mini|links|Die Sun Yat-Sen Statue in Wuhan erinnert an den Aufstand von Wuchang. Hinter der Statue befindet sich der damalige Sitz der Übergangsregierung der Republik China.
zentriert|155px|Porfirio Díaz Porfirio Díaz wird im Zuge der Mexikanischen Revolution abgesetzt. zentriert|185px|Ernst von Schuch dirigiert den Rosenkavalier Der Rosenkavaliervon Richard Strausswird in Dresden uraufgeführt. zentriert|350px|Amundsen (links) und seine Begleiter Wisting, Hassel und Hanssen in Polheim, Fotograf war Olav Bjaaland Der Norweger Roald Amundsenerreicht mit vier Kollegen als erster Mensch den Südpol. zentriert|350px|Die Urkunde von Marie Curies Chemienobelpreis von 1911 Mit dem Nobelpreis für Chemie erhält Marie Curieals erste Frau einen zweiten Nobelpreis. 1911 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1359/60 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1903/04 (Jahreswechsel 11./12. September) Baha'i-Kalender 67/68 (Jahreswechsel 20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1316/17 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2454/55 (südlicher Buddhismus); 2453/54 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr des Metall-Schweins 辛亥 (seit 30. Januar, davor Metall-Hund 庚戌) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1273/74 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4244/45 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1289/90 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1328/1329/1330 (1./2. Januar // 21./22. Dezember) Japanischer Kalender Meiji 44 ();Kōki 2571 Jüdischer Kalender 5671/72 (22./23. September) Koptischer Kalender 1627/28 (11./12. September) Malayalam-Kalender 1086/87 Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1326/27 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2221/22 (Jahreswechsel April) Syrien: 2222/23 (Jahreswechsel Oktober) Suriyakati-Kalender (Thai-Solar-Kalender) 2453/54 (1. April) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1967/68 (Jahreswechsel April)
Das Jahr 1911 ist wie das Vorjahr ein Jahr der Revolutionen. Die im Vorjahr begonnene Revolution in Mexiko führt zum Sturz von Langzeitpräsident Porfirio Díaz, dem der Revolutionär Francisco Madero folgt. In China kommt es nach dem erfolglosen Huanghuagang-Aufstand zum Wuchang-Aufstand und der Xinhai-Revolution, die Anfang des folgenden Jahres zur Gründung der Republik China unter Präsident Sun Yat-sen führt. In Wien bricht die Teuerungsrevolte aus, in deren Verlauf das österreichische Militär zum ersten Mal seit 1848 wieder auf demonstrierende Menschen schießt. Und von Clara Zetkin initiiert wird weltweit erstmals ein Internationaler Frauentag begangen.
Der „Panther-Sprung“ des deutschen Kriegsschiffes Panther löst die erste internationale Krise des Jahres aus: Die Zweite Marokkokrise zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich kann erst durch den Marokko-Kongo-Vertrag beigelegt werden.
Italien versucht von innenpolitischen Problemen mit kolonialer Expansion abzulenken und erklärt dem geschwächten Osmanischen Reich den Krieg. Der Italienisch-Türkische Krieg, im Zuge dessen es zu Massakern an der Zivilbevölkerung und erstmals zu Bombenabwürfen aus der Luft kommt, führt schließlich zur Annexion der nordafrikanischen Gebiete Tripolis und der Cyrenaika durch Italien.
Im Laufe des Jahres befinden sich gleich fünf verschiedene Expeditionen in der Antarktis. Das erstmalige Erreichen des Südpols durch die norwegische Fram-Expedition unter der Leitung von Roald Amundsen kurz vor Jahresende bildet schließlich den Höhepunkt des „Goldenen Zeitalters der Antarktis-Forschung“.
Der Oper Der Rosenkavalier von Richard Strauss ist bei ihrer Uraufführung in der Dresdner Hofoper ein überwältigender Erfolg beschieden und die am Berliner Lessingtheater uraufgeführte naturalistische Tragikomödie Die Ratten ist „vielleicht der wichtigste Beitrag Gerhart Hauptmanns zum modernen Welttheater“. Leonardo da Vincis Mona Lisa wird von Vincenzo Peruggia aus dem Louvre gestohlen, Wassily Kandinsky und Franz Marc gründen den Blauen Reiter und der Bremer Künstlerstreit schlägt Wellen in ganz Deutschland.
