Der Flughafen Frankfurt-Hahn (Eigenbezeichnung: Hahn Airport, ) ist ein seit 1993 aus US-Militärverwendung konvertierter ziviler Flughafen im Hunsrück in Rheinland-Pfalz. Zur Metropole Frankfurt am Main, auf die sich der Name bezieht, besteht keine spezielle Verbindung und auch keine räumliche Nähe (Straßenentfernung etwa 125 km).
Als Frachtflughafen ist Frankfurt-Hahn der fünftgrößte Deutschlands (Stand 2025). Im Passagierverkehr wird er hauptsächlich durch Low-Cost-Carrier bedient.
Geographie Der Flughafen Frankfurt-Hahn befindet sich auf einer Höhe von (1649 ft) AMSL auf einer Hochfläche des Hunsrück-Hauptkamms. Der überwiegende Teil des Flughafengeländes gehört zu den Gemeinden Hahn, Büchenbeuren und mit dem größten Anteil Lautzenhausen im Rhein-Hunsrück-Kreis, ein kleiner Teil im Westen gehört zur Gemeinde Lötzbeuren im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Die nächstgelegenen Oberzentren sind Trier, Koblenz und Mainz. Der Flughafen liegt an den Bundesstraßen 50, 327 und 421.
Geschichte Entstehung Das französische Militär begann 1951 mit dem Bau eines Militärflugplatzes im Hunsrück, der 1952 von der United States Air Force übernommen wurde.
Zum Ende des Kalten Krieges waren auf der Hahn Air Base drei Fliegende Staffeln F-16 stationiert, zusammen mit Personalbestand und Familienangehörigen etwa 13.000 Menschen. Nachdem eine dieser Staffeln, die 10th Tactical Fighter Squadron, 1991 beim zweiten Golfkrieg im Irak eingesetzt worden waren, kehrten die Flugzeuge direkt in die USA zurück. Die beiden anderen Fliegenden Staffeln verlegten direkt von Hahn Air Base in die USA und wurden dort aufgelöst. Die US Air Force leitete die Aufgabe des Standortes ein und zog bis 1993 das verbliebene Personal und Gerät ab.BICC report 4: Restructuring the US Military Bases in Germany: Scope, Impacts, and Opportunities. Keith B. Cunningham and Andreas Klemmer, 1995, Seite 66.
Ein Infotag für Politik und Bevölkerung, mit Landung und Start einer Lufthansa-Maschine, fand am 13. September 1992 statt. Nach dem Ende der militärischen Nutzung übergaben die US-Streitkräfte die Hahn Air Base am 30. September 1993 der zivilen Verwaltung.
Die Landesregierung Rheinland-Pfalz identifizierte den aufgelassenen Flugplatz als denjenigen, der am leichtesten zu einer zivilen Verwendung zu konvertieren war. Im Rahmen der Konversion wurde ein internationaler Flughafen geplant, der den Flughafen Frankfurt Main entlasten sollte. Anders als dieser und auch andere Flughäfen hat Frankfurt-Hahn eine Nachtfluggenehmigung und ist relativ leicht erweiterbar.
Der erste zivile Flug vom Flughafen Frankfurt-Hahn, ein Charterflug zum Flughafen Palma de Mallorca, fand am 22. Mai 1993 statt. Am 24. August 1996 landete erstmals eine Concorde der Air France auf dem Flughafen. Mit FTI Touristik begannen ab November 1998 auch Charter-Flüge der Britannia Airways zum Flughafen Puerto Plata in der Dominikanischen Republik. Der Touristikkonzern TUI weitete ab Mai 1998 seine Charter-Flüge mit Air Europa nach Mallorca aus. Seit dem 7. April 1999 bedient die Fluggesellschaft Ryanair den Flughafen.
Zwischenfall 2006 Eine „schwere Störung“ ereignete sich am 16. Oktober 2006: Ein Tornado der Luftwaffe kam im Kurven-Steigflug einer anfliegenden Ryanair-Passagiermaschine von hinten so nahe, dass das Kollisionswarnsystem der Boeing auslöste. Durch die Anweisung des Systems wurde der Anflug abgebrochen und neu angeflogen. Beide Flugzeuge landeten sicher; die Passagiermaschine auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn, der Tornado im nordrhein-westfälischen Nörvenich im Kreis Düren.Bericht der BFU vom Januar 2007. PDF, 22 kB, abgerufen am 1. September 2013. Das Ereignis löste eine Diskussion über die Sicherheit im Luftraum aus.Flugplatz Hahn: Wie sicher ist der Luftraum? In: Trierischer Volksfreund, 28. Oktober 2006. Die Ermittlungen wurden eingestellt, da der nach militärischen und zivilen Vorschriften vorgegebene Mindestabstand nicht unterschritten wurde. Der Militärpilot gab an, er habe Auffälligkeiten beim Landeanflug bemerkt und daher die Passagiermaschine, wie in solchen Fällen üblich, in Augenschein genommen.
