Der Landkreis Birkenfeld ist eine Gebietskörperschaft in Rheinland-Pfalz. Sitz der Kreisverwaltung ist die Stadt Birkenfeld. Die bevölkerungsreichste Kommune ist die verbandsfreie Stadt Idar-Oberstein, in der die meisten öffentlichen Einrichtungen ihren Sitz haben, wie das Amtsgericht, das Finanzamt, das Gesundheitsamt, das Jobcenter und die Kreissparkasse. Seit 2015 trägt die Körperschaft den Titel Nationalparklandkreis.
Geographie Lage Die Nahe fließt von Westen nach Osten durch den südlichen Teil des Kreises Birkenfeld. Die Gegend nördlich des Flusses wird vom Mittelgebirge Hunsrück bestimmt, dessen höchster Punkt der Erbeskopf mit ist. Im südlichen Kreisgebiet, Westrich, liegt der Truppenübungsplatz Baumholder, bei dessen Anlegung 14 Gemeinden mit etwa 4000 Einwohnern umgesiedelt werden mussten.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die Landkreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Rhein-Hunsrück-Kreis, Bad Kreuznach und Kusel (alle in Rheinland-Pfalz). Im Süden grenzt er an den Landkreis St. Wendel (im Saarland).
Geschichte mini|links|Das ehemalige Fürstentum Birkenfeld Geschichtlich gesehen ist die Nahe Grenzlinie zwischen zwei Regionen: Birkenfeld nördlich der Nahe und Lichtenberg südlich des Flusses. Die Region gehörte bis Ende des 18. Jahrhunderts zu verschiedenen Herrschaften, dann 1798 ging das Gebiet an Frankreich und wurde 1801 ins Saardepartement eingegliedert. Dort zählte es zum Arrondissement Birkenfeld. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde aus den Bürgermeistereien links der Nahe ein Fürstentum Birkenfeld gebildet, das zum Großherzogtum Oldenburg gehörte; Lichtenberg hingegen zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld, ab 1826 Sachsen-Coburg-Gotha. Beide Staaten hatten somit eine Exklave westlich des Rheins. 1834 wurde dieses Fürstentum Lichtenberg an Preußen verkauft, das das Gebiet zum Kreis Sankt Wendel machte. Das mit dem Ende der Monarchie und dem Rücktritt des Oldenburger Großherzogs formal aufgelöste Fürstentum Birkenfeld blieb zunächst ein Landesteil des nunmehrigen Freistaats Oldenburg.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der südliche Teil des Kreises Sankt Wendel dem Saargebiet zugeschlagen, der bei Preußen verbleibende Teil hieß fortan Restkreis Sankt Wendel-Baumholder. Im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes ging am 1. April 1937 der oldenburgische Landesteil Birkenfeld auf das Land Preußen über, das ihn unter dem Namen „Landkreis Birkenfeld“ in den Regierungsbezirk Koblenz der Rheinprovinz angliederte und mit dem Restkreis Sankt Wendel-Baumholder vereinigte.Erste Durchführungsverordnung zum Gesetz über Groß-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen (Groß-Hamburg-Gesetz) vom 15. Februar 1937
Am 18. Juli 1946 wurden von der französischen Militärregierung die Gemeinden Bosen, Eckelhausen, Eisen, Eiweiler, Gehweiler, Gonnesweiler, Grügelborn, Hirstein, Leitersweiler, Mosberg-Richweiler, Neunkirchen/Nahe, Reitscheid, Schwarzenbach, Selbach, Sötern, Steinberg-Deckenhardt, Türkismühle und Walhausen aus dem Landkreis Birkenfeld in den saarländischen Landkreis St. Wendel umgegliedert.Amtsblatt des Regierungspräsidiums Saar, Jahrgang 1946, Nr. 32, S. 131: „Anschluß von Gemeinden an die Délégation Supérieure de la Sarre“ vom 18. Juli 1946 (Universität des Saarlandes) Am 7. Juni 1947 wurden auch noch die Gemeinden Asweiler-Eitzweiler, Freisen, Haupersweiler, Nohfelden, Oberkirchen, Schwarzerden und Wolfersweiler aus dem Landkreis Birkenfeld in den Landkreis St. Wendel umgegliedert.Amtsblatt des französischen Oberkommandos in Deutschland, Jahrgang 1947, Ausgabe 77, S. 768. Verfügung Nr. 215 vom 7. Juni 1947: „Anschluß von Gemeinden an die Kreise Merzig-Wadern und St. Wendel“ ()
Am 7. Juni 1969 trat der Landkreis Birkenfeld die Gemeinden Pfeffelbach, Reichweiler, Ruthweiler, Thallichtenberg, Buborn, Deimberg, Grumbach, Hausweiler, Herren-Sulzbach, Homberg, Kappeln, Kirrweiler, Langweiler, Merzweiler, Niederalben, Niedereisenbach, Offenbach am Glan, Unterjeckenbach und Wiesweiler an den Landkreis Kusel sowie die Gemeinde Kirnsulzbach an den Landkreis Bad Kreuznach ab. Gleichzeitig erhielt er die Gemeinden Allenbach, Asbach, Bollenbach, Bruchweiler, Gösenroth, Hausen, Hellertshausen, Horbruch, Hottenbach, Kempfeld, Krummenau, Oberkirn, Rhaunen, Schauren, Schwerbach, Sensweiler, Stipshausen, Sulzbach, Weitersbach und Wirschweiler-Langweiler des aufgelösten Landkreises Bernkastel und die Gemeinde Börfink-Muhl des aufgelösten Landkreises Trier. Letztere gab am 7. November 1970 den Ortsteil Muhl an die Gemeinde Neuhütten im Landkreis Trier-Saarburg ab.
