mini|Blick auf Handschuhsheim Handschuhsheim (, kurpfälzisch: Hendse oder Hendesse [], ) ist der bevölkerungsreichste Stadtteil von Heidelberg. Auf einer Fläche von 1.511 Hektar leben hier rund 18.000 Einwohner.

Der Kern des Stadtteils liegt zwischen Tiefburg und Vituskirche, das (innere) Ortsbild ist geprägt von alten Bauernhäusern, verwinkelten Gassen und etlichen Lokalen und Gartenwirtschaften. Eines der ältesten Lokale war lange Zeit das Gasthaus Zum Roten Ochsen in der Mühltalstraße, seit dem 17. Jahrhundert in Betrieb, das allerdings 2016 geschlossen wurde.Kurzinfo zum „Roten Ochsen“ auf der Seite des Heidelberger Geschichtsvereins An den Hängen des Heiligenbergs befinden sich einige Villen aus der Zeit um 1900.

Lage Handschuhsheim liegt im Norden der Stadt Heidelberg, am Ausgang des Siebenmühlentals zwischen Hohem Nistler und Heiligenberg am Mühlbach, der hier in die Rheinebene eintritt, um später unter dem Namen Rombach in den Kanzelbach und mit diesem in den Neckar zu münden. Der Weg entlang der Bergstraße am Fuß des Auerstein im Norden der Stadt ist ein wichtiger, alter Handelsweg. Handschuhsheim grenzt im Norden an die Gemeinde Dossenheim, im Westen an den Neckar, im Osten an den Stadtteil Ziegelhausen und im Süden an den Heidelberger Stadtteil Neuenheim, Stadtteilgrenze ist hier die Straßenmitte der Blumenthalstraße. 53 % der Fläche sind Wald, 26 % werden landwirtschaftlich genutzt.

Auf dem Gebiet des heutigen Handschuhsheim am Höllenbach befand sich im Mittelalter das Dorf Hillenbach, das im Lorscher Codex im Jahr 767 erstmals erwähnt wird und wohl um 1300 zur Wüstung wurde. Seit 1994 erinnert ein Gedenkstein an den Ort.

Geschichte Vorgeschichte Im Gebiet von Handschuhsheim lebten nachweislich seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend Menschen. Etwa ab 500 v. Chr. siedelten Kelten in der Gegend; auf dem Heiligenberg haben sich Reste eines doppelten keltischen Ringwalls aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. erhalten. Wahrscheinlich sind schon früher Menschen auf den Heiligenberg gestiegen, um dort ihre Gottheiten zu verehren. Um das Jahr 100 v. Chr. mussten die Kelten dem Andrang germanischer Scharen weichen: Die Sueben, die aus dem mittleren Norddeutschland kamen und große Teile Süddeutschlands besiedelten, wurden auch in der Neckargegend ansässig – wenn auch ein nicht unbeträchtlicher Rest von Kelten wohnen blieb.

Römerzeit Kurz nach Beginn unserer Zeitrechnung setzten die Römer von Gallien aus über den Rhein und wurden bald die Herren der Gegend. Das eroberte Land – das heutige Gebiet fast ganz Badens mit Teilen von Oberhessen, Württemberg und Bayern – wurde gegen das freie Germanien durch den Limes abgeriegelt. In der Handschuhsheimer Gemarkung sind jedoch nur verhältnismäßig wenig Spuren der Römerzeit zu finden. Im Gewann Entensee lag vermutlich ein römischer Gutshof. Auch unmittelbar südlich der Kirche sind römische Siedlungsspuren gefunden worden. Auf dem Heiligenberg weisen verschiedene Funde darauf hin, dass der Berg auch zu römischer Zeit eine Kultstätte blieb. Die Römer errichteten hier kleine Tempelanlagen, die vor allem dem Mercurius geweiht waren.

Fränkische Besiedlung Im dritten Jahrhundert begann die Macht der Römer unter dem Ansturm der Germanen zu wanken. Das rechtsrheinische Hinterland des Limes wurde in den Jahren um 260 n. Chr. aufgegeben (Limesfall). Die Alemannen übernahmen in den folgenden Jahrzehnten das Gebiet, bis der Frankenkönig Chlodwig I. 496 ihrem Siegeszug nach Westen, der zur Eroberung der Rheinpfalz und des Elsass geführt hatte, ein Ende machte und ihr Gebiet dem fränkischen Reich einverleibte – der Vormarsch des Christentums begann. Als Handschuhsheim in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt wurde, waren seine Bewohner längst für das Christentum gewonnen, mochte dieses auch kaum mehr als eine dünne Haut über alten heidnischen Vorstellungen gewesen sein.

