mini|Markenzeichen von Uher 1956–2006 mini|Uher-Werke Hauptwerk München-Obersendling, Barmseestraße 11 (1962) mini|Uher-Zweigwerk Buchbach (1970er Jahre)

Die Uher Werke München, benannt nach dem Unternehmer Edmond Uher, waren ein bekannter Spezialhersteller qualitativ hochwertiger Tonbandgeräte, Diktiergeräte, Kassettengeräte, Sprachlehranlagen und Zubehör. Ihre größten Erfolge erzielten sie Mitte der 1950er bis Mitte der 1970er Jahre.

Vorgeschichte Der gebürtige Ungar Edmond Uher, vielseitiger Erfinder und Unternehmer, gründete 1934 das Unternehmen Uher & Co. in München-Pasing, das verschiedene feinwerktechnische Produkte herstellte und an dem nacheinander die Bayerischen Motoren-Werke und die Messerschmitt AG beteiligt waren. Außerdem gründete er die Süddeutschen Mechanischen Werkstätten GmbH (SMW), eine Entwicklungswerkstätte, deren Inhaber und Geschäftsführer 1949 Wolfgang („Wolf“) Freiherr von Hornstein wurde, und die später die Uher-Produkte entwickelte. Während des Zweiten Weltkriegs eröffnete Edmond Uher Zweigunternehmen in Wien und Budapest. Nach dem Krieg gründete er seine Unternehmen in München und in Wien neu. In München zog er nach einer Übergangslösung in Starnberg in die Boschetsrieder Straße 59 in München-Obersendling um.Gewerbeanmeldung 1953 Der parallele Wiederaufbau beider Werke überstieg aber seine wirtschaftlichen Möglichkeiten.

Uher-Werke München mini|hochkant|Gewerbeanmeldung in München 1953 in Sendling, Boschetsriederstr. 59

Die Uher Werke MünchenOriginalschreibweise laut Gesellschaftsvertrag und Gewerbeanmeldung: Uher, Eigenschreibweise häufig: UHER. GmbH wurde 1953 mit einem Stammkapital von 600.000 DM unter teilweiser Übernahme von Personal, Maschinenpark und Produktionsstätten des Unternehmens Uher & Co. gegründet.Gesellschaftsvertrag vom 18. Dezember 1952 und 16. Januar 1953, handelsgerichtlicher Eintrag am 4. Februar 1953 unter B 3185, Gewerbeanmeldung für die „Herstellung von Getriebe- und Zubehörteilen für die Auto- und Maschinenindustrie“ am 19. Mai 1953 mit Betriebsbeginn 1. Mai 1953, Gewerbeanmeldung Nr. 03896 vom 19. Mai 1953 (Landeshauptstadt München). Gesellschafter waren Carl Theodor Graf zu Toerring-Jettenbach,Reguläre Schreibweise des ersten Vornamens: Karl, im Gesellschaftsvertrag: Carl. Gutsbesitzer in München (240.000 DM), das Unternehmen Uher & Co. (vertreten durch den persönlich haftenden und alleinvertretungsberechtigten Edmond Uher, 359.000 DM), und dessen Ehefrau Fiametta (1.000 DM). Zu Geschäftsführern bestellt wurden Wolfgang Freiherr von Hornstein – Edmond Uhers Schwager und Besitzer der von diesem gegründeten Süddeutschen Mechanischen Werkstätten (SMW) – und Rechtsanwalt Hans Ziegler. Edmond Uher zog sich auf sein österreichisches Unternehmen zurück; Hornstein, Ziegler und Geldgeber Toerring-Jettenbach kümmerten sich um das wegen schlechter Auftragslage angeschlagene Unternehmen.

Hornstein übernahm zunächst Lohnaufträge, darunter die Verbesserung einer größeren Charge von Tonbandgeräten. Wegen diesbezüglicher Probleme beauftragte er sein Unternehmen SMW erfolgreich, ein eigenes Tonbandgerät zu konstruieren. Von da an entwickelten die SMW generell die Tonbandgeräte, die Uher produzierte.

Das erste Uher-Tonbandgerät, das Uher 95, entstand noch 1953; 1954 war es bereits serienreif. 1955 entschloss sich Hornstein, die Fertigung von mechanischen Präzisionsteilen ganz zugunsten der Herstellung von Tonbandgeräten aufzugeben.

Am 2. Dezember 1957 wurde das Unternehmen Uher-Werke München KG ins Leben gerufen. Die Kommanditgesellschaft führte die fortbestehende Uher Werke München GmbH weiter. Sie hatte deren Vermögen im Wege der Umwandlung ohne Abwicklung übernommen. Persönlich haftender Gesellschafter war Carl Theodor Graf zu Toerring-Jettenbach, Kommanditist dessen damals 21 Jahre alter Sohn Hans Veit Kaspar Nikolaus Erbgraf zu Toerring-Jettenbach (Beteiligung 550.000 DM).Eintrag ins Handelsregister des Amtsgerichts München am 2. Dezember 1957 unter A 14512.

Ende der 1950er Jahre fertigte Uher mit etwa 400 Mitarbeitern fünf verschiedene Gerätetypen und erlangte im In- und Ausland einen ausgezeichneten Ruf. 1962 konnte das stark expandierende Unternehmen in einen modernen Neubau in einem Industriegebiet in Obersendling am Südrand Münchens, in die Barmseestraße 11, umziehen. Ein Jahr später waren die Produktionszahlen versechsfacht, der Tonbandgeräte-Umsatz seit 1957 um 362 % gesteigert. Um der ständig steigenden Nachfrage gerecht zu werden, wurden 1960 in Buchbach im Landkreis Mühldorf und 1966 in Asch-Leeder Zweigbetriebe gegründet, die beide nach wenigen Jahren in Neubauten umzogen. Zubehör wurde in Klausen in Südtirol gefertigt.

1973 erreichte die Mitarbeiterzahl von Uher ihren Höchstwert von insgesamt knapp 1800, ebenso der Umsatz mit 110 Millionen DM. Dann aber sank die Erfolgskurve des Tonbandgeräteherstellers. Baron Hornstein musste Uher schon 1972 „wegen Unregelmäßigkeiten“ verlassen; 1974 wurde die Uher Werke München KG „in akuter finanzieller Notlage“ an die die ebenfalls in der Magnettontechnik tätigeEin Beispiel für Assmann-Produkte war das mit einer wiederverwendbaren Magnettonplatte arbeitende Diktiergerät Dimafon, beschrieben in: Kein Stenogramm – Kein Konzept. Dimafon Diktiergerät. Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. CXII. Wolfgang Assmann GmbH in Bad Homburg vor der Höhe verkauft. Am 21. Oktober 1977 schrieb die Funkschau: . Am 3. September 1980 zitierte die Süddeutsche Zeitung den damaligen Geschäftsführer Rüdiger Hoessrich, Uher wolle nicht mehr mit den Japanern konkurrieren, weshalb die Produktion gestrafft und auf kleinere Stückzahlen umgestellt, die Produktion in München eingestellt und nach Buchbach verlagert werden müsse.

Das Ministerium für Staatssicherheit („Stasi“) war von Uher-Tonbandgeräten angetan und setzte sie zu Abhörzwecken ein.Die Geschichte der UHER-Werke München. Siehe: Literatur. 3000 Stück hätten den Eisernen Vorhang passiert, berichtet Heribert Schwan. Nach der Wende wurden Reste zusammen mit „altem Stasi-Plunder“ verkauft, waren aber kaum gefragt, weil es sich um reine Mono-Geräte handelte.

Inzwischen existiert von den Werken in München, Buchbach, Asch-Leeder und Klausen keines mehr. Zum weiteren Schicksal der Marke Uher schreibt Ulrich Wienforth im Stereo-Sonderheft 30 Jahre HiFi-Geschichte, 2004: „In den Achtzigern hatte Assmann den Markennamen Uher an verschiedene HiFi-Anbieter lizenziert, was für einige Verwirrung sorgte. So brachte etwa Harman eine Reihe hochwertiger HiFi-Komponenten unter dem Uher-Logo, während der Otto-Versand billige Importware (unter anderem zum Beispiel Radiowecker und Mini-Türmchen) mit dem bekannten Schriftzug schmückte. All diese Produkte sind aber längst vom Markt verschwunden – der Name Uher ist, jedenfalls was den HiFi-Bereich angeht, Geschichte.“Zitiert von Tobias Zoporowski in

1996 wurde die Wolfgang Assmann GmbH in die getrennten Unternehmen Uher GmbH, ATIS Systems GmbH, Uher Electronic GmbH und Uher Informatik GmbH aufgeteilt.Peter Breu: Information und Geschichte von Assmann, W., GmbH, Bad Homburg im Radiomuseum. Abgerufen am 1. Juli 2012. Unterhaltungselektronik wird nicht mehr produziert; der restliche Lagerbestand an Tonbandgeräten, Zubehör und Ersatzteilen wurde 2013 verkauft.

„Die Geschichte der UHER-Werke München“ 2008 – die UHER-Werke München gab es nicht mehr – veröffentlichten Peter Remmers und Andreas Flader (Herausgeber) das Buch „Die Geschichte der UHER-Werke München“, wofür sie zahlreiche ehemalige UHER-Mitarbeiter interviewten. Die einzige Dokumentation von Aufstieg, Erfolg und Abstieg des Tonbandgeräteherstellers hat 248 Seiten im Format A4 und enthält auf fast jeder Seite Fotos und Illustrationen. Ein halbes Jahr nach seinem Erscheinen war das Buch vergriffen. 2009 erschien das Buch als E-Book im PDF-Format und 2019 eine umfangreich bearbeitete und ergänzte zweite Auflage mit 256 Seiten, die ebenfalls vergriffen ist. 2024 wurde sie zum kostenlosen Herunterladen bereitgestellt. (Details siehe Literatur.)

Produkte Beispiele

Auswahl:

Tonbandgeräte

Uher 95 Erstes Uher-Tonbandgerät (1955). Bandgeschwindigkeit 9,5 cm/s, Spulengröße bis 15 cm Durchmesser, robustes und verwindungsfreies Aluminium-Druckgusschassis (im Gegensatz zu den üblichen Blechchassis), vier Röhren sowie eine Austeuerungsanzeigeröhre.

Uher Universal Kombiniertes Tonband- und Diktiergerät (1958). Drei Bandgeschwindigkeiten, Aluminium-Druckgusschassis, vollautomatische Ton-Dia-Projektion.

Uher Stereorecord II und III Erstes Stereo-Tonbandgerät von Uher (1960). Drei Bandgeschwindigkeiten, Spulengröße bis 18 cm Durchmesser, zahlreiche Trickmöglichkeiten einschließlich Synchro-Play (während Wiedergabe der ersten Spur Aufnahme auf die zweite) mittels zusätzlichem Multi-Synchron-Koppler.

Uher Report mini|Uher 4200 Report Stereo spielt Interview von 1984 ab

Erstes mobil einsatzfähiges und mit Transistoren bestücktes Uher-Tonbandgerät (1961) in kompakter Bauweise. Vier Bandgeschwindigkeiten, Spulengröße bis 13 cm Durchmesser, Batterie-, Akku- und Netz-Stromversorgung, patentiertes Antriebssystem. Erfüllte die HiFi-Norm DIN 45500. Basierend auf dem ursprünglichen Grundkonzept wurde es ständig fortentwickelt und rund 38 Jahre lang, bis 1999 produziert. Nach dem Uher 4000 Report erschienen die Modelle Uher 4000 Report S (1963), L (1964), IC (1972) und Monitor (1980). Alle Geräte erschienen auch in Stereo-Versionen mit den Typnummern 4002 bzw. 4200 (Halbspur) und 4004 bzw. 4400 (Viertelspur). Vollspur-Varianten mit Synchronisationsmöglichkeit von Filmkameras waren das 1000 Report Pilot und 1200 Pilot Synchro. Sonderausführungen wurden für militärische und geheimdienstliche Zwecke von Ländern in Ost und West gebaut. Mit ca. 1 Million Stück war es das meistverkaufte, bekannteste und inzwischen „legendär“ genannte Uher-Tonbandgerät. Anfang der 1960er Jahre bezog die NASA 137 Uher-Tonbandgeräte zum Einsatz für das US-Raumfahrtprogramm Gemini.

1985 erschien zuletzt das Uher 6000 Report Universal, ein preisgünstiges Dokumentations-System, das die Eigenschaften eines hochwertigen Tonbandgerätes mit denen eines universellen Diktiergerätes vereinigte. Bandgeschwindigkeiten: 9,5, 4,75, 2,4 und 1,2 cm/s. HiFi-Qualität bei 9,5 cm/s, jedoch nur Einkanaltechnik (mono). Im Bundestag wurden ca. 50 bis 60 Uher 6000 Report Universal eingesetzt.

Die letzten Report-Geräte wurden 1999 als Vierspurversion in Buchbach (Oberbayern) gebaut.

Uher Universal 5000 Kombiniertes Tonband- und Diktiergerät (1963). Volltransistorisierte Version. Bandgeschwindigkeiten: 2,4, 4,75 oder 9,5 cm/s. Elektromagnetische Steuerung des Laufwerks. Druckgusschassis. Wurde im Deutschen Museum als Ansagegerät verwendet. Spielte bei der Watergate-Affäre eine wesentliche Rolle.

Uher Royal Transistorgerät für Netzbetrieb (1962). Vierspur-Technik, vier Bandgeschwindigkeiten, Spulengröße bis 18 cm Durchmesser. Mono- und Stereo-Aufnahme und -Wiedergabe, Synchro- und Multi-Playback, Hall- oder Echo-Effekte. Zwei-Kanal-Mischeingang. Dia-Pilot zur Steuerung des Bildwechsels automatischer Dia-Projektoren. Verbesserte Nachfolger: Uher Royal de Luxe mit Bandzugkomparator, einer effektiven, mechanischen Bandzugregelung. Mehrere Nachfolgetypen (SG 560, SG 561, SG 562).

Uher 22/24 HiFi-Special HiFi-Tonbandgerät in Zwei- und Vierspurausführung ohne Endstufen (1964). Umschaltmöglichkeit der Entzerrung zwischen NAB und CCIR 1, Spalteinstellung des Wiedergabekopfes von außen zugänglich. Durch separate Aufnahme- und Wiedergabeverstärker war eine echte Hinterbandkontrolle möglich. Als Besonderheit erhielt jedes einzelne Gerät ein „Zeugnis“ in Form einer Prüfurkunde und eines Papierstreifens mit der Original-Frequenzgangaufzeichnung (gemessen über Band), wodurch die hohe Leistung und Qualität der Geräte bekundet werden sollten.

Uher Royal de Luxe