Der Landkreis Göttingen ist der südlichste Landkreis Niedersachsens und umfasst mit der Stadt Göttingen ein Oberzentrum. Er entstand am 1. November 2016 durch die Fusion des vorherigen Landkreises Göttingen mit dem Landkreis Osterode am Harz und hat rund 330.000 Einwohner auf einer Fläche von 1.755,39 km². Seine Kreisstadt ist Göttingen, das seinen Sonderstatus gemäß dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) behielt.Gebietsänderungsvertrag zwischen den Landkreisen Göttingen und Osterode am Harz (PDF)
Im Landkreis Göttingen liegen drei Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft, das Kloster Walkenried, der Wiesenbeker Teich und der Ernst-August-Stollen.
Geografie Lage mini|Das Leinetal südlich von Göttingen mini|Blick von der Grenze zum Landkreis Eichsfeld auf Bartolfelde Als Landkreis im äußersten Süden von Niedersachsen gehören im Osten mit dem Ober- und Mittelharz bereits Teile des Harzes zum Kreisgebiet, während im Westen Teile des Weserberglandes dazu gehören. Seine höchsten Erhebungen liegen im Harz und sind die höchste Stelle des Höhenzugs Auf dem Acker (), der Stöberhai (), der Große Knollen () und der Ravensberg (). Die Leine durchfließt die zentral gelegene Kreisstadt Göttingen (). Die westliche Begrenzung des Landkreises bildet der Verlauf der Weser, die in Hann. Münden () im südlichsten Teil des Landkreises durch den Zusammenfluss von Werra und Fulda entsteht.
Ausdehnung Der nördlichste Punkt ist bei 51.83° nördlicher Breite (Werte gerundet) nahe Wildemann, der südlichste bei 51.29° nahe Nieste; der westlichste Punkt ist bei 9.55° östlicher Länge nahe Wahnhausen, der östlichste bei 10.68°E nahe Rothesütte. In Ost-West-Richtung ergibt sich somit eine Ausdehnung von etwa 80 km Luftlinie; in Nord-Süd-Richtung sind es rund 59 km.
Nachbarkreise Er grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Northeim und Goslar (beide in Niedersachsen), an die Landkreise Nordhausen und Eichsfeld (beide in Thüringen) sowie an den Werra-Meißner-Kreis, an den Landkreis Kassel, an die kreisfreie Stadt Kassel sowie deren Exklave Gut Kragenhof (alle in Hessen).
Höhlen Im Landkreis Göttingen liegen sieben bekannte Höhlen: die Himmelreichhöhle, die Lichtensteinhöhle, die Jettenhöhle, die Marthahöhle, die Steinkirche Scharzfeld, sowie die Schauhöhlen Iberger Tropfsteinhöhle und Einhornhöhle.
Berge Die größten Höhen erreichen die Berge im Harz, so zum Beispiel der Höhenzug Auf dem Acker (), der Stöberhai (), der Große Knollen (), der Ravensberg (), der Kummelberg () und der Hausberg () sowie im Naturpark Münden unter anderem der Haferberg (), der Kleine Steinberg (), der Hohe Hagen (), der Brackenberg (), der Große Staufenberg () und der Totenberg ().
Wald Der Waldanteil im Landkreis Göttingen hat eine Größe von 790,5 km², das entspricht 45 % der Landkreisfläche.
Landwirtschaftliche Nutzfläche Die landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) im Landkreis Göttingen beträgt 74.359 ha (Stand 31. Dezember 2015, Summe aus den Angaben für die Altkreise Göttingen und Osterode)Die niedersächsische Landwirtschaft in Zahlen: Bodenflächen in Niedersachsen nach Art der tatsächlichen Nutzung 2016. Stand 31. Dezember 2015, entsprechend 42,4 % der Landkreisfläche. Der Grünlandanteil der LN beträgt nach den Zahlen 24 %. Nach einer Berechnung anhand der Feldblöcke 2018 nimmt die landwirtschaftliche Nutzfläche nur 72.263 ha ein, entsprechend 41,2 % der Landkreisfläche.
Gewässer Bekannte Gewässer im Landkreis Göttingen sind u. a. der Wendebach-Stausee, der Seeburger See, die Rhumequelle, der Juessee, der Schmelzteich, die Söse- und Odertalsperre sowie das UNESCO-Weltkulturerbe Wiesenbeker Teich und die Kloster-Teichlandschaft um den Priorteich.
