mini|Denkmalgeschütztes Rathaus von Tharandt Tharandt ist eine Kleinstadt im sächsischen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Sie entstand in ihrer derzeitigen Ausdehnung durch den Zusammenschluss der Gemeinden Kurort Hartha, Pohrsdorf und der Stadt Tharandt im Zuge der sächsischen Gemeindegebietsreform am 1. Januar 1999,StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Tharandt und liegt an der Wilden Weißeritz bzw. am Tharandter Wald, südwestlich von Freital (5 km) und Dresden (13 km), östlich von Freiberg (18 km), südlich von Meißen (22 km) sowie nordwestlich von Dippoldiswalde (12 km).
Geographie Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind Dorfhain, die Stadt Freital, Klingenberg und die Stadt Wilsdruff. Im westlich gelegenen Landkreis Mittelsachsen grenzen Bobritzsch-Hilbersdorf und Halsbrücke an.
Stadtgliederung Die Stadt Tharandt besteht aus sieben Ortsteilen und vier Ortschaften: Kurort Hartha Fördergersdorf Grillenburg Spechtshausen Tharandt Großopitz Pohrsdorf Die Gemeindeteile Fördergersdorf, Grillenburg, Kurort Hartha, Spechtshausen und ab 2011 auch Pohrsdorf hatten bis 2024 den Status als staatlich anerkannter Erholungsort.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 9. Februar 2006 (SächsABl. S. 185) auf: revosax.sachsen.deBekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 4. Oktober 2011 (SächsABl. S. 1447) auf: revosax.sachsen.de.2024 keine Erholungsorte mehr, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Absatz 5 des Sächsischen Kurortegesetzes vom 24. Januar 2024 (SächsABl. 2024 S. 171) auf: revosax.sachsen.de.
Politik Stadtrat
Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 18 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:
+letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %AfD529,0319,7––Freie Wählergemeinschaft528,8840,1944,5CDU525,4420,3629,3Bürgerliste GRÜN der ZEIT212,7212,619,7FDP14,1–1,817,1SPD––15,519,4Wahlbeteiligung77,0 %75,4 %59,7 %
Bürgermeister und Ortsvorsteher Seit dem Jahr 2006 ist Silvio Ziesemer (parteilos) Bürgermeister von Tharandt. Er wurde am 25. Juni 2006 bei einer Wahlbeteiligung von 48,28 % mit 71,59 % der abgegebenen Stimmen gewählt. Der bisherige Amtsinhaber war nicht wieder angetreten. Zur Wahl am 21. April 2013 wurde er nach dem vorläufigen Wahlergebnis bei einer Wahlbeteiligung von 62,7 % mit 54,6 % der abgegebenen Stimmen im Amt bestätigt.Sächsische Zeitung Freital, 22. April 2013. und 2020 mit 84,1 %. Ortsvorsteher von Tharandt ist seit der letzten Kommunalwahl 2024 Peter Antoniewski (CDU), Ortsvorsteher von Kurort Hartha (mit Fördergersdorf, Grillenburg und Spechtshausen) ist André Kaiser (Freie Wählergemeinschaft), Ortsvorsteher von Pohrsdorf ist Uwe Stoll (CDU) und Ortsvorsteher von Großopitz ist Christoph Müller (Grün der Zeit). +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2020Silvio ZiesemerZiesemer84,1201354,6200671,6
Wappen Das Tharandter Stadtwappen ersetzt seit Januar 2002 die Wappen der durch die sächsische Gemeindegebietsreform vereinigten drei Gemeinden Kurort Hartha, Pohrsdorf und Tharandt.Norbert Demarczyk: Zur Geschichte des Tharandter Stadtwappens. In: Geschichtliches und Persönliches über Tharandt. Festschrift für Otto Wienhaus zum 80. Geburtstag, hrsg. v. Norbert Demarczyk, Wilsdruff 2017, S. 55–60.
Blasonierung: „In Grün eine gestürzte eingeschweifte rote Spitze mit nach unten sich verjüngendem Silberbord, darin eine stilisierte symmetrische silberne Ruine, bestehend aus freistehendem romanischem Rundbogenportal mit Schwelle und beidseitigen halbhohen Mauerresten, vorne und hinten je eine nach außen gewendete aufgerichtete achtendige silberne Rothirschstange.“
Die Schilddreiteilung verdeutlicht die Stadtbildung aus den drei ehemaligen selbstständigen Gemeinden, allen gemeinsam die Farbe Grün des Tharandter Waldes und ihre Lage im Kerbtal, das durch die gestürzte Spitze dargestellt wird. Die Hirschstangen symbolisieren den Wildreichtum des Tharandter Waldes, dessen gesundheitsfördernde Wirkung und die Verbundenheit mit der forstlichen Lehranstalt in Tharandt. Das stilisierte silberne Gemäuer in der Spitze steht für geschichtliche Bauten wie die Burgruine Tharandt und andere in der Region.