In der Technik besteht der Wunsch nach Superlativen: Der Ponte del Risorgimento wird eröffnet, die erste Eisenbetonbrücke Italiens und bei ihrer Eröffnung die Betonbogenbrücke mit der größten Spannweite und in der Werft von Harland & Wolff läuft das größte Schiff der Welt, die Titanic vom Stapel.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Italienisch-Türkischer Krieg
mini|links|Der Italienisch-Türkische Krieg im Mittelmeer 1911–1912 26. September: Die italienische Regierung unter Ministerpräsident Giovanni Giolitti stellt der Hohen Pforte ein Ultimatum. Sie verlangt vom Osmanischen Reich die sofortige Abtretung der Provinzen Tripolitanien und Cyrenaika. 29. September: Das Königreich Italien erklärt dem Osmanischen Reich den Krieg.
3. Oktober: Die Italiener beginnen mit dem Beschuss von Tripolis. 4. Oktober: Tripolis und Tobruk werden erobert. 14. Oktober: Alle Küstengebiete Tripolitaniens und der Cyrenaika befinden sich in italienischer Hand. 23. Oktober: Im Italienisch-Türkischen Krieg wird erstmals militärische Aufklärung aus der Luft betrieben. Der Italiener Carlo Piazza überfliegt zur Feindbeobachtung eine türkische Stellung bei Bengasi. 23. Oktober: Nach einem blutigen Gefecht bei Sciara Sciat verüben italienische Truppen ein Massaker an der arabischen Bevölkerung, die überwiegend auf der Seite der Osmanen steht. Auch in den folgenden Wochen führt die Besatzungsmacht Massenhinrichtungen auf öffentlichen Plätzen durch und deportiert etwa 4.000 Araber auf Strafinseln wie Tremiti und Ponza. Trotzdem kommen die italienischen Vorstöße in den folgenden Monaten nicht über die Küstenoasen hinaus. Stattdessen muss die Truppenstärke bis auf 100.000 Mann erhöht werden.
1. November: Im Italienisch-Türkischen Krieg werden aus einer Etrich Taube die ersten Zwei-Kilo-Bomben händisch auf Personen in Oasen abgeworfen. 5. November: Italien annektiert Tripolis und die Cyrenaika, beides Teile des Osmanischen Reiches.
Deutsches Reich
1. Januar: Kaiser Wilhelm II. ernennt in Berlin Colmar Freiherr von der Goltz, Alfred Graf von Schlieffen und Max von Bock und Polach zu Generalfeldmarschällen. 4. Mai: Der deutsche Reichstag lehnt die Einführung der Schriftart Antiqua als Amtsschrift ab und entscheidet sich für das Beibehalten der Frakturschrift. 19. Juli: Die Reichsversicherungsordnung, die als gesetzliche Grundlage des Sozialstaates in Deutschland gilt (Vorläufer des SGB), wird verabschiedet. 22. Oktober: Nach Inkrafttreten der neuen Verfassung findet in Elsaß-Lothringen die Wahl zum neu gebildeten Landtag statt. 20. Dezember: Mit dem Versicherungsgesetz für Angestellte (VGfA) beginnt die Rentenversicherung für die Angestellten. Gustav Landauers Aufruf zum Sozialismus erscheint in Deutschland.
Österreich-Ungarn
19. März: Inspiriert von einer Rede der deutschen Sozialistin Clara Zetkin rund um die Einführung eines Internationalen Frauentags organisieren Adelheid Popp und andere Sozialdemokratinnen in Wien eine Demonstration für das Frauenwahlrecht in Österreich. Laut der Arbeiter-Zeitung nehmen rund 20.000 Frauen und auch Männer an der Demonstration teil. 28. Juni: Nach dem Verlust der Regierungsmehrheit bei den Reichsratswahlen tritt Richard von Bienerth-Schmerling als Ministerpräsident zurück. Sein Nachfolger wird Paul Gautsch von Frankenthurn.
17. September: In Wien kommt es zur Teuerungsrevolte von Arbeitern, die vom Militär gewaltsam niedergeschlagen wird. Zum ersten Mal seit 1848 wird in Wien wieder das Feuer auf Demonstranten eröffnet. Dabei kommen drei Menschen ums Leben, 149 werden verletzt. Mehr als 488 Personen werden verhaftet, von denen später 283 zu schwerem Kerker verurteilt werden. Justizminister Viktor von Hochenburger schaltet zu diesem Zweck eigens die Schwurgerichte aus. 5. Oktober: Der arbeitslose Tischlergeselle Nikola Njegos schießt im Wiener Reichsrat während einer Rede Victor Adlers zur Teuerungsrevolte auf Viktor von Hochenburger und Unterrichtsminister Karl Stürgkh, verfehlt sie jedoch. 3. November: Ministerpräsident Paul Gautsch von Frankenthurn tritt als Folge der Teuerungsrevolte zurück. Auf das Kabinett Gautsch III folgt das Ministerium Stürgkh.
mini|links|Die Hochzeit in Schwarzau am Steinfeld 21. Oktober: Nach der Verlobung am 13. Juni bei Lucca heiratet Erzherzog Karl, der spätere österreichische Kaiser Karl I., in Schloss Schwarzau am Steinfeld die 19-jährige Zita von Bourbon-Parma.
Großbritannien und seine Kolonien
mini|Winston Churchill (hervorgehoben) in der Londoner Sidney Street 3. Januar: Um Mitglieder einer Bande baltischer Anarchisten festzunehmen, riegeln Ordnungskräfte einen Wohnblock in der Sidney Street im Londoner East End ab, woraufhin – im Beisein von Innenminister Churchill – ein heftiger Schusswechsel stattfindet, bei dem die meisten Anarchisten ums Leben kommen. Fünf Personen, darunter Jacob Peters, nach der Oktoberrevolution Chef der sowjetischen Geheimpolizei, werden wegen mutmaßlicher Mitgliedschaft in der Piaktow-Bande verhaftet, jedoch allesamt im später eingeleiteten Gerichtsverfahren freigesprochen. 22. Juni: Das britische Königspaar George V. und Maria von Teck wird in Westminster Abbey gekrönt.
mini|links|Abstimmung im House of Lords über den Parliament Act von 1911 10. August: Im britischen Parlament wird der Parliament Act beschlossen. Mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes werden die Befugnisse des House of Lords beschnitten, das vom House of Commons beschlossene Gesetze nicht mehr aufheben oder beliebig lange hinauszögern kann. 13. November: Beim Carlton-Club-Treffen der britischen Conservative Party im namensgebenden Londoner Carlton Club wird nach dem Rücktritt von Arthur Balfour der neue Vorsitzende der konservativen Parteifraktion im House of Commons gewählt. Aufgrund einer Pattsituation zwischen den beiden führenden Kandidaten Austen Chamberlain und Walter Long wird der Kompromisskandidat und klare Außenseiter Andrew Bonar Law zum Vorsitzenden gekürt. 12. Dezember: Georg V. wird auf dem Delhi Durbar zum Kaiser von Indien gekrönt. Es ist die einzige Kaiserkrönung in der Geschichte Britisch-Indiens.
Portugal und seine Kolonien
28. Mai: Die Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung, bei der erstmals alle männlichen Portugiesen wahlberechtigt sind, wird von der Republikanischen Partei gewonnen. 30. Juni: Der „Flaggenkrieg“ endet mit der offiziellen Einführung der rot-grünen republikanischen Flagge, die damit die blau-weiße Flagge der Monarchisten ablöst.
21. August: Portugal erhält eine neue Verfassung.
mini|hochkant|Manuel José de Arriaga 24. August: Manuel José de Arriaga wird auf Vorschlag von António José de Almeida gegen Bernardino Machado zum ersten verfassungsmäßigen Präsidenten der Republik Portugal gewählt. 4. September: João Pinheiro Chagas wird erster verfassungsmäßiger Regierungschef der neuerrichteten Republik in Portugal. 13. November: Sturz der Regierung Chagas in Portugal. Augusto de Vasconcelos wird neuer Regierungschef des Landes. 24. Dezember: Die Rebellion von Manufahi in Portugiesisch-Timor unter dem timoresischen Herrscher Boaventura beginnt.
Weitere Ereignisse in Europa
1. Januar: Marc Ruchet wird erneut Bundespräsident der Schweiz. 8. Januar: Monaco, die letzte absolute Monarchie in Europa, erhält unter Fürst Albert I. eine Verfassung. 10. März: Frankreich wechselt von der bisherigen Pariser Zeit auf die Zeitzone des Nullmeridians in Greenwich und führt die Westeuropäische Zeit ein. 19. März: Von Clara Zetkin initiiert wird in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz erstmals ein Internationaler Frauentag begangen. 20. März: Mit dem Auffinden des offenbar ermordeten 12-jährigen Andrej Jušcinskij beginnt in Kiew die Beilis-Affäre. Konservative Angehörige der Organisation der Schwarzen Hundert versuchen den Mord als jüdischen Ritualmord darzustellen, obwohl alle Indizien in eine andere Richtung weisen.