Naturschutzgebiete und FFH-Gebiete
mini|Naturschutzgebiete und FFH-Gebiete im Landkreis Göttingen, Nummerierung der NSG s. Auflistung links. Quelle: NLWKN mini|FFH-Gebiete im Landkreis Göttingen, niedersächsische Nummerierung der FFH-Gebiete. Quelle: NLWKN
Im Altkreis Göttingen gibt es zur Erhaltung wertvoller und gefährdeter Lebensräume acht Naturschutzgebiete (NSG):NLWKN Naturschutzgebiete in Niedersachsen Die Nummern entsprechen denen in nebenstehender Karte.
NSG Bachtäler im Kaufunger Wald BR 157 NSG Großer Leinebusch BR 079 NSG Hühnerfeld BR 035 NSG Ossenberg-Fehrenbusch BR 092 NSG Rhumeaue/Ellerniederung/Gillersheimer Bachtal BR 084 NSG Seeanger, Retlake, Suhletal BR 147 NSG Seeburger See BR 038 NSG Totenberg BR 090
Im Altkreis Osterode gibt es folgende Naturschutzgebiete (NSG):
NSG Butterberg/Hopfenbusch BR 102 NSG Finnenbruch, Großes Butterloch und Schwimmende Insel BR 039 NSG Gipskarstlandschaft Bad Sachsa und Walkenried BR 129 NSG Gipskarstlandschaft bei Ührde BR 122 NSG Gipskarstlandschaft Hainholz BR 033 NSG Itelteich BR 002 NSG Juliushütte BR 087 NSG Oderaue BR 124 NSG Priorteich/Sachsenstein BR 003 NSG Rhumeaue/Ellerniederung/Gillersheimer Bachtal BR 084 NSG Siebertal BR 105 NSG Staufenberg BR 080 NSG Steinberg bei Scharzfeld BR 078 NSG Steingrabental – Mackenröder Wald BR 116 NSG Teufelsbäder BR 063 NSG Weißensee und Steinatal BR 046
Auf der nebenstehenden Grafik „FFH-Gebiete im Landkreis Göttingen“ sind die bis 2016 der EU gemeldeten Gebiete nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie im Landkreis Göttingen dargestellt (blaue Umrandung sowie Nummer des FFH-Gebietes). Die rot dargestellten Gebiete sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Die Naturschutzgebiete im neuen Landkreis Göttingen haben eine Fläche von zusammen 6873 ha (ohne Stadt Göttingen), dies entspricht einem Flächenanteil an der Landkreisfläche von 4,2 % (Stand 1. Januar 2017). Der entsprechende NSG-Anteil in Niedersachsen beträgt 4,4 % (2015).
Landschaftsschutzgebiete Des Weiteren wurden vom Kreistag drei Landschaftsschutzgebiete (LSG) beschlossen: LSG Leinebergland LSG Unteres Eichsfeld LSG Weserbergland Um die Naherholung zu fördern und der großen Arten- und Biotopvielfalt im südlichen Teil des Landkreises Rechnung zu tragen, wurde bereits 1959 (im damaligen Landkreis Münden) der Naturpark Münden geschaffen.
Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete im Landkreis Göttingen Liste der Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Göttingen Liste der Naturdenkmale im Landkreis Göttingen Liste der geschützten Landschaftsbestandteile im Landkreis Göttingen
Geschichte mini|Kommunale Gliederung des Landkreises Göttingen von 1973 bis 2016 In Umsetzung der „Verordnung, betreffend die Amts- und Kreisverfassung in der Provinz Hannover“ wurde 1867 in der preußischen Provinz Hannover erstmals ein Kreis Göttingen, auch Steuerkreis genannt, bestehend aus den selbständigen Städten Göttingen und Münden (Hann. Münden) und den Ämtern Göttingen, Münden und Reinhausen, für die Zwecke der Steuer- und Militärverwaltung eingerichtet.
Für die Zwecke der allgemeinen Verwaltung wurde im Rahmen der Einführung der „Kreisordnung für die Provinz Hannover“ 1885 der Landkreis Göttingen gebildet. Er setzte sich zusammen aus den Gemeinden der Ämter Göttingen und Reinhausen (ohne die Gemeinde Meensen und den Gutsbezirk Ellerode, die zum Kreis Münden kamen).Kreisordnung für die Provinz Hannover (1884) Verwaltungssitz des neuen Landkreises, der zum Regierungsbezirk Hildesheim gehörte, wurde die kreisfreie Stadt Göttingen.
Neubildung 1973 Der Landkreis Göttingen wurde im Rahmen der kommunalen Gebietsreform durch die Gebietsreform in Niedersachsen am 1. Januar 1973 neu gebildet.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Göttingen vom 20. November 1972 (PDF; 37 kB) Er wurde aus den 1885 geschaffenen Landkreisen Göttingen (zu dem seit 1964 auch die bis dahin kreisfreie Stadt Göttingen gehörte), Duderstadt und Münden, den Gemeinden Adelebsen und Unterbillingshausen des Landkreises Northeim und den Gemeinden Lütgenhausen und Wollershausen des Landkreises Osterode am Harz gebildet. Der Landkreis Duderstadt hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 41.000, der Landkreis Münden etwa 45.000, der Altkreis Göttingen (ohne die Stadt) etwa 50.000 und die Stadt Göttingen mehr als 110.000 Einwohner.
