Carlos Castaneda (eigentlich oder Carlos Aranha Castañeda,Encyclopedia of Latino Popular Culture, Band 1, hrsg. von Cordelia Candelaria u. a., Greenwood Publishing, 2004, S. 115. * 25. Dezember 1925 in Cajamarca; † 27. April 1998 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Ethnologe und Schriftsteller peruanischer Abstammung. In den 1970er und 1980er Jahren erlangten seine Bücher internationale Popularität. Darin berichtet er, dass er im Rahmen seiner Feldforschung über die Ureinwohner Mexikos sowie deren Gebrauch von Heilkräutern und Heiligen Kakteen (Peyote) einen Yaqui-Indianer namens „Don Juan Matus“ kennengelernt und von ihm eine Sichtweise der Wirklichkeit () gelernt habe, die seinen bisherigen wissenschaftlichen und religiösen Welterklärungsmodellen widersprach. Hierbei maß der Autor den sog. bewusstseinserweiternden natürlichen Drogen zunächst eine hohe Bedeutung bei; jedoch distanzierte er sich in den jüngsten seiner Werke – erst Ende der 90er Jahre veröffentlicht – weitgehend von dieser Sicht. Seine Schriften wurden von der New-Age-Bewegung aufgegriffen und spielten zeitweise nicht nur in esoterischen Zusammenhängen eine wichtige Rolle.
mini|Unterschrift von Carlos Castaneda
Leben Castaneda, Sohn von César Arana Burungaray (1892–1970)Familiengeschichte von Carlos Cesar Salvador Arana Castañeda , einem Uhrmacher und Goldschmied, und Susana Castañeda Novoa († 1949), wuchs in Peru auf.Abbildung der Geburtsurkunde auf astro.com, abgerufen am 23. Dezember 2023. In den 1940er Jahren besuchte Castaneda die öffentliche Schule 91, wahrscheinlich handelte es sich um die „La Escuela Estatal Primaria de Menores N° 83004 Ex 91 Juan „Clemente Verjel““, die 1906 gegründet worden war, 2. August 2011, und die weiterführende Schule „San Ramón“ in seiner Heimatstadt Cajamarca, wahrscheinlich handelte es sich um das „Glorioso Colegio San Ramón“, 2. August 2011 für drei Jahre, machte dort aber keinen Abschluss.Per de Mille: The Don Juan Papers: Further Castaneda Controversies. Ausgabe 1990, S. 362.
Im Jahr 1948 zog die Familie Arana in die Hauptstadt Lima. Castaneda machte hier seinen Abschluss auf dem „Primer Colegio Nacional Benemérito de la República de Nuestra Señora de Guadalupe“, später besuchte er „Bellas Artes“, , die nationale Kunstakademie von Peru. Nach eigenen AngabenCarmina Fort 1996 schickte man ihn in ein Internat nach Buenos Aires und später in die Vereinigten Staaten.
1951 ging Castaneda in Callao an Bord eines kleinen Schiffes („S. S. Yavari“), das ihn mit 16 anderen peruanischen Staatsbürgern nach San Francisco (Kalifornien) bringen sollte. Im September 1951 erreichte Castaneda den Hafen von San Francisco unter dem Namen „César Aranha“ (laut seinem peruanischen Pass mit der Nummer 34477). Nach eigenen Angaben kam er 1951 mit 15 JahrenCastaneda behauptete, erst am 25. Dezember 1935 (also 10 Jahre später) und zwar in São Paulo geboren worden zu sein: nach San Francisco, wo er bei einer Adoptivfamilie lebte und 1955 an der „Hollywood High School“ einen Abschluss machte. Am 23. September 1951 stellte er den Antrag auf US-amerikanische StaatsbürgerschaftAbbildung der „Petition for Naturalization. Nr 199 531“ , seine Einbürgerung erfolgte am 21. Juni 1957.E. Breck Parkman: Tales of Power: Carlos Castaneda’s Links to the Palm Springs Desert Museum. California Desert Art, auf californiadesertart.com Carlos Castaneda: Godfather of the New Age Movement, 10. Juni 2018, auf tsemrinpoche.com
1955 nahm Castaneda an Kursen des Los Angeles City College (LACC) erstmals unter dem Namen Carlos Castaneda teil. Während der ersten zwei Jahre belegte er Kurse in Journalismus, Wissenschaft und Literatur und besuchte zwei Kurse für kreatives Schreiben bei Vernon King. Im Jahr 1957 wurde ihm auf Antrag („Petition for Naturalization No. 199531“) die amerikanische Staatsbürgerschaft zuerkannt.