1994 wurden durch das rheinland-pfälzische „Landesgesetz über die Auflösung des Gutsbezirks Baumholder und seine kommunale Neugliederung“ vom 2. Nov. 1993 (GVBl. S. 518) Teile des Truppenübungsplatzes Baumholder, darunter die ehemaligen Gemarkungen Ilgesheim und Oberjeckenbach, aus dem Landkreis Birkenfeld in den Landkreis Kusel umgegliedert.zum Kartenvergleich: alte Gemeindegrenzenkarte: Walther Hubatsch (Hrsg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945, Band 7, Marburg/Lahn, 1978, Karten-Anlage 8; neue Gemeindegrenzenkarte: Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz, Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Übersichtskarte mit Gemeindegrenzen Ausgabe B, ISBN 3-89637-316-1
Einwohnerstatistik hochkant=1.2|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Birkenfeld (Datenquelle: Zensus 2011)Datenbank Zensus 2011, Kreis Birkenfeld Jahr Einwohner 1939 90.397 1950 77.633 1960 93.000 1970 93.600Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 87.300Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 Jahr Einwohner 1990 86.900Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1992 2000 90.300Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 2002 2010 83.243 2016 80.7992022 81.760
Konfessionsstatistik Am 25. Mai 2022 lag der Anteil der evangelischen Bürger bei 46,0 %, der katholischen bei 19,4 % und der Sonstigen bei 34,6 %Zensus 2022 Der Anteil an der Gesamtbevölkerung von den Einwohnern mit sonstiger oder ohne Konfession nimmt jährlich um etwa 2 Prozentpunkten zu. Ende Mai 2026 hatten 40,2 % der Einwohner die evangelische Konfession und 17,4 % die katholische. 42,4 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an, waren konfessionslos oder hatten keine Angaben gemacht.Landkreis Birkenfeld Gemeindestatistik, abgerufen am 17. Juni 2026
Politik mini|Kreisverwaltung Birkenfeld Landräte Herbert Wild, NSDAP (1937 bis 1945) Valentin Eibes, NSDAP (1945, vom 12. bis 17. März) Karl Nieten (1945 bis 1946) Jakob Heep, SPD (1946 bis 1956) Walter Beyer, SPD (1957 bis 1982) Ernst Theilen, SPD (1982 bis 1994) Wolfgang Hey, SPD (1995 bis 2003) Axel Redmer, SPD (2003 bis 2011) Matthias Schneider, CDU (2011 bis 2023) Bruno Zimmer, SPD (2023) kommissarisch Miroslaw Kowalski, CDU (seit 2023)
Matthias Schneider wurde bei der Direktwahl am 26. August 2018 mit einem Stimmenanteil von 59,25 % ursprünglich für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er jedoch zum 30. Juni 2023 vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Da bei der Neuwahl am 24. September 2023 keine der acht Bewerbungen um die Nachfolge eine ausreichende Mehrheit erreichte, fand am 15. Oktober eine Stichwahl statt, bei der sich Miroslaw Kowalski (CDU) mit einem Stimmenanteil von 51,0 % gegen Caroline Pehlke (parteilos, nominiert von der SPD) durchsetzen konnte. Seit dem 16. November 2023 ist Kowalski offiziell im Amt.
