mini|Bergisches Land in Deutschland mini|Typisch bergisches Haus in Wuppertal-Beyenburg mini|Bergischer Löwe auf einem Glasfenster mini|Schloss Broich in der Ruhrtalstadt Mülheim

Das Bergische Land ist eine Region im Landesteil Rheinland in Nordrhein-Westfalen (Deutschland), die nach dem historischen Territorium des Herzogtums Berg benannt ist. Es liegt auf der rechten Rheinseite und umfasst neben dem Bergischen Städtedreieck Remscheid–Solingen–Wuppertal auch den Kreis Mettmann, die kreisfreie Stadt Leverkusen, den Rheinisch-Bergischen und den Oberbergischen Kreis sowie Teile des Rhein-Sieg-Kreises.

Historisch bedeutsame bergische Städte und Orte – die Ruhrtalstadt Mülheim an der Ruhr, das historische Amt Angermund (heute zu Duisburg und Düsseldorf), die Stadt Düsseldorf sowie diejenigen rechtsrheinischen Gebiete Kölns, welche historisch-geographisch bergisch sind – werden ebenfalls zum Bergischen Land gerechnet.

Das Bergische Land liegt vor allem im niederschlagsreichen (Luvseite) Westen des Nordostflügels (Süderbergland) des Rheinischen Schiefergebirges, Hauptflüsse sind die Wupper (Niederbergisches) und die Agger (Oberbergisches Land). Höchster Berg ist mit die Homert bei Gummersbach; der höchste öffentlich zugängliche Punkt ist die Aussichtsplattform des Unnenbergturms. Dieser Turm steht etwa 6 km westsüdwestlich der Homert in der Ortschaft Dannenberg auf dem Unnenberg (); die Plattform ist auf 31,8 m Höhe des rund 45 m hohen Turms.

Name Der Begriff Bergisches Land war bereits vor dem 19. Jahrhundert in Gebrauch, wurde jedoch nach der Auflösung des Herzogtums Berg allgemein gängig. Umgangssprachlich sind die Form das Bergische und im Bergischen üblich. In den bergischen Dialekten ist die Form meistens Bergsches Land.Otto Schnell: Berg’sche Vertällsches. Martini & Grüttefien, Elberfeld 1912 Die Einwohner sind die Berger oder auch die Bergischen.

In jüngerer Zeit hat sich eine Deutungsverschiebung des Bergischen hin zu Hügelland ergeben, was sich auch im Text des Bergischen Heimatliedes zeigt. Neben Düsseldorf als ehemaliger Residenzhauptstadt des Herzogtums Berg werden daher auch andere bedeutende Orte heute weniger selbstverständlich zum Bergischen Land, sondern oft zur eher flachen niederrheinischen Ebene gerechnet. Entsprechend dieser Lage fehlen dort die an Bergflanken hochgetriebenen Wolken und somit das im Artikel beschriebene niederschlagsreiche und das Bergische Land typisierende Wettergeschehen.

Geographie Abgrenzung mini|Gliederung des Bergischen Landes

Historisch-geographisch mini|Herzogtümer Jülich und Berg (Iuliacensis et Montensis Ducatus), 1645, Atlas Maior Das Bergische Land ging aus dem historischen Herzogtum Berg hervor. Den früheren Landesherren, den Grafen von Berg, hat die Region auch ihren Namen zu verdanken. Der adjektivische lateinische Begriff terre Montensis, also des Bergischen Landes wird erstmals in einer Schuldverschreibungsurkunde der bergischen Grafen vom 6. September 1363 schriftlich festgehalten, wobei aber schon in früheren Urkunden terra de Monte oder Land von Berg erscheinen.Stefan Gorißen, Horst Sassin und Kurt Wesoly (Hrsg.): Geschichte des Bergischen Landes, Band 1: Bis zum Ende des alten Herzogtums 1806; Bergische Forschungen 31, 2014, ISBN 978-3-89534-971-3, S. 25

Bedeutende Orte im Herzogtum waren Gerresheim, Elberfeld, Solingen, Lennep, Radevormwald, Wipperfürth, Bensberg, Siegburg und Blankenberg, die überwiegend ab dem 13. Jahrhundert Stadtrechte erhielten. Der Sitz der Grafen und Herzöge war zunächst die Burg Berge beim heutigen Altenberg bei Odenthal, nach dem Bau von Burg Neuenberg der Ort Burg an der Wupper (heute ein Ortsteil von Solingen) und anschließend von 1386 bis 1822 Düsseldorf, das die Herzöge zu einer repräsentativen Residenz- und Hauptstadt des Herzogtums ausbauten. Auf die historische Zugehörigkeit Düsseldorfs zum Bergischen Land weist noch heute der Bergische Löwe im Düsseldorfer Stadtwappen hin.

