mini|Parthenope: Neapolitanische Münze, 4. Jahrhundert mini|Pier Leone Ghezzi: Karikatur Antonio Bernacchis (1731) Partenope (HWV 27) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel, die am 24. Februar 1730 im King’s Theatre am Haymarket in London uraufgeführt wurde.

Die Handlung basiert auf Silvio Stampiglias Libretto La Partenope und dreht sich um die mythische Gründerin der antiken Stadt Partenope in der Magna Graecia, der Keimzelle des späteren Neapolis (des heutigen Neapel). Frei dazu erfunden ist eine Geschichte von drei rivalisierenden Freiern und einer betrogenen Frau in Männerkleidung, die sich an ihrem untreuen Bräutigam rächen will, der sie wegen Partenope verlassen hatte.

Entstehung und Uraufführung Händel hatte im Dezember 1729 die erste Spielzeit der neugegründeten und von ihm und Johann Jacob Heidegger geleiteten zweiten Opernakademie mit seinem Lotario und mit einem neuen Sänger-Ensemble eröffnet, das er zuvor eigens auf seiner Italienreise zusammengestellt hatte. Danach präsentierte er ab dem 17. Januar 1730 dem Publikum eine Wiederaufnahme des Giulio CesareDavid Vickers: Händels bittersüße Schule für Liebende, Booklettext zur CD-Einspielung: Handel: Partenope, mit Karina Gauvin, Philippe Jaroussky u. a., Il Pomo d’Oro, Riccardo Minasi (Erato, 2015). S. 39 (insgesamt 11 Aufführungen bis 31. März).Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 177.

Währenddessen war er bereits mit der Komposition von Partenope beschäftigt, die er bereits 1726 hatte vertonen wollen, was aber am Widerstand des Vorstands der ersten Academy gescheitert war. Owen Swiney (der Agent der Academy in Italien) bezeichnete das Libretto damals als „das allerschlechteste Buch (mit einer Ausnahme), das ich je in meinem ganzen Leben gelesen habe“ und war überzeugt, eine entsprechende Vertonung würde in London „mehr Skandal und weniger Profit“ hervorrufen als jede Oper, die je dort aufgeführt worden sei.„… it is the very worst book (excepting one) that I ever read in my whole life … if ’tis to be done, ’twill bring more scandal & lesse profit, than any opera, that has been, yet, acted to the hay-Market Theatre’.“ In: Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 155–156.

Händel war offenbar auch drei Jahre später noch anderer Meinung. Er stellte den ersten Akt am 14. Januar und die gesamte Partitur am 12. Februar 1730 fertig („Fine dell’ Opera | G.F. Handel. | a Londres | ce 12 de Fevrier | 1730“).Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 343.

Schon zwölf Tage später, am 24. Februar, fand im King’s Theatre am Londoner Haymarket die erste Aufführung statt,Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-268-3, S. 161 bei der laut The Daily Courant alle Bühnenbilder und Kostüme neu gewesen seien sollen („The Scenes and Dresses are all entirely new“).Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 3-7618-0717-1, S. 178. Es sangen: Partenope – Anna Maria Strada del Pó (Sopran) Arsace – Antonio Maria Bernacchi (Altkastrat) Rosmira – Antonia Margherita Merighi (Alt) Armindo – Francesca Bertolli (Alt) Emilio – Annibale Pio Fabri, genannt „Balino“ (Tenor) Ormonte – Johann Gottfried Riemschneider (Bass)

Über die Aufnahme von Partenope gibt es offenbar keine zeitgenössischen Aussagen,Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 162David Vickers: Händels bittersüße Schule für Liebende, Booklettext zur CD-Einspielung: Handel: Partenope, mit Karina Gauvin, Philippe Jaroussky u. a., Il Pomo d’Oro, Riccardo Minasi (Erato, 2015). S. 44 nicht einmal Händels Nachbarin und treue Anhängerin Mrs. Pendarves erwähnt sie. Das Werk erlebte nach der Premiere jedoch nur sechs weitere Aufführungen bis zum 17. März, scheint also keinen besonderen Anklang beim Publikum gefunden zu haben (der als Misserfolg geltende Lotario hatte es immerhin auf 10 Aufführungen gebrachtEditionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 175.). Es war Händels erste Oper, die nicht mehr von seinem bisherigen Verleger Cluer, sondern von Walsh herausgegeben wurde.

In der Folge brachte Händel ein Pasticcio namens Ormisda, mit Musik von Leonardo Vinci, Johann Adolph Hasse, Leonardo Leo, Orlandini u. a. heraus, das weit erfolgreicher war und 13 oder 14 Aufführungen vom 4. April bis 9. Juni erlebte, auch wenn Mrs. Pendarves es „sehr schwerfällig“ („very heavy“)Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 179. fand.Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar, 1992 S. 116 Eine Wiederaufnahme von Händels Tolomeo brachte es ebenfalls auf sieben Aufführungen zwischen dem 19. Mai und dem 13. Juni 1730.

Der primo uomo Antonio Bernacchi, der anscheinend nicht den gewünschten Erfolg beim Londoner Publikum gehabt hatte, kehrte nach der Spielzeit nach Italien zurück.

