Il Floridante oder kurz Floridante (HWV 14) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel auf ein Libretto von Paolo Antonio Rolli. Sie wurde am 9. Dezember 1721 im King’s Theatre am Haymarket in London uraufgeführt.
Die in Persien, einige Jahre nach dem Tode eines mythischen Königs Ninos,König Nino, der auch in den Vorgeschichten von Opern über Semiramis (z. B. Rossinis Semiramide) eine Rolle spielt, wird als ermordeter Vater Elisas/Elmiras im Argomento des Originallibrettos erwähnt. Siehe: Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel's operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume iii, Garland, New York 1989, S. 192 und 193 spielende Handlung hat anscheinend und ausnahmsweise nichts mit historischen Figuren oder Ereignissen zu tun, sondern ist reine Fiktion.Saskia Woyke: Il Floridante (HWV 14), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, S. 113Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3, S. 242
Entstehung Floridante war Händels Beitrag zur dritten Saison der Royal Academy of Music (der sogenannten ersten Opernakademie), die am 1. November 1721 mit einer Wiederaufführung der Oper Arsace (mit Musik von Giuseppe Maria Orlandini und Filippo Amadei) begann;Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 97 und 101 es folgten Wiederaufnahmen von Muzio Scevola und Händels Radamisto.Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 101–102
Wann Händel mit der Komposition des Floridante begann, ist nicht bekannt. Aus dem Autograph geht aber hervor, dass er die beiden Frauenrollen Elmira und Rossane zunächst genau umgekehrt besetzen wollte, das heißt Elmira mit einem Sopran und Rossane mit einem Alt. In der Literatur wird davon ausgegangen, dass er für Elmira an Margherita Durastanti gedacht habe, die jedoch nach ihrem Heimaturlaub in Italien für die Saison 1721–22 nicht nach England zurückkam, entweder wegen Krankheit,Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 668.Auch: Hans Dieter Clausen: „Die ideale Version von Floridante“, Booklettext zur Einspielung: DGG Archiv Produktion 477 656-6 (2005). S. 24Siehe auch: Floridante (HWV 14), Artikel auf der Website des Handel Hendrix House (englisch; Abruf am 21. März 2026) oder weil sie (laut Staccioli) im Herbst und möglicherweise auch den ganzen Winter für ein fürstliches Gehalt in München engagiert war.„...Poco tempo dopo apparve in una serenata di A. Scarlatti e, in luglio, in una nuova cantata di Händel, mentre in autunno, e forse lungo tutto l'inverno del 1722, si esibi a Monaco dove percepi un' onorario principesco…“ Wie auch immer, jedenfalls änderte Händel sein ursprüngliches Konzept mitten in der Arbeit am zweiten Akt, kurz nachdem er mit Elmiras Arioso „Notte cara“ (Nr. 19) begonnen hatte, und veränderte nun nicht nur alle bereits fertigen vorangehenden Arien der beiden Frauen, sondern auch Rezitative durch Transpositionen oder andere Eingriffe. Daher ist die Überlieferung der Oper etwas kompliziert.Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 403 ff.Auch: Floridante (HWV 14), auf der Website: Handel Hendrix House, (englisch; Abruf am 20. März 2026)
Er beendete die Partitur am 28. November 1721. Das Datum findet sich nicht mehr im Autograph, da das Ende mit dem Schluss-Coro von diesem abgetrennt und am 16. März 1937 bei Sotheby’s, London, versteigert wurde; es geht aber aus einer Abschrift aus dem Besitz von Charles Jennens (in der Newman Flower Handel Collection, Manchester) hervor.Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 101
Die Uraufführung fand bereits am 9. Dezember statt.Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 400. Es sangen: Floridante – Francesco Bernardi, genannt „Senesino“ (Alt, Kastrat) Oronte – Giuseppe Maria Boschi (Bass) Rossane – Maria Maddalena Salvai (Sopran) Elmira – Anastasia Robinson (Alt) Timante – Benedetto Baldassari, genannt „Benedetto“ (Sopran, Kastrat) Coralbo – John Lagarde (?) (Bass) Mit fünfzehn Vorstellungen in der ersten Saison wurde Il Floridante gut angenommen. Das Werk lief mit Unterbrechungen bis zum 26. Mai 1722 und wurde ab Januar und Februar abwechselnd mit Giovanni Bononcinis Opern Crispo und Griselda gegeben.Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 102 und 103 Die Tatsache, dass (auch) Bononcinis Opern zu dieser Zeit beim Publikum viel Erfolg hatten, führte oft, beim damaligen Publikum und in der späteren Händel-Literatur, zu der Vorstellung einer erbitterten Rivalität zwischen den beiden Komponisten; es wurde jedoch mittlerweile darauf hingewiesen, dass es für eine persönliche Feindschaft gar keine Beweise gibt, zumal es völlig normal war, dass ein Opernbetrieb Werke mehrerer Komponisten aufführte, die einzelnen Musiker dadurch entlastet wurden und dies auch für das Publikum eine willkommene Abwechslung bot.Dazu beispielsweise: Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Metzler Verlag, Stuttgart/Weimar, 1992, S. 93–94.