Namensgeschichte des Flughafens Die Bezeichnung Hahn stammt aus US-amerikanischer Zeit. Üblicherweise tragen Flugplätze den Namen des Ortes, auf dessen Fläche sie gebaut sind. Im Fall des Flughafens Frankfurt-Hahn wäre dies die Ortsgemeinde Lautzenhausen. Nach ersten Planungen sollte der Militärflugplatz leicht versetzt vom späteren Standort bei Hahn und nicht bei Lautzenhausen gebaut werden. Obwohl die Entwürfe geändert wurden, blieb es bei der ersten Bezeichnung Hahn. Dabei wurde auch berücksichtigt, dass international Schwierigkeiten wahrscheinlich wären, die Namen der benachbarten Gemeinden Lautzenhausen und Büchenbeuren auszusprechen, weshalb aus praktischen Gründen die Entscheidung für den Ort Hahn fiel.
In der ersten Zeit der Zivilnutzung wurde der Flughafen als Rhein-Mosel-Flughafen bekannt. Nach gerichtlichen Entscheidungen, vor allem zwischen Lufthansa und Ryanair, wurde der Flughafen offiziell als Frankfurt-Hahn bezeichnet. Nach der Übernahme des Flughafenbetriebs durch die TRIWO Hahn Airport GmbH lautet die Eigenbezeichnung seit Mitte 2023 „Hahn Airport“. Ryanair dagegen verwendet weiterhin die Bezeichnungen „Frankfurt Hahn“, „Frankfurt (HHN)“ und „Frankfurt“ für den Hahn Airport.
Ausbau Die Start- und Landebahn wurde 2005Nebel legt Flughafen lahm, Spiegel, 21. November 2005. durch den Ausbau an ihrem westlichen Ende von 3040 m auf 3800 m verlängert, um für Langstrecken-Frachtflugzeuge geeignet zu sein.
Eine 440 m lange Cargo-Zufahrtsstraße wurde am 15. Januar 2007 eröffnet. Von ihr aus verbinden insgesamt drei Stichstraßen mit einer Länge von 265 m die Frachthallen mit dem Vorfeld.
2016 wurde das Vorfeld erweitert, als der Wartungshangar der Haitec Aircraft Maintenance in Bau war.Flughafen Frankfurt-Hahn baut neues Hangar-Vorfeld, aerotelegraph, 9. April 2016.
Betreiber Betreibergesellschaft ist seit Mai 2023 die TRIWO Hahn Airport GmbH.
Beschäftigungsentwicklung Die TRIWO Hahn Airport GmbH und weitere, an dem Flughafen angesiedelte Unternehmen sind bedeutende Arbeitgeber der strukturschwachen Hunsrückregion.
Militär Der Flughafen wird unregelmäßig für militärische Personen- und Frachttransporte genutzt.
Polizei Die Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz hat 1996 in Flughafennähe Gebäude und Gelände der früheren US-Family Housing der United States Air Force übernommen.
Von 2012 bis 2023 Fehlende Wirtschaftlichkeit (2012 bis 2015) Das Eigenkapital der Flughafengesellschaft (FG) betrug im August 2012 44 Millionen Euro, die Verbindlichkeiten 138 Millionen.Jens Koenen: Flughafen Hahn in Geldnot. In: Handelsblatt, Nr. 163, 23. August 2012, S. 5 (ähnliche Fassung online).
Laut einem internen Bericht einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft von 2012 drohte der Flughafengesellschaft Ende März 2013 die Insolvenz.Beck, der Bruchpilot. In: Spiegel Online, 29. August 2012. Die Geschäftsführung widersprach dieser Darstellung.Flughafen Hahn will Riebel verklagen. In: Frankfurter Rundschau, 1. September 2012, S. R9. Ende März 2013 wurde ein 13-Millionen-Euro-Kredit fällig. Im Februar 2013 beschloss die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, bis 2017 weitere 120 Millionen Euro für die Flughafengesellschaft bereitzustellen, um deren Zahlungsfähigkeit zu sichern.Thomas Holl: Rettung auf Kommissionsbasis, faz.net, 28. Februar 2013, abgerufen am 21. März 2013. Durch die Bereitstellung des Geldes mittels Nachtragshaushalt wendete das Land Rheinland-Pfalz eine Insolvenz der Flughafengesellschaft ab.
Pläne, die Flughafen-Infrastruktur für 85 Millionen Euro an den Landesbetrieb Mobilität zu verkaufen und anschließend zurückzuleasen, wurden 2013 von der EU untersagt. Um einen Investor für den Flughafen zu finden, plante das Land Rheinland-Pfalz 2013, den Unterhalt von Straßen, Kanalisation und Gebäuden auf dem Flughafengelände in den Landeshaushalt zu überführen.