Neubildung 2016 In den Jahren 2012 und 2013 entstanden Pläne, den Landkreis Göttingen mit den Landkreisen Osterode am Harz und Northeim zusammenzufassen. Ein wichtiger Beweggrund dafür war, dass die Niedersächsische Landesregierung nach einer Fusion Entschuldungshilfen, sogenannte „Fusionsprämien“, an den neuen Landkreis Göttingen zahlen wollte – vorausgesetzt, eine Fusion würde bis zum 31. März 2013 beschlossen. Neben der Entschuldungshilfe wollten die Kreise außerdem zukünftigen Mindereinnahmen aufgrund der in den kommenden Jahrzehnten zu erwartenden Bevölkerungsverluste entgegenwirken.Info-Broschüre des Landkreises Göttingen zur Kreisfusion
Anfang 2013 zog sich der Landkreis Northeim von den Gesprächen zurück. Mitte Februar 2013 zeichnete sich nur noch der Zusammenschluss der Landkreise Göttingen und Osterode ab.NDR: Weg frei für Großkreis Göttingen Die Kreistage von Göttingen (am 6. März 2013) und Osterode (am 11. März 2013) haben die Aufnahme von Fusionsverhandlungen beschlossen. Am 28. August 2013 stimmte der Göttinger Kreistag einer Fusion mehrheitlich zu.
Am 1. November 2016 wurde die am 1. Februar 2014 mit einem entsprechenden Gebietsänderungsvertrag beschlossene Fusion der Landkreise Göttingen und Osterode am Harz zu einem neuen, größeren Landkreis Göttingen mit Göttingen als Kreisstadt umgesetzt., letzter Zugriff: 1. Februar 2014. Die Außenstellen der Kreisverwaltung in Duderstadt und Hann. Münden bestehen weiterhin. Eine neu einzurichtende in Osterode kommt hinzu.Artikel der Mündener Allgemeine, aufgerufen am 1. November 2016
Einwohnerstatistik mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Göttingen (Datenquelle: Zensus 2011, daher noch in den alten Kreisgrenzen und ohne den Landkreis Osterode am Harz.)
Der Landkreis Göttingen wurde 1964, 1973 und 2016 deutlich vergrößert.
+ Einwohnerzahlen des Landkreises Göttingen Jahr Einwohner Quelle 1890 32.777 1900 33.261 1910 34.028 1925 36.355 1939 38.394 1950 65.411 1960 62.200 1970 155.400 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 259.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 256.744 Regionaldatenbank 2000 265.396 2010 257.840 2015 255.653 2016 327.065 Einwohner nach der Kreisfusion am 1. November 2016 mit dem Landkreis Osterode am Harz 2017 328.036 2018 328.074 2019 326.041 2020 323.900
Konfessionsstatistik Laut der Volkszählung 2011 waren 46,6 % der Einwohner evangelisch, 23,2 % römisch-katholisch und 30,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2011 Bevölkerung Kreis Göttingen am 9. Mai 2011, abgerufen am 23. Oktober 2023 Der Anteil der Protestanten und Katholiken am Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren (Anfang 2022) 39,3 % der Einwohner evangelisch, 16,2 % katholisch und 44,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 28. Juli 2024 Zum Jahresende 2024 waren von den Einwohnern 36,3 % evangelisch und 14,9 % katholisch; 48,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Berichtsheft 2025 Teil 1 Landkreis Göttingen Bevölkerungsbestand nach Religion Seite 44, abgerufen am 25. Juni 2024
Politik Landräte Kreishauptmänner (Kreis Göttingen) 1868–1873 Valerian von Pfeil und Klein-Ellguth 1873–1885 Georg Dieterichs
Landräte (Landkreis Göttingen) 1885–1900 Georg Dieterichs 1901–1903 Wilhelm Heinichen 1903–1924 Georg Mannkopff 1924–1933 Wessel Georg Nordbeck 1933–1941 Bodo-Wilke Freiherr von Bodenhausen (NSDAP) 1941–1945 Hermann Kratzin 1946–1954 Ernst Fahlbusch (SPD) 1954–1957 Georg Grothey (CDU) 1957–1961 Ernst Fahlbusch (SPD) 1961–1966 Klaus Peter Bruns (SPD) 1966–1968 Cuno Götz von Olenhusen (FDP) 1968–1970 Klaus Peter Bruns (SPD)