Obwalden (Kürzel OW, , ) ist ein deutschsprachiger Kanton in der Zentralschweiz. Der Hauptort ist Sarnen.
Zusammen mit dem Kanton Nidwalden bildet er Unterwalden, einen der drei Urkantone der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1291, woher die ältere Bezeichnung Unterwalden ob dem Wald rührt. Der Kantonsname bezieht sich auf den Kernwald nördlich von Kerns.
Geographie Obwalden liegt im Sarneraatal und grenzt im Norden an den Vierwaldstättersee. Den südlichen Abschluss bildet der Brünigpass, über den man in das Berner Oberland gelangt. Der Kanton hat neben dem Alpnachersee, der ein Seitenarm des Vierwaldstättersees ist, fünf weitere grössere Seen: Sarnersee, Lungerersee, Melchsee, Tannensee und Wichelsee, und daneben mehrere kleine Seen, siehe Liste der Seen im Kanton Obwalden. Höchste Erhebung des Kantons ist der Titlis mit , der zu den Urner Alpen gehört. Die grössten Teile des Kantons gehören jedoch zu den Unterwaldner Voralpen, einem Teil der Zentralschweizer Voralpen. Der tiefste Punkt liegt mit am Vierwaldstättersee.
Obwalden ist neben Nidwalden der einzige Binnenkanton der Schweiz, der ganz von Binnenkantonen umgeben ist. Die Nachbarkantone von Obwalden sind Bern, Luzern, Nidwalden und Uri. Die Obwaldner Gemeinde Engelberg ist vom Hauptteil des Kantons durch Nidwalden getrennt und ist damit eine Exklave.
Mittelpunkt der Schweiz Obwalden liegt im Herzen der Schweiz. Das Bundesamt für Landestopografie (swisstopo) hat den Mittelpunkt der Schweiz bei der Koordinate ermittelt. Dieser Punkt liegt bei der Älggi-Alp, die sich oberhalb des Kleinen Melchtals auf Sachsler Gemeindeboden befindet.
Bevölkerung Per betrug die Einwohnerzahl des Kantons Obwalden . Die Bevölkerungsdichte liegt mit Einwohnern pro Quadratkilometer unter dem Schweizer Durchschnitt ( Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am auf Prozent, während landesweit Prozent Ausländer registriert waren. Per betrug die Arbeitslosenquote Prozent gegenüber Prozent auf eidgenössischer Ebene.
Bevölkerungsentwicklung von Obwalden seit 1799 Quelle: Volkszählungen (1850–2000 Eidgenössische), Bundesamt für Statistik (seit 2010)
Sprachen Amtssprache Obwalden liegt vollumfänglich im deutschsprachigen Landesteil der Schweiz. Amtssprache ist demnach Deutsch. 2013 gaben 92,5 Prozent der Bevölkerung Deutsch als Hauptsprache an. Angaben zu Französisch, Italienisch, Rätoromanisch sowie zu weiteren Sprachen liegen nicht vor.
Obwaldnerdeutsch Die Umgangssprache der Obwaldner ist die Mundart Obwaldnertyytsch (Obwaldnerdeutsch). Sie gehört zur Gruppe der höchstalemannischen Dialekte.Rudolf Hotzenköcherle: Zur sprachlichen Stellung und Struktur der Innerschweiz. In: Ders.: Die Sprachlandschaften der deutschen Schweiz. Hrsg. von Niklaus Bigler und Robert Schläpfer. (= Sprachlandschaft. 1). Sauerländer, Aarau / Frankfurt am Main / Salzburg 1984, S. 237–292; spezifisch zu Unterwalden S. 257–266.Willy Elmer: Zwische See und heeche Bäärge. Eine sprachliche Biografie des Kantons Nidwalden: Geschichte – Geografie – gesellschaftlicher Alltag. Historischer Verein Nidwalden, Stans 2000, (entgegen dem Titel auch viel zum Obwaldnerdeutsch).Zum gesamtschweizerischen Zusammenhang vgl. insbesondere den Sprachatlas der deutschen Schweiz, 8 Bände, Bern/Basel 1962–1997.
Merkmale und Besonderheiten Typisch für den Obwaldner Dialekt ist die Diphthongierung von mhd. langem û zu ui ( – obw. Huis – nhd. «Haus»; ebenso: Muis – «Maus», Puir – «Bauer»). Daneben werden die Vokale auch entrundet: scheen für «schön», Feen für «Föhn», Fyyr für «Feuer».