Kreistag Der Kreistag des Landkreises Birkenfeld besteht aus 42 gewählten Mitgliedern und dem Landrat als Vorsitzendem. Nach der letzten Kreistagswahl am 9. Juni 2024 ergibt sich folgende Sitzverteilung:Wahlband Kommunalwahlen 2019 - Kreise und Bezirkstag (wahlen.rlp.de)
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 %2004 Sitze2004 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 27,4 12 30,3 12 34,6 14 30,5 13 41,8 18 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 26,0 11 29,9 12 35,9 15 37,1 16 37,3 16 AfD Alternative für Deutschland 17,1 7 – – 1,7 1 – – – – FW Freie Wähler (zuvor: Freie Liste Kreis Birkenfeld (FLKB)) 12,5 5 9,2 4 6,6 3 8,6 3 4,8 2 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 5,7 2 10,9 5 5,0 2 – – – – FDP Freie Demokratische Partei 4,9 2 9,1 4 6,3 3 13,8 6 9,3 4 LUB Liste Unabhängiger Bürger/innen Kreisverband Birkenfeld 3,0 1 6,3 3 5,2 2 4,3 2 4,2 2 LINKE Die Linke 2,1 1 4,3 2 4,6 2 5,7 2 – – WGW Wählergruppe Worst 1,3 1 – – – – – – – – Andere Andere – – – – – – – – 2,5 0 Gesamt 100,0 42 100,0 42 100,0 42 100,0 42 100,0 42Wahlbeteiligung in %60,056,852,850,553,6
Wappen und Flagge
Der Landkreis Birkenfeld führt ein Wappen und eine Flagge.
Wirtschaft und Verkehr Im Zukunftsatlas 2022 belegte der Landkreis Birkenfeld Platz 346 von 400 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Landkreisen mit „Zukunftsrisiken“.
Verkehr Den Süden des Kreisgebiets berührt die Bundesautobahn 62. Mehrere Bundes-, Landes- und Kreisstraßen durchziehen das Kreisgebiet, darunter die B 41 und die B 422. mini|Vierspurige Bundesstraße 41 in Idar-Oberstein Im Nahetal eröffnete die Rhein-Nahe Eisenbahn-Gesellschaft im Jahre 1859 eine Bahnlinie von Bad Kreuznach bis Idar-Oberstein, die im folgenden Jahr in Richtung Saarbrücken weitergeführt worden ist. Den Anschluss zur Kreisstadt stellte 1880 die Birkenfelder Lokalbahn GmbH von der Station Neubrücke aus her. Ein Bahnanschluss (Stichbahn/Stichstrecke) von Heimbach (Bahnstation: Nahe und außerhalb der eigentlichen Ortsgemeinde Heimbach) nach Baumholder mit seinem Truppenübungsplatz wurde 1912 von der Preußischen Staatsbahn erbaut. Auf beiden Strecken ist der Personenverkehr 1962 (Birkenfelder Lokalbahn) bzw. 1981 (der Bahnanschluss nach Baumholder) eingestellt worden. Die Strecke nach Baumholder wurde im Jahr 2014 reaktiviert.
Durch die Gemarkung Horbruch verläuft die Hunsrückquerbahn, welche wegen hohen Investitionsbedarfs bis auf weiteres nicht betrieben werden kann. Die Verbandsgemeinde Herrstein-Rhaunen liegt in der Nähe des Flughafens Frankfurt-Hahn.
Mit einem neuen Busnetz verdreifacht sich ab August 2022 das Verkehrsangebot des ÖPNV im Landkreis Birkenfeld auf 5,4 Millionen Bus-Kilometer pro Jahr.
Städte und Gemeinden (Einwohner am )
Verbandsfreie Stadt: Idar-Oberstein, Große kreisangehörige Stadt ()
Verbandsgemeinden mit ihren verbandsangehörigen Gemeinden:
(Sitz der Verbandsgemeinde *)
Ehemalige Gemeinden
Siehe auch Liste der Kommunen im Landkreis Birkenfeld Liste der Orte im Landkreis Birkenfeld
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen BIR zugewiesen. Es wird durchgängig bis heute ausgegeben.
Literatur
Weblinks
Website des Landkreises Birkenfeld Statistische Daten des Landkreises Birkenfeld beim Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz
Einzelnachweise
Birkenfeld