst, zum Amt Knesebeck die Gohgräfschaft Wittingen, die Vogtei Knesebeck sowie die Gerichte Brome und Fahrenhorst. Das mittlere und südliche Kreisgebiet war 1885 zum Landkreis geformt worden. Zuvor (1859–1885) waren auf diesem Gebiet die Ämter Fallersleben und Gifhorn, die seit 1852 amtsfreie Stadt Gifhorn (mit damals etwa 3000 Einwohnern) und neun Gemeinden des Amtes Meinersen, das damals zerstückelt und unter drei Landkreisen aufgeteilt wurde. 1841 gab es im Kreisgebiet insgesamt vier Vorläufer des Kreises, die in weitere Einheiten unterteilt waren: Das Amt Gifhorn (bestehend aus der Stadt Gifhorn, dem Gericht Boldeckerland, der sogenannten Hausvogtei – nördlich der Stadt Gifhorn –, der Vogtei Wahrenholz, der Obergohgräfschaft Papenteich und der Untergohgräfschaft Papenteich), weiterhin das Amt Fallersleben (bestehend aus den Gohgräfschaften Grevenlahe und Hasenwinkel) sowie die Hausvogtei des Amtes Meinersen und drei Dörfer aus der Amtsvogtei Eicklingen. Sieht man unter den vielfältigen Vorgängern des heutigen Landkreises das Amt Gifhorn als dessen historischen Kern, so lässt sich die Geschichte dieses Amtsbezirks mindestens bis 1520 (Einlösung des verpfändeten Amtes Gifhorn durch Herzog Ernst) als „Amt“ nachweisen. Weitere Nachweise der Verwaltungseinheit – möglicherweise auch damals schon als „Amt“ – gehen allerdings bis mindestens 1265 zurück, denn seit diesem Jahr ist ein herzoglicher Vogt in Gifhorn nachgewiesen. Die Vogtei Gifhorn ist damit ältester Vorgänger des Landkreises. Dem späteren Amt stand ein Amtmann vor. Die Listen der Gifhorner Amtmänner sind seit 1564 erhalten. Sie sind die Vorgänger der späteren Landräte. Wie diese amtierten sie im Gifhorner Schloss, aber erst seit 1791, denn das Schloss diente bis 1791 als Festung und wurde von einem Schlosshauptmann (ab 1734 Landdrost) verwaltet. Dieser war Festungskommandant und befehligte seit dem 16. Jahrhundert eine militärische Besatzung. Eine besondere Entwicklung war 1539 bis 1549 zu verzeichnen, als Gifhorn Residenzstadt des Herzogtums Gifhorn war. In Gifhorn regierte in dieser Zeit Herzog Franz, der jüngere Bruder des in Celle amtierenden Herzogs Ernst („Der Bekenner“). Franz gewährte zeitweilig u. a. Philipp Melanchthon und der Familie Luthers Obdach. Bereits zuvor war im Kreisgebiet unter Herzog Ernst die Reformation eingeführt worden: 1528 wurde das Kloster Isenhagen reformiert und 1529 hielt Heinrich Werden in Gifhorn den ersten Gottesdienst in evangelischer Form. 1549 war die kurze Eigenstaatlichkeit Gifhorns schon wieder beendet, denn in diesem Jahr starb Herzog Franz ohne männliche Nachkommen. Seine Witwe Clara, geb. Herzogin von Lauenburg, musste nach Fallersleben umsiedeln.

Demografische Daten und Einwohnerentwicklung