mini|hochkant|Schrein mit der Stadtsäule (Lak Müang) von Nakhon Ratchasima Nakhon Ratchasima (thailändisch , Aussprache: [], auch Khorat oder Korat) ist eine Provinz (Changwat) in der Nordostregion von Thailand, dem Isan. Sie ist die flächengrößte Provinz des Landes und hat nach Bangkok die zweitgrößte Einwohnerzahl. Als der Zentralregion am nächsten gelegene Provinz des Nordostens gilt sie als das „Tor zum Isan“. Unter den Nordostprovinzen hat sie auch die größte Wirtschaftsleistung.

Die Hauptstadt der Provinz heißt ebenfalls Nakhon Ratchasima.

Geographie Die Provinz liegt am südwestlichen Rand der Khorat-Hochebene. Ihre Westgrenze wird vom Don-Phaya-Yen-Gebirge, die südliche vom Sankamphaeng-Gebirge markiert. Sie wird vom Mae Nam Mun (Mun-Fluss) durchflossen.

Benachbarte Provinzen: Norden Chaiyaphum und Khon Kaen Osten Buri Ram Süden Sa Kaeo, Prachin Buri und Nakhon Nayok Westen Saraburi und Lop Buri

Wichtige Orte Phimai Prakhon Chai

Klima

Bevölkerung Die Mehrheitsbevölkerung der Provinz ist gemischter Herkunft und stammt hauptsächlich von Thai und Khmer ab. Das ist darauf zurückzuführen, dass sich Siedler aus Zentralthailand (darunter auch demobilisierte Soldaten) nach der Eroberung durch das siamesische Königreich Ayutthaya 1756 hier niederließen und mit zuvor anwesenden Khmer und Kuy mischten. Dabei setzte sich überwiegend die zentralthailändische Kultur durch. Ihre Sprache, das Khorat-Thai, ist zu den zentralthailändischen Dialekten zu zählen, hat aber ein eigenes Tonsystem.William A. Smalley: Linguistic Diversity and National Unity. Language Ecology in Thailand. University of Chicago Press, Chicago 1994, S. 111–112. Nakhon Ratchasima unterscheidet sich damit von den meisten Provinzen des Isan (80 %), wo die Mehrheitsbevölkerung ethnische Lao sind, die die Isan-Sprache sprechen. Grundnahrungsmittel in der Provinz ist daher auch nicht der für den Isan typische Klebreis, sondern nicht glutinierende Reissorten, wie sie in Zentralthailand oder Kambodscha üblich sind.Grabowsky: The Isan up to its Integration into the Siamese State. 1995, auf S. 108–109.

Nach den Daten der Volkszählung 2000 waren 99,8 % der Einwohner thailändische Staatsbürger und 99,1 % Buddhisten. Lediglich 0,1 % waren Muslime, 0,2 % sprachen hauptsächlich Khmer.Key indicators of the population and households, Population and Housing Census 1990 and 2000: Trang

Wirtschaft und Bedeutung Im Jahr 2011 betrug das Gross Provincial Product der Provinz 202,014 Milliarden Baht. Dies ist der höchste Wert einer Provinz im Isan. Pro Kopf entspricht das allerdings nur einer Wirtschaftsleistung von 71.405 Baht (2.327 US-Dollar), nicht einmal die Hälfte des landesweiten Durchschnitts in Thailand.

Der Mindestlohn in der Provinz beträgt 359 Baht pro Tag (etwa 9,59 €; Stichtag 1. Januar 2025).

Daten Die unten stehende Tabelle zeigt den Anteil der Wirtschaftszweige am Gross Provincial Product in %. Wirtschaftszweig 2006 2007 2008Landwirtschaft 17,4 19,8 19,6Industrie21,620,819,8Andere61,059,460,6 Alle Angaben in %Thailand in Figures (2011)

Die wichtigsten Branchen waren im Jahr 2011 das herstellende Gewerbe (39,296 Mrd. Baht), die Landwirtschaft (20,992 Mrd. Baht) und der Groß- und Einzelhandel (17,082 Mrd. Baht).

Feuchtgebiete und Landwirtschaft Die Provinz Nakhon Ratchasima hat insgesamt 346 Feuchtgebiete mit einer Fläche von 37,4 km², die mehr oder weniger intensiv für die Landwirtschaft genutzt werden.Edmund J. V. Oh, Blake D. Ratner, Simon Bush, Komathi Kolandai und Terence Y. Too (Hrsg.): Wetlands Governance in the Mekong Region : country reports on the legal-institutional framework and economic valuation of aquatic resources. 2005.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Die ältesten bedeutenden archäologischen Fundstätten in der Provinz befinden sich Ban Lum Khao und Ban Prasat (Amphoe Non Sung). Dort wurden Gräber, Tongefäße und Bronzeartefakte aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. ausgegraben. In Ban Tam Yae (Amphoe Phimai) wurden darüber hinaus früheste Hinweise auf die Verarbeitung von Eisen entdeckt. Die Überreste einer mit einem Wassergraben umgebenen Stadt aus dem 7. Jahrhundert befinden sich in Mueang Sema (Amphoe Sung Noen). Sie existierte parallel zur Dvaravati-Kultur Zentralthailands, war aber selbst kein Teil davon, sondern gehörte vermutlich zum indisierten Königreich Śri Canāśa, vielleicht war sie sogar dessen Hauptstadt Cānāśapura.Robert L. Brown: The Dvāravatī Wheels of the Law and the Indianization of South East Asia. Brill, Leiden 1996, ISBN 90-04-10435-6, S. 25, 29.

