mini|Entspannungsmassage für den Schulterbereich mit Griffen der klassischen Massage

Die Massage [] (von französisch masser ‚massieren‘) bezeichnet verschiedene manuelle oder apparative Verfahren, welche in den verschiedenen Gewebsschichten, etwa von Haut, Bindegewebe und Muskulatur, durch Dehnungs-, Zug- und Druckreiz ausgeübt werden. Die Wirkung der Massage erstreckt sich von der behandelten Stelle des Körpers über den gesamten Organismus und schließt auch die Psyche ein.

Geschichte Das Wort Massage ist in der Zeit zwischen 1755 und 1771 entstanden und ist etymologisch aus Ausdrücken aus bzw. massa ‚Betasten‘, oder aus griechisch μάσσειν ‚kneten; drücken; streichen; wischen‘, und wohl auch verwandt mit dem altindischen Ausdruck mancatē ‚zermalmt‘.Karl Lokotsch: Etymologisches Wörterbuch der europäischen (germanischen, romanischen und slavischen) Wörter orientalischen Ursprungs. Carl Winter, Heidelberg 1927, S. 114, Nr. 1440.Johann Baptist Hofmann: Etymologisches Wörterbuch des Griechischen. R. Oldenbourg Verlag, München 1950, S. 191–192.Hans-Dieter Hentschel: Woher stammt das Wort „Massage“? In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 21, 2012, S. 338–348.

Die Massage im weitesten Sinne ist eines der ältesten Heilmittel der Menschheit. Franz Kirchberg hat dies in seinem Buch so formuliert:

In der Antike Die gezielte Anwendung von Massagen zur Heilung hat ihren Ursprung sehr wahrscheinlich im Osten Afrikas und in Asien (Ägypten, China, Persien). Die ersten Erwähnungen finden sich beim Chinesen Huáng Dì, der bereits 2600 v. Chr. Massagehandgriffe und gymnastische Übungen beschrieb. Es existieren auch frühe Nachweise in der indischen Gesundheitslehre und Heilkunst, dem Ayurveda, deren Techniken in Verbindung mit ätherischen Ölen und Kräutern eingesetzt worden sind.Hans-Dieter Hentschel und Johannes Schneider: Zur Geschichte der Massage in der indischen Lebens- und Heilweise. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. 23, 2004, S. 179–203.

Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert wurde von indischen Mönchen – im Rahmen der von ihnen praktizierten Ringkämpfe – massierende Verfahren (udvartana bzw. mardanā) durchgeführt, vor allem um krankheitsverursachende doschas zu beseitigen.Hentschel/Schneider, S. 188 f. Über den griechischen Arzt Hippokrates (ca. 460–370 v. Chr.) und seine medizinische Schule gelangte die Massage letztendlich nach Europa. Hier spielte sie später eine essentielle Rolle bei der Rehabilitation der Gladiatoren im Römischen Reich. Hippokrates erkundete und vertiefte die Geheimnisse der Massage und schrieb seine Erkenntnisse und Empfehlungen zur Anwendung nieder.

Der zweite bedeutende Arzt der Antike, der Grieche Galenos (129–199) schrieb zahlreiche Abhandlungen über die von ihm entworfenen Formen manualtherapeutischer Verfahren und bei welchen Erkrankungen diese anzuwenden seien. Trotz seines Einflusses, der bis weit in das Mittelalter reicht, verlor die Gesellschaft Europas in späteren Zeiten das Interesse an Massagen und anderen Präventions- und Therapiemaßnahmen.

Die wohl älteste bildliche Darstellung einer Massage stammt aus Butkara im heutigen West-Pakistan und entstand im zweiten Jahrhundert v. Chr.Hans-Dieter Hentschel und Johannes Schneider: Zur Geschichte der Massage in der indischen Lebens- und Heilweise. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. 23, 2004, S. 179–203; hier: S. 187.

Im Mittelalter Erst gegen Ende des Mittelalters, im 16. Jahrhundert, wurde die Massage durch den Arzt und Alchimisten Paracelsus (1493–1541) wieder Thema der europäischen Medizin. Aufgrund dessen Ansichten, welche sich insbesondere gegen die Lehren von Galen, beispielsweise gegen dessen Humoralpathologie, richteten, fanden die Therapiekonzepte nur wenig Widerhall unter seinen Zeitgenossen. Dem Franzosen Ambroise Paré (1510–1590) gelang es schließlich, die Massage in der damaligen Medizin, beispielsweise als Rehabilitationstherapie nach Operationen, zu etablieren.

Im 18. und im 19. Jahrhundert Samuel Hahnemann (1755–1843) integrierte Massagen als Ergänzung seines Therapiekonzepts (Homöopathie). In dem mit „Massieren“ überschriebenen Paragraphen 290 des Organon der rationellen Heilkunde (1810) schrieb er beispielsweise, dass „das sogenannte Massieren durch eine kräftige, gutmütige Person, welche den chronisch krank Gewesenen, der zwar geheilt, aber noch in langsamer Erholung begriffen ist und noch an Abmagerung, Verdauungsschwäche und Schlafmangel leidet, die Muskeln der Gliedmaßen, der Brust und des Rückens ergreift, sie mäßig drückt und gleichsam knetet. Dadurch wird das Lebensprinzip angeregt, in seiner Gegenwirkung den Tonus der Muskeln und ihrer Blut- und Lymphgefäße wieder herzustellen.“Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst. 4. Auflage. Haug-Verlag, Heidelberg 1983, ISBN 3-7760-0699-4.

mini|Pehr Henrik Ling mini|Werbeeinschaltung für Massagen in Meran-Obermais, Meraner Zeitung (1907) Eine Weiterentwicklung stellten auch die Arbeiten von Pehr Henrik Ling (so genannte „Schwedische Epoche“) dar. Ling war zunächst als Gymnastik- und Fechtlehrer tätig und gründete später im Jahre 1813 das „Zentralinstitut für Heilgymnastik und Massage“ in Stockholm, wo er seine Auffassungen von Massage und Gymnastik lehrte. Die von ihm entwickelten Handgriffe wurden als „Reiben, Drücken, Walken, Hacken und Kneipen“ bezeichnet.

Durch die Arbeiten des Arztes Johann Georg Mezger (1838–1909) wurden in den Niederlanden Massage-Techniken zum Bestandteil der wissenschaftlichen Medizin.

Die schwedische Technik der Massage wurde von den Amerikanern übernommen und erst durch den Würzburger Orthopäden Albert Hoffa (1859–1907) Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland eingeführt. Hoffa setzte die Massage speziell für den BewegungsapparatVgl. etwa Albert Hoffa: Technik der Massage. Enke Verlag, Stuttgart 1893; 5., verbesserte Auflage ebenda 1907, S. 88–90 (Die Massage im Dienste der Orthopädie). ein und kombinierte sie mit einer gelenkspezifischenVgl. auch Albert Hoffa: Technik der Massage. 1907, S. 48–68. Übungsbehandlung. Zudem setzte er sich dafür ein, dass seine Assistenzärzte „pathologische Produkte der Muskulatur palpieren und massieren“ erlernten.

Im 20. Jahrhundert In den Folgejahren wurden immer spezifischere Massagegriffe entwickelt, insbesondere auf Grundlage der von Henry Head erforschten Somatotopik Techniken der Reflexzonentherapie. Hierunter werden Behandlungstechniken verstanden, welche durch gezielte Reize an den jeweiligen Dermatomen / Myotomen / Sklerotomen die Beeinflussung innerer Organe anstreben. Zu diesen Therapieformen gehört u. a. die von Wolfgang Kohlrausch und Elisabeth Dicke entwickelte Bindegewebsmassage sowie die Periostmassage und die Colonmassage nach Paul Vogler. Von dem Dänen Emil Vodder und dessen Frau Estrid wurde die Methode der Lymphdrainage entwickelt.

Gegenwart Heutzutage gibt es in Europa in fast jedem Staat eine entsprechende Ausbildung, die den Schutz des Gesetzes genießt. In Deutschland können Verfahren der Massage von Ärzten, Masseuren und Physiotherapeuten auf Kosten der Krankenkassen ausgeführt werden.

Allgemeine Grundlagen Da sich die theoretischen Grundlagen der einzelnen Massagearten sehr stark unterscheiden und diese auf völlig unterschiedlichen Behandlungstheorien basieren, ist die Anzahl der teils nachgewiesenen Wirkungsweisen auf den Körper groß. Folgend sind einige der möglichen Wirkungsweisen genannt:

Lokale Steigerung der Durchblutung Senkung von Blutdruck und Pulsfrequenz Entspannung der Muskulatur (bei Muskelverspannungen, auch als diagnostische MassageKurt Gutzeit: Wirbelsäule und innere Krankheiten. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 47–53, hier: S. 48.) Lösen von Verklebungen und Narben Verbesserte Wundheilung Schmerzlinderung Psychische Entspannung, Reduktion von Stress Verbesserung des Zellstoffwechsels im Gewebe

Formen der Massage

Die verschiedenen Formen der Massage versuchen auf zwei unterschiedliche Arten eine Heilung oder Linderung beim Patienten zu erlangen. Die klassische Methode ist die Behandlung der Haut und der Muskulatur an der Stelle, die massiert wird.

Diese Methode ist weitestgehend durch die evidenzbasierte Medizin anerkannt und findet sich in den Lehrbüchern und Therapieleitfäden wieder.

Andere Massageformen basieren auf der durch die evidenzbasierte Medizin nicht bestätigten Annahme, dass über Reflexbögen, „Meridiane“ oder Beeinflussung des „Qi“ auch Leiden der Organe behandelt werden könnten. Dementsprechend werden nur wenige dieser Massagen von den Krankenkassen aus Kulanz übernommen. Die Idee ist, nicht die „kranke Stelle“ zu behandeln, sondern ein „entsprechendes Areal“, welches das kranke Organ repräsentieren soll. Um beiden Methoden einen einprägsamen Namen zu geben, wird hier von einer „direkten Massage“ und einer „esoterischen Massage“ gesprochen.

Direkte Massage mini|Aikido-Massage mini|Thai-Massage mini|hochkant|Sportmassage

klassische Massage (schwedische Massage) Ganz-/Teilkörpermassage Sportmassage Funktionsmassagen und Weichteiltechniken Manipulativmassage nach Dr. Terrier Funktionsmassage (z. B. Kaltenborn/Evjenth-Konzepts) Abreibung Bürstenmassage Esalen-Massage Lomi Lomi Nui (Romi, Kahuna Bodywork, Ma Uri, Tempelmassage) Lymphdrainage Colonmassage Periostmassage Reflexzonenmassage (z. B. Fuß-, Handreflexzonenmassage/-therapie) Schröpfkopfmassage Bindegewebsmassage bzw. Segmentmassage Rhythmische Massage (nach Ita Wegman) Shiatsu Thai-Massage Unterwasserdruckstrahlmassage (in Schwimmbädern)

Esoterische Massage mini|250px|Lomi Lomi Massage mit den Unterarmen

Akupressur Akupunkt-Massage nach Penzel Ayurveda-Massage (Abhyanga) Ito-Thermie Klangmassage Kopfkraulermassage Lomi-Lomi-Massage Schlüsselzonenmassage (nach Marnitz) Thai-Massage Tuina Watsu Warmsteinmassage (Hot Stone Massage)

Erotische Massagen

Die sensorische Wirkung wird auch für erotische Zwecke genutzt. Im Kamasutra werden verschiedene Massagearten zur Förderung der sexuellen Aktivität empfohlen, die auf traditionellen medizinischen Überlieferungen basieren; eine nach westlichen Methoden empirisch nachweisbare wissenschaftliche Grundlage für tatsächliche Wirkung gibt es nicht.

Formen erotischer Massagen sind: Tantra-Massage Prostatamassage

Klassische Massage Die Grifftechnik der schwedischen Massage wird seit Jahrzehnten weltweit angewandt und deshalb auch als Klassische Massage, gemäß deutschem Heilmittelkatalog Klassische Massagetherapie (KMT), bezeichnet. Sie wird von Masseuren (in Deutschland: Masseur und medizinischer Bademeister), Physiotherapeuten und Heilpraktikern zu verschiedenen Zwecken verwendet und ist daher die bekannteste Massageform.

Indikation Zu den Indikationen der klassischen Massage zählen Verspannungen, Verhärtungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates wie die Wirbelsäulen-Syndrome oder auch posttraumatische Veränderungen. Bei der erfolgreichen Linderung von chronischen Nackenschmerzen spielt die Häufigkeit der Massage eine nicht unerhebliche Rolle.Studie: Nur häufiges Massieren hilft bei Nackenschmerzen, Spiegel online, am 11. März 2014.

Durch die Reflexbögen können sich Erkrankungen der inneren Organe an der Haut oder den Muskeln zeigen. Ein weiteres Einsatzgebiet der Massage ist die Fachrichtung der Neurologie. Hier lassen sich besonders Paresen, Spastiken, NeuralgienVgl. Albert Hoffa: Technik der Massage. Enke Verlag, Stuttgart 1893; 5., verbesserte Auflage ebenda 1907, S. 83–87 (Massage bei Neuralgien). und Sensibilitätsstörungen behandeln. Hinzu kommen die auf Stress zurückzuführenden psychosomatischen Krankheitsbilder, die sich hauptsächlich auf das Herz und den Blutkreislauf beziehen.