1959 machte Castaneda seinen Abschluss („Associate of Arts degree“) am LACC in Psychologie. Im gleichen Jahr ging er an die UCLA. 1960 besuchte er dort unter anderem Vorlesungen bei McCusick und Clement Meighan („Methods in Field Archaeology“).
1973 promovierte er zum Dr. phil. Seine Dissertation veröffentlichte er später unter dem Titel Reise nach Ixtlan.
In einem Interview sagte Margaret Runyan Castaneda (1921–2011), dass sie von 1960 bis 1973 mit Carlos Castaneda verheiratet gewesen sei, obgleich Castaneda die Ehe verschwieg und in seiner Sterbeurkunde stand, dass er nie verheiratet gewesen sei.Elaine Woo: Margaret Runyan Castaneda dies at 90; ex-wife of mystic author. Los Angeles Times, 3. Januar 2012.Margaret Runyan Castaneda: A Magical Journey with Carlos Castañeda. Millenia Press, Victoria, B.C. 1997, ISBN 978-0-9696960-1-8. mini|Kopie der Sterbeurkunde von Carlos Castaneda, ausgestellt vom Los Angeles County, Department of Health Services, 1998, unterzeichnet von Angelica Duenas, MD Weitere Ehefrauen waren Florinda Donner-Grau, er heiratete sie am 27. September 1993 in Las Vegas (Marriage license No. C 472101) sowie am 29. September 1993 Carol Muni Tiggs Alexander ebenfalls in Las Vegas. In der Heiratsurkunde Nr. C 472425 ist Carol Tiggs als erste Ehe aufgeführt, ebenso wie in der Heiratsurkunde mit Donner-Grau.Florinda Donner-Grau Chronology Part VI (1993–1994), auf sustainedaction.org
Castaneda starb um 3 Uhr am Morgen des 27. April 1998. Sein Leichnam wurde noch am gleichen Tag durch das Spalding Mortuary in Culver City eingeäschert, die Überreste am 28. April in Mexiko bestattet.J. R. Moehringer: A Hushed Death for Mystic Author Carlos Castaneda. Los Angeles Times, 19. Juni 1998 In der Sterbeurkunde wird die unmittelbare Todesursache als metabolische Enzephalopathie (hepatische Enzephalopathie) für einen Zeitraum von zwei Tagen, ausgelöst durch Leberversagen für einen Zeitraum von zwei Wochen, aufgrund von Leberzellkrebs für einen Zeitraum von zehn Monaten – also seit Juli 1997 – aufgeführt. Castanedas Tod wurde erst am 19. Juni 1998 öffentlich bekannt gemacht.Corey Donovan: Carol Tiggs Chronology VI. January 23, 2015, auf sustainedaction.orgKnorr 2004, S. 246
Castanedas Werk Castaneda beschrieb in seinen Büchern (siehe Werke) in autobiografischem Erzählstil, wie er das Wissen erlangte, das ihm Don Juan vermittelte, und wie er im Laufe der Zeit seine eigene Stellung im Leben auf diesem „Pfad des Wissens“ erkannte.
Außerdem entwickelte er in Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau Florinda Donner-Grau (mit früherem Namen: Regine Margarita Thal) und Carol Tiggs ein System von Übungen zur Harmonisierung körperlicher Energien, die als „magische Bewegungen“ bezeichnet wurden und die er in einem weiteren Buch veröffentlichte. Seit 1993 werden hierzu kommerzielle Workshops (Tensegrity) angeboten. Der Name dieser Übungen wurde den Arbeiten von Richard Buckminster Fuller entlehnt. Sie bestehen aus gezielten Muskelanspannungen, kämpferischen Bewegungen und Atmungskoordination. Verschiedentlich wurden sie mit sogenannten harten Qi-Gong-Übungen verglichen, die man in den nordchinesischen, koreanischen und japanischen Kampfkünsten häufig findet. Da die Tensegrity-Übungen in den zehn vorhergehenden Publikationen von Castaneda nicht direkt erwähnt werden, sind sie innerhalb der Castaneda-Fangemeinde umstritten.
Darüber hinaus veröffentlichten Florinda Donner-Grau, Carol Tiggs und Taisha Abelar Erlebnisberichte, in denen sie ihre Lehrzeit bei einem gewissen Don Juan und seinen Gefährten darstellen sowie Begegnungen mit Castaneda schildern. Alle drei Frauen traten nach Castanedas Tod nicht mehr öffentlich in Erscheinung.
Die Lehren des Don Juan Matus 1968 erschien im kalifornischen Universitätsverlag University of California Press Castanedas Buch „Die Lehren des Don Juan“. Beworben mit der Aussage: „Es wurde angenommen, der Westen habe keinen Weg des spirituellen Wissens hervorgebracht, der mit dem großen System des Ostens vergleichbar wäre“, erreichte das Buch binnen drei Jahren eine Auflage von 300.000 Stück.