Zu den nördlichen Teilen des Bergischen Landes gehörten die Städte Mülheim an der Ruhr, Teile von Duisburg, Essen und Oberhausen (Alstaden und Dümpten), zu den Gebieten an der Westgrenze auch das rechtsrheinische Gebiet von Köln bei Mülheim. Kleinere, dem Herzogtum angehörige linksrheinische Gebiete waren zudem die Freiheit Wesseling, Rodenkirchen, Orr und Langel.

Die ehemaligen Herrschaften Gimborn und Homburg im heutigen Oberbergischen Kreis kamen dagegen erst in der Zeit Napoleons zum Großherzogtum Berg hinzu. Zu diesem ursprünglich nicht bergischen Gebiet gehören Marienheide, Wiehl, Nümbrecht, Stadt Neustadt und die heutige Kreisstadt des oberbergischen Kreises: Gummersbach.

1815 wurde das Großherzogtum Berg aufgelöst und 1822 der preußischen Rheinprovinz zugeschlagen, mit deren nördlichem Teil das Bergische Land nach dem Zweiten Weltkrieg als Teil des Rheinlandes zu Nordrhein-Westfalen ging.

Physisch-geographisch und naturräumlich Naturräumlich liegt das Bergische Land fast komplett in der Haupteinheitengruppe Süderbergland, die auch fast das komplette Sauerland umfasst. Das Süderbergland stellt den nordöstlichsten Teil des rechtsrheinischen Schiefergebirges dar.

Natürliche orographische Grenzen bilden im Norden die Ruhr, im Westen der Rhein und im Süden die Sieg. Nach Osten geht es ohne erkennbare landschaftliche Grenze ins Sauerland über. Allein politische und kulturelle Unterschiede bestimmen den Grenzverlauf zwischen beiden historischen Landschaften, der jedoch in etwa den östlichen Wasserscheiden von Wupper und Agger entspricht, während das (westliche) Sauerland in der Hauptsache von der Ruhr und ihren Nebenflüssen entwässert wird.

Der größte Teil des Bergischen Landes ist durch eine abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaft mit Wäldern, Wiesen und Hügeln sowie engen Kerbtälern – auch „Siepen“ genannt – mit kleinen Bächen geprägt. Bis auf die ins Sauerland übergehenden Bereiche wird das Bergische aufgrund der fortgeschrittenen Abtragung des Gebirges als Fastebene bezeichnet.

Aus dem Mittelgebirge wird westwärts über verschiedene Heide-Terrassen eine Ebene ohne nennenswerte Erhebungen, die durch die städtischen Agglomerationen von Köln und Düsseldorf stark zersiedelt ist und – im Vergleich zur Mittelgebirgslandschaft – sehr wenig gegliedert ist. Hier befinden sich mit einigen wenigen Heiderelikten, wie der Wahner, Hildener und Ohligser Heide, dem ausgedehnten Waldgebiet Königsforst und einzelnen Baggerseen, wie dem Unterbacher oder dem Elbsee, wertvolle Naturschutzgebiete und Naherholungsgebiete für die Bewohner der umliegenden Großstädte.

Der Naturpark Bergisches Land definiert das Gebiet darüber hinaus als Erholungsgebiet. Obwohl der Waldanteil recht groß ist, gibt es nur wenige größere zusammenhängende Waldgebiete. Bewaldete Höhenzüge in langen Wellen und Wiesentäler prägen das Landschaftsbild. Nach Osten nimmt der Anteil der Waldlandschaft aufgrund der mit der Höhenlage verbundenen für die Landwirtschaft ungünstigeren Witterung zu. Von Natur aus würden vor allem Buchenwälder sowie Buchen-Eichenwälder in den Hanglagen wachsen. Seit der erheblichen Entwaldung in der frühen Neuzeit wurden allerdings große Flächen mit der vormals nicht heimischen Fichte aufgeforstet. Der Nutscheid am Südrand des Bergischen ist eines der größten Forstgebiete und weitgehend unbewohnt. Ein weiteres großes Waldgebiet ist das Heck zwischen Engelskirchen, Drabenderhöhe und Overath-Federath.