+ Einwohnerentwicklung von Tharandtbis 1990: Digitales historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, ab 1923 Tharandt mit Großopitz, ab 2000: jeweils 31. Dezember, Stadt Tharandt mit allen derzeitigen Ortsteilen Jahr 1834 1890 1910 1925 1939 1946 1964 1970 1990 2000 2005 2008 2011 2012 2013 Einwohner 868 2540 3149 3853 3954 4559 3988 3714 2555 5734 5635 5575 5429 5316 5320
Ortschaft Tharandt mini|Lage der Gemarkung Tharandt in der Stadt
Die Siedlung Tharandt ist eine Ortschaft und ein Ortsteil der Stadt und liegt auf der gleichnamigen Gemarkung sowie einem Teil der Gemarkung Großopitz. Auf der Gemarkung Tharandt, die auch das ehemalige Lehrforstrevier Tharandt im Tharandter Wald umfasst, befindet sich die Wüstung Warnsdorf. In Tharandt münden der Todbach, der Amtsdellenbach und der Zeisigbach in den Schloitzbach, und dieser wiederum in die Wilde Weißeritz.
Die Gemarkung Tharandt erstreckt sich im Süden bis zur Siedlung Edle Krone. Der dortige Eisenbahntunnel liegt weit überwiegend auf Tharandter Flur.
Geschichte mini|hochkant|Wappen der Stadt Tharandt bis 1999, seitdem Wappen der Ortschaft Tharandt, mit der Burgruine Tharandt, als Namensgeber der Stadt, und dem Granatapfel als Symbol für die ursprüngliche Bezeichnung der Siedlung als Granaten mini|Tharandt, Sicht von Norden mini|Tharandt, Blick vom Burgberg mini|Tharandt, Blick über den Schlossteich zur Burgruine Tharandt wurde erstmals indirekt in einer Urkunde vom 21. Januar 1216 erwähnt, in der ein markgräflich-meißnischer Vasall namens Boriwo de Tharant, benannt nach der dortigen Wehranlage, als Zeuge erscheint.CDS I A 3 Nr. 217 Dieser Mann entstammte wohl der wettinischen Döbelner Burgmannschaft und nahm im damaligen Herrschaftsgefüge offensichtlich einen recht prominenten Platz ein. Jedenfalls ist er dann bis 1242 noch weitere fünf Mal nachweisbar. Ein Verwandter nannte sich 1242 nach Lauenstein. Die erste Burg Tharandt hatte Markgraf Dietrich der Bedrängte offensichtlich errichten lassen, um den Siedelzug der Burggrafen von Dohna im Weißeritz- und Müglitzgebiet zurückzudrängen. In diesen Zusammenhang gehört offensichtlich auch die Gründung (bzw. ein Umbau) der Burg Lauenstein um 1240.
Der Nachfolgebau der Tharandter Burg, vermutlich ein Werk aus dem Umfeld des Arnold von Westfalen, war Witwensitz der Herzogin Sidonie (Zděnka; † 1510). Nach einer schweren Zerstörung durch Blitzschlag im 16. Jahrhundert gab Kurfürst August die Burg zum Abbruch für die Bürger der Siedlung am Fuße der Berg frei. Sie ist seitdem Besitz der Kommune.
Besonders während der frühen Neuzeit wurde für die Stadt der Name Granaten (gelegentlich: [Amts-]Städtlein Granaten unterm Tharandt) verwendet, wobei jedoch in den schriftlichen Quellen, zum Beispiel Steuerverzeichnissen dieses Zeitraumes der Stadtname 'Tharandt’ niemals gänzlich verschwand.
1609 erweiterte Kurfürst Christian II. (Sachsen) die mindestens bereits seit der Mitte des 16. Jahrhunderts vorhandene Stadtgerechtsame, die sich unmissverständlich beispielsweise im Vorhandensein einer Ratsverfassung äußerte, durch Verleihung des Rechtes, ein Stadtsiegel führen und einen Jahrmarkt abhalten zu dürfen.
Tharandt war bis 1568 und ab 1827 Sitz des Amtes Grillenburg-Tharandt. Das Gerichtsamt Tharandt wurde 1856 gebildet und unterstand zunächst dem Bezirksgericht Dresden und ab 1871 dem Bezirksgericht Freiberg. 1879 wurde das Gerichtsamt Tharandt aufgelöst und das Amtsgericht Tharandt neu gebildet. In dessen ehem. Gebäude befindet sich heute die Grundschule.Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 10052, Amt Grillenburg und Bestand 13584, Gerichtsamt Tharandt
Ende des 18. Jahrhunderts, mit der Zeit der Empfindsamkeit, setzte langsam der Tourismus ein. Amtschirurg Johann Gottfried Butter entdeckte 1792 zwei Mineralquellen, die Sidonien- und Heinrichs-Quelle, so dass eine kurze Blütezeit als Badeort mit einer direkten Straßenverbindung, u. a. für den Badewagen, durch den Plaunschen Grund nach Dresden einsetzte. Im Badetal entstand zwischen den Quellen 1805 das Stadtbad-Hotel nach Entwürfen von Gottlob Friedrich Thormeyer. Zudem wurden an den Talhängen ab 1796 zahlreiche Wanderwege mit Aussichtspunkten, Schutzhütten und Gedenksteinen, u. a. unter Leitung des Dresdner Hof- und Justizrates und Heilsberger Freiherrn Gottfried Ferdinand von Lindemann (1744–1804), als Heilige Hallen angelegt.Karl Spazier: Tharandt und sein Bad, Zeitung für die elegante Welt, Berlin, Verlag Georg Voß, Leipzig, 4. Jgg., Nr. 51, 28. April 1804. Friedrich Schiller (Gedenktafel am Gasthaus Schillereck am Markt), Johann Wolfgang von Goethe (Gedenktafel am ehem. Stadtbad-Hotel, eingelagert), Heinrich von Kleist und andere Berühmtheiten weilten dort, und die romantische Burgruine Tharandt wurde das meistgezeichnete Motiv dieser Epoche.
Mit der privaten Forstlehranstalt, die Heinrich Cotta mit seiner Anstellung bei der sächsischen Forstvermessungsanstalt im Jahr 1811 von Zillbach in Thüringen nach Tharandt mitbrachte, wurde Tharandt zur Gelehrten- und Studentenstadt. Bäcker und Fleischer, Schneider und Schuhmacher, nicht zuletzt die Wirte profitierten von dieser Entwicklung. Auch Studentenverbindungen entstanden in Tharandt, vor allem akademische Jagdkorporationen. 1816 wurde die Lehranstalt zur Königlich-sächsischen Forstakademie erhoben und zwischen 1929 und 1941 als Forstliche Hochschule Tharandt in die Technische Hochschule Dresden integriert.
Nach der Verlegung der bisher über die Poststation in Herzogswalde führenden Postkutschenlinie Dresden – Freiberg (– Nürnberg) ab 1832/33 zur neuen Poststation in Tharandt (heute unter anderem Ärztehaus) an der 1826–28 ausgebauten Dresden-Freiberger Chaussee erfolgte 1855 der Bahnanschluss durch die private Albertsbahn AG nach Dresden, deren Strecke 1862 nach Freiberg weitergeführt wurde und nun Bestandteil der Sachsen-Franken-Magistrale ist.
Der Besitzer der Schlossmühle, Friedrich Ernst Schmieder, nutzte die Wasserkraft der Wilden Weißeritz, und produzierte seit 1893 mit zwei Gleichstrom-Dynamo-Maschinen von Siemens & Halske je neun Kilowatt Strom mit einer Spannung von 110 Volt. Vier oberschlächtige Wasserräder trieben die Dynamos mit einer Drehzahl von 1300/min an, wofür eine mehrmalige Zahnrad- und Riemenübersetzung notwendig war. Da die Talsperre Klingenberg noch nicht existierte, musste die bei Niedrigwasser und Vereisung ausfallende Wasserkraft ersetzt werden. Schmieder, der auch Maschinenfabrikant war, behalf sich mit einer Akkumulatorenbatterie mit 65 Elementen für 112 Ah und einem Petroleummotor, der häufig ausfiel. Den Strom erhielten die angeschlossenen Häuser in der Nachbarschaft und die Stadt Tharandt für die Straßenbeleuchtung. Die Freileitungen bestanden aus blanken Kupferdrähten und mussten auf Betreiben der Aufsichtsbehörden zur Isolierung mit Juteband umwickelt und mehrfach mit Teer bestrichen werden.Peter Boenke: Gas- und Stromversorgung in Freital. Freital 2003, S. 50 f. Das Stromnetz von Friedrich Ernst Schmieder war, nach der Licht- und Kraftanlage der Brüder Karl und Wilhelm Einhorn in Olbernhau,Rolf Morgenstern: Chronik von Olbernhau zur 750-Jahrfeier. S. 189 f. das zweite seiner Art in Sachsen und das erste, das der Gesamtbewohnerschaft zur Verfügung stand.