Als Hantscuhesheim wird der Ort erstmals 765 im Lorscher Codex erwähnt, war also damals im Besitz des Klosters Lorsch, welches den Ort später der Schauenburg oberhalb Dossenheims zuordnete. Es ist wahrscheinlich, dass der Ort damals schon einige Jahrhunderte bestand, die Endung -heim jedoch weist auf eine fränkische Gründung hin. Der Ort ist wohl nach einem Gutsbesitzer im Frühmittelalter namens Ansco (aus „Ansgar“ oder „Hansco“?) benannt, woraus dann im Lauf der Jahre „Handschuh“ wurde. Das Wappen von Handschuhsheim zeigt jedenfalls tatsächlich in Blau einen silbernen, rot gefütterten Handschuh. 774 wird im Gebiet des Ortes eine Kapelle erwähnt, die dem in Lorsch besonders verehrten Heiligen Nazarius geweiht war.

Besitzübergang an die Kurpfalz mini|Haupteingang zur Tiefburg mini|hochkant|Wappen der Herren von Handschuhsheim nach dem Scheibler’schen Wappenbuch Mit Lorsch und dem Amt Schauenburg gelangte Handschuhsheim im 13. Jahrhundert an Kurmainz. Um 1400 erhielt Handschuhsheim die Marktgerechtigkeit. 1460 besetzte Kurfürst Friedrich I. Handschuhsheim und Dossenheim. 1461 wurden die Kurmainzer Besitztümer an die Kurpfalz verpfändet. Handschuhsheim blieb als Pfand bei der Kurpfalz. Nachdem 1653 der Mainzer Erzbischof auf seine Rechte verzichtete, wurden die Pfälzer Kurfürsten auch formell mit dem Ort belehnt.

Während der Ort unter der Herrschaft von Lorsch, später Kurmainz und ab 1460 der Kurpfalz stand, bewirtschaftete in der Tiefburg das Ministerialen-Geschlecht der Herren von Handschuhsheim, das 1600 ausstarb, ein Lehnsgut. Im gleichen Besitz war ein benachbartes Hofgut, während das ebenfalls benachbarte Schlösschen auf einen Herrensitz der Familie Knebel zurückgeht, aber in der Neuzeit häufig den Besitzer wechselte. Die Tiefburg und das Herrenhaus kamen 1624 an die Herren von Helmstatt.

Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges diente der Ort dem kaiserlichen General Tilly als Hauptquartier für die Eroberung Heidelbergs. Generell hatte der Ort unter den Kriegen des 17. Jahrhunderts stark zu leiden. Was den Dreißigjährigen Krieg überdauert hatte, nahm bei einem Franzoseneinfall 1674 Schaden. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Handschuhsheim 1689 weitere drei Mal bis auf wenige Gebäude niedergebrannt.

Im frühen 18. Jahrhundert erholte sich Handschuhsheim von den großen Kriegsschäden. Zuwanderer aus der Schweiz ließen sich im Ort nieder, woher die Bezeichnung Schweizer Gass für die Handschuhsheimer Landstraße rührt. Georg Adam von Helmstatt errichtete 1700 unweit der Burg an der Stelle des verfallenen Herrenhofs der Herren von Handschuhsheim ein freiadliges Gut, auch das Schlösschen wurde wiederaufgebaut. Georg Adams Söhne Damian Hugo und Johann Ferdinand Joseph von Helmstatt haben ihren Besitzmittelpunkt zwar nach Hochhausen verlegt, die Tiefburg und das Freiadlige Gut blieben dennoch bis ins 20. Jahrhundert im Besitz der Familie.

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts war der Ort von weiteren kriegerischen Handlungen betroffen. Im Siebenjährigen Krieg waren Franzosen im Ort einquartiert und es kam zu Plünderungen. In den Revolutionskriegen gegen Ende des Jahrhunderts standen sich im Jahr 1795 auf der Gemarkung von Handschuhsheim österreichische und französische Truppen in einer Schlacht gegenüber.Winfried Wackerfuß: Vor 220 Jahren: Die Schlacht bei Handschuhsheim am 24. September 1795. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes 63/1, 2016, S. 39–41. Bei einem der letzten französischen Vorstöße auf Heidelberg 1799 wurde Handschuhsheim erneut geplündert.