Nach heutigem Regionalbewusstsein Das Bergische Land entspricht im heutigen Regionalbewusstsein der „Mittelgebirgsregion Bergisches Land“. In den vormals bergischen Rhein- und Ruhrstädten (Düsseldorf, Stadtteile Essens südlich der Ruhr (Byfang, Werden etc.), südliche Ortsteile Oberhausens, Duisburg-Süd und Mülheim an der Ruhr) ist im Bewusstsein der Bevölkerung die historische Zugehörigkeit zum Bergischen kaum noch vorhanden. Man sieht sich in diesen Orten heute mehrheitlich als Rheinländer oder zum Ruhrgebiet zugehörig. Oberhalb der Rheinebene ist jedoch die Zugehörigkeit zum Bergischen im Bewusstsein selbstverständlich. So werden auch in den Nachrichten des WDR nur die östlichen Gebiete als „bergisches Land“ bezeichnet, wobei die westlichen dahingegen zum unklar umschriebenen „Rheinland“ gerechnet werden. Auch der Kreis Mettmann wird zur Kulturregion Bergisches Land gerechnet.„Zur Kulturregion Bergisches Land gehören die Städte Wuppertal, Remscheid, Solingen und die Kreise Mettmann, Oberberg und Rhein-Berg.“Regionale Kulturpolitik: Kulturregion Bergisches Land und Rheinschiene, rbk-direkt.de, abgerufen am 15. Juni 2020„Der Kreis Mettmann gehört neben den Städten Wuppertal, Remscheid und Solingen, sowie dem Rheinisch-Bergischen und dem Oberbergischen Kreis zur Kulturregion Bergisches Land.“, kreis-mettmann.de, abgerufen am 15. Juni 2020

Als Hauptstadt des Bergischen Landes wird zumeist nicht mehr die historische Hauptstadt Düsseldorf, sondern die 1929 entstandene Stadt Wuppertal gesehen, die das wirtschaftliche, kulturelle und industrielle Zentrum des östlichen Bergischen Landes bildet. Der Süden der Region hat mittlerweile aber einen stärkeren Bezug zu Köln entwickelt.

Auch bei denjenigen rechtsrheinischen Stadtteilen Kölns, die historisch-geographisch zum Bergischen Land zählen, ist festzustellen, dass ein Zugehörigkeitsgefühl zum Bergischen Land kaum noch vorhanden ist, sondern sich die Einwohner dieser Stadtteile beinahe ausnahmslos als Rheinländer sehen. Eine Ausnahme stellt der im Zuge der NRW-Gebietsreform 1975 entstandene, an Bergisch Gladbach und Rösrath grenzende Kölner Stadtteil Rath/Heumar dar, welcher nach herrschendem Regionalbewusstsein dem Bergischen Land zuzurechnen ist. Insbesondere bei der alteingesessenen Bevölkerung ist dort ein sehr starkes Selbstverständnis der Zugehörigkeit zum Bergischen Land festzustellen.

Teilgebiete mini|Blick auf Velbert-Langenberg mini|Wasserschloss Haus zum Haus in Ratingen mini|Das Kalkwerk Flandersbach nahe Europas größtem Kalkabbau in Wülfrath Niederbergisches Land

Der Norden und Nordwesten des Bergischen Landes bildet das Niederbergische Land, das vom Angerbach und der Düssel durchflossen wird. Ein Talabschnitt der Düssel ist das Neandertal, in dem der Fundort des gleichnamigen Eiszeitmenschen liegt. Die östliche Grenze bildet der Deilbach. Das Gebiet des Niederbergischen Landes liegt im modernen Verständnis im Kreis Mettmann und umfasst neben der gleichnamigen Kreisstadt die Städte Hilden, Ratingen, Heiligenhaus, Velbert, Wülfrath, Haan und Erkrath. Da die historischen Grenzen des Bergischen Landes jedoch im heutigen Ruhrgebiet und entlang des Rheines verliefen, können auch Düsseldorf, Mülheim an der Ruhr, und ein Teil Oberhausens (Alstaden) zum Niederbergischen Land gezählt werden. In Mettmann, Wülfrath und Langenberg ist der alte Stadtkern mit Fachwerkhäusern, die einen Ring um die Kirche oder den Markt bilden, erhalten geblieben. Im Düsseltal oder unweit davon liegen die Dörfer Gruiten und Düssel, die ebenfalls einen historischen Ortskern mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern besitzen. In Wülfrath werden jährlich 9,7 Millionen Tonnen Kalkstein im größten Kalkwerk Europas abgebaut.Bericht über die wülfrather Kalkwerke auf rp-online.de vom 22. August 2014, abgerufen am 14. Januar 2018

Bergisches Städtedreieck mini|Solinger Schwert aus dem 17. Jahrhundert

Südöstlich schließt sich das Bergische Städtedreieck, welches sich aus den Großstädten Wuppertal, Solingen und Remscheid zusammensetzt und heute weder dem Nieder- noch dem Oberbergischen Land zugerechnet wird, an. Der prägende Fluss ist die Wupper. Am Rand des Städtedreiecks liegen auch die historischen Zentren des Bergischen Landes Lennep und Burg an der Wupper.

Wuppertal