mini|François Rabelais (anonymes Porträt aus dem 17. Jahrhundert) rahmenlos|zentriert|klasse=skin-invert-image François Rabelais [] (* um 1494, vielleicht 1483 in La Devinière bei Chinon/Touraine; † 9. April 1553 in Paris) war ein französischer Schriftsteller der Renaissance, Humanist, römisch-katholischer Ordensbruder und Weltpriester, als Mediziner praktizierender Arzt sowie Dozent. Er gehört zu den bedeutendsten Prosaschriftstellern der französischen Literatur; von seinen Werken ist vor allem der Romanzyklus Gargantua und Pantagruel bekanntgeblieben.

Leben und Wirken mini|Musée Rabelais, Maison La Devinière Geboren wurde Rabelais vermutlich auf einem Landgut bei Chinon als jüngster von drei Söhnen des wohlhabenden Grundbesitzers und AdvokatenHorst Heintze: François Rabelais. Reclam, Leipzig 1974, S. 24. Antoine Rabelais, Seigneur de la Devinière († 1564), der nacheinander verschiedene Ämter in Chinon bekleidete. Seine Ehefrau war Marie Catherine geb. Dusouil.Anatole France: Rabelais. Calman-Lévy, Paris 1928Biographische Daten über François Rabelais auf geneanet.org Rabelais hatte eine Schwester namens Jeanne Françoise Rabelais.

Noviziat, Ordens- und Weltpriester sowie Studien Rabelais trat sein Noviziat zum Ordenspriester im franziskanischen Kloster La Baumette, Couvent des Cordeliers de la Baumette nahe Angers an. Um das Jahr 1511 empfing er seine Weihesakramente. Für 1520 ist er als Ordenspater im Couvent des Puy-Saint-Martin in Fontenay-le-Comte (Département Vendée) belegt.Encyclopaedia Britannica, online Hier kam er durch einen älteren Mitbruder in Berührung mit dem von Italien her ausstrahlenden Humanismus und begann Altgriechisch zu lernen.

Darüber hinaus knüpfte er Briefkontakte zu Gelehrten, wie ein auf 1521 datiertes, offenbar schon zweites Schreiben an den bekannten Humanisten Guillaume Budé, den Initiator des 1530 in Paris gegründeten Collège Royal, beweist. Im Rahmen seiner griechischen Studien verfasste Rabelais gegen 1522 eine nicht mehr erhaltene Übertragung des ersten Buches der Geschichte der Perserkriege von Herodot.

In den 1520er Jahren wurde auch er, wie viele humanistisch interessierte Zeitgenossen, von den Reformideen des Protestantismus erfasst. Als 1523 alle Griechischstudien von der reformfeindlichen Pariser theologischen Fakultät, der Sorbonne, als Vorstufe zur Ketzerei gebrandmarkt wurden, kam Rabelais wegen seiner Studien antiker und vor allem griechischer Texte in Konflikt mit seinen franziskanischen Ordensoberen.

Durch Vermittlung des Abtbischofs von Maillezais, Geoffroy d’Estissac, der zugleich Abt eines Benediktinerklosters war, erhielt er 1524 die päpstliche Erlaubnis zum Ordenswechsel und konnte damit die eher bildungsfeindlichen Franziskaner zugunsten der traditionell bildungsfreundlicheren Benediktiner verlassen. Offenbar lebte er aber meistens im Gefolge Estissacs in der Abtei Saint-Martin de Ligugé bei Poitiers, wobei dieser ihn als Sekretär und vielleicht auch als Hauslehrer für seinen Neffen beschäftigte. Als sein Begleiter auf Reisen durch das Bistum kam er in Kontakt mit Menschen verschiedener Art und Herkunft. Möglicherweise besuchte er in diesen Jahren auch juristische Vorlesungen an der Universität Poitiers.

Ab dem Jahr 1528 findet man ihn in Paris, vermutlich nach Zwischenstationen an den Universitäten Bordeaux, Toulouse und Orléans. Anscheinend hatte er den Status eines Diözesanpriesters angenommen, als der er freier war, seine Medizinstudien fortzusetzen und gelehrte Kontakte zu pflegen. Aus der Verbindung mit einer Witwe gingen zwei uneheliche Kinder hervor, François und Junine. Dies hielt ihn nicht in Paris, vielmehr schrieb er sich im September 1530 an der berühmten medizinischen Fakultät von Montpellier ein, wo Rabelais dann schon am 1. November einen akademischen Grad als Baccalaureus erwarb.

Die akademische Medizin war damals ein fast reines Buchstudium, das die Schriften von Hippokrates und Galen zur Grundlage nahm. Rabelais scheint sich denn auch vor allem philologisch mit der Medizin beschäftigt zu haben, denn in einer Vorlesung kommentierte er im Frühjahr und Sommer 1531 Texte der genannten Koryphäen, wobei er die griechischen Originale zugrunde legte. Als Baccalaureus kommentierte er die hippokratischen Aphorismen und die Ars parca Galens (als Magister 1537 auch das Prognostikon des Hippokrates).Gerhard Baader: Die Antikerezeption in der Entwicklung der medizinischen Wissenschaft während der Renaissance. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil (Hrsg.): Humanismus und Medizin. Acta humaniora, Weinheim 1984 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission für Humanismusforschung. Band 11), ISBN 3-527-17011-1, S. 51–66, hier: S. 64. Rabelais war stark von den Texten des Johannes Manardus beeinflusst.

Arzt in Lyon und gelehrter Literat (Ersterscheinung Pantagruel 1532) Im Sommer 1532 lebte Rabelais in der kosmopolitischen Stadt Lyon, wo er als Arzt praktizierte. Dort entdeckt er ein beliebtes Werk "Les grandes et inestimables chroniques du grand et énorme géant Gargantua" ("Die großen und unschätzbaren Chroniken des großen und riesigen Riesen Gargantua"), das seine Kranken zum Lachen brachte. Unter dem Anagramm Alcofridas Nasier bemühte er sich auch, innerhalb weniger Monate eine Romanfolge zu schreiben, die in Lyon ebenfalls Ende 1532 erschien: Les horribles et épouvantables faits et prouesses du très renommé Pantagruel, Roi des Dipsodes, fils du grand Gargantua. Composés nouvellement par maître Alcofrybas NasierSeinen Bauch füllen und die Verdauung oder den Verderb der Stoffe verfolgen, ist eine ständige Sorge des Arztes oder humorvollen Schriftstellers, so dass Gargantua und Pantagruel jeweils das "Gefräßige" (le Vorace) und das "Alles-Veränderte" (le tout-altéré) bedeuten. Das aus dem Griechischen stammende Wort "Dipsodes" bedeutet auch die Veränderten (les altérés).. Schon am Titel war das Werk als Parodie, vor allem der Gattung Ritterroman, erkennbar.

Außerdem war der Arzt Rabelais bereits ein gelehrter Helenist, ein Schüler von Guillaume Budé, ein Humanist, der mit Erasmus korrespondierte und zugleich verschiedene wissenschaftliche Werke beim Drucker und Verleger Sebastian Gryphius veröffentlichte. Ende des Jahres 1532 erhielt Rabelais eine Anstellung an einem Lyoner Hospital, dem Hôtel-Dieu de Notre-Dame de la Pitié. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit frequentierte er die intellektuellen Zirkel der Stadt, die zu dieser Zeit mit Paris durchaus ebenbürtig waren.

Wohl Anfang 1534 lernte er den hochgebildeten Bischof von Paris und Mitglied des Kronrates Jean du Bellay kennen, der auf einer diplomatischen Reise nach Rom in Lyon Station machte und ihn, den wenig Älteren, als seinen Leibarzt und Gesellschafter-Sekretär engagierte.

Bei seinem Aufenthalt in Rom vom Februar bis April 1534 erhielt Rabelais Einblicke in die Verhältnisse am Heiligen Stuhl, wo Papst Clemens VII. zwischen den Interessen Frankreichs und Kaiser Karl V. lavierte, mit dem er seit der Eroberung und Plünderung Roms durch kaiserliche spanische Truppen 1530 unfreiwillig verbündet war. Rabelais interessierte sich vor allem für die zahlreichen Spuren der Antike in der Stadt und ihrer Umgebung. Zurück in Lyon edierte er ein gelehrtes lateinisches Werk eines Italieners über die Topographie des antiken Roms.

Kardinalsekretär in Rom und Stiftsherr bei Paris Anfang des Jahres 1535 – soeben hatte Rabelais wieder einen Almanach drucken lassen – verließ er Lyon. Denn König Franz I. hatte sich Ende Oktober 1534 entschlossen, verstärkt gegen die Reformatoren vorzugehen, und ermöglichte eine schärfere Fahndung. Rabelais konnte in diesen unsicheren Zeiten wieder in den Dienst von Jean du Bellays treten und ihn, der im Mai zum Kardinal erhoben worden war, erneut nach Rom begleiten. Bei einem Aufenthalt in Ferrara traf er auf Clément Marot und andere dorthin geflüchtete Sympathisanten der Reformation, die Asyl bei der Herzogin, einer Tochter Königs Ludwig XII., gefunden hatten.

Anschließend verbrachte Rabelais von 1535 bis 1536 insgesamt sieben Monate mit Jean du Bellay in Rom. Zweifellos über ihn erhielt er 1536 die Zustimmung von Papst Paul III., in den Benediktinerorden zurückzukehren, und zwar als Mönch in der Abtei Saint-Maur nahe Paris, deren Prior Jean du Bellay war. Dort sollte er nach der beabsichtigten Umwandlung der Abtei in ein Stift eine Pfründe als Stiftsherr mit regelmäßigen Einkünften bekommen, was noch 1536 geschah, aber auf den Widerspruch durch den vorherigen Nutznießer traf. Rabelais musste eine Eingabe an den Papst richten. Der Ausgang der Angelegenheit ist nicht bekannt.

Arzt in Lyon und Universitätsdozent in Montpellier Anfang 1537 erwarb er, da ihm der Papst zugleich gestattet hatte, als Arzt ohne chirurgische Eingriffe tätig zu bleiben, in Montpellier den Doktortitel und hielt anschließend Vorlesungen über die Schriften des Hippokrates. Erneut legte er hierbei das griechische Original zugrunde und kritisierte die gängige lateinische Version als fehlerhaft. Im Sommer erregte er Aufsehen in Lyon, als er im Rahmen eines Besuchs die Leiche eines Gehenkten öffentlich sezierte, was auch Eingang in ein Gedicht des mit Rabelais befreundeten Étienne Dolet fand.August Buck: Die Medizin im Verständnis des Renaissancehumanismus. In: Deutsche Forschungsgemeinschaft: Humanismus und Medizin. Hrsg. von Rudolf Schmitz und Gundolf Keil, Acta humaniora der Verlag Chemie GmbH, Weinheim 1984 (= Mitteilungen der Kommission für Humanismusforschung. Band 11), ISBN 3-527-17011-1, S. 181–198, hier: S. 191. Im Wintersemester von 1537/38 hielt er wieder Kurse in Montpellier.

1538 finden wir ihn in Aigues-Mortes mit Jean du Bellay, der hier an einem Treffen zwischen König Franz I. und Kaiser Karl V. teilnahm, die in ihrem seit Jahren andauernden Ringen um die Vorherrschaft in Italien soeben einen Waffenstillstand ausgehandelt hatten. Anschließend folgte Rabelais seinem Förderer nach Lyon.

Vermutlich 1539 (oder schon 1536?) wurde ihm ein Sohn namens Théodule geboren, der jedoch zweijährig starb.

In Turin und in der Reichsstadt Metz mini|Das Wohnhaus von François Rabelais in Metz Ende des Jahres 1539 empfahl Jean du Bellay Rabelais seinem kränkelnden älteren Bruder Guillaume du Bellay, Seigneur de Langey (1491–1543), einem hohen Militär, der zum Gouverneur im norditalienischen Herzogtum Piemont ernannt worden war, das französische Truppen besetzt hielten. Von ihm wurde er nach Turin, die piemontesische Hauptstadt, mitgenommen, wo er unter dem Titel Stratagemata eine lateinische Geschichte seiner Feldzüge verfasste, die aber verloren ist. Die nächsten drei Jahre bis zum Tod Langeys Anfang 1543 pendelte Rabelais mit ihm zwischen Norditalien und Frankreich. Das Werk bereitet Rabelais erneut Schwierigkeiten. Er verließ deshalb für eine Weile Frankreich und tauchte in die damaligen Freien Reichsstadt Metz bei einem Bekannten von Jean du Bellays unter. Dort wirkte er als städtischer Arzt und begann zugleich einen weiteren Fortsetzungsband.

Er parodierte die neue Modegattung der Berichte von Entdeckungsreisen und schildert eine fiktive Seefahrt, die „Pantagruel“ und „Panurge“ zu dem Orakel der „göttlichen [Wein-]Flasche“, dive bouteille unternehmen, das die Frage Heirat oder nicht beantworten soll. Das am Ende der unternommenen Reise bekannte Orakel der "Dive Bouteille" (göttliche Flasche) lautet: "Seien Sie selbst Interpret Ihres Unternehmens." Was kommentiert die Prinzessin von Bacbuc (anderer Name für die Flasche) mit einer lakonischen Anweisung "Trinch" oder "trink(en)".

Diplomatische Mission in Rom, Papstsatire