Eine Aussage, die hinter den „Lehren des Don Juan“ in Castanedas Werken steht, lautet: Der Mensch und die Welt, die ihn umgibt, sind ein unergründliches Geheimnis; nur wer den „Weg des Herzens“ geht, kann den „Weg des Kriegers“ beschreiten, sein Bewusstsein erweitern und seine Lebensenergie effektiver nutzen. Dies geschehe durch ihre gezielte Umverteilung des Sinnes, dass jene ihrer Anteile, die aus Gründen der Erziehung und sonstiger kulturellen Prägung dem Betrieb destruktiver Aktivitäten zu dienen begonnen hatten, daraus zunehmend wieder abgezogen würden. Dies setzte dann das energetische Potenzial frei, welches, in die konstruktive, lebensbejahende Grundhaltung des Kriegers investiert, sein Empfinden, Denken und seine Handlungen charakterisiert.
Die wichtigsten Ziele diesen Weges sind: „Das Bekämpfen des Gefühls der eigenen Wichtigkeit“,Die Kunst des Träumens, S. 48, „Don Juan glaubte nämlich, daß wir den größten Teil unserer Energie zur Aufrechterhaltung unserer eigenen Wichtigkeit verbrauchen […]“ „Den Eigendünkel ablegen“ und „Den Spiegel der Selbstbetrachtung zerbrechen“. Das Gefühl der eigenen Wichtigkeit, die Dünkel und Selbstbespiegelung sind nach Meinung der Zauberer dem heutigen Menschen aufgenötigte Eigenheiten, die seine Lebensenergie sinnlos binden, ihn daher schwächen. Da nach Don Juan das Wesen der Wirklichkeit aus frei fließender Energie besteht, scheint das Kriterium zur Beurteilung von Sinn und Unsinn ihr selbst immanent und ökonomischer Art zu sein. Unersetzlich und grundlegend ist auch das sog. Rekapitulieren, welches über Jahre hinweg zu praktizieren sei. Wesenhaft besteht es daraus, sämtliche Erfahrungen des bisherigen Lebens – insbesondere mit den Menschen, die man gekannt hat – wieder zu erinnern und während dessen zu verarbeiten. Hierbei würden nach und nach auch traumatische Erfahrungen wieder zugänglich, die bis dahin vergessen oder in den Bereich des Unbewussten verdrängt worden waren.
Laut Castaneda stamme dieser umfangreiche Komplex an im weitesten Sinne psychotherapeutischSamuel P. Widmer-Nicolet: Vom Weg mit Herz. Die Essenz aus der Lehre des Don Juan. Nachtschatten, Solothurn 2002, ISBN 978-3-907080-91-7, S. 35–36 zu nennenden Kenntnissen von den Schamanen/Zauberern des präkolumbischen Mexikos, dem Volk der Tolteken. Castaneda habe dieses Wissen von Don Juan. Durch diese Einsichten in die Eigenschaften des menschlichen Bewusstseins und der Bewusstheit alles Lebenden erfahre der Mensch von beidem: sowohl von seiner kläglichen aktuellen Verstrickung in vielerlei psychopathogene Tendenzen, als auch von der Möglichkeit, sich aus ihnen zu befreien. Dies ist der Weg des Herzens, der Weg des Kriegers. Oberflächlich betrachtet scheint diese Lebensweise Ähnliches anzustreben wie der Zen-Buddhismus, beispielsweise das Anhalten des Inneren Dialogs. Das Vermögen, in kritischen Situationen die Welt anzuhalten, um den Punkt zu realisieren, an dem sich effektiv eingreifen ließe (anstatt lediglich an Symptomen zu kurieren), sei eine der Meisterleistungen der modernen Zauberer.
Diese Art Kriegertum, der Weg des Daseinskampfes mit Herz, „hat nichts zu tun mit den Akten kollektiver Gewalt und der individuellen Dummheit“ (Anspielung auf die die jüngere Menschheitsgeschichte kennzeichnende Folge endloser Kriege wie auch Szenen einer Ehe). Er verkörpert eine Haltung, die identisch scheint mit dem Vermögen des urtümlichen Lebensphänomens, sich auf einem einst wüst und leer gewesenen Planeten behauptet zu haben, evolutionierend bis hin zum Menschen als bewusstseinsmäßig höchst stehende von allen Arten. Der Weg des Kriegers gründet in der persönlichen Auseinandersetzung mit der Unendlichkeit und der ihr gegenüber höchst befristeten eigenen Existenz. Die Sterblichkeit der Lebewesen mache ihr Dasein nicht etwa bedeutungslos, lediglich bewusst, dass es nur eine einzige Chance gibt, zu werden was man ist.