Im alten Kantonsteil (das heisst Obwalden ohne Engelberg) unterscheidet man zwei Lautgebiete. Das Obere Sarner Tal mit Lungern, Giswil, dem Schwendi (Sarnen), Sachseln, Wilen und das Untere Sarner Tal mit Sarnen, Alpnach, Kerns. Nachfolgend ein paar Beispiele zur Lautung:
Hochdeutsch unteres Sarner Tal oberes Sarner Tal Auto Aito Oito Baum Baim Boim Du Dui Dui Frau Fraiw Froiw Hemd Hämmli Hemmli (auch in Kerns) Haus Huis Huis schauen luägä liogä schön scheen scheen
Neben diesen Merkmalen der Aussprache gibt es verschiedenste Besonderheiten im Obwaldner Wortschatz, wie zum Beispiel Bock für «Kater», chlimsä für «kneifen», Chropfletä für «Mumps», Fazäneetli, Fazäneezli für «Taschentuch», Kalatzä für «Frühstück», Tschidel, Tschidälä für «Schädel» oder Zuckerschtäi für «Bonbon», die jedoch teilweise auch in anderen Innerschweizer Dialekten vorkommen.Sprachatlas der deutschen Schweiz, passim.
Eine Zusammenstellung von Obwaldner Wörtern (inkl. Lungerer und Engelberger Eigenheiten) findet sich im Obwaldner Mundart-Wörterbuch aus dem Jahre 2000, zusammengetragen vom ehemaligen Kernser Pfarrer Karl Imfeld.
Wandel seit Mitte des 20. Jahrhunderts Das fast rundum von Bergen begrenzte Gebiet der Obwaldner Mundart deckt sich mit dem alten Kantonsteil von Obwalden. Bis zum Zweiten Weltkrieg (1939–1945) behielt die Mundart ihre Eigenheiten. Für den Kenner waren damals noch Eigenheiten auszumachen, die den Sprecher sogar einem bestimmten Gemeindegebiet zuordnen liessen. Nach 1950 dehnte sich die Sarner ä- ,ai- und uä-Lautung immer mehr auf die Dörfer der Nachbargebiete aus (äng, Frai, Buäb statt eng, Froi, Biob). Die Bautätigkeit seit den 1960er Jahren vermehrte das Wohnungsangebot, Zuzüge von auswärts nahmen stark zu und halten unvermindert an.Karl Imfeld: Obwaldner Mundart-Wörterbuch. Brunner Verlag, edition magma, Kriens 2000, ISBN 3-905198-55-X.
Um die Jahrtausendwende sprach etwa die Hälfte der Einwohner unverkennbar Obwaldner Mundart. Bei einem weiteren Teil ist sie von einem allgemeinen Schweizerdeutsch mehr oder weniger eingefärbt. Etwa ein Drittel der Einwohner dürfte zum Ortsdialekt keine Beziehung mehr haben. Vor allem im unteren Kantonsteil ist der Einfluss des Luzerner Dialekts stark spürbar.
Lungerer Mundart Innerhalb des alten Kantonsteils weist die Lungerer Mundart zwischen Kaiserstuhl und dem Brünigpass Eigenheiten in der Lautung und in der Konjugation der Verben und oft auch Besonderheiten in der Wortbedeutung auf. So ist in der Lungerer Mundart eine eigene Form des Verbs in der ersten Person Plural Präsens anzutreffen (miär häi «wir haben», aber syy häind «sie haben»), wogegen das übrige Sarner Tal den Einheitsplural kennt (miär, iär, syy händ). Ältere Sprecher in Lungern verwenden auch noch eine eigene Form des Perfekts, indem sie dem Partizip die Endung -es anhängen, z. B. miär häi ggässes neben miär häi ggässä. Besonders bei älteren Sprechern ist in Lungern noch eine typische Sprechmelodie zu beobachten.
Typische Lungerer Lautungen: Frouw für «Frau» oder frewwä für «freuen».
Engelberger Mundart Das Hochtal von Engelberg kam erst 1815 zum Kanton Obwalden. Sein Lokaldialekt gehört zu den melodiösesten im Alemannischen. Ältere Engelberger sprechen auffallend langsam und mit einer ausgeprägten Satz- und Wortmelodie. Der Engelberger Dialekt unterscheidet sich in der Lautung stark von demjenigen des Sarner Tales.
Typische Engelberger Lautungen: Döi für «Du» oder Chruiz für «Kreuz».
Religionen – Konfessionen Der Kanton Obwalden ist überwiegend katholisch geprägt. Von den 37'841 Einwohnern im Kanton waren im Jahr 2018 26'944 Einwohner (71,2 %) römisch-katholisch, und 2'937 Einwohner (7,8 %) waren evangelisch-reformiert. Die katholischen Kirchgemeinden gehören zum Bistum Chur, die reformierten zum Verband der evangelisch-reformierten Kirchgemeinden des Kantons Obwalden.
