mini|Faxgerät aus den 1990er Jahren. Damals arbeiteten die Geräte mit Thermopapier; erst ab etwa den 2000er Jahren verbreiteten sich Faxgeräte mit Tintenstrahl- oder Laserdruck-Technologie. mini|Geräusch eines Laserfaxgeräts (Canon I-Sensys L-140) mini|Dieses Faxgerät aus dem Jahr 1999 verwendete eine relativ neue Tintenstrahl-Drucktechnologie auf normalem Papier. Ein Fax (Kurzform von Telefax, das wiederum von Telefaksimile), auch Fernkopie genannt, ist die Übertragung des Bildes eines Papierdokumentes auf ein Papier im Empfangsfaxgerät. Das Papierdokument wird dazu in Linien und (bei neueren Geräten) auch in Pixel gerastert. Der Übertragungskanal ist das Telefonnetz oder Funk (z. B. ).
Als Sender und Empfänger dienen traditionellerweise Faxgeräte für analoge Anschlüsse. Des Weiteren gehört die Fax-Übermittlung zu einem preiswerten Ausstattungsmerkmal vieler Drucker und Kopierer. Faxe verschicken und empfangen kann man auch von und zu einem PC mittels Fax-Server und Modem, ISDN-Karte oder -Telefonanlage oder Fax over IP. Dabei ist jedes Faxdokument eine Bilddatei.
Zur Faxübertragung werden die Normen G2 oder G3 verwendet (siehe CCITT Recommendation T.4 Standardization of Group 3 Facsimile Apparatus for Document Transmission und T.30-Protokoll). Für Fax zwischen ISDN-Anschlüssen gibt es die Norm G4.
Obwohl das Fax angesichts der Digitalisierung als veraltet und unsicher gilt, nutzten im Jahr 2023 noch 82 Prozent der deutschen Unternehmen Faxgeräte, davon ein Drittel „sehr häufig“ oder „häufig“.
Geschichte mini|Kopiertelegraf von Alexander Bain (1850) mini|Frühe Faxmaschine FTA-P (1960)
Der schottische Uhrmacher Alexander Bain konstruierte bereits 1843 einen Kopiertelegrafen, der es gestattete, Handschriften und Zeichnungen als Schwarzweiß-Bilder elektrisch zu übertragen,Joseph Scheppach: Beamen für Briefe. In: MIT Technology Review Juni 2018, S. 96–97 noch bevor überhaupt in Europa das erste Mal die Morsetelegrafie im Jahre 1848 genutzt wurde. Es war ein experimentelles Gerät. Sein System wurde vor allem durch Frederick Collier Bakewell im Jahre 1847 dadurch verbessert, dass er das zu übertragende Bild auf einer rotierenden Walze aufspannte und Bildelement für Bildelement durch einen Metallstift schraublinienförmig abtastete. Die Registrierung erfolgte auf der Empfangsseite in ähnlicher Weise. Der erste kommerzielle Dienst zur bildlichen Dokumentenübermittlung (kein Fax) wurde 1865 zwischen Paris und Lyon mit Pantelegraphen eingerichtet, einer Entwicklung des italienischen Physikers Giovanni Caselli, die teilweise Konzepte der Bainschen und Bakewellschen Geräte vereinte. Diese teleautographische Methode wurde später durch Elisha Gray, Arthur Korn und Max Dieckmann verbessert, denen während des Ersten Weltkrieges recht gute Bildübertragungen gelangen.
Im Jahr 1926 gab es Bildrundfunk als Ergänzung zum Rundfunk. Der frühe Bildtelegraph wurde aufgrund von Aufwand und Kosten nur punktuell eingesetzt, etwa in Polizeiverwaltung und Zeitungsredaktionen.
1931 wurde von Schenectady aus täglich eine Zeitung mit Blattseiten von 21 × 22½ cm über Funk ausgestrahlt. Drei Carbon Facsimile genannte Empfänger (wobei schon eine Urform des Begriffs Fax auftaucht) konnten die übertragenen Seiten auf Papier ausdrucken; einer stand im Labor des Erfinders Ernst Fredrik Werner Alexanderson, die anderen beiden auf den Transatlantikschiffen Amerika und Minnehaha.
Der Begriff Fax ist mindestens seit 1949 nachweisbar, als die Radio Corporation of America ein von ihr zusammen mit Eastman Kodak entwickeltes, Ultrafax genanntes System im Kapitol der Vereinigten Staaten der Öffentlichkeit vorstellte. Dieses war für die Library of Congress entwickelt worden und erlaubte, „graphisches Material (ob es sich nun um Briefe, Karten, technische Zeichnungen, Fingerabdrücke, Reklamezeichnungen, mathematische Formeln, Landkarten, Bücher usw. handelt)“ zu übertragen. (Technische Details mit Blockschaltbild.)
1966 brachte die Xerox Corporation in den USA mit dem Magnafax Telecopier das erste allgemein verwendbare Gerät auf den Markt. Erste Geräte in Deutschland finden sich in den 1970er Jahren, damals noch unter der Bezeichnung Fernkopierer.
mini|Infotec 6000 Fernkopierer (1974) mini|CID-Sensor eines Faxgeräts, mit dem die Vorlage gescannt wird. Die dünne Linie in der Mitte ist eine Reihe von mit Linsen bestückten, lichtempfindlichen Halbleiterpunkten. 1974 brachte Infotec mit dem Infotec 6000 erstmals einen Fernkopierer auf den freien Markt. Die Technik der Infotec 6000 war die Basis für den heute immer noch gültigen Gruppe-3-Standard.
In Japan konnten sich Fernkopierer leichter durchsetzen, weil die bisher üblichen Fernschreiber mit ihren nur etwa 60 Zeichen die japanische Schrift, insbesondere die Kanji, nur unvollständig übertragen konnten. Der in Kanji geschriebene Text musste in lateinischem Alphabet neu geschrieben (transkribiert) werden. Daher war dort die Nachfrage nach einer bildlichen Übertragungsmethode höher.
Mit der allgemeinen Verbreitung des Internets ab Mitte der neunziger Jahre wurde der Telefaxdienst zunehmend durch E-Mail verdrängt. Die private Nutzung von Faxgeräten verschiebt sich zugunsten von Online-Faxdiensten, die zum Teil sogar kostenfrei zu nutzen sind.
Geschichte in Deutschland
1979 wurde der Faxdienst durch die Deutsche Bundespost offiziell eingeführt.
Zunächst fehlte es an einer Welt-Norm. Zwischen Japan und Deutschland war wegen Norm-Unterschieden offiziell kein Fax-Verkehr möglich. Inoffiziell wurden aber Umwandler eingebaut.
Heimisch wurde das Faxgerät in den deutschen Büros aber erst Ende der 1980er Jahre. Bereits ab Anfang der 1990er Jahre kam kaum mehr ein Büro ohne Faxgerät aus. Als das zunächst für den Empfang benötigte Thermopapier durch normales Schreibpapier ersetzt werden konnte, förderte die erleichterte Handhabung eine vermehrte Nutzung. Jedoch begann fast zeitgleich die Ersetzung des Telefax durch E-Mail.
Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens YouGov nutzte im Jahr 2015 in Deutschland jeder fünfte Erwerbstätige die Technik, um berufliche Dokumente zu versenden. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Fax-Sendungen in Deutschland eine kostengünstige und zeitsparende Alternative zu Einschreiben darstellen, weil sie vor Gericht – je nach Richter und/oder mit DTS Zertifizierung – als Anscheinsbeweis für eine Übermittlung überwiegend anerkannt werden.
Anzahl der Telefax-Anschlüsse in der Bundesrepublik Deutschland: JahrZahl der Anschlüsse1981 4.3671982 7.3071983 10.2111984 13.2121985 17.5331986 25.0001989 375.000März 1993 1.100.000 Quelle: Fernmeldetechnisches ZentralamtFernmeldetechnisches Zentralamt (FTZ), auf darmstadt-stadtlexikon.de
Im deutschen Verfahrensrecht gewann das Faxgerät an Bedeutung, nachdem Behörden den fristwahrenden Zugang eines Dokuments auch dann anerkannten, wenn der Schriftsatz innerhalb der Frist per Fax übermittelt worden war.Gemeinsamer Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes, Beschluss vom 5. April 2000, Aktenzeichen 1/98 Im materiellen Zivilrecht blieb es hingegen dabei, dass ein Faxschreiben lediglich eine (Fern-)Kopie darstellt und deshalb die gesetzliche oder vertragliche Schriftformerfordernis im Sinne von BGB nicht wahrt. Die Schriftform erfordert den Zugang einer Willenserklärung mit originaler Namensunterschrift. Eine Vielzahl zivilrechtlicher Erklärungen, so zum Beispiel der Widerruf von Fernabsatzverträgen gemäß BGB, kann mittlerweile rechtswirksam per Telefax abgegeben werden. Das Faxschreiben genügt der Textform im Sinne von BGB.
Seit Beginn der 2020er Jahre, insbesondere im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie, wird das Faxgerät in den Medien als Symbol für veraltete Technik und einen Rückstand deutscher Behörden im Zusammenhang mit der Digitalisierung verwendet. Es wird in diesem Zusammenhang vom „Fax-Zeitalter“ gesprochen, das anderswo längst zu Ende gegangen sei, während in Deutschland die eigentlich veraltete Technik mangels Alternativen immer noch verwendet werde. Im Jahr 2024 gingen zum Beispiel bei der Berliner Polizei ca. 100 Notrufe per Fax ein; ein Service für z. B. Hörgeschädigte.Tagesspiegel: Und sonst? vom 19. Dezember 2024, S. B2
Technik und Normung
mini|G3 Laserfax mit Komprimierungstechnik mini|Canon Laserfax nach Norm Super G3. Für ISDN existiert mit der Norm G4 ein Standard für ein digitales Fax, der mit einer deutlich höheren Geschwindigkeit (64 kbit/s) als die Norm G3 für analoge Anschlüsse (bis 14,4 kbit/s; Super G3 bis 33,6 kbit/s) arbeitet, in der Praxis jedoch nur selten verwendet wird.
Für die Übertragung per Fax over IP stehen die ITU-T-Empfehlungen T.37 für asynchrone und T.38 für synchrone Übertragung zur Verfügung.
Der MIME-Typ image/g3fax und die Dateiendung .g3 sind nach der Norm G3 benannt.
Programme, mit denen Faxe am PC empfangen und dann betrachtet werden können, sind zum Beispiel: unter dem X Window System xli und kfax; unter Mac OS X der systemeigene Empfangsdienst (erreichbar über Systemeinstellungen → Drucker und Fax) in Verbindung mit einem Betrachtungsprogramm wie das mitgelieferte Preview.app (das bei deutscher Systemsprache unter dem Namen Vorschau erscheint) oder das zu erwerbende GraphicConverter.app; oder das Programm FAXstf zum Empfangen und Betrachten; unter Windows NT4, 2000 und XP der zum Betriebssystem gehörende Faxdienst zusammen mit einem Bildbetrachter Wenig bekannt ist, dass der Faxdienst in Microsoft Windows Vista Home Basic und Home Premium nicht mehr enthalten ist und sich auch nicht nachinstallieren lässt. In den Varianten Business, Ultimate und Enterprise ist dagegen das neue Programm „Windows-Fax und -Scan“ verfügbar. In Windows 7 ab Home Premium ist der Scan- und Faxdienst wieder vorhanden.
Es gibt auch Faxsoftware, die mit TIFF-/FAX- (FAX Type Image, vom Telefax abgeleitet: FAX/*.fax =/≈ TIF[F][/BTF/BigTIF{F}]?), GIF- oder arbeitet.
Codierung und Komprimierung der Daten In Schwarz-Weiß-Faxen werden die Bildinformationen nach dem Auslesen durch eine Photodiodenzeile verlustfrei mit den Algorithmen MH (Modified Huffman, RLE-basiert), MR (Modified READ, auch als „Fax Group 3“ oder eindimensionale Kodierung bezeichnet, siehe auch Error Correction Mode) oder MMR (Modified Modified READ, auch als „Fax Group 4“ oder zweidimensionale Kodierung bezeichnet) komprimiert. Die Komprimierungsraten sind abhängig von den Bilddaten, im Allgemeinen liefert MMR jedoch die beste Komprimierung, gefolgt von MR. Die relativ einfach zu implementierende MH-Kodierung wird heute noch verwendet, um mit älteren Faxgeräten oder mit Faxsoftware über die Schnittstelle zu kommunizieren.
Die Bildinformationen in Farbfaxen werden üblicherweise mit verlustbehafteter Kompression übertragen. Verlustfreie JPEG-Komprimierung ist zwar vorgesehen, wird jedoch so gut wie nicht verwendet. Die Farbinformationen sind dabei im Lab-Farbraum kodiert. Graustufenbilder enthalten nur die .
Zum Beginn einer Verbindung, vor Übermittlung des Nachrichteninhalts, stimmen sich sendendes und empfangendes Gerät über die verwendete Kodierung ab. Das dauert bis zu ca. 10 Sekunden.
Papierformate und Auflösungen Bei der Aushandlung der Parameter (englisch ) am Beginn einer Verbindung wird dem Empfänger auch das vom Sender verwendete Papierformat mitgeteilt. Dieses bestimmt die Länge der abgetasteten Zeile (). Zusammen mit der Anzahl der abgetasteten Bildpunkte pro Zeile ergibt sich die Auflösung. Nach T.4 sind folgende horizontale Auflösungen möglich: für ISO A4, und 1728 Pixel auf einer von 215 mm (± 1 % Toleranz) (in Schwarz-Weiß und Farbe) 3456 Pixel auf einer von 215 mm (± 1 % Toleranz) (in Schwarz-Weiß und Farbe) 2592 Pixel auf einer von 215 mm (± 1 % Toleranz) (nur für Farbfax) Für ISO B4 2048 Pixel auf einer von 255 mm (± 1 % Toleranz) (in Schwarz-Weiß und Farbe) 4096 Pixel auf einer von 255 mm (± 1 % Toleranz) (in Schwarz-Weiß und Farbe) 3072 Pixel auf einer von 255 mm (± 1 % Toleranz) (nur für Farbfax) Für ISO A3