Wiederaufnahmen Im Gegensatz zu ihrem direkten Vorgänger Lotario gab Händel Partenope nicht so einfach auf und brachte sie in der folgenden Spielzeit, am 12. Dezember 1730, noch einmal auf die Bühne, diesmal mit dem nach London zurückgekehrten Senesino als Arsace, für den er vier Arien (Nr. 3, 7, 27, 30) um einen Ton nach unten transponierte und eine neue Schlussarie komponierte. Auch diesmal brachte die Oper es auf insgesamt sieben Aufführungen.Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe: Dokumente zu Leben und Schaffen. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, S. 183

Eine erneute Wiederaufnahme der Oper gab es 1737 zwischen dem 29. Januar und dem 9. Februar am Coventgarden Theatre (vier Aufführungen). Dabei versuchte Händel vor allem die Partie des Armindo für den Kastraten Gizziello aufzuwerten. Der Part wurde in die Sopranlage transponiert und verändert, indem Händel ihm zwei Arien des Emilio (Nr. 22 und 35) und die letzte Arie Partenopes (Nr. 45a) gab, sowie eine Arie aus Muzio Scevola („Bramo restar“) einschob.Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck: Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 343.David Vickers: Händels bittersüße Schule für Liebende, Booklettext zur CD-Einspielung: Handel: Partenope, mit Karina Gauvin, Philippe Jaroussky u. a., Il Pomo d’Oro, Riccardo Minasi (Erato, 2015). S. 45

Aufführungsgeschichte Schon im Februar 1731 erschien Partenope in Braunschweig auf der Bühne, mit Gastspielen in Salzthal, der Sommerresidenz von Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel, und Wolfenbüttel unter Leitung von Georg Caspar Schürmann; dabei wurde sie auch einige Male als Festoper verwendet (ergänzt durch einen mythologischen Prolog), u. a. zur Feier des Geburtstags von Kaiser Karl VI. oder der Hochzeit Friedrichs II. von Preußen.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 163 & 166 Ab 28. Oktober 1733 bis 1736 führte man die Oper Parthenope an der Hamburger Oper am Gänsemarkt mit einer deutschen Übersetzung der Rezitative von Christoph Gottlieb Wend mindestens 22 Mal auf. Die musikalische Leitung dieser Aufführung hatte Georg Philipp Telemann. Die deutschen Rezitative Wends hatte Reinhard Keiser vertont.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 163

Die erste Produktion in der Neuzeit war am 23. Juni 1935 bei den Göttinger Händel-Festspielen in deutscher Sprache (Textfassung: Emilie Dahnk-Baroffio), durch die Akademische Orchestervereinigung Göttingen unter der Leitung von Fritz Lehmann. In Originalsprache und historischer Aufführungspraxis wurde Partenope erstmals in konzertanter Form im Zusammenhang mit einer Schallplattenproduktion des Werkes am 11. Juni 1979 im Sendesaal des Kölner Funkhauses mit Krisztina Laki (Partenope) und René Jacobs (Arsace) in den Hauptpartien gegeben. La Petite Bande spielte unter Leitung von Sigiswald Kuijken.

Libretto Vorlage für Händels Oper war Silvio Stampiglias Libretto La Partenope, das sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreute und zum ersten Mal 1699 von Luigi Mancia für Neapel und später unter anderem von Antonio Caldara, Antonio Vivaldi (als Rosmira) und Leonardo Vinci (unter dem Titel La Rosmira fedele) vertont worden war.

Händels Text beruht auf Caldaras Version, die 1707/08 in Venedig aufgeführt worden war, und die er während seines damaligen Italienaufenthaltes selbst gesehen haben könnte.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 154. Es ist nicht bekannt, wer diese Vorlage für Händel überarbeitete, aber laut Ellen T. Harris deuten stilistische Merkmale auf den 1729 verstorbenen Nicola Francesco Haym.Ellen T. Harris (Hrsg.): The librettos of Handel's Operas: a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career. Garland Publishing, New York/London, 1989. Volume 6, S. xiii-xiv Rainer Schmusch: Partenope (HWV 27), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, S. 217 Von Stampiglias Originalversion entfallen bei Händel die beiden komischen Figuren, die Amme Anfrisa und der Diener Beltramme.Siehe die Personenliste im Original Libretto La Partenope, Stampiglia und Mancia, 1699, Digitalisat des: Bologna Museo internazionale e Biblioteca della musica (Abruf am 20. November 2025) Dadurch stellt sich durchaus die Frage, inwieweit Händels Partenope überhaupt noch komische Elemente aufweist, was beispielsweise Ellen T. Harris verneinte, aber Dean bejahte;Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 155 Schmusch bezeichnet die verbliebene Handlung als „tragicomico“.Rainer Schmusch: Partenope (HWV 27), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, S. 217

Von Caldara übernahm er 22 seiner 31 Arientexte – 18 dieser 22 gehen wiederum auf die Originalversion (von Mancia/Stampiglia) zurück. Dabei wurde vor allem die Zahl der ursprünglich für Rosmira und Arsace vorgesehenen Arien reduziert, wodurch bei Händel die Titelfigur (und nicht Rosmira) auch tatsächlich zur prima donna wird. Sechs neu geschriebene Nummern wurden ans jeweilige Ende der drei Akte platziert.Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 155.

Handlung „Argomento“

Kurzfassung