mini|hochkant|Margaret Atwood (2022) Margaret Eleanor Atwood CH CC OOnt FRSC FRSL (* 18. November 1939 in Ottawa) ist eine kanadische Schriftstellerin und Dichterin. Sie schreibt Romane, Essays, Kurzgeschichten und Lyrik. Zu ihren bekanntesten Werken gehören Der Report der Magd (verfilmt als Die Geschichte der Dienerin) und Der blinde Mörder sowie Geschichten aus dem Bereich der Science-Fiction. Sie wurde unter anderem mit dem Booker Prize und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
Leben und Werk Margaret Atwood verbrachte ihre frühe Kindheit in Ottawa, Québec und Ontario. 1946 nahm ihr Vater, ein Entomologe, eine Stelle an der University of Toronto an, wo sie bis zu ihrem Collegeabschluss am Victoria College lebte. Nach einem Studium der englischen Sprache und Literatur an der University of Toronto und dem Radcliffe College der Harvard University, das sie 1962 mit dem Master abschloss, lehrte sie ab 1964 als Literaturwissenschaftlerin an verschiedenen Universitäten. Sie lebte in den USA, im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Italien und Deutschland (1984 in West-Berlin, nach eigenen Angaben). 1984 war sie als Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin. Heute lebt sie in Toronto. Nach der Scheidung von ihrem ersten Ehemann Jim Polk im Jahr 1973 lebte sie mit dem Ornithologen und Schriftsteller Graeme Gibson (1934–2019) zusammen und bekam mit ihm eine Tochter (* 1976).
Parallel zu ihrer Lehrtätigkeit veröffentlichte sie eigene literarische Arbeiten; zunächst wurde sie vor allem als Lyrikerin, später auch als Literaturkritikerin wahrgenommen. 1969 erschien ihr erster Roman Die eßbare Frau (The Edible Woman). Bekannt geworden ist sie vor allem durch den Roman Der Report der Magd (The Handmaid’s Tale), der 1985 mit dem Governor General’s Award for Fiction ausgezeichnet wurde und 1990 von Volker Schlöndorff als Die Geschichte der Dienerin verfilmt wurde; 2017 erlangte der Stoff durch die US-Serie The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd neuerlich einen Bekanntheitsschub. Auch zahlreiche Kurzgeschichten trugen zu Atwoods Bekanntwerden bei. Sie interessiert sich für kanadische Geschichte und Literatur. 1981 erhielt sie den kanadischen Molson Prize. 1988 wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 2010 wurde sie als Fellow in die Royal Society of Literature und 2015 als auswärtiges Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen. Ihre Arbeiten wurden in mehr als dreißig Sprachen, darunter Persisch, Japanisch und Türkisch, übersetzt.
mini|hochkant|Margaret Atwood (2006)
Atwood thematisiert häufig in ihren Romanen, oft auch in Form von Science-Fiction-Geschichten, die Stellung der Frau in der Gesellschaft, setzt sich aber auch mit anderen aktuellen gesellschaftlichen Problemen sowie Umweltfragen auseinander. Unter anderem setzt sie sich öffentlich für Maßnahmen gegen die globale Erwärmung ein.Margaret Atwood: We Must Tackle Climate Change Together. In: The Huffington Post, 11. Dezember 2013, abgerufen am 13. April 2014.Robert McCrum: Margaret Atwood interview: ‘Go three days without water and you don't have any human rights. Why? Because you're dead’. In: The Guardian, 28. November 2010, abgerufen am 13. April 2014. Sie vertritt dabei die Auffassung, dass Begriffe wie „globale Erwärmung“ und „Klimawandel“ den Sachverhalt verharmlosen würden, und verwendet stattdessen den Begriff Klimakrise.
Atwood ordnet ihre Werke in das Genre der „Speculative Fiction“ ein.Robert Potts: Light in the wilderness. In: The Guardian vom 26. April 2003. Dazu sagte sie: „Für mich gehört das Label Science Fiction zu Büchern über Dinge, die wir noch nicht tun können, wie etwa Reisen durch Wurmlöcher zu anderen Universen, während Speculative Fiction Werke bezeichnet, die sich mit Mitteln auseinandersetzen, die wir bereits anwenden, wie etwa den genetischen Fingerabdruck und Kreditkarten, und die auf dem Planeten Erde handeln.“ Allerdings würden die Begriffe häufig nicht trennscharf unterschieden und phantastische Literatur gebe allgemein die Möglichkeit, Themen auf eine Art zu erforschen, die in realistischer Literatur nicht möglich sei.„For me, the science fiction label belongs on books with things in them that we can't yet do, such as going through a wormhole in space to another universe; and speculative fiction means a work that employs the means already to hand, such as DNA identification and credit cards, and that takes place on Planet Earth.“ Zitiert nach: Margaret Atwood: „Aliens have taken the place of angels“. Margaret Atwood on why we need science fiction. In: The Guardian vom 17. Juni 2005.
Für ihren Roman Der blinde Mörder (The Blind Assassin) erhielt Atwood im Jahr 2000 den Booker Prize und 2001Jahr der Preisverleihung; die IACW/NA verzeichnet nur das Jahr der Buchveröffentlichung den Hammett Prize des North American Branch of the International Association of Crime Writers (IACW/NA). 2008 wurde sie in Spanien für ihr Lebenswerk mit dem Prinz-von-Asturien-Preis geehrt. Für ihr Gesamtwerk wurde sie 2009 mit dem Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund ausgezeichnet.
Atwood gehörte zu den 560 Autorinnen und Autoren, die im Dezember 2013 eine Erklärung veröffentlichten, in der Selbstbestimmung über persönliche Daten gefordert wurde. Hintergrund war die NSA-Affäre.Marcel Rosenbach, Holger Stark: Der NSA-Komplex. Edward Snowden und der Weg in die totale Überwachung. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2014, ISBN 978-3-421-04658-1, S. 289.
2015 übergab Margaret Atwood das bisher unveröffentlichte Manuskript Scribbler Moon dem Projekt Future Library der schottischen Künstlerin Katie Paterson. Sie ist die erste Autorin, von der in diesem Rahmen Texte unveröffentlicht bis zum Jahr 2114 in der Deichmanske bibliotek in Oslo verwahrt werden sollen. Jedes Jahr sollen weitere Texte von unterschiedlichen Autoren dazukommen, die dann alle gemeinsam nach Ablauf der Wartefrist veröffentlicht werden.
Im Jahr 2016 erhielt Atwood einen National Book Critics Circle Award für ihr Lebenswerk. Am 13. Juni 2017 wurde ihr vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.Margaret Atwood erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, buchmarkt.de, 13. Juni 2017, abgerufen am 13. Juni 2017. Die Auszeichnungsurkunde wurde ihr am 15. Oktober 2017 in der Frankfurter Paulskirche durch Heinrich Riethmüller überreicht;„Geschichten in der Welt“ – Margaret Atwoods Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises 2017. Auf der Website zum Friedenspreis des dt. Buchhandels, abgerufen am 16. Oktober 2017. die Laudatio hielt Eva Menasse.„Die Präzision der Messerwerferin“ – Laudatio von Eva Menasse. Auf der Website zum Friedenspreis des dt. Buchhandels, abgerufen am 16. Oktober 2017. Am 17. Oktober 2017 wurde Atwood mit dem Franz-Kafka-Literaturpreis ausgezeichnet. Die Zeuginnen, Atwoods 15 Jahre nach der Handlung von Der Report der Magd ansetzende Fortsetzung, gewann 2019 gemeinsam mit Bernardine Evaristos Roman Girl, Woman, Other den Booker Prize. Auch stellte sie mit ihrer insgesamt sechsten Shortlist-Nominierung für den britischen Literaturpreis den Rekord von Iris Murdoch ein.
Atwood war von Mai 1981 bis Mai 1982 Präsidentin der Writers’ Union of Canada, von 1984 bis 1986 Präsidentin des kanadischen P.E.N.-Zentrums (englischsprachige Sektion) und ist derzeit eine der Vizepräsidenten des PEN International. Sie ist Ehrenpräsidentin der Rare Bird Society innerhalb von BirdLife International.
Auszeichnungen 1966: Governor General’s Award, für The Circle Game 1981: Companion of the Order of Canada 1981: Guggenheim Fellowship 1985: Governor General’s Award, für The Handmaid’s Tale 1986: Los Angeles Times Fiction Award 1987: American Humanist Association Humanist of the Year 1987: Arthur C. Clarke Award, für The Handmaid’s Tale in der Kategorie „Science Fiction Novel“ 1988: Foreign Honorary Member der American Academy of Arts and Sciences 1989: Canadian Booksellers Association Author of the Year 1989: Outstanding Canadian Award – Armenian Community Centre of Toronto 1991: Trillium Book Award 1993: Trillium Book Award 1994: Chevalier des Ordre des Arts et des Lettres 1999: Helmerich Award des Tulsa Library Trust 1995: Trillium Book Award 2000: Booker Prize 2007: Kenyon Review Award for Literary Achievement 2008: Prinzessin-von-Asturien-Preis 2010: Nelly Sachs Preis 2010: Dan-David-Preis 2010: Fellow der Royal Society of Literature 2012: Queen Elizabeth II Diamond Jubilee Medal 2012: Los Angeles Times Book Prize Innovator’s Award 2013: Goodreads Choice Award, für MaddAddam in der Kategorie „Science Fiction“ 2015: Goldmedaille der Royal Canadian Geographical Society 2016: The Kitschies, für The Heart Goes Last in der Kategorie „Red Tentacle (Best Novel)“ 2016: Goldener Kranz der Abende der Poesie in Struga 2017: Franz-Kafka-Preis 2017: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2017: Aufnahme in die Science Fiction Hall of Fame 2017: Aurora Award, für Angel Catbird, Volume One in der Kategorie „Graphic Novel – English“ 2019: Lorne Pierce Medal für Literatur der Royal Society of Canada 2019: Order of the Companions of Honour 2019: Booker Prize (neben Bernardine Evaristo) 2019: Goodreads Choice Awards, für The Testaments in der Kategorie „Fiction“ 2020: Kurd-Laßwitz-Preis, für Die Zeuginnen 2020: Richard C. Holbrooke Distinguished Achievement Award, für ihr Lebenswerk 2020: British Academy President’s Medal 2021: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 2022: Hitchens Prize 2024: Hans-Christian-Andersen-Literaturpreis 2025: Eleanor Roosevelt Lifetime Achievement Award
Bibliografie Serien und Zyklen The Handmaid’s Tale 1 The Handmaid’s Tale (1985) Deutsch: Der Report der Magd. Übersetzt von Helga Pfetsch. Claassen, 1987, ISBN 3-546-41084-X. 2 The Testaments (2019) Deutsch: Die Zeuginnen. Übersetzt von Monika Baark. Berlin, 2019, ISBN 978-3-8270-1404-7.
MaddAddam 1 Oryx and Crake (2003) Deutsch: Oryx und Crake. Übersetzt von Barbara Lüdemann. Berlin, 2003, ISBN 3-8270-0014-9. 2 The Year of the Flood (2009) Deutsch: Das Jahr der Flut. Übersetzt von Monika Baark (als Monika Schmalz). Berlin-Verlag #884, 2009, ISBN 978-3-8270-0884-8. 3 MaddAddam (2013) Deutsch: Die Geschichte von Zeb. Übersetzt von Monika Baark (als Monika Schmalz). Berlin-Verlag #1172, 2014, ISBN 978-3-8270-1172-5. MaddAddam Trilogy (2014)
Romane The Edible Woman (1969) Deutsch: Die eßbare Frau. Übersetzt von Werner Waldhoff. Claassen, 1985, ISBN 3-546-41087-4DAISY-Hörbuch ist angelegt. Surfacing (1972) Deutsch: Der lange Traum. Übersetzt von Reinhild Böhnke. Claassen, Düsseldorf 1979, ISBN 3-546-41101-3. Auch als: Strömung. Mit einer Nachbemerkung von Gabriele Bock. Übersetzt von Reinhild Böhnke. Reclams Universal-Bibliothek #788, Leipzig 1979, Lady Oracle (1976) Deutsch: Lady Orakel. Übersetzt von Werner Waldhoff. Claassen, Düsseldorf 1984, ISBN 3-546-41103-X Bodily Harm (1981) Deutsch: Verletzungen. Übersetzt von Werner Waldhoff. Claassen, Düsseldorf 1982, ISBN 3-546-41104-8. Life Before Man (1979) Deutsch: Die Unmöglichkeit der Nähe. Übersetzt von Werner Waldhoff. Claassen, Düsseldorf 1980, ISBN 3-546-41102-1. Cat’s Eye (1988) Deutsch: Katzenauge. Übersetzt von Charlotte Franke. S. Fischer, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-10-001104-X. The Robber Bride (1993) Deutsch: Die Räuberbraut. Übersetzt von Brigitte Walitzek. S. Fischer, 1994, ISBN 3-10-001108-2. Alias Grace (1996) Deutsch: Alias Grace. Übersetzt von Brigitte Walitzek. Berlin-Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-8270-0012-2. The Blind Assassin (2000) Deutsch: Der blinde Mörder. Übersetzt von Brigitte Walitzek. Berlin, 2000, ISBN 3-8270-0013-0. The Penelopiad (2005) Deutsch: Die Penelopiade. Übersetzt von Malte Friedrich. Berlin, 2005, ISBN 3-8270-0449-7.