Von den Mitgliedern der Landeskirchen (römisch-katholische und evangelisch-reformierte Kirche) abgesehen, liegen seit der Volkszählung 2000 keine Zahlen zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung im Kanton mehr vor. Das Bundesamt für Statistik führt jedoch Erhebungen durch,Seit 2010 basieren die Daten des Bundesamts für Statistik zu den Religionsgemeinschaften im Kanton Obwalden auf einer Stichprobenerhebung, für welche Personen ab dem Alter von 15 Jahren befragt werden. Es gilt zu beachten, dass die Resultate der Erhebungen ein Vertrauensintervall aufweisen. Seit der letzten Volkszählung im Jahr 2000 liegen keine Zahlen zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung (jeden Alters) für den Kanton Obwalden mehr vor. Eine Ausnahme bilden die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Kirche, deren Mitglieder aufgrund der Kirchensteuer amtlich registriert werden. bei welchen auch andere Religionsgemeinschaften im Kanton Obwalden erfasst werden. Bei der Stichprobenerhebung von 2017 bekannte sich rund ein Viertel aller befragten Personen ab 15 Jahren im Kanton Obwalden zu keiner Landeskirche; wobei dieser Anteil je nach Staatsangehörigkeit beziehungsweise Herkunft der Befragten stark variiert:
+ Obwaldner Bevölkerung ab 15 Jahren nach Religionsbekenntnis und Staatsangehörigkeit/Herkunft im Jahr 2017 (Stichprobenerhebung: Angaben in Prozent, gerundet) Religion TotalderBefragten Schweizer Staats-angehörigkeit Schweizer ohne Migrations-hintergrund Ausländische Staats-angehörigkeit Christentum 79 84 87 51 – römisch-katholisch 69 75 79 36 – evangelisch-reformiert 7 7 7 7 – andere christliche Konfession 3 2 1 8 andere Religionen 4 1 0 12 konfessionslos 16 14 12 28 übrige/keine Angabe 1 1 1 9
Politik Im Unterschied zur alten Bundesverfassung, in der Obwalden als Halbkanton aufgezählt war, wird Obwalden in der Bundesverfassung vom 18. April 1999 als selbständiger Kanton (Vollkanton) aufgeführt. Es gilt der Grundsatz der rechtlichen Gleichstellung der Kantone. Allerdings existieren zwei Einschränkungen des Gleichheitsprinzips: Den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Obwalden und Nidwalden kommt bei der Vertretung im Ständerat sowie bei der Ermittlung des Ständemehrs beim obligatorischen Referendum lediglich das halbe Gewicht zu.
Verfassung Die Verfassung des Kantons Obwalden (bis 2007: Verfassung des Kantons Unterwalden ob dem Wald) wurde 1968 erlassen und seither mehrfach geändert.
Direktdemokratische Volksrechte Erlass und Änderung der Verfassung sowie rechtsgültig zustande gekommene Volksbegehren betreffend Gesetzeserlasse und Finanzbeschlüsse des Kantonsrates, sofern der Kantonsrat dem Begehren nicht zustimmt, unterliegen zwingend der Volksabstimmung (obligatorisches Referendum).
Die übrigen Gesetzeserlasse und -änderungen sowie Ausgabenbeschlüsse über einmalige Ausgaben von mehr als 1'000'000 Schweizer Franken bzw. jährlich wiederkehrende Ausgaben von mehr als 200'000 Franken unterliegen der Volksabstimmung, wenn es von 100 Stimmberechtigten oder einem Drittel der Mitglieder des Kantonsrats verlangt wird (fakultatives Referendum).
mini|Landsgemeinde 1987 Die Stimmberechtigten können selbst die Gesamt- oder eine Teilrevision der Kantonsverfassung sowie den Erlass, die Änderung oder die Aufhebung eines Gesetzes oder eines Finanzbeschlusses vorschlagen, wenn 500 Stimmberechtigte einen dahingehenden Vorschlag («Volksbegehren») unterstützen (Volksinitiative).
Das Stimmrecht für Frauen wurde in Obwalden am 24. September 1972 eingeführt. Das fakultative Gesetzesreferendum wurde 1998 eingeführt, als die traditionelle Landsgemeinde (jährliche Versammlung der Aktivbürgerschaft und Abstimmung über die Gesetze durch Handerhebung) abgeschafft wurde; bis damals unterstanden alle Gesetze dem obligatorischen Referendum.
Legislative – Kantonsrat Gesetzgebendes Organ (Legislative) ist der Obwaldner Kantonsrat. Er umfasst 55 Mitglieder, wobei jede Gemeinde mit mindestens vier Personen vertreten ist. Die Mitglieder des Kantonsrates werden vom Volk gemäss dem Proporzwahlverfahren fest auf vier Jahre gewählt. Nachfolgend die Sitzverteilung von 2018, 2022Schlussergebnis Kantonsratswahl 2022 (PDF), abgerufen am 14. März 2022 und 2026.