Der Kreis Ostholstein ist ein Kreis im Land Schleswig-Holstein. Die Kreisverwaltung befindet sich in Eutin. Der Kreis, zu dem auch die Insel Fehmarn gehört, grenzt direkt an die Ostsee.
Geographie Das Kreisgebiet umfasst im Wesentlichen den Ostteil der zwischen Kieler Bucht und der Lübecker Bucht in die Ostsee ragenden Halbinsel Wagrien im Schleswig-Holsteinischen Hügelland sowie die ihr vorgelagerte Insel Fehmarn, die durch die Fehmarnsundbrücke im Zuge der Vogelfluglinie mit dem Festland verbunden ist. Die Nachbarkreise sind im Westen der Kreis Plön und der Kreis Segeberg, im Süden die kreisfreie Stadt Lübeck und der Kreis Stormarn. Die höchste Erhebung ist der Bungsberg bei Schönwalde (). Der Seegrund des Hemmelsdorfer Sees ist mit 39,10 m unter NN die tiefste Kryptodepression Deutschlands.
Der Kreis Ostholstein bildet mit dem dänischen Storstrøms Amt die Europaregion Fehmarnbelt, in der grenzüberschreitende Vorhaben besonders gefördert werden können.
Siehe auch: Holsteinische Schweiz, Neustädter Bucht
Geschichte Der Kreis Ostholstein entstand am 26. April 1970 im Zuge der Kreisreform in Schleswig-Holstein aus den Kreisen Oldenburg in Holstein und Eutin (ehemaliges Fürstentum Lübeck). Es ist der Kreis in Schleswig-Holstein, in dem der Anteil der amtsfreien Städte und Gemeinden am größten ist. Der Zuschnitt der Gemeinden im Altkreis Eutin hängt mit den Verwaltungsstrukturen im ehemaligen Großherzogtum Oldenburg zusammen.
Die historische Landschaft Ostholstein, der östliche Teil Holsteins, geht über den heutigen Kreis Ostholstein hinaus: Sie umfasst auch den größten Teil des Kreises Plön mit Wagrien; die Begrenzung im Norden und Osten ergibt sich durch die Ostsee, nach Westen hin ist die historische Grenze weniger deutlich; sie ergab sich im Frühmittelalter durch den Limes Saxonicus, einen breiten, kaum besiedelten Landstreifen in Nord-Süd-Richtung von Kiel bis zur Südspitze des Plöner Sees, der die Sprachgrenze zwischen den sächsischen Stämmen im alten Nordalbingien, den drei Gauen Dithmarschen, Holstengau (bevölkert von den Holsten) und Stormarn, sowie den westslawischen Stämmen der Abodriten markierte, die neben der Landschaft Ostholstein auch die Gegend um Lübeck und den Kreis Herzogtum Lauenburg bevölkerten. Die Westgrenze der slawischen Besiedlung, auf die noch heute vielfach Ortsnamen wie Plön, Preetz oder Bosau verweisen, wurde ungefähr durch die Schwentine markiert. Zentrum des slawischen Ostholstein war ein befestigter Fürstensitz in Oldenburg. Im Hochmittelalter unterwarfen die Grafen von Holstein die Slawen und fügten ihre Siedlungsgebiete ihrem Herrschaftsbereich hinzu.
Einwohnerstatistik mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Ostholstein (Datenquelle: Zensus 2011)
Die Einwohnerzahlen bis 1970 beziehen sich auf den Gebietsstand am 27. Mai 1970.
Jahr Einwohner 1871 (1. Dez.) 81.150 1885 (1. Dez.) 79.380 1895 (2. Dez.) 79.620 1905 (1. Dez.) 82.160 1925 (16. Juni) 93.260 1939 (17. Mai) 103.950 1950 (13. Sep.) 205.720 1961 (6. Juni) 167.710 Jahr Einwohner 1970 (27. Mai) 176.340 1987 (25. Mai) 183.559 2002 (30. Juni) 204.143 2007 (31. Dez.) 205.688 2012 (31. Dez.) 197.882 2015 (31. Dez.) 199.574 2020 (31. Dez.) 201.487
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren (Stand 15. Mai 2022) 45,6 % der Einwohner evangelisch, 5,9 % katholisch und 48,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 20. Juli 2024 Der Anteil der evangelischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken.