Bei der den napoleonischen Kriegen folgenden Neuordnung des deutschen Südwestens kam Handschuhsheim 1803 an Baden.

Aufschwung von Garten- und Obstbau mini|Das Freiadlige Gut in Handschuhsheim um 1870, Gemälde von Maximilian von Helmstatt mini|Handschuhsheim mit der Tiefburg-Ruine um 1900 Der rein landwirtschaftlich geprägte Ort erlebte durch die landwirtschaftlichen Erkenntnisse von Stephan Gugenmus (1740–1778) einen ersten Aufschwung. Gugenmus reformierte die Landwirtschaft und führte den Gartenbau ein. In den Hungerjahren des frühen 19. Jahrhunderts hatte die Bevölkerung damit freilich noch kein Auskommen, so dass es bis nach der Revolution von 1848/49 zu einer großen Auswanderungswelle kam. Der Gärtner Karl Friedrich Bechtel entwickelte den Gartenbau in Handschuhsheim in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schließlich erfolgreich weiter. Während die Landwirtschaft und der Weinbau zurückgingen, entwickelte sich der Ort zu einem wohlhabenden Zentrum des Garten- und Obstbaus. Insbesondere wurden Erdbeeren und Kirschen sowie verschiedene Gewächshauspflanzen angebaut.

Eingemeindung nach Heidelberg Im späten 19. Jahrhundert mehrten sich die Stimmen, die eine Eingemeindung des Ortes nach Heidelberg forderten. 1898 richteten 313 Handschuhsheimer Bürger ein entsprechendes Gesuch an das Großherzogliche Bezirksamt. Im Jahr 1900 lehnte der Bürgerausschuss eine Eingemeindung noch mehrheitlich ab, durch Nachverhandlungen fand das Ansinnen dann 1901 eine breite Zustimmung. Die Eingemeindung wurde zum 1. Januar 1903 vollzogen.

Der Anschluss nach Heidelberg brachte vor allem eine Erneuerung der Infrastruktur. So erhielt Handschuhsheim schon 1903 Gas aus dem Heidelberger Gasrohrnetz, 1908 bekam der Ort eine neue Kanalisation. 1904 erhielt Handschuhsheim außerdem einen Anschluss an die Straßenbahn, bisher verkehrte nach Heidelberg nur die Oberrheinische Eisenbahn, die am damaligen Ortsrand einen Bahnhof besaß.

Stadtteil von Heidelberg mini|Mühltalstraße Seit der Eingemeindung 1903 teilt Handschuhsheim die wirtschaftliche und politische Geschichte Heidelbergs. In den 1920er und 1930er Jahren wurden, unterbrochen von Krisenzeiten, größere Bauprojekte getätigt, darunter der Bau des großen Wohnkomplexes auf dem Areal des einstigen Atzelhofes von 1921 bis 1927 und der Bau der Gartengroßmarkthalle 1930. Die Stadt erwarb außerdem 1919 das Schlösschen und richtete darin eine Jugendherberge ein.

Den Zweiten Weltkrieg hat der Ort unbeschadet überstanden. Mit dem Erwerb der Tiefburg von der Familie von Helmstatt kam die Stadt Heidelberg 1950 in den Besitz eines der bedeutendsten Anwesen des Ortes. Ab jener Zeit dehnte sich der Ort durch den Bau von Gewerbegebieten, Wohnanlagen und universitären Einrichtungen nach allen Richtungen aus. Zu den bedeutendsten Neubauprojekten zählten die weitläufigen medizinischen Einrichtungen im Neuenheimer und Handschuhsheimer Feld, das Schwimmleistungszentrum der Universität und das 1972 erbaute Fernheizkraftwerk Heidelberg-Nord am Klausenpfad, das das Universitätsgelände mit Fernwärme versorgt. In den späten 1970er Jahren kamen die Wohn- und Gewerbegebiete Langgewann, Andreas-Hofer-Weg und Weiher hinzu, in den 1980er Jahren der Technologiepark beim Blockheizkraftwerk. Ende 1984 hatte Handschuhsheim über 16.000 Einwohner.

Im Rahmen der Heidelberger Städtepartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Simferopol pflegt der Stadtteil die Freundschaft mit dem dortigen Kiewski Rajon.

Sehenswürdigkeiten Katholische Pfarrkirche St. Vitus und St. Georg mini|St. Vitus und St. Georg