Khmer-Periode mini|Prasat Hin Phimai Etwa vom 10. bis 14. Jahrhundert gehörte das Gebiet der Provinz Nakhon Ratchasima dann zum Einflussbereich des Khmer-Reichs von Angkor. Phimai (Amphoe Phimai) war eines der wichtigsten Zentren dieses Reiches, die Überreste dieser Stadt, insbesondere der Haupttempel Prasat Hin Phimai, sind in einem Geschichtspark erhalten. Weitere Denkmäler dieser Epoche sind die hinduistische Tempelanlage Prasat Hin Phanom Wan (Amphoe Mueang) sowie die dicht beieinander gelegenen Tempelruinen Prasat Mueang Khaek und Prasat Non Ku (Amphoe Sung Noen), die zur historischen Stadt Gorākhapura (siehe Nakhon Ratchasima#Name) gehört haben könnten.

Ayutthaya-Periode Nach der Gründung des siamesischen Königreichs Ayutthaya 1351 bis zur Einnahme von Angkor durch dessen Truppen 1431 verlief durch Nakhon Ratchasima das Grenzgebiet zwischen den beiden Reichen, es gab episodische Feldzüge mit Raub von Gütern und Menschen auf beiden Seiten.David K. Wyatt: Thailand. A Short History. 2. Auflage, Silkworm Books, Chiang Mai 2004, S. 59. Im 16. Jahrhundert war Khorat als Vorposten gegen das Khmer-Reich eine der Provinzen erster Klasse.Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60129-3, S. 46. Auch nach dem Untergang Angkors wurde die Provinzhauptstadt in den 1630er-Jahren noch einmal von kambodschanischen Truppen eingenommen und die Bevölkerung verschleppt.Ben Kiernan: Blood and Soil. A World History of Genocide and Exterminsation from Sparta to Darfur. Yale University Press, New Haven CT 2007, S. 157. Zu Beginn der Herrschaft König Narais 1657 wurde es erneut von Ayutthaya erobert. Infolge der Grenzlage und mehrfachen Herrschaftswechsel ist die heutige Bevölkerung der Provinz gemischter Abstammung von Thai und Khmer.Grabowsky: The Isan up to its Integration into the Siamese State. In: Regions and National Integration in Thailand, 1892-1992. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1995, ISBN 3-447-03608-7, S. 107–129, auf S. 115. Narai ließ Khorat zur nordöstlichen Bastion seines Reiches ausbauen und gab ihm den Status einer Provinz „zweiter Ordnung“, die von einem hochrangigen Beamten regiert wurde und der fünf kleinere Provinzen unterstanden.Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 90. In Krisenzeiten zeigten die Gouverneure von Nakhon Ratchasima sogar Unabhängigkeitsbestrebungen, so in den ersten drei Jahren nach der Usurpation Phetrachas 1688Wyatt: Thailand. 2004, S. 108. und nach dem Untergang Ayutthayas 1767,Wyatt: Thailand. 2004, S. 123. bis der neue König Taksin auch diese Provinz seinem neuen Königreich Thonburi einverleiben konnte.

Rattanakosin-Periode Khorat war wiederholt Ausgangspunkt für Feldzüge gegen die östlich gelegenen Länder der Lao und Khmer, auch noch nachdem 1782 Bangkok die Hauptstadt Siams geworden war und die Chakri-Dynastie den Thron übernommen hatte (Rattanakosin-Periode). Die Gouverneure von Nakhon Ratchasima, die den hohen feudalen Titel Chao Phraya trugen, waren politisch sehr einflussreich und genossen weitgehende Selbstständigkeit.Wyatt: Thailand. 2004, S. 143. Das Gouverneursamt wurde in einer eigenen Dynastie von Vater zu Sohn weitergegeben. Sie waren den Chakri-Königen aber eng verbunden und fungierten als Agenten Bangkoks im Nordosten. Khorat galt als das „Einfallstor in den Nordosten“. Die Provinzherren profitierten auch persönlich vom Handel mit Gütern aus den Lao- und Khmer-Staaten, die Siam tributpflichtig waren.Mayoury Ngaosyvathn, Pheuiphanh Ngaosyvathn: Paths to Conflagration. Fifty Years of Diplomacy and Warfare in Laos, Thailand, and Vietnam, 1778–1828. Cornell Southeast Asia Program, Ithaca NY 1998, S. 54. So drängten sie darauf, dass Müang (autonome Kleinstaaten) der Lao auf dem Khorat-Plateau, die bis dahin zum Herrschaftsbereich des Vasallen-Königreichs Vientiane gehörten – wie Roi Et und Yasothon – zu Provinzen unter direkter Kontrolle Bangkoks wurden.Marc Askew: From glory to ruins. In: Vientiane. Transformations of a Lao Landscape. Routledge, Abingdon/New York 2007, S. 65. Auch hatten sie ein großes Interesse an Feldzügen zur Niederschlagung von Unabhängigkeitsbestrebungen der Lao und Khmer.

