Das Mittelmeer (),Mediterranean. In: Online Etymology Dictionary; abgerufen am 29. August 2011. auch Mittelländisches Meer oder Europäisches Mittelmeer, im Römischen Reich Mare Nostrum („Unser Meer“) genannt, stellt ein Mittelmeer zwischen Europa, Afrika und Asien dar. Es kann als Nebenmeer des Atlantischen Ozeans aufgefasst werden oder als Binnenmeer, da es mit der Straße von Gibraltar nur eine sehr schmale Verbindung zum Atlantik hat. Im Arabischen ( DMG al-baḥr al-abyaḍ) und im Türkischen (Akdeniz) wird es auch als „Weißes Meer“ bezeichnet.

Zusammen mit den darin liegenden Inseln und den küstennahen Regionen Südeuropas, Vorderasiens und Nordafrikas bildet das Mittelmeer den Mittelmeerraum, der ein eigenes Klima (mediterranes Klima) hat und von einer eigenen Flora und Fauna geprägt ist.

Geografie Überblick Die Fläche des Mittelmeers beträgt etwa 2,5 Millionen km² und sein Volumen 4,3 Millionen km³. Im Calypsotief (westlich des Peloponnes) erreicht es eine maximale Tiefe von 5109 Metern.Phase II of Caladan Oceanic’s 2020 Expedition Programme. In: Calypso Deep Press Release. 12. Februar 2020. Auf CaladanOceanic.com (englisch), abgerufen am 16. Oktober 2020. Die durchschnittliche Wassertiefe liegt bei rund 1430 Metern.

Abgrenzung

mini|hochkant=1.5|Grenzen des Mittelmeers Das Europäische Mittelmeer liegt als am stärksten von Festländern umgebenes bzw. vom Ozean getrenntes Mittelmeer zwischen den drei Kontinenten Afrika, Europa und Asien. Es wird zu den Nebenmeeren des Atlantischen Ozeans gezählt.

Im Westen ist es durch die Straße von Gibraltar mit dem Atlantischen Ozean verbunden, im Nordosten über die Dardanellen, das Marmarameer und den Bosporus mit dem Schwarzen Meer und im Südosten über den Suezkanal (seit 1869) mit dem Roten Meer, einem Nebenmeer des Indischen Ozeans.

Gliederung Das Mittelmeer ist vor allem im Osten und Norden durch eigene Nebenmeere und Buchten stark untergliedert.

Es hat zwei charakteristische Becken: ein westliches und ein östliches. Die seismisch hochaktive Schwelle Tunesien–Italien trennt die beiden Becken.

Der östliche Teil wird in vier Bereiche unterteilt: (von West nach Ost) Adria, Ägäis, ionisches Becken und levantinisches Becken.Geologischer Rahmen des Arbeitsgebietes (Teil einer Dissertation, Universität Göttingen)

Ein Teil des westlichen Beckens wird tyrrhenisches Becken genannt.

Westliches Mittelmeer

Alborán-Meer Straße von Gibraltar Balearen-Meer (im engerenSinne auch Iberisches Meer) Golf von Valencia Sardisches Meer Golfe du Lion Ligurisches Meer Golf von Genua Tyrrhenisches Meer Golf von Gaeta Golf von Neapel Golf von Salerno Sizilisches Meer Straße von Sizilien Golf von Tunis Östliches Mittelmeer Adriatisches Meer (Adria) Golf von Venedig Golf von Triest Kvarner-Bucht Golf von Manfredonia Drin-Golf Straße von Otranto Ionisches Meer Golf von Tarent Golf von Korinth Golf von Patras Straße von Messina Libysches Meer Golf von Gabès (Kleine Syrte) Golf von Sidra (Große Syrte) Ägäisches Meer (Ägäis) Ikarisches Meer Thrakisches Meer Thermaischer Golf Golf von Malia Saronischer Golf Myrtoisches Meer Kretisches Meer Karpathisches Meer Marmarameer Levantisches Meer Kilikisches Meer Golf von İskenderun Golf von Antalya

Seltener ist die Unterteilung in einen West-, Zentral- und Ostteil. In diesem Fall werden die Meeresgebiete rund um die Apenninhalbinsel zum zentralen Mittelmeer gerechnet: Ligurisches Meer, Tyrrhenisches Meer, Straße von Sizilien, Golf von Gabès (Kleine Syrte), Ionisches Meer, Adriatisches Meer.

Extrempunkte mini|Reliefkarte des Mittelmeers Der westlichste Punkt des Mittelmeeres befindet sich am Übergang des Alborán-Meeres in die Straße von Gibraltar, der östlichste Punkt liegt an der Küste des Golfs von İskenderun im Südosten der Türkei. Der nördlichste Punkt des Mittelmeeres liegt an der Küste des Golfs von Triest bei Monfalcone in Norditalien, während der südlichste Punkt an der Küste der Großen Syrte nahe dem libyschen Ort Al-Agheila liegt. Der tiefste Punkt ist das Calypsotief.

Mittelmeerstaaten

Folgende Länder haben Anteil an der Mittelmeerküste (Aufzählung in der Reihenfolge, wie auf einer genordeten Karte im Uhrzeigersinn erscheinend, beginnend im Westnordwesten, auf ungefähr „10 Uhr“): Spanien, Frankreich, Monaco, Italien, Malta, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Griechenland, die Türkei, Zypern, Syrien, Libanon, Israel, Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko.

Gibraltar und die beiden Militärbasen Akrotiri und Dekelia auf Zypern sind britische Hoheitsgebiete, gehören aber offiziell nicht zum Vereinigten Königreich. Die Palästinensischen Autonomiegebiete haben mit dem Gazastreifen zwischen Israel und Ägypten Anteil an der Mittelmeerküste.

Beim Mittelmeer sind die beiden Begriffe Mittelmeerstaat und Mittelmeeranrainerstaat nahezu gleichbedeutend, da alle größeren Staaten des Mittelmeerraums zur Küste Zugang haben. Zu Ersteren gehören allerdings noch die europäischen Kleinstaaten Vatikanstadt und San Marino, und unter Umständen auch Andorra und Nordmazedonien.

Inseln und Küsten Im Mittelmeer liegen zahlreiche Inselgruppen sowie einzelne größere und kleinere Inseln. Die flächengrößte Insel ist Sizilien, gefolgt von Sardinien. Beide Inseln sind zugleich auch eigenständige Regionen Italiens. Weitere große Mittelmeerinseln sind – in absteigender Reihenfolge – Zypern, Korsika und Kreta. Zypern und Malta mit seinen Nachbarinseln sind die einzigen Inselstaaten des Mittelmeeres. Sizilien ist mit mehr als fünf Millionen Einwohnern mit Abstand auch die bevölkerungsreichste Mittelmeerinsel.

Bedeutende Inselgruppen mini|Cap Ferrat an der französischen Riviera mini|Blick auf das Mittelmeer bei Kap Bon in Tunesien

Die bedeutendsten Inselgruppen im Europäischen Mittelmeer sind von Westen nach Osten die Balearischen Inseln mit der Hauptinsel Mallorca, der Insel Menorca und den Pityusen, zu denen Ibiza und Formentera zählen einige Inselgruppen Italiens, so der Toskanische Archipel und Kampanische Archipel, die Liparischen, Ägadischen und Pelagischen Inseln Malta mit Gozo und einigen kleineren Inseln die Inseln der Lagune von Venedig die Kroatischen Inseln, die in Inselgruppen wie beispielsweise die Kornaten unterteilt sind die Ionischen Inseln die Ägäischen Inseln, welche selbst in weitere kleinere Inselgruppen unterteilt werden, zum Beispiel die Kykladen, Sporaden, die Saronischen und Nordägäischen Inseln die Kerkenna-Inseln vor der Küste Tunesiens

Größere Halbinseln An der Westküste des Mittelmeers liegt die Iberische Halbinsel mit Spanien und Portugal, welche im Norden und im Westen vom Atlantik gesäumt wird und im Nordosten durch das Pyrenäengebirge mit Frankreich verbunden ist. Östlich folgt die stiefelförmige Apenninhalbinsel mit dem Großteil Italiens. Die in ihrer Ausdehnung unterschiedlich definierte Balkanhalbinsel zwischen Adria, Ägäis und dem Schwarzen Meer umfasst den Großteil Südosteuropas. Auch Kleinasien wird bisweilen als Halbinsel zwischen Schwarzem und Mittelmeer gesehen.

Deutlich kleiner dimensioniert sind Halbinseln wie Kalabrien und der Salento in Süditalien, Istrien in Kroatien (die größte Halbinsel in der Adria), der Peloponnes, Attika und Chalkidiki in Griechenland oder die Halbinsel Gallipoli im europäischen Teil der Türkei. An der weit weniger gegliederten Südküste des Mittelmeers liegen die Halbinseln Kap Bon in Tunesien und die Kyrenaika in Libyen.

Küstenabschnitte mini|Küstenabschnitt der Cinque Terre in Italien mini|Stadtmauer von Dubrovnik in Kroatien (Region Dalmatien)

Die Küsten liegen entlang der charakteristischen Großräume des Mittelmeerraums, was die Landmasse betrifft, nämlich Iberische Halbinsel, Französische Mittelmeerküste, Apenninhalbinsel, Balkanhalbinsel, Griechenland (als Halbinsel des Balkans), Kleinasien, Levante (Naher Osten), Maghreb (Nordafrika),Geographie des Mittelmeers: Die Teilräume. mare-mundi.eu; abgerufen am 12. August 2012. wobei letzterer Raum die gesamte Südhälfte der Küste einnimmt, aber deutlich weniger strukturiert ist, weil hier mit dem Atlas nur eine Gebirgsmasse die Küstenlinie bestimmt.

Bekannte Küstenabschnitte: Albanien: Albanische Riviera Frankreich: Côte d’Azur Italien: Italienische Riviera, Amalfiküste, Cinque Terre, Versilia Kroatien: Istrien, Kvarner-Bucht, Dalmatien (Kroatische Riviera) Monaco (Monte-Carlo) Spanien: Costa Brava, Costa del Sol bzw. Andalusien Gibraltar Türkei: Türkische Riviera Syrien, Libanon, Israel: Levante

Städte und Ballungsräume

Zuflüsse In das Mittelmeer bzw. in dessen Randmeere münden unter anderem folgende Flüsse und Ströme mit einer Länge von über 200 Kilometern:

mini|Nildelta (links) und Suezkanal (Bildmitte)

Name Länge (km) Staat an der Mündung Teilmeer der Mündung Acheloos 297 Griechenland Ionisches Meer Aliakmonas 297 Griechenland Ägäis Arno 240 Italien Ligurisches Meer Aude 224 Frankreich Westteil des Mittelmeers Ceyhan 260 Türkei Levantisches Meer Cheliff 700 Algerien Westteil des Mittelmeers Drin 285 Albanien Adria Ebro 925 Spanien Westteil des Mittelmeers Etsch/Adige 415 Italien Adria Gediz 405 Türkei Ägäis Göksu 260 Türkei Levantisches Meer Großer Mäander/Büyük Menderes 550 Türkei Ägäis Júcar 498 Spanien Westteil des Mittelmeers Kleiner Mäander/Küçük Menderes 200 Türkei Ägäis Mariza/Meriç/Evros 515 Griechenland/Türkei Ägäis Medjerda 450 Tunesien Westteil des Mittelmeers Moulouya 550 Marokko Westteil des Mittelmeers Nahr al-Asi/Orontes/Asi Nehri 571 Türkei Levantisches Meer Neretva 225 Kroatien Adria Nestos/Mesta 243 Griechenland Ägäis Nil 6852 Ägypten Levantisches Meer Piave 220 Italien Adria Pinios 217 Griechenland Ägäis Po 652 Italien Adria Reno 212 Italien Adria Rhone 812 Frankreich Golfe du Lion Segura 325 Spanien Westteil des Mittelmeers Seyhan 560 Türkei Levantisches Meer Struma/Strymonas 408 Griechenland Ägäis Ter 208 Spanien Westteil des Mittelmeers Tiber/Tevere 405 Italien Tyrrhenisches Meer Turia 280 Spanien Westteil des Mittelmeers Vardar/Axios 388 Griechenland Ägäis Vjosa 272 Albanien Adria

Hinzu kommen der ständige Zufluss aus dem AtlantikMittelmeer aus Das Internetportal Wasser & Abwasser und der Wasserüberschuss des Schwarzen Meeres über den Bosporus und das Marmarameer. Der Netto-Atlantikzufluss beträgt ca. 70.000 m³ pro Sekunde oder m³ pro Jahr, was dem rund 9,5-Fachen der Zuflussmenge der einmündenden Flüsse entspricht.Ludwig Ellenberg: Die Meerenge von Gibraltar – Küstenmorphologie zwischen Mittelmeer und Atlantik. In: Geographica Helvetica. Band 36, Nr. 3, 1981, S. 109–120, doi:10.5194/gh-36-109-1981. Ohne die Wasserzufuhr vom Atlantik würde der Wasserspiegel des Mittelmeeres um ca. 1 m pro Jahr sinken.Dagmar Hainbucher, Birgit Klein, Wolfgang Roether, Robert Hofrichter, Jan Gohla, Marcus Prell: Ozeanographie und Wasserhaushalt. In: Robert Hofrichter (Hrsg.): Das Mittelmeer: Geschichte und Zukunft eines ökologisch sensiblen Raums. 2. Auflage. Springer, 2020, ISBN 978-3-662-58928-1, S. 498–569, hier S. 530.

Geologie Entstehung und Entwicklung mini|Die Tethys am Ende der Trias (vor etwa 200 Mio. Jahren) mini|Animierte Darstellung des Auseinanderbrechens der Pangaea und der Formierung der heutigen Kontinente