Im November 2013 prognostizierte die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft bis 2017 einen jährlichen Verlust von 10 Millionen Euro, das Geschäftsmodell sei „nicht zukunftsfähig“.
Im Jahr 2014 betrug der Verlust 45,2 Millionen Euro.
Seit März 2015 versuchte die rheinland-pfälzische Landesregierung, die Flughafengesellschaft zu verkaufen.Susanne Höll: Hahn unter dem Hammer. Die rheinland-pfälzische Landesregierung sucht Käufer für den Hunsrück-Flughafen. In: Süddeutsche Zeitung vom 31. März 2015, S. 7. Die Flughafengesellschaft gab 2012 an, der Flughafen generiere ein jährliches Steueraufkommen von 96 Millionen Euro.
Verkaufspläne (2016/2017) Angesichts von 132,8 Millionen Euro Schuldenlast (2014) leitete Rheinland-Pfalz eine Entschuldung ein und suchte nach einem neuen Betreiber.Rheinland-Pfalz will den Flughafen Frankfurt-Hahn verkaufen, Deutschlandfunk-Länderzeit vom 4. Februar 2015, abgerufen am 6. Februar 2015. Als Käufer gab das Land am 6. Juni 2016 das chinesische Unternehmen Shanghai Yiqian Trading (SYT) bekannt, das einen Kaufpreis im niedrigen zweistelligen Millionenbereich zahle. Bei einer Pressekonferenz wurde auch die Shanghai Guo Qing Investment Company genannt. Dabei handle es sich um einen großen Baukonzern und den Investor hinter der SYT. Die genannten Unternehmen seien von der Prüfungsfirma KPMG geprüft. Laut dem vorgelegten Businessplan wollte der Käufer eine zweite Start- und Landebahn, ein Altenheim und ein Luxushotel auf dem Gelände bauen und die Hunsrückbahn wieder in Betrieb nehmen. abgerufen am 21. Mai 2023 Die Gültigkeit des Verkaufs sei von mehreren Bedingungen, unter anderem von der Zustimmung des rheinland-pfälzischen Landtages, abhängig. Der SWR fand jedoch heraus, dass die Unternehmen unbekannt seien. Am 29. Juni 2016 veröffentlichte der SWR einen Bericht des Chinakorrespondenten Sebastian Hesse, wonach sich an der angeblichen Adresse der Shanghai Guo Qing Investment Company ein Reifenhandel befindet, bei dem schon häufig geprellte Anleger nach dem angeblichen Baukonzern gesucht haben. Einige Stunden später verkündete der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz auf einer Pressekonferenz, der Verkauf sei gestoppt, da die SYT mit einer Teilzahlung in Verzug sei. abgerufen am 21. Mai 2023 In der Folge reiste der Staatssekretär im Innenministerium, Randolf Stich, nach China, um sich vor Ort über den Käufer zu informieren. abgerufen am 21. Mai 2023 Seine Erkenntnisse führten dazu, dass die Landesregierung ankündigte, den Verkauf ans SYT endgültig zu stoppen. abgerufen am 21. Mai 2023 Dabei tauchte auch der Verdacht auf, dass gefälschte Unterlagen bei der Ausschreibung vorgelegt wurden. Ein im April 2017 veröffentlichtes Gutachten wies KPMG und Minister Roger Lewentz eine Vielzahl „grober und gröbster Versäumnisse“ nach. Die KPMG war auf einen Hochstapler hereingefallen.
Am 6. Juli 2016 wurden Teile des Geländes der ehemaligen Hahn-Housing (Housing = Wohngebiet für Militärangehörige und deren Familienmitglieder) an die ADC GmbH für 3,75 Millionen Euro verkauft.
Die oppositionelle rheinland-pfälzische CDU-Fraktion stellte gegen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) einen Misstrauensantrag. Dreyer sprach im Zusammenhang mit dem Verkauf von einem „schlimmen Fehler“, verwahrte sich aber gegen den Vorwurf der Wählertäuschung. Im Anschluss beschloss der Landtag ein Gutachten zum gescheiterten Hahn-Verkauf. Untersucht werden soll, ob beim geplanten Verkauf an die SYT die vom rheinland-pfälzischen Rechnungshof genannten Kriterien beachtet wurden, die für die Auswahl von Geschäftspartnern und den Umgang mit ihnen gelten. KPMG erhielt bis Mitte 2016 etwa 6,25 Millionen Euro für seine Tätigkeiten.FAZ.net vom 19. Juli 2016: Nur KPMG macht mit dem Hahn ein gutes Geschäft