Hurlach ist eine Gemeinde und ein Pfarrdorf im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech.
Gemeindeteile Außer dem Pfarrdorf Hurlach gibt es keine weiteren Gemeindeteile. Die Kolonie Hurlach zählt mittlerweile zum Gemeindeteil Hurlach.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert mini|St. Laurentius mini|Hurlach von Norden Hurlach gehörte den Freiherren von Donnersberg. Der Ort war Teil des Kurfürstentums Bayern und bildete eine geschlossene Hofmark, deren Sitz Hurlach war.
Urkundlich wurde Hurlach erstmals 1140 erwähnt. Die Hurnloher, die im 12. Jahrhundert Hofmarkherren in Hurlach waren, dürften Lehensmannen der Welfen gewesen sein, die damals als Herzöge in Bayern herrschten. Wohl im Jahr 1180 wurde Hurlach wittelsbachisch, kam dann noch kurze Zeit an die Hohenstaufen und nach deren Aussterben 1268 endgültig zu Bayern. Nach den Hurnlohern sind als Hofmark- und Schlossherren noch bekannt die Giessen, von Villenbach, Meuting, Bimmel, Haug, Manlich, Fugger, Langenmantel, Pemler, von Donnersberg, Karwinsky, von der Leyen, Horlacher und von Schnurbein.
Der Kirchturm der Pfarrkirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gilt als der älteste des Landkreises Landsberg. Das Kirchenschiff stammt aus der Zeit um 1500, die Ausstattung aus dem 17. Jahrhundert. Südlich des Dorfes liegt die malerische Margarethenkapelle. Der Pfarrhof wurde 1854 neu gebaut.
Das Schloss Hurlach, auf der gleichen Geländestufe wie Pfarrkirche und Margarethenkapelle, Pfarrhaus und der stattliche Gasthof gelegen, wurde um das Jahr 1610 von Marx Fugger (1564–1614, Herr zu Kirchberg und Weißenhorn) errichtet und 1899 erneuert. Es ist ein rechteckiger Bau mit vier Ecktürmen und altem Dachstuhl, im Inneren mit bemerkenswerten nachgotischen Gewölbefigurationen.
20. Jahrhundert In der Kolonie Hurlach existierte von August 1944 bis April 1945 das KZ-Außenlager Kaufering IV – Hurlach, in dem Frauen und Männer beim unterirdischen Fabrikbau und bei der Errichtung des Flugplatzes Lechfeld Zwangsarbeit verrichten mussten.Der Holocaust im Raum Landsberg von Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert zur Erforschung der Landsberger Zeitgeschichte e. V.Die Europäische Holocaustgedenkstätte – ein Ort der Erinnerung an den KZ-Lagerkomplex Kaufering/Landsberg Weblink von den Gründern der Gedenkstätte der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert zur Erforschung Landsberger Zeitgeschichte e. V. Für die 360 Opfer wurde ein KZ-Friedhof angelegt, wo ein Gedenkstein an die überwiegend jüdischen Häftlinge erinnert.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 149
Im Jahr 1965 kam das Schloss an den Kinderdorfverband, der dort eine jugendpsychiatrische Station einrichtete. 1972 wurde das Hurlacher Schloss von dem christlichen Missionswerk Jugend mit einer Mission gekauft; es wird seither als Schulungszentrum genutzt.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1970 903 1987 1075 1991 1169 1995 1327 2000 1395 2005 1577 2010 1635 2015 1820 2018 1875 2019 1942 2023 2049 Zwischen 1988 und 2019 wuchs die Gemeinde von 1090 auf 1942 um 852 Einwohner an bzw. um 78,2 % (im genannten Zeitraum zweithöchstes prozentuales Wachstum im Landkreis Landsberg a. L.).
Politik Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Igling.
Gemeinderat + Sitzverteilung im Gemeinderat Jahr CSU DorfgemeinschaftHurlach gesamt Wahlbeteiligung in %20206 6 12 2014 6 6 12 61,3 2008 5 7 12 66,0 2002 5 7 12 76,9
Bürgermeister mini|Wappen des adligen Geschlechts Hurlacher (aus Johann Siebmachers Wappenbuch) Erster Bürgermeister ist Andreas Glatz (CSU).
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft 2019 gab es 351 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort, 805 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort und 20 Arbeitslose. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zwei Betriebe, im Bauhauptgewerbe zwei Betriebe. 2016 bestanden 30 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1568 ha.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2020): Kindergärten: 127 Kindergartenplätze
Sehenswürdigkeiten Gedenkstätte Konzentrationslager-Friedhof Hurlach: Nach einer kurzen Strecke auf der Bundesstraße 17 von Kaufering-Nord in Richtung Augsburg zweigt bei Hurlach ein Feldweg ab bei einem Hinweisschild. Auf dem trägt ein dreiteiliger Gedenkstein den Davidstern und eine kurze Inschrift. Der Friedhof des KZ-Kommandos Kaufering IV befindet sich auf einer seltenen Heidefläche des Lechs (über 350 Toten aus dem Jahr 1945 wird hier gedacht). Schloss Hurlach wurde etwa 1610 erbaut und wird seit 1972 von dem christlichen Missionswerk Jugend mit einer Mission als Schulungszentrum genutzt. Gemeindemuseum Hurlach
Bodendenkmäler
Literatur Joachim Dellinger: Hurlach, Schloß und Hofmarch im Landgerichte Landsberg am Lech in Oberbayern. In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte (Historischen Verein von Oberbayern, Hrsg.), Band 4, München 1843, S. 316–325 (online). Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Todesmarsch und Befreiung – Landsberg im April 1945: Das Ende des Holocaust in Bayern. ISBN 3-9803775-1-2.
Weblinks
Gemeinde Hurlach Europäische Holocaustgedenkstätte
Film Original-Filmaufnahme und durch das Filmteam um Steven Spielberg nachgespielte Befreiung des Konzentrationslagers Kaufering IV am 27. April 1945 durch die US-Streitkräfte (aus dem Archiv von Anton Posset übergeben von einem Befreier der 103. Infanterie-Division der alliierten US-Streitkräfte): KZ-Kommando Kaufering IV (Hurlach) – 27. April 1945: Die amerikanische Armee entdeckt den Holocaust. Auf Anordnung des US-Oberst E. Seiler wird davon ein siebenminütiger Dokumentarfilm erstellt, der im Film Band of Brothers von Steven Spielberg im Jahr 2000 nachgespielt wurde.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Landsberg am Lech Kategorie:Ersterwähnung 1140 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)