Während der Rebellion des Königs Anuvong von Vientiane wurde Khorat Anfang 1827 von Truppen der Lao eingenommen.Wyatt: Thailand. 2004, S. 154. Angeblich soll die Gattin des damaligen Gouverneurs, Khun Ying Mo, gemeinsam mit anderen Frauen ein Fest veranstaltet haben, scheinbar um die vermeintlichen Sieger zu ehren, tatsächlich aber um sie betrunken zu machen und anschließend schlagen und vertreiben zu können. Jedenfalls verlieh ihr König Rama III. nach dem siamesischen Sieg in diesem Krieg den Ehrennamen Thao Suranari. Ob es sich bei der Episode bloß um eine Legende oder um ein historisches Ereignis handelt, ist umstritten. Viele Bewohner von Khorat glauben aber daran und verehren Thao Suranari als Schutzpatronin der Provinz.

Khorat war das Ziel der ersten Fernbahnstrecke Thailands, der sogenannten „Khoratbahn“. Sie wurde ab 1891 unter maßgeblicher Beteiligung deutscher Ingenieure erbaut und 1900 fertiggestellt. Nakhon Ratchasima war 1893 die erste Provinz, in der Prinz Damrong Rajanubhab, Innenminister unter König Rama V. (Chulalongkorn), das zentralistische Thesaphiban-Verwaltungssystem einführte, um die quasi-dynastischen Gouverneure zu entmachten, Finanzverwaltung, Polizei und Justiz effizienter und einheitlicher zu gestalten und Korruption und Willkür zu minimieren.Wyatt: Thailand. 2004, S. 194. Hier war der Sitz des Generalkommissars für das Monthon Nakhon Ratchasima, zu der außer der gleichnamigen Provinz selbst auch noch die Provinzen Buri Ram, Chaiyaphum, Phetchabun und Lom Sak gehörten (die beiden letzteren nur bis 1899). Die Monthon wurden nach dem Ende der absoluten Monarchie 1933 wieder aufgelöst und Nakhon Ratchasima wie alle Provinzen direkt der Zentralregierung unterstellt. Im Oktober 1933 war Khorat ein Stützpunkt der royalistischen Gegenrebellion des Prinzen Boworadet, die aber von den Truppen der konstitutionalistischen Regierung niedergeschlagen wurde.Wyatt: Thailand. 2004, S. 237.

Zeitgeschichte Nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Vietnamkrieg 1964 stationierte die US-Luftwaffe auf Einladung der thailändischen Regierung Bomber in Khorat.Wyatt: Thailand. 2004, S. 278. Während des letztlich erfolglosen Putschversuchs der thailändischen „Jungtürken“ vom 1. April 1981 flohen sowohl der damalige Ministerpräsident Prem Tinsulanonda als auch die Königsfamilie in die Heeresbasis in dieser Provinz.Wyatt: Thailand. 2004, S. 296. Im Verlauf der 1980er-Jahre verdreifachte sich die städtische Bevölkerung in der Provinz, ihre einst agrarisch geprägte Wirtschaft industrialisierte sich stark.Wyatt: Thailand. 2004, S. 302.

Sehenswürdigkeiten Ban Kho – etwa 14 Kilometer nordöstlich von Nakhon Ratchasima: hier findet sich der Wat Prasat Phanom Wan, ein Heiligtum aus dem 11. Jahrhundert. Der Grundriss ähnelt dem vom Prast Hin Phimai. Der Tempel wurde ursprünglich erbaut, um den Hindu-Gott Shiva zu verehren. Erst in der Ayutthaya-Zeit wurde er zum buddhistischen Tempel (Wat). Heute befinden sich hier mehrere vergoldete Buddha-Statuen aus neuerer Zeit. Wat Prasat Hin Non Ku – etwa 37 Kilometer westlich von Nakhon Ratchasima: beachtenswerter Khmer-Tempel, der auf einer quadratischen Terrasse angelegt ist, mit Skulpturen aus dem 10. Jahrhundert.