Wiederaufnahmen In der folgenden Spielzeit gab es im Dezember 1722 nochmals sieben Vorstellungen. Da nun die Rolle der Rossane von der aus Italien zurückgekehrten Margherita Durastanti, und Timante von dem Alt-Kastraten Gaetano Berenstadt (anstelle des Soprans Baldassari) übernommen wurden, waren Transpositionen und andere Änderungen nötig. Für die Durastanti mussten ein oder zwei Stücke um einen Ton herab transponiert werden, außerdem tauschte Händel für sie drei Soli (Nr. 3, 14a, 28a) gegen Arien aus seiner Kantate Crudel tiranno amor (HWV 97) aus und fügte eine ganz neue Arie („Dopo l'ombre“, Nr. 6) ein.Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 401.
In der Spielzeit 1727 fanden zwei weitere Aufführungen statt, für die Händel weitere Änderungen vornahm. Vor allem wurde der Part Rossanes (in der Durastanti-Fassung) für Faustina Bordoni um noch eine Arie erweitert, während Elmira (gesungen von der Altistin Anna Dotti) zwei Arien verlor. Beide Duette wurden gestrichen (!). Hinzu kamen Änderungen für die Partien von Floridante und Timante.Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 402.
Weitere Änderungen nahm Händel für insgesamt sieben Vorstellungen im März und Mai 1733 vor, die wahrscheinlich angesetzt wurden, weil die führende Sopranistin Anna Maria Strada laut Zeitungsberichten mindestens im März „sehr krank“ war. Die genaue Besetzung dieser Aufführungen ist nicht bekannt, aber ganz sicher sang Senesino wieder die Titelrolle und der Bass Antonio Montagnana übernahm den Oronte.Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 402–403.Siehe auch: Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 190.
Weitere Aufführungsgeschichte Am Hamburger Theater am Gänsemarkt kam Floridante bereits ab dem 28. April 1723 unter dem Titel Der Thrazische Printz Floridantes zu elf Aufführungen, wie aus den Aufzeichnungen Matthesons hervorgeht. Sämtliche Arien wurden im originalen Italienisch gesungen, die Rezitative jedoch waren von Joachim Beccau ins Deutsche übersetztEditionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 117Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 190. und von Georg Philipp Telemann neu vertont worden; letzterer hatte auch die musikalische Leitung.
Die erste moderne Inszenierung in einer englischen Textfassung von Alan Kitching fand am 10. Mai 1962 in Abingdon im Unicorn Theatre mit einer verkleinerten Orchestration unter der musikalischen Leitung von Frances Kitching statt.Winton Dean: Music in London: Abingdon – Handel’s ‘Floridante’. In: The Musical Times. London 1962, Nr. 103, S. 476 ff.
Die erste Aufführung des Stückes in historischer Aufführungspraxis sah man am 2. März 1990 in einer konzertanten Form in der Trinity-St. Paul’s United Church in Toronto (Kanada) mit dem Tafelmusik Baroque Orchestra unter der Leitung von Alan Curtis.
Unter der Leitung von Curtis erschien 2005 auch eine CD-Einspielung, bei der die Rolle der Elmira aber nicht wie im Original von einem Alt, sondern in einer „rekonstruierten“ Fassung von einem Mezzosopran (Joyce DiDonato) gesungen wurde – mit der Begründung, dies entspräche Händels ursprünglicher Vorstellung und sei daher eine „ideale“ Version.Hans Dieter Clausen: „Die ideale Version von Floridante“, Booklettext zur Einspielung: DGG Archiv Produktion 477 656-6 (2005). S. 23–28 Nicht berücksichtigt wurde dabei, dass Händel die Rossane dann aber als Alt besetzt hätte; bei Curtis erklingen also drei Soprane, nur ein Alt und zwei Bässe, was keineswegs Händels ursprünglicher Konzeption entsprach und wofür es bei keiner der von ihm geleiteten Aufführungen des Floridante ein Beispiel gibt.
Libretto mini|Paolo Antonio Rolli. Don Domenico Pentini zugeschrieben Das Libretto verfasste Paolo Antonio Rolli, der bis 1722 der italienische Sekretär der Royal Academy war und danach in dieser Funktion von Nicola Haym abgelöst wurde.Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel's operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume iii, Garland, New York 1989, S. xi-x Es war wahrscheinlich die erste Zusammenarbeit von Händel und Rolli für eine komplette Oper (abgesehen vom dritten Akt des Muzio Scevola).Nicht von allen vorangehenden Opern Händels ist der Librettist bekannt. Als Vorlage gibt Rolli im Argomento des Librettos Francesco Silvanis La costanza in trionfo an,Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel's operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume iii, Garland, New York 1989, S. 192 und 193 die erstmals 1696 in einer Vertonung von Marc’ Antonio Ziani in Venedig und später in Ferrara und Livorno aufgeführt worden war. Es gab davon auch eine deutsche Textfassung von Gottlieb Fiedler, die 1704 in Braunschweig unter dem Namen Leonilde oder Die siegende Beständigkeit mit Musik von Georg Caspar Schürmann auf die Bühne kam.Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 387 (zu Schürmann siehe: Fußnote 5).