Laut kirchlicher Statistik waren mit Stand 30. April 2025 41,5 % der Einwohner evangelisch.Nordkirche Haushalt Synode 2023, abgerufen am 14. Juli 2025Nordkirche Haushalt Synode 2026 2027 Seite 17, abgerufen am 12. Februar 2026, mit Stand April 2026 gab es minus 3000 Gemeindeglieder im Kreis im Vergleich zum 30. April 2025., abgerufen am 18. Mai 2026
Politik Kreistag Der Kreistag umfasst 61 Sitze und tagt in der Kreisstadt Eutin. Die Kreistagswahl am 14. Mai 2023 führte zu folgenden Ergebnissen:
Ergebnisse vergangener Wahlen zeigt folgende Tabelle:
Partei/Liste Prozent 1998 Prozent 2003 Mandate 2003 Prozent 2008 Mandate 2008 Prozent 2013 Mandate 2013 Prozent 2018 Mandate 2018Prozent 2023Mandate 2023 CDU 39,7 % 52,6 % 28 40,2 % 28 39,8 % 24 37,5 % 23 38,1 % 25 SPD 42,9 % 30,0 % 16 25,8 % 17 30,3 % 18 24,8 % 15 20,6 % 13 Grüne 5,5 % 6,2 % 3 8,5 % 5 12,3 % 7 16,2 % 1016,2 %10 AfD – – – – – – – 6,0 % 48,8 %6 Freie Wähler – – – – – – – 2,7 % 27,6 %5 FDP 4,2 % 5,5 % 2 8,7 % 7 5,5 % 3 7,5 % 47,4 %5dieBasis–––––––––0,9 %1 Einzelbewerber – 0,4 % – – – 0,1 % – – –0,4 %– FWG Ostholstein 4,9 % 5,2 % 2 9,6 % 5 10,3 % 6 4,3 % 3–– Die Linke – – – 5,5 % 3 1,8 % 1 0,6 % ––– ufoh* – – – – – – – 0,4 % ––– DKP – – – – – – – 0,0 % ––– NPD – – – 1,4 % – – – – ––– FBO – – – 0,4 % – – – – ––– OHW 2,8 % – – – – – – – ––– Gesamt 100 % 100 % 51 100 % 65 100 % 59 100 % 61100 %61 Wahlbeteiligung 65,1 % 56,0 % 48,8 % 47,9 % 47,0 %48,8 % * Unabhängig für Ostholstein
mini|Kreisverwaltung in Eutin - Altbau Landrat Seit Juli 2023 ist Timo Gaarz (CDU) Landrat des Kreises Ostholstein. Er wurde im Februar 2023 als Nachfolger von Reinhard Sager gewählt, der nach 22 Jahren im Amt nicht mehr zur Wahl antrat. Kreispräsidentin ist Petra Kirner (CDU).
Wappen 100px|links|Heraldisches Wappen
Blasonierung: „In Blau ein wachsender, silberner zweistöckiger Turm, das untere Stockwerk gemauert, mit rundbogiger Toröffnung und mit Zinnen, das obere glatt, zurückspringend und mit beiderseits ausladenden Zinnen; darüber ein goldenes, gleichschenkliges und geradarmiges Tatzenkreuz, oben besteckt mit einer silbernen, oben und unten von silbernen Perlen eingefassten Bischofsmütze mit goldenen fliegenden Bändern.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]
Flagge mini|Flagge des Kreises Ostholstein
Blasonierung: „Inmitten eines weißen, oben und unten von je einem schmalen roten Streifen begrenzten Feldes das Kreiswappen.“
Sonstiges Direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Bundestagswahlkreis Ostholstein – Stormarn-Nord ist seit 2025 Sebastian Schmidt (CDU). Als weitere Abgeordnete aus Ostholstein zog Bettina Hagedorn (SPD) über den Listenplatz 4 der Landesliste der SPD Schleswig-Holstein in den 21. Deutschen Bundestag ein.
Wirtschaft Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Kreis Ostholstein Platz 306 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „Zukunftsrisiken“.
Die Wirtschaft wird vom Tourismus geprägt, vor allem in den Ostseebädern Heiligenhafen, Grömitz, Scharbeutz, Timmendorfer Strand und der Insel Fehmarn.
Verkehr Die wichtigste Verkehrsachse durch den Kreis Ostholstein ist die Vogelfluglinie zwischen Hamburg und Kopenhagen mit einer Fährverbindung zwischen Puttgarden auf der Insel Fehmarn und Rødby auf der dänischen Insel Lolland. Der deutsche Teil der Vogelfluglinie ist die Bahnstrecke Lübeck–Puttgarden bzw. die Bundesstraße 207 und das nördliche Ende der Bundesautobahn 1.
Mit der Vogelfluglinie verbunden ist auch die politische Diskussion über die geplante Fehmarnbeltquerung zwischen Fehmarn und Lolland, die eine weitere Verbesserung der Verbindungen zwischen der Metropolregion Hamburg und der Öresundregion bewirken soll.
Organisationen Museen Heimatmuseum in Heiligenhafen Museum der Stadt Neustadt in Holstein Museum Cap Arcona in Neustadt in Holstein Ostholstein-Museum in Eutin Wallmuseum Oldenburg in Holstein Ostseeerlebniswelt Fischerei + Meeresmuseum, Ostsee-Aquarium Haus der Natur, Cismar Weiteres Fahrbücherei im Kreis Ostholstein
Gemeinden (Einwohner am ) mini|Grenzstein an der Kreisgrenze bei Wulfsfelde (Gemeinde Pronstorf), Kreis Segeberg. Amtsfreie Gemeinden/Städte 1. Ahrensbök () 2. Bad Schwartau, Stadt () 3. Dahme (Holstein) () 4. Eutin, Stadt () 5. Fehmarn, Stadt () 6. Grömitz () 7. Grube (Holstein) () 8. Heiligenhafen, Stadt () 9. Kellenhusen (Ostsee) () 10. Malente () 11. Neustadt in Holstein, Stadt () 12. Oldenburg in Holstein, Stadt () 13. Ratekau () 14. Scharbeutz () 15. Stockelsdorf () 16. Süsel () 17. Timmendorfer Strand ()
Ämter mit amtsangehörigen Gemeinden (* = Sitz der Amtsverwaltung) 1. Amt Lensahn () Beschendorf () Damlos () Harmsdorf (Ostholstein) () Kabelhorst () Lensahn* () Manhagen () Riepsdorf () 2. Amt Oldenburg-Land ()[Sitz: Oldenburg in Holstein] Göhl (Holstein) () Gremersdorf () Großenbrode () Heringsdorf (Ostholstein) () Neukirchen (Ostholstein) () Wangels () 3. Amt Ostholstein-Mitte () Altenkrempe () Kasseedorf () Schashagen () Schönwalde am Bungsberg* () Sierksdorf ()
Die Gemeinde Bosau ( Einwohner) wird vom Amt Großer Plöner See, Kreis Plön, verwaltet.
Gemeinde- und Ämterkarte 570px|Übersicht
Ehemalige Gemeinden Die folgenden Gemeinden des Kreises Ostholstein wurden während seines Bestehens in andere Gemeinden eingegliedert: GemeindeeingemeindetnachDatum Avendorf auf Fehmarn Landkirchen auf Fehmarn 1. Januar 1978 Bannesdorf auf Fehmarn Fehmarn 1. Januar 2003 Burg auf Fehmarn Fehmarn 1. Januar 2003 Dänschendorf auf Fehmarn Westfehmarn 1. Januar 1978 Gleschendorf Scharbeutz 1. Januar 1974 Haffkrug-Scharbeutz Scharbeutz 1. Januar 1974 Landkirchen auf Fehmarn Fehmarn 1. Januar 2003 Meeschendorf auf Fehmarn Bannesdorf auf Fehmarn 1. Januar 1978 Petersdorf auf Fehmarn Westfehmarn 1. Januar 1978 Westfehmarn Fehmarn 1. Januar 2003
Schutzgebiete Im Landkreis befinden sich 16 ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Februar 2017).
Kfz-Kennzeichen Bei der Bildung des neuen Kreises wurde am 26. April 1970 das Unterscheidungszeichen OH zugeteilt. Es wird bis heute ausgegeben.
Beteiligungen Der Kreis ist Gesellschafter der PD – Berater der öffentlichen Hand.
Literatur
Weblinks
Offizielle Website des Kreises Ostholstein Kursbuch Ostholstein Geschichte | Landschaften | Orte
Einzelnachweise
Ostholstein