mini|Luftbild von Westen (Mai 2012) mini|Blick auf die Stadt über den Husumer Binnenhafen mini|Husumer Binnenhafen am Abend mini|Blick in die Wasserreihe

Husum (nordfriesisch Hüsem) ist Kreisstadt des Kreises Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Theodor Storms Gedicht Die Stadt bescherte Husum den Beinamen „graue Stadt am Meer“.

Geographie Geographische Lage Das Stadtgebiet von Husum erstreckt sich zu beiden Seiten der Husumer Mühlenau. Sie fließt durch das Stadtgebiet von Ost nach West und mündet vorgelagert ins Wattenmeertief der Hever. Im nördlich angrenzenden Außenbereich wurden 1495 zunächst der Porrenkoog (ursprünglich: Nordhusumer Koog) und 1848 der Dockkoog zur Sicherung des Husumer Stadtgebiets eingedeicht. An beiden Kögen fließt die Husumer Mühlenau südlich angrenzend im nordfriesischen Wattenmeerbereich vorbei. Die Husumer Mühlenau wird durch eine Seeschleuse von der Nordsee abgekoppelt, so dass das Wasser im Gezeitengang nur begrenzt ins Stadtgebiet fließen kann.

Die Stadt liegt am Übergang der Naturräume Bredstedt-Husumer Geest in den südwestlich davon beginnenden Landschaftsraum Eiderstedter Marsch. Der nordwestlich gelegene Stadtteil Schobüll befindet sich auf dem hier nach Nordwesten vorrückenden Geestrücken.

Nachbargemeinden

Stadtgliederung Die Volkszählung 1987 registrierte die Einwohnerzahlen auf Basis des folgenden Wohnplatzverzeichnisses. Danach gliederte sich die Stadt wie folgt: Dockkoog Dreimühlen (dänisch: Tremølle) Husum (Kernstadt) Kielsburg (dänisch: Kilsborg) Rödemis (dänisch: Rødemis, nordfriesisch: Rööms; 1938 eingemeindetes Dorf im Süden der Stadt) mit Norderschlag (neues Wohngebiet) und Fischersiedlung Schauendahl (Skovdal)Gerret Liebing Schlaber: Administrative tilhørsforhold mellem Ejderen og Kongeåen indtil 2007. Flensburg 2007, S. 248

Die erst zum 1. Januar 2007 eingemeindete Gemeinde Schobüll gliederte sich im Wohnplatzverzeichnis von 1987 wie folgt: Altendorf Halebüll (dänisch: Halebøl, nordfriesisch: Hälbel) Hockensbüll (dänisch: Hokkensbøl, nordfriesisch: Hukensbel) Hockensbüllfeld Kronenburg Lund Porrenkoog (nordfriesisch: Porekuuch)Nordfriisk Instituut: Nordfriesland Karte. Bräist/Bredstedt 2011 Schobüll (dänisch: Skobøl, nordfriesisch: Schööbel)

Weitere Untergliederungen der Kernstadt Husum sind ebenfalls verbreitet: Altstadt Gewerbegebiet Ost Innenstadt Neustadt (dänisch: Nystaden) Nordhusum (dänisch: Nørre Husum) (historisches, 1929 eingemeindetes Dorf) Osterhusum (dänisch: Øster Husum) (historisches, 1938 eingemeindetes Dorf) Marmeladenviertel (Neubaugebiet von 1984 bis 1992)

Klima Die Sonnenscheindauer liegt im Jahresmittel bei 2317,7 Stunden. Der sonnenreichste Monat ist der Juni mit 308,23 Stunden. Die wenigsten Sonnenstunden hat der Januar mit 78,51 Stunden.

Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 9,5 °C. Der durchschnittlich wärmste Monat ist der Juli mit 17,6 °C, der kälteste der Januar mit 2,0 °C.

Geschichte Anfänge der Besiedlung Auf dem Areal der heutigen Stadt gab es Siedlungsplätze der Vor- und Frühgeschichte. Bei verschiedenen archäologischen Arbeiten – so z. B. bei der Trockenlegung des Osthusumer Mühlenteichs in den Jahren 1866 und 1867, dem Bau der Eisenbahnbrücke über den Hafen im Jahr 1885 und der neuen Schleuse für die Schifffahrt 1902 – traten entsprechende Funde aus der Steinzeit zu Tage.

War in der Vergangenheit der Nachbarort Mildstedt das Zentrum in diesem Gebiet, so wandelte sich nach der Zweiten Marcellusflut die Bedeutung des Ortes: Die als „Grote Mandränke“ bezeichnete Sturmflut zerstörte weite Teile der Küste. Das Land wurde zerrissen, Inseln und der Ort Rungholt versanken, ganze Landstriche wurden dauerhaft unter Wasser gesetzt. Dadurch war Husum fortan eine Hafenstadt. Die Husumer, die nun direkten Zugang zum Meer besaßen, richteten einen Marktplatz ein. Waren konnten direkt aus weit entfernten Orten auf dem Schiffswege angeliefert werden, und es entwickelte sich schon bald ein blühender Markt.

Urbanisierung Es sollte der Anfang vom Aufstieg der heutigen nordfriesischen Kreisstadt sein. Schon im Jahr 1372 hatte Husum an Bevölkerung sehr zugenommen und sich bis 1398 so vergrößert, dass zwei Dörfer daraus entstanden, die bis 1431 die Namen Oster- und Westerhusum führten.

Das beginnende 15. Jahrhundert war durch den Bedeutungszuwachs des städtischen Hafens gekennzeichnet. Dieser resultierte aus einem Streit Dänemarks mit der Hanse. Als zu dieser Zeit die Kriegsschiffe der Hanse mehrmals den Sund für alle Handelsschiffe sperrten, die nicht aus Hansestädten stammten, verfügte der dänische König, dass Waren in Husum angelandet und von dort auf dem Landweg nach Flensburg transportiert werden sollten.

Im Jahr 1409 wurde der Ortsname Husum erstmals erwähnt. Er leitet sich aus dem Wortstamm Hus, was so viel wie Häuser bzw. Siedlung bedeutet, und dem Suffix -um aus dem nordischen „an der Au“ ab.

Im Jahr 1421 erhielt Husum die Gerechtigkeit als Flecken. Durch den Vertrag vom Tage St. Lukas löste man sich 1448 aus dem Kirchspiel Mildstedt. Mit der Einweihung der ersten Kirche 1507 war die Loslösung vollendet. Damals wuchs Husum auf gut 3000 Einwohner und entwickelte sich zu einem wichtigen Hafen- und Marktplatz in Nordfriesland.

In Husum befand sich ab etwa 1440 ein Leprosorium, das als St.-Jürgen-Hospital bekannt war und sich ursprünglich im Nordosten der Stadt, ab 1571 im Osterende befand. Nachfolger des Leprosoriums war das „Gasthaus zum Ritter St. Jürgen“, das heute ein Altersheim ist.Siehe Darstellung der Gesellschaft für Leprakunde unter Dokumentation: Mittelalterliche Leprosorien in Schleswig-Holstein und Hamburg (PDF; 33 MB) und (PDF) (PDF) abgerufen am 8. Dezember 2014

Frühe Neuzeit mini|Grundriss der Stadt und des Schlosses Husum (Johannes Mejer, 1651) Im Jahr 1465 erhielt Husum von Christian I. das Privileg, einen Stadtvogt anzustellen und eigenes Gericht abzuhalten, sowie die Erlaubnis, den Ort mit einer hölzernen Palisade zu befestigen. Schon um 1472 wollten die Husumer Stadtrechte erlangen und beteiligten sich an dem erfolglosen Aufstand gegen König Christian I., der durch dessen Bruder, den Grafen Gerhard VII., Graf von Oldenburg, initiiert worden war. König Christian ließ 1472 den Ort einnehmen. Durch die Fürsprache des Amtmannes von Ahlefeld und des Stallers Tede Feddersen wurde die Zerstörung des Fleckens zwar abgewendet, aber eine harte Brandschatzung, die Entziehung aller Privilegien, die Exekution von rund 70 Bürgern einschließlich der Anführer und die Landverweisung weiterer Bürger vernichtete praktisch den Ort in seiner Blüte. Es wurde eine harte Strafsteuer verhängt, die erst 1878 abgeschafft wurde.

Von 1512 bis 1521 hatte der Walsroder Bildschnitzer Hans Brüggemann seine Werkstatt in Husum und fertigte von hier aus den Bordesholmer Altar sowie den Engel des verlorengegangenen Tabernakels für die alte Husumer Marienkirche. Vertrieben durch die im Norden immer weiter um sich greifende Reformation, ging Brüggemann 1523 zurück in seine Geburtsstadt Walsrode.

Im Jahre 1522, als mit dem Husumer Taler der erste schleswig-holsteinische Taler geprägt wurde, hielt mit den evangelischen Predigten des seit 1514 an der Marienkirche angestellten Predigers Hermann Tast die Reformation Einzug in der Stadt. Sie nahm 1527 offiziell den lutherischen Glauben an. Als eine der ältesten Lateinschulen wurde im selben Jahr die Husumer Gelehrtenschule gegründet, die heutige Hermann-Tast-Schule.

Der ab 1544 in den gottorfschen Anteilen des Herzogtums Schleswig regierende Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf ließ sich ab 1577 als Residenz an der Westküste am Ort eines aufgelassenen Klosters das Schloss vor Husum erbauen.

Am 20. April 1603 wurde dem Ort durch Herzog Johann Adolf das Stadtrecht verliehen.

Die Gründung der benachbarten Stadt Friedrichstadt 1621 wirkte sich auf die wirtschaftliche Entwicklung Husums negativ aus. 1634 zerschlug die Burchardiflut die durch Landwirtschaft reich gewordene Insel Alt-Nordstrand. Husum wurde selbst nicht sehr stark getroffen, aber viele Bauern aus der Umgebung, die regelmäßig zum Markt gekommen waren, verloren ihr Leben, viele Überlebende ihren gesamten Besitz. Der wirtschaftliche Höhenflug war vorerst beendet.

mini|Marienkirche, 1829–1833 im klassizistischen Stil von Dänemarks goldenem Zeitalter nach Entwürfen von Christian Frederik Hansen gebaut mini|Marktplatz mit Rathaus um 1895 mini|Husumer Rathaus auf einem Notgeldschein von 1920

Im dänischen Gesamtstaat

Im Jahre 1807 wurde die im frühen 15. Jahrhundert erbaute alte gotische Marienkirche am Markt wegen Baufälligkeit abgerissen. Die alte Kirche hatte nach vielen Ausbauten allmählich die Größe einer Domkirche mit einem fast 100 m hohen Turm angenommen. Der Abbruch wurde noch im 20. Jahrhundert als einer der größten Verluste in der Architekturgeschichte Schleswig-Holsteins angesehen.Dietrich Ellger in Heinz Rudolf Rosemann (Hrsg.): Niedersachsen, Hansestädte, Schleswig-Holstein, Baudenkmäler. Reclams Kunstführer, Deutschland, Band 5, 4. Auflage, Stuttgart 1971, S. 332 1833 wurde die neue Marienkirche, erbaut im Stil des Klassizismus nach Plänen von Christian Frederik Hansen, eingeweiht.

Während der Deutschen Revolution 1848/49 gab es wie in weiten Teilen Deutschlands auch im dänischen Husum eine vergleichbare Aktion, den „Butterkrieg“: Der Höker H. Petersen in der Krämerstraße hatte alle verfügbare Butter auf dem Markt aufgekauft, um sie nach Helgoland zu schicken. Dadurch wurde sie knapp und teuer. Die Deicharbeiter am neuen Dockkoogdeich gerieten darüber in Wut und griffen das Geschäft an, wobei Nachbarhäuser beschädigt wurden. Erst eine eilig zusammengestellte Bürgerwehr konnte dem Treiben der mehr oder weniger betrunkenen Arbeiter ein Ende setzen und die Männer verhaften. Im Rathaus wurde Strafgericht über sie gehalten.Christiansen, 1913

Im Jahr 1854 erhielt Husum mit der Bahnstrecke Flensburg–Husum–Tönning einen Bahnanschluss.

Zeit der preußischen Provinz Schleswig-Holstein Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg wurde Husum im Jahr 1867 mitsamt den Herzogtümern Schleswig und Holstein Teil der neuen preußischen Provinz Schleswig-Holstein. Die Stadt begann wieder zu wachsen. Dies zeigte sich insbesondere an der Anbindung 1887 an die Marschbahn, durch deren wirtschaftliche Einflussnahme unter anderem einer der größten Viehmärkte Nordeuropas entstand. Dazu erhielt der Nordbahnhof neben dem Bahnbetriebswerk eine große Viehverladeanlage, an der Lebendvieh zu den Schlachthöfen im Süden Schleswig-Holsteins und bis nach Hamburg verladen wurde. 1929 wurden Nordhusum und 1938 Osterhusum sowie Rödemis eingemeindet, allesamt Dorfschaften der Kirchspielslandgemeinde Mildstedt.

Im Jahr 1904 wurde am Ort der ersten Seeschleuse – sie stammte aus dem Jahr 1858 und bestand aus einem Flut- und einem Ebbetor – eine neue Schleuse mit einer Öffnungsbreite von 12,0 m errichtet. Sie besaß zwei Fluttore und ein Ebbetor. mini|Offizielles Plakat zum Husumer Stadtjubiläum 1903, entworfen von Jan Hamkens Ein früher Innovationsschub im Bereich der damals noch nicht so genannten erneuerbaren Energien bildete der Bau eines als Flutkraftwerk bezeichneten Gezeitenkraftwerks durch den Hamburger Ingenieur Emil Pein im Jahr 1912. In den ausgedienten Fischzuchtbecken im Porrenkoog wurde eine Versuchsanlage zur Stromproduktion errichtet.

mini|Eingangsbereich der KZ-Gedenkstätte KZ Husum-Schwesing