Der Sternmull oder Sternnasenmaulwurf (Condylura cristata) ist eine Säugetierart aus der Familie der Maulwürfe (Talpidae). Er lebt im östlichen Nordamerika, sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Labrador in Kanada südwärts bis nach Georgia in den USA. Die bevorzugten Lebensräume bestehen aus Wäldern, feuchten Wiesen und sumpfigen Gebieten sowie Uferbereichen verschiedenster Gewässer. Die Tiere kommen vom Meeresspiegelniveau bis in mittlere Berglagen vor.

Äußerlich ähnelt der Sternmull anderen Maulwürfen. Er ist mit seinem walzenförmigen Körper, dem kurzen Hals und den breiten, nach außen gedrehten und grabschaufelartigen Vorderfüßen an eine grabende Lebensweise angepasst. Der Schwanz ist aber länger als bei vielen anderen grabenden Maulwürfen. Von allen anderen Mitgliedern der Familie unterscheidet sich der Sternmull durch 22 fingerförmige Hautanhänge auf der Nase. Hierbei handelt es sich um ein hochsensibles Tastwerkzeug, das das Eimersche Organ trägt.

Die Tiere leben sowohl unterirdisch als auch teilweise im Wasser. Sie graben teils komplexe Gänge im Untergrund, deren Eingänge meist unter Wasser liegen. Einzelne mit Pflanzenmaterial ausgestattete Nestkammern befinden sich oberhalb der Wasserlinie. Angezeigt werden die Tunnel durch Maulwurfshügel. Außerdem ist der Sternmull ein guter Schwimmer und bewegt sich paddelnd mit den Vorderfüßen fort. Die Aktivitätszeit verteilt sich zyklisch über den Tag. Möglicherweise sind die Tiere sozialer als andere Maulwürfe. Die Hauptnahrung besteht aus Würmern und Insekten, die überwiegend im Wasser gefangen werden. Die empfindlichen fingerförmigen Hautanhänge an der Nase unterstützen die Beutesuche und ermöglichen ein effektives und schnelles Aufspüren. Die dabei ermittelten Reaktions- und Handlungszeiten gehören zu den schnellsten unter den Säugetieren. Des Weiteren vermag der Sternmull unter Wasser Geruchsstoffe aufzunehmen. Die Fortpflanzung erfolgt monogam und in der Regel im Frühjahr. Der Wurf bestehend aus bis zu sieben Jungen wird rund einen Monat aufgezogen.

Die westliche Welt erfuhr erstmals Mitte des 18. Jahrhunderts vom Sternmull, kurz darauf im Jahr 1758 erfolgte die wissenschaftliche Benennung. Anfangs den Rotzahnspitzmäusen zugerechnet, erhielt der Sternmull im Jahr 1811 seine eigene Gattung unter der Bezeichnung Condylura. Es werden häufig zwei Unterarten unterschieden, deren tatsächlicher Bestand aber nicht eindeutig ist. Fossil traten Vorfahren des heutigen Sternmulls erstmals im beginnenden Oberen Miozän auf. Die bisher insgesamt eher spärlichen Funde verteilen sich sowohl auf Nordamerika als auch auf Eurasien. Während die eigentliche Herkunft der Gattung Condylura bisher unbekannt ist, stammen die pleistozänen Fossilien allesamt aus dem Bereich des gegenwärtigen Verbreitungsgebietes. Der heutige Bestand wird als nicht gefährdet eingestuft.

Merkmale Habitus

Der Sternmull ist ein kleiner Vertreter der Maulwürfe. Die Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 9,6 bis 12,8 cm. Der Schwanz ist länger als der zahlreicher anderer Maulwürfe und wird 6,5 bis 8,4 cm lang, was in etwa einem Drittel der Gesamtlänge eines Individuums entspricht. Das Gewicht variiert zwischen 27 und 52 g. Männliche und weibliche Exemplare unterscheiden sich in diesen Maßen nicht, so dass kein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus besteht. Allerdings sind Tiere im nördlichen Teil des Verbreitungsgebietes durchschnittlich größer als solche im südlichen. Im äußeren Erscheinungsbild stimmt der Sternmull mit den Angehörigen der Neuweltmaulwürfe und anderer grabender Maulwürfe überein. Er zeigt dadurch Anpassungen an eine unterirdische Lebensweise. Der Rumpf ist walzenförmig, der zugespitzte Kopf sitzt auf einem kurzen, kaum sichtbaren Hals. Die Vordergliedmaßen sind zu Grabwerkzeugen umgebildet. Die mit der Handfläche nach außen gedrehten Hände wirken schaufelförmig und enden in fünf Strahlen, die kräftige Krallen tragen. Diese sind aber nicht so robust wie bei anderen grabenden Maulwürfen. Die schlankeren und weniger spezialisierten Hinterbeine besitzen ebenfalls fünf Zehen. Die Länge des Hinterfußes beträgt 2,6 bis 3,0 cm. Das Fell ist dicht, aber rauer als das vieler anderer Maulwurfsarten. Es hat meist eine schwarzbraune oder schwarze Färbung ohne auffallenden metallischen Glanz. Der Rücken ist dunkler als die Unterseite. Der im Querschnitt runde Schwanz weist eine eingezogene Basis auf, verdickt sich etwas und nimmt zur Spitze hin dann kontinuierlich wieder an Dicke ab. Bedeckt wird er von Schuppenringen. Im Winter kann der Schwanz auf das drei- bis vierfache seiner normalen Breite anschwellen und fungiert dann als Fettspeicher. Das auffallendste Kennzeichen des Sternmulls findet sich an der Nase. Beide Nasenlöcher werden von jeweils elf fingerförmigen Hautanhängen umringt, rund 5 % aller untersuchten Individuen haben mehr als 22 dieser Tentakel. Der Kopf ist wie bei den übrigen Maulwürfen langgestreckt, die Augen bleiben entsprechend zu anderen Maulwürfen mit einem Durchmesser von 0,9 mm sehr klein. Äußere Ohrmuscheln sind nicht erkennbar, jedoch sind die äußeren Gehörgänge vergleichsweise groß. Weibchen besitzen vier Paaren an Zitzen.

Schädel- und Gebissmerkmale Der Schädel wird 32,1 bis 35,2 mm lang und an den Warzenfortsätzen 12,7 bis 13,8 mm breit. Im Bereich der Orbita verengt er sich auf 6,6 bis 7,3 mm. Wie bei den meisten Maulwürfen ist er langgestreckt, allerdings am Hirnschädel deutlich höher und gewölbter sowie am Rostrum enger. Allgemein sind die Schädelknochen grazil gebaut. Die Mittelkieferknochen zieht markant hinter das vordere Ende des Nasenbeins. Die Kontaktstelle beider Nasenbeine weist am hinteren Ende eine deutliche Leiste auf. Der Jochbogen ist kurz und dünn mit einem geraden Verlauf. Nach hinten steigt er steiler an als bei den meisten anderen Maulwürfen. Die Warzenbeine sind schwach ausgeprägt, die Paukenblasen nur unvollständig entwickelt. Am Mittelohr weisen die Gehörknöchelchen keine Vergrößerungen auf, was insbesondere den Hammer betrifft. Häufig wird dies mit dem Hören im höherfrequenten Bereich verbunden. Ebenso wirkt der Unterkiefer leicht gebaut. Der horizontale Knochenkörper ist niedrig, der aufsteigende Ast grazil und der Winkelfortsatz fein ausgezogen. Die gesamte Schädelstruktur reflektiert eine nur schwach entwickelte Kaumuskulatur.

Das Gebiss besteht aus 44 Zähnen, wodurch die ursprüngliche Zahnzahl der Höheren Säugetiere bewahrt blieb. Die Zahnformel lautet dementsprechend: . Die Bezahnung zeigt sich insgesamt schwach ausgebildet. Der obere vordere Schneidezahn ist groß, gebogen und nach vorn gerichtet. Der zweite wiederum wird deutlich kleiner, während der dritte einem großen Eckzahn gleicht (caniniform). Der eigentliche obere Eckzahn folgt nach einem Diastema und ist schlank gebaut sowie niedrig. Im Unterkiefer weisen die Schneidezähne nach vorn, der erste überragt die beiden nachfolgenden deutlich. Sowohl die oberen als auch die unteren Prämolaren stehen nicht in einer geschlossenen Reihe, sondern werden durch kleine Lücken voneinander getrennt. Die unteren Prämolaren sind klein und seitlich verschmälert. Die Molaren werden durch mehrere große Haupthöcker auf den Kauflächen charakterisiert. Alle hinteren Zähen weisen niedrige (brachyodonte) Zahnkronen auf. Die obere Zahnreihe misst 10,0 bis 11,8 mm in der Länge. Ein Wechsel zwischen dem Milch- und Dauergebiss findet nicht statt.

Skelettmerkmale Die Wirbelsäule besteht aus 7 Hals-, 13 Brust-, 6 Lenden-, 5 Kreuzbein- und 19 bis 20 Schwanzwirbel. Die Halswirbel sind in ihrer Höhe stark gestaucht, was den kurzen Hals bewirkt. Das Schlüsselbein ist ebenfalls kurz, mit einer doppelten Länge gegenüber der Breite, aber nicht so extrem würfelartig wie bei den Eigentlichen Maulwürfen (Talpini) oder den Neuweltmaulwürfen (Scalopini). Ebenso ist das Schulterblatt sehr schmal und es tritt, abweichend von den meisten anderen grabenden Maulwürfen noch ein Metacromion auf, ein Fortsatz am Acromion. Entsprechend den grabenden Maulwürfen stellt der Oberarmknochen ein massives Element dar. Seine Länge übertrifft die Breite nur um das Anderthalbfache. Er besitzt eine kräftige Pectoralleiste als Muskelansatzstelle. Am unteren Ende ist die Leiste der Trochlea, eine Gelenkrolle, etwa mittig gelegen, bei anderen grabenden Maulwürfen verschiebt sie sich mehr zur Innenseite. An der Hand verbreitert ein zusätzliches Sesambein die Handfläche und wird als Präpollex („Vordaumen“) oder Os falciforme bezeichnet. Er fällt aber nicht so robust aus wie bei vielen anderen grabenden Maulwürfen.

Eimersches Organ mini|Detailansicht der Tastorgane Um die beiden Nasenlöcher an der Spitze der Schnauze besitzt der Sternmull jeweils elf kreisförmig angeordnete, fingerartige Hautanhänge. Sie werden nummeriert in der Regel beginnend mit dem ersten oben in der Mitte und dann fortlaufend für jedes Nasenloch im oder entgegen dem Uhrzeiger endend mit dem elften unten in der Mitte. Tentakel 1 sowie Tentakel 10 und 11 sind mit 1,3 bis 1,5 mm beziehungsweise 2,0 bis 2,5 mm Länge am kürzesten. Sie haben außerdem eine sehr breite Basis, so dass sie insgesamt konisch wirken. Die weiter seitlich fächernden Tentakel 2 bis 9 sind deutlich länger und erreichen mit Tentakel 8 und 9 Längen von 3,2 bis 4 mm. Jeder Tentakel besteht aus einem zentralen Nervenstrang, der von einer sehr dünnen Schicht an Bindegewebe umgeben ist, das oberflächig wiederum von Blutgefäßen durchzogen ist. Umhüllt wird dies von einer dickeren Hautschicht. Im Gegensatz zu den kurzen oberen und unteren mittig gelegenen Fortsätzen sind die seitlichen Tentakel freier beweglich. Jeder einzelne Tentakel kann unabhängig gesteuert werden. Gewährleistet wird dies durch ein komplexes Muskelsystem, etwa der Musculus zygomaticus major sowie minor und der Muskulus levator alae nasi superioris (alternativ auch Musculus nasolabialis und Muskulus dilatator nasi genannt), die die Struktur mit dem Kopf verbinden und durch ihre Streckung auch den rüsselartigen Charakter der Nase hervorrufen. Die Oberfläche jedes Tentakels ist mit tausenden buckelartigen Aufwölbungen überzogen, deren Durchmesser 40 bis 50 μm beträgt. Es handelt sich hierbei um Rezeptoren, die als Eimersches Organ bezeichnet werden und aus ausgestülpter Haut mit jeweils freien Nervenenden bestehen. Die gesamte Oberfläche der sternenartigen Struktur umfasst schätzungsweise 26.000 Rezeptoren. Dadurch entsteht ein hochsensibles Tastorgan, das umso effektiver ist, da durch die Form der Struktur selbst die berührungsempfindliche Oberfläche stark vergrößert ist. Die Fläche der Struktur wird mit 0,9 cm² angegeben, was in etwa neunmal soviel ist wie bei anderen Maulwürfen ohne diese Bildung.

Genetische Merkmale Der diploide Chromosomensatz lautet 2n = 34. Die fundamentale Nummer, also die Anzahl der Arme der Autosomen, beträgt 64. Der Sternmull entspricht damit weitgehend den anderen nordamerikanischen Maulwürfen mit Ausnahme des Amerikanischen Spitzmulls (Neurotrichus gibbsii). Die Gestalt des X- und Y-Chromosoms sind nicht bekannt.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Sternmulls Der Sternmull ist im östlichen Nordamerika beheimatet. Sein Verbreitungsgebiet bedeckt einen größeren Bereich des östlichen Kanadas und der USA. Im kanadischen Teil erstreckt es sich von Manitoba über Labrador bis nach Nova Scotia, womit die Art weiter nördlich vorkommt als alle anderen nordamerikanischen Maulwürfe. Die Nordgrenze wird ungefähr am 55. nördlichen Breitengrad erreicht. In den USA ist der Sternmull von Minnesota ostwärts über Wisconsin und Ohio und dem nördlichen Indiana bis zur Atlantikküste und dort südwärts bis in das südliche Georgia anzutreffen. Das Vorkommen schließt auch die Appalachen bis zum östlichen Tennessee und